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inn-joy @ "Elisabeth" im Colosseum Essen

ElisabethDie Kaiserin ist mit ihrem Hofstaat zurück. Nach einer längeren Abstinenz ist Elisabeth, Kaiserin von Österreich-Ungarn mit ihrer Entourage zurück nach Essen gekehrt, wo sie derzeit Audienzen gewährt. Gemeinsam mit ihr sind auch ihr Mann, Kaiser Franz Josef von Österreich-Ungarn, ihr Sohn, Kronprinz Rudolf und die Schwiegermutter, die Erzherzogin Sophie von Bayern mit dabei. Sie alle berichten von der tragischen Geschichte der Kaiserin im Musical „Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi“. Wir waren für euch vor Ort.

Liebe, Hass, Verrat, Intrigen und vieles mehr

...spielt sich derzeit im Colosseum Theater Essen ab. Hier gastiert die Tournee-Produktion von „Elisabeth“, die sich an der Wiener Bühnenproduktion orientiert. Natürlich basiert auch diese Tournee-Produktion auf den weltbekannten Stücken von Michael Kunze und Sylvester Levy, welches erstmals im September 1992 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde. Wie auch das Original, so orientiert sich die Tour-Produktion an der Lebensgeschichte der österreichisch-ungarischen Kaiserin Elisabeth. Dabei zeigt die Produktion nicht die kitschige Heimatfilmtrilogie, die wir jedes Jahr zu Weihnachten im Fernsehen serviert bekommen, sondern blickt hinter die Fassade und das facettenreiche Leben der Elisabeth.

ElisabethBild2 Denn ganz im Gegenteil zu den drei Filmen mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm war die Kaiserin im wahren Leben geprägt durch ihre ambivalenten Emotionen. Da gab es die fröhlich-naive junge Sisi, die ihrem Vater gerne durch die Welt folgen wollte, die aber schon bald merkte, dass ihre Heimat in den Wäldern und Feldern Bayerns ist. Ebenso gab es die jugendliche Sisi (historisch mit einem „s“), die sehr früh den Kaiser von Österreich kennen und lieben lernte, der aber kaum Chancen am streng nach dem Hofzeremoniell lebenden österreichischen Kaiserhof gegeben wurden, und die durch die kalte und rigide Art der Kaiser-Mutter Sophie gedrillt und erzogen wurde.

Darauf folgend natürlich die rastlose Elisabeth, die – durch Affären ihres Mannes, den frühen Freitod ihres Sohnes und das einsetzende Alter geplagt – sich vom Hof weg auf Reisen nach Griechenland und andere Regionen begab und die alles um sich herum leugnet. Und schlussendlich – und im Musical tonangebend – die Elisabeth, die von einer großen Todessehnsucht getrieben und geplagt wurde. Diese Todessehnsucht wird hier durch ihren späteren Mörder, dem Italiener Luigi Lucheni und durch den Tod in Person dargestellt. 

Die Rolle der Elisabeth wird – wie in den vergangenen Jahren auch – von der talentierten Musicalsängerin Roberta Valentini, die zwar stimmlich nicht ganz an „die“ Elisabeth schlechthin, die Niederländerin Pia Douwes, heran reicht. Doch dafür macht sie mit einer unglaublich guten schauspielerische Leistung die kleinen „Defizite“ wieder wett. Ihr zur Seite steht einer der größten Musicalstars der Gegenwart in der Rolle des Todes. Die Rede ist natürlich – Fans wissen es gleich – von Mark Seibert. Er interpretiert den Tod mit ganz eigener Note. Verglichen mit der ehemaligen Bühnenproduktion und ihrem Star Uwe Kröger, agiert und singt Seibert mindestens auf Augenhöhe. Der heimliche Star der Tournee-Produktion aber ist Kurosch Abbasi als Luigi Lucheni. Mit einem unglaublichen Stimmumfang, einer schauspielerischen Glanzleistung sowie einer herrlich-fiesen und am Rande des Wahnsinns angesiedelten Art, gibt er einen Mörder, dem man den Irrsinn problemlos abkauft. 

ElisabethBild3Im wahrsten Sinne des Wortes „gerahmt“ wird die Inszenierung durch das Bühnenbild von Hans Schavernoch, das bei den regulären Bauten (schon rein kostentechnisch) auf absoluten Minimalismus setzt und stattdessen mit vielen Wandprojektionen (und sogar ein paar Originalaufnahmen des alten Kaisers) arbeitet, (was allerdings von den oberen Rängen nicht ganz so gut wirkt und oftmals unter Spiegelungen leidet) und unglaublich detailverliebten Kostümen von Yan Tax. Die Choreographie von Dennis Callahan orientiert sich zwar am Original, lässt den Darstellern aber auch ausreichend Freiraum zur eigenen Entfaltung. Das Bühnenbild ist ebenfalls in Teilen an der Bühnenfassung angelehnt und bietet beispielsweise die große Brücke, auf der der Tod oder auch Lucheni laufen, und die quer gekippt werden kann. Die Songs wurden ein wenig überarbeitet und angepasst. Im ersten Teil neu dabei ist ein Song, der das Verhältnis zwischen Elisabeth und dem Tod noch besser heraus arbeitet und sich sehr schön in das Gesamtgefüge einbindet. Auch einige Effekte wurden aufgepeppt, wie beispielsweise bei der Hochzeit der Kaiserin, wo beide in Stroboskoplicht vor den Bischof treten. Bei einigen Einfällen, wie beispielsweise einer überdimensionierten Karikatur des österreichischen Zeichners Gerhard Haderer und bei der Aktion, dass Elisabeth und Franz-Jospeh in der Szene vor ihrer Trauung auf den Rücken fallen und dort mit ihren Gewändern eingewickelt werden, sind hingegen nicht sonderlich gelungen und wollen nicht so ganz passen. Insgesamt jedoch ist auch die neue Tourproduktion rundum stimmig und stimmungsvoll ausgefallen.

Fazit: Nach wie vor geht von „Elisabeth“ eine unglaubliche Anziehungskraft aus. Die Tournee-Produktion steht der legendären Bühnenproduktion in nichts nach und glänzt mit ganz eigenen Akzenten. Die schauspielerische Leistung aller Beteiligten bewegt sich auf sehr hohem Niveau. Stimmlich stechen vor allem Mark Seibert und Kurosch Abbasi hervor. Eine absolut sehenswerte Produktion, für die ihr euch schnell Karten sichern solltet!

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Semmel Concerts für die freundliche Unterstützung. 

Bilder: (c) Semmel Concerts, Text: M. Heiland

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