A+ R A-

Suchen

Die Schüler von Winnenden

SchuelervonWinnendenWinnenden. Die Stadt nahe Stuttgart wird für immer verbunden sein mit dem 11. März 2009, dem Tag des Amoklaufs. Das, was für immer unfassbar und unbegreiflich bleiben wird, versuchen in diesem Buch sechs Betroffene zu erzählen. Fünf Jugendliche und eine Lehrerin sprechen zum ersten Mal davon, wie sie den Tag des Amoklaufs erlebten und mit diesen Erinnerungen weiterleben. Gemeinsam mit Daniel Oliver Bachmann schreiben 5 Schülerinnen und Schüler sowie eine Lehrerin über ihre Erlebnisse und Erinnerungen an den Amoklauf. Jennifer Schreiber (16), Steffen Sailer (15), Marie Bader (16), Annabell Schober(11), Pia Sellmaier (8) und die Lehrerin Marie-Luise Braun verlieren am Tag des Amoklaufs an der Albertville-Realschule in Winnenden geliebte Angehörige oder ihre besten Freunde. Noch nie haben Opfer eines Schulmassakers so offen über ihr Schicksal gesprochen - und darüber, was an Schulen und in der Gesellschaft geschehen muss, damit die Wiederholung einer solchen Tat unmöglich wird. * Namen von der Redaktion teilweise geändert.

 

Rezension: Nachdem am 26. April 2002 in Erfurt (Thüringen) der 19-jährige ehemalige Gymnasiast Robert Steinhäuser im Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen und sich selbst erschießt, ist Deutschland schockiert. Eine solche Amoktat hatte es bis zu diesem Zeitpunkt hierzulande nicht gegeben. Nur vier Jahre später erschütterte der nächste „große“ Amoklauf an der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten die bundesdeutsche Bevölkerung. Zwar wurden die Opfer des 18-jährigen Täters, der sich ebenfalls selbst tötet, „nur“ verletzt und nicht ermordet. Doch die Entschlossenheit und die Härte, mit der der Täter vorgeht, übertrifft beinahe noch den Amoklauf von Erfurt. Drei Jahre später, am 11. März 2009, läuft in Winnenden ein 17-jähriger Ex-Schüler der  Albertville – Realschule Amok. Bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei, die auf einem Supermarktparkplatz ihren Höhepunkt findet, wird der Täter von der Polizei erschossen.

All diese Amokläufe stellen nicht nur die Betroffenen, ihre Freunde und Familien und Mitglieder der Schulgemeinschaft vor die Frage des „Warum?“, sondern lässt die Schülerinnen und Schüler mit einer tiefgreifenden Katastrophe in ihrem jungen Leben alleine. Denn selbst mit psychologischer Betreuung und Therapien werden die unfassbaren Bilder der Taten in den Köpfen der Beteiligten für immer eingebrannt sein.

Eine Möglichkeit, mit der Trauer, der Wut und dem Unverständnis ein wenig besser umgehen zu können, ist häufig das Gespräch. Im Zuge des Amoklaufs von Winnenden haben fünf Schülerinnen und Schüler der Realschule sowie eine Lehrerin ihre Erinnerungen an den Amoklauf und ihre Zeit danach (bis ca. Mitte 2011) zusammengefasst.

Was man als Leser zu lesen bekommt, ist überraschenderweise recht sachlich geschrieben. Andererseits sind die Gedanken und Erinnerungen der Schülerinnen und Schüler immer noch geprägt von Ängsten, Sorgen, Nöten und den Auswirkungen, welche das Attentat auf die Schülerinnen und Schüler hatte. Aber auch mit Kritik wird nicht gespart. Die übertriebene und teilweise auch pietätlose Berichterstattung seitens der Medien, das immer wieder neue Aufreißen von Wunden durch Debatten in Folge des Amoklaufs in der Öffentlichkeit und vieles mehr werden ungeschönt angeprangert, was – meiner Meinung nach – auch gut ist. Denn wie „falsch“ und schamlos die Presse reagiert, hat man erst wieder in diesem März gesehen, als der Flugzeugabsturz mit den 16 Schülerinnen und Schülern aus Haltern am See uns alle schockte. Interessant ist auch die Tatsache, dass es die Jugendlichen bis heute sehr stark bewegt, dass sich die Eltern des Täters nie mit einer Entschuldigung an die Öffentlichkeit oder an sie gewandt haben und immer noch uneinsichtig sind, dass sie eine Mitschuld tragen. Auch dieser Aspekt wird thematisiert. Immer mit schwingt auch die Mahnung, stets achtsam im Umgang mit anderen Menschen zu sein und sich selbst zu sensibilisiere, damit ein derartiger Amoklauf verhindert oder die Chance zumindest minimiert wird. (Stichwort: Prävention in der Schule)

Fazit: „Die Schüler von Winnenden“ ist – trotz der Sachlichkeit, mit der das Buch geschrieben wurde - ein schockierendes, aufwühlendes und emotional geladenes Buch, welches auch mit deutlicher Kritik nicht hinterm Berg hält. Wir empfehlen das Buch jedem, der sich mit Amok-Prävention in Schulen beschäftigt, gerne wissen will, wie Opfer von Amokläufen mit ihrem Schicksal um(zu)gehen (lernen) und Jugendliche.

 

Aufgrund der Thematik und aus Pietätsgründen den Opfern von Winnenden gegenüber verzichten wir auf eine Bewertung des Buches, da wir es für unangemessen halten.

 

Die inn-joy Redaktion bedankt sich beim Arena-Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Titel: Die Schüler von Winnenden: Unser Leben nach dem Amolauf

Autor: Daniel Oliver Bachmann

Verlag: Arena

ISBN: 978-3401503455

L. Zimmermann

Impressum - Datenschutz

Copyright 2016 © Inn-Joy.de All Rights Reserved. 

Joomla! © name is used under a limited license from Open Source Matters in the United States and other countries.