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Jay Alexander: Schön ist die Welt | VÖ: 07.04.2017

SchoenistdieWeltDie 50er Jahre: Eine Epoche der Romantik, der Heimatverbundenheit und der großen Gefühle. Und natürlich die Zeit idyllischer Heimatfilme – eine goldene Ära, die Jay Alexander nun in neuem Glanz wieder auferstehen lässt: Unsterbliche Leinwandklassiker wie „Mandolinen im Mondschein“ (1959) oder „Ein Herz voll Musik“ (1955) sind heute der Inbegriff der „guten, alten Zeit“. Einer Blütezeit der deutschen Romantik, in der die Menschen wieder unbeschwert, die Natur noch rein und unberührt, und die Sitten noch geachtet waren. Zeitgeist, der sich auch in der Unterhaltungskultur niedergeschlagen hat. „Ich liebe diese Streifen, in denen der junge, aufstrebende Bursche mit dem frisch polierten Sportwagen in die Berge fährt und seine Liebste sucht, die über Nacht mit dem Förster durchgebrannt ist“, so Jay Alexander mit leuchtenden Augen über die Inspirationen zu seinem neuen Album. „Mit vielen der Lieder auf diesem Album kam ich erstmals durch die Heimat- und Musikfilme aus den 30er bis 50er Jahren in Berührung, die sonntagnachmittags oft im Fernsehen liefen. Doch nicht nur als Kind, sondern auch später als Heranwachsenden haben mich diese sprichwörtlichen Heile Welt-Produktionen fasziniert. Es ist vielleicht auch ein wenig Sehnsucht nach einer Zeit, die ich nie erlebt habe, die mir aber dennoch sehr vertraut scheint. Einen weiteren Einfluss hatten auch Operetten wie `Die lustige Witwe`, `Die Fledermaus` oder `Das Land des Lächelns`, welche ich schon in jungen Jahren singen durfte.“

Mit „Schön Ist Die Welt“ möchte Jay Alexander nun den Charme und das Flair damaliger Zeiten wiederbeleben, um das Publikum vom grauen Alltag dieser schnelllebigen, hektischen, manchmal sorgenvollen Tage abzulenken: „Schön Ist Die Welt“ enthält 18 zeitlose Remakes von Stücken aus ausgesuchten Heimatfilmen und beliebten Operetten verschiedener Jahrzehnte, die der experimentierfreudige Tenor gemeinsam mit dem Stuttgarter Orchester der Kulturen auf moderne, frische Art arrangiert und elegant ins Hier und Jetzt geführt hat. Als besonderen Gast begrüßt Jay Alexander die weltberühmte Sopranistin Marlis Petersen, die nach Engagements an der Wiener Staatsoper, der New Yorker Metropolitan Opera oder der gerade eröffneten Hamburger Elbphilharmonie auf zwei Duetten zu erleben ist.

Rezension: Wenn man die Musik der 1930er bis 1950er Jahre hört, dann wundert man sich. Zum Einen, weil viele Melodien dieser Zeit besonders beschwingt sind. Schaut man sich dann die Zeit an, in der die „Evergreens“ komponiert wurden, so kann man sie als „jetzt erst recht“-Melodien oder „uns geht es wieder gut“ und „wir sind noch da“-Lieder interpretieren. Denn in der Zeit, in der der Zweite Weltkrieg wütete, in der Zeit, in der die Menschen Entbehrungen hinnehmen mussten und in der Zeit, in der die junge Bundesrepublik gerade den Beginn des Wirtschaftswunders erlebte, wurden die Zeilen geschrieben, welche auf der vorliegenden CD „Schön ist die Welt“ von Tenor Jay Alexander zum Besten gegeben werden. Natürlich mit dem ihm eigenen Stil. Doch auch wenn sich die Zeiten geändert haben, sind die Themen über all die Jahre zeitlos geblieben. Daher wirken einige Stücke nach wie vor aktuell und so, wie Jay Alexander sie interpretiert, kauft man es ihm ab, dass er sie so meint, wie er sie singt bzw. sie so fühlt. In jeder Note steckt viel Herzblut. Dies hört man bereits beim Opener, dem titelgebenden „Schön ist die Welt“ heraus. Nach der Operette von Franz Lehar und dem Musik- und Heimatfilm von 1957, der hier gleich Lust auf Mehr macht. Mit der „Toselli-Serenade“, einem Stück, das mit den Tenören Fritz Wunderlich und Rudolf Schock, zwei der größten Tenöre der jungen Bundesrepublik der 1950er Jahre, verbunden wird, geht es weiter. „Frühling in Sorrent“  (unter anderem von Rudi Schuricke), ist der dritte Titel auf der CD. Sehr schön ist hier die Begleitung  des Orchesters der Kulturen und des Kammerchors der Chorgemeinschaft Kai Müller, mit denen Jay Alexander schon häufig musiziert hat. Zeitlos seit 1851 ist die „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jaques Offenbach. Auch diese klingt in der Interpretation von Jay Alexander ein wenig mehr wie ein Stück aus einem Film, als aus einer Oper. Dennoch sehr schön!

Der Walzer „Tanzen möchte’ ich“ ist wohl eines der bekanntesten Stücke aus der Operette die Csárdásfürstin von Emmerich Kálmán. Hier dargeboten mit Marlis Petersen in der Titelrolle. Beide Stimmen harmonieren wunderbar. Hier kann Jay Alexander natürlich sein volles Gesangspotential ausschöpfen. Man merkt ganz klar, dass er ausgebildeter Opernsänger ist. 

Eines der wohl besonders häufig interpretierten Stücke ist „Ich küsse Ihre Hand, Madame“. Erstmals gesungen von Star-Tenor Richard Tauber, entspringt sie dem gleichnamigen deutschen Spielfilm von 1929. Da schmelzen die Frauen nicht umsonst der Reihe nach dahin....

Weiter geht es mit einem der größten Schlager Italiens „Santa Lucia“ aus dem 1956 erschienenen Film „Santa Lucia“ mit Vico Torriani und Eva Kerbler. Dass Jay Alexander in mehreren Sprachen gleichermaßen facettenreich und beeindruckend singen kann, stellt er hier einmal mehr unter Beweis. 

Besonders hervorzuheben sind die Titel „Heut’ ist der schönste Tag“ aus dem Jahre 1936, der von Joseph Schmidt, dem wohl größten jüdisch-deutschen Tenor der Kriegszeit gesungen wurde und von Jay Alexander nicht minder grandios dargeboten wird. Gleiches gilt auch für „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette „Das Land des Lächelns“ aus dem Jahr 1929. 

Tracklist:

01. Schön ist die Welt

02. Toselli-Serenade

03. Frühling in Sorrent

04. Barcarole

05. Tanzen möcht' ich

06. Ich küsse Ihre Hand, Madame

07. Santa Lucia

08. Be My Love

09. Plaisir d'amour 

10. Vergiss mein nicht

11. Eine kleine Frühlingsweise

12. Bella Maria

13. Heut' ist der schönste Tag

14. Du bist schön wie Musik

15. Es gibt eine Zeit

16. Weine nicht, bricht eine schöne Frau Dir das Herz

17. Lippen schweigen

18. Dein ist mein ganzes Herz

Fazit: Mit „Schön ist die Welt“ zeigt Tenor Jay Alexander eine weitere Facette seines unglaublich großen Gesangstalents. Die 18 Stücke auf der CD wurden sorgfältig ausgewählt und kommen ihm natürlich als ausgebildeter Opernsänger stimmlich besonders gelegen. Allen Liedern stülpt er seine ganz persönliche Note über, ohne ihnen damit den „Geist ihrer Zeit“ zu nehmen. Ein wirklich wieder einmal ganz wunderbares Album, auf das sich die Fans vorfreuen dürfen!

10Erste Tour-Termine von Jay Alexander mit dem neuen Album:

21.04. Güglingen, Herzogskelter

23.04. Baden-Baden, Kurhaus

13.05. Freudenstadt, Theater im Kurhaus

14.05. Stuttgart-Fellbach, Schwabenlandhalle

22.06. Karlsruhe, Konzerthaus

Die inn-joy Redaktion vergibt 10 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei MCS Berlin für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

M. Heiland

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