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inn-joy @ "Hans Zimmer Live 2016"

ZimmerBild1Das hätte sich der kleine Hans, geboren 1957 in Frankfurt am Main, in seiner Jugend wohl nie erträumt. Dass gerade er, der keine klassische musikalische Ausbildung an einer Uni absolvierte, der schon früh mit seinem Klavierlehrer in Konflikt geriet, weil er dessen Disziplin hinsichtlich der Grundlagen für einen Pianisten nicht teilt und sowieso ein Freigeist war, eines Tages einer der größten Komponisten für Filmsoundtracks und Musikproduzenten Hollywoods werden sollte, der viele Künstler zu ihren eigenen Werken inspirierte. Doch rückblickend weiß der 59jährige, dass er all das, was er erleben durfte auf seiner „Lebensreise“ in Deutschland, England und den USA nur mithilfe seiner zahlreichen Freunde geschafft und geschaffen hat. Nun tourt er wieder mit eben diesen musikalischen und privaten Freunden, seinem Orchester und Chor durch die unterschiedlichsten Länder der Welt. Wir hatten das Vergnügen, für euch vor Ort sein zu dürfen und berichten euch, wie der „Großmeister des Filmsoundtracks“ live ist.

Als säße man mitten im Film

Der Abend beginnt gleich mit Überraschungen. Zunächst einmal der, dass Hans Zimmer direkt mit als Erster die Bühne betritt. Normalerweise sind es ja die eigentlichen „Stars“, die als Letzte sich vom Catering reißen oder vorher noch ein wenig Zeit für sich benötigen und erst einmal ihre Fans warten lassen. Nicht so Hans Zimmer. Ganz schlicht gekleidet und vollkommen ohne Hollywood-Attitüde und Star-Allüren, begrüßt er das Publikum mit einem kleinen Medley aus den Filmen „Driving Miss Daisy“, „Sherlock Holmes“ und „Madagascar“. Dann die zweite Überraschung an diesem Abend: Hans Zimmer erzählt seine Anekdoten und Geschichten, wie er zu den Soundtracks inspiriert wurde, wie er zum Komponieren eines Soundtracks kam oder was ein Song für ihn bedeutet – bis aus wenige Sätze – in fehlerfreiem Deutsch. Wenn man bedenkt, wie viele Jahre Zimmer nun bereits in den Staaten lebt, ist es doch erstaunlich, wie wenig eingerostet seine Muttersprache ist. Die dritte Überraschung erreicht er, als in zwei Stufen sich die Vorhänge der Bühne heben. Während zunächst nur sein „Inner Circle“ zu sehen ist und man sich als Zuschauer bereits wundert, wo denn Streicher, Bläser und Co sitzen, hebt sich mitten im Song der erste Vorhang. Zum Vorschein kommt der „Rest“ seines Orchesters und wird natürlich gleich vom Publikum frenetisch begrüßt. Nur kurze Zeit später hebt sich ein weiterer Vorhang und rund 25 Sängerinnen und Sänger tauchen wie aus dem Nichts auf. Dieser „Kniff“ wird vom Publikum ebenfalls mit großem Applaus bedacht. Auch die phänomenale Lichtshow weiß zu begeistern.

Es folgen einige seiner bekanntesten und größten Erfolge wie „Crimson Tide“ (In tiefster Gefahr), „Angels & Demons“, „Gladiator“, der von einer wunderbaren Instrumentalistin und Sängerin aus seinem Orchester, von der man erfährt, dass sie zur Hochzeit von Hans Zimmer Blumenmädchen war, zum Besten gegeben wird, der unglaublich intensive Titelsong aus „The Da Vinci Code“, „Lion King“ mit keinem Geringeren als DEM König der Löwen, Lebo M sowie Zoe Mthiyane, die das kleine Medley größtenteils in Swahili sangen und selbstverständlich auch „Fluch der Karibik“ (Pirates of The Caribbean). Bei sämtlichen Stücken sieht man, wie leidenschaftlich die Künstler dabei sind. Gerade Zimmer, musikalisches Multitalent, der an diesem Abend am Klavier, Synthesizer, der Gitarre und Kesselpauke sein ganzes Können unter Beweis stellt, zeigt, wie viel Herzblut in jeder von ihm geschriebenen Note steckt.

Zimmer2Nach einer Pause beginnt der zweite Teil des über zweistündigen Programms mit einem Mini-Intro. Es folgt eine „Programmänderung“. Sichtlich bewegt nimmt Hans Zimmer zum Tod von Prince seine Zuschauer mit zu Prince wohl bekanntestem Stück „Purple Rain“. Dafür wird die Bühne stilecht in lilafarbenes Licht getaucht. Dafür, dass das Stück erst am Nachmittag einstudiert wurde, klingt es sehr gut. Dies honoriert das Publikum mit unzähligen Taschenlampen-Lichtern, die im Rund der Halle erstrahlen. Standing Ovations sowohl für die Ausnahmeerscheinung Prince, als natürlich auch für Hans Zimmer, der so das künstlerische Schaffen einer musikalischen Ikone würdigt, sind ihm gewiss. 

Im Vergleich zum ersten fällt der zweite Teil des Abends ein wenig ab, was man am Applaus und der Begeisterung des Publikums deutlich merkt. Dies liegt in erster Linie an der Auswahl der Soundtracks, die eindeutige Längen haben. Natürlich möchte der „Hardcore-Fan“ die Stücke in voller Länge genießen. Doch gerade bei „The Thin Red Line“ hätte Zimmer den Mut haben sollen, eine „gekürzte Bühnenversion“ zu spielen. Auch die Lichteffekte, die jetzt zum Einsatz kommen, sind einige Male hart an der Schmerzgrenze.

Nach einer mehr als freundlichen Verabschiedung Zimmers, der sein Publikum mit vielen Anekdoten, lustigen Kommentaren und anrührenden Geschichten unterhalten konnte, folgte die obligatorische Zugabe, nach der Zimmer, sein Orchester, die Solisten und der Chor mit Standing Ovations verabschiedet wurden.

Fazit: Wer einmal den Meister des Film-Soundtrack live erleben möchte, was in der Tat ein unvergessliches und unvergleichliches Erlebnis ist, sollte sich beeilen. Denn Hans Zimmer ist nur noch in München und Köln auf deutschem Boden unterwegs. Danach geht es nach Zürich, Graz und Wien.

Weitere Informationen erhaltet ihr unter folgendem Link.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Semmel Concerts für die freundliche Unterstützung.

Fotos: © Semmel Concerts / Pierre Futsch, Text: M. Heiland, C. Thors

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