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Titanfall 2 | Review (Xbox One)

Titanfall2Bild1Noch vor rund anderthalb Jahren war es bei einigen Entwicklern und Publishern in Mode, Shooter ohne Kampagne oder mit einer „Psyeudo“-Kampagne, die eigentlich nur mit Bots bestückt war und dazu diente, ein Vorgeplänkel für den alles bestimmenden Multiplayer zu sein, auf den Markt zu bringen. Doch diese Phase war nur von kurzer Dauer. Mittlerweile haben wohl die meisten Entwicklerstudios dazu gelernt und erkannt, dass eine (gute) Story und eine Kampagne einfach immer noch zu viele Spieler an den Bildschirm fesseln, als dass man sie ganz einfach weglassen könnte. Eines dieser „Streichlisten“-Spiele war vor rund zwei Jahren „Titanfall“ aus dem Hause Respawn Entertainment, das damals exklusiv für die Xbox One erschien. Doch in den zwei Jahren tat sich bei Respawn Entertainment so einiges. Nicht nur, dass der Nachfolger auch für die Playstation 4 erscheint; auch eine „komplette“ Kampagne ist mit am Start. Wir haben uns anhand der Xbox One-Version einen ausführlichen Blick von der Kampagne und dem Multiplayer gemacht und berichten euch, wo „Titanfall 2“ seine Stärken hat, wo aber auch noch einige Schwächen zu finden sind.

Traumberuf Pilot eines Titan

Manche Vorstellungen von Berufen sind Träume, werden aber nie wahr. Andere Vorstellungen von Berufen ergeben sich durch Zufälle, günstige Gelegenheiten oder Beziehungen. Soldat Jack Cooper hegt seit langem den Wunsch, Pilot eines so genannten „Titan“ zu sein. Doch leider sind die Jobs vergeben und wahrscheinlich fehlt ihm auch die nötige Qualifikation, um seinen Traum in die Wirklichkeit umsetzen zu können. Bis dahin muss er als Laufbursche sein Geld verdienen und ist im Militär eine ganz kleine Nummer. Sein Schicksal und das seine Kollegen ändern sich mit einem Mal, als es zu einem Einsatz kommt, bei dem der Captain einer Spezialeinheit mit seinem Mech tödlich verletzt wird. In diesem Moment übergibt der Captain Jack seinen Titan, da er weiß, dass Jack im Inneren der geborene Soldat und Führer eines Titans ist. So kommt Jack unerwartet zu seinem eigenen Titan namens BT-7274.

Bis ihr euren Titan allerdings so richtig steuert, vergeht einige Spielzeit. Denn zunächst einmal macht euch das Spiel mit der Steuerung von Jack Cooper vertraut. Genretypisch lernt ihr zu Springen, zu Rennen, Doppelsprünge auszuführen und – wie einstmals der „Prince of Persia“ – an Wänden entlang zu laufen. Dieses Feature wird – meiner Meinung nach – zu oft gefordert und funktioniert leider nicht immer so leicht, wie es sich anhört. Was folgt, sind viele Versuche, um im richtigen Moment von einer Wand zur anderen zu springen oder mit Doppelsprüngen zusätzlich noch eine größere Distanz zu überwinden. Anderenfalls stürzt Jack in den sicheren Tod. Gott sei Dank beginnt ihr meist an derselben Stelle noch einmal. Diese Wandsprünge hätten die Entwickler auf ein paar Szenen beschränken können. Wie ihr durch die Levelabschnitte laufen müsst, zeigt euch ein „Ghost“, den ihr auf Knopfdruck die Strecke „vorlaufen“ lasst. Habt ihr das Springen einigermaßen hin bekommen, müsst ihr für den Titan mehrere Batterien besorgen, damit es überhaupt los gehen kann. Erst dann, wenn er mit ausreichend „Saft“ versorgt ist, erhebt sich der Titan und ihr dürft in seinem Inneren Platz nehmen. 

Die Story hinter „Titanfall 2“ ist ordentlich, wenn man bedenkt, dass Teil eins noch gänzlich ohne Story auskam. Doch so richtig gelungen ist sie leider nicht. Die Charaktere bleiben eindimensional und Vieles wird nur oberflächlich angerissen. Wenigstens das Verhältnis zwischen dem großen Titan und Jack Cooper wird einigermaßen glaubwürdig umgesetzt. Dies liegt auch daran, dass ihr an einigen Punkten zwischen zwei vorgegebenen Antworten auswählen. Großartige Veränderungen in der Story könnt ihr dadurch nicht erwarten. Aporpos Story: Grob geht es um eine Superwaffe, um die sich die Guten und die Bösen erbitterte Gefechte liefern. Während die Einen den Planeten mit dieser Waffe vernichten wollen, versuchen die Anderen mit all ihren Möglichkeiten zu schützen. So weit, so klischeebeladen. Als Rahmen für die Kampagne trägt der Konflikt allemal. 

Besser gelungen ist das Missionsdesign. Denn in jeder Mission gibt es etwas anderes zu tun. Vor allem in der zweiten Hälfte der Kampagne haben die Entwickler von Respawn Entertainment tolle Einfälle, die wir euch natürlich an dieser Stelle nicht spoilern. Erinnerungen an das gute, alte „Half Life 2“ werden an vielen Stellen mehr als deutlich, was ja kein schlechtes Anzeichen ist. Um jedoch so richtig gefordert zu werden, müsst ihr die Kampagne schon auf schwierig spielen, da es ansonsten recht einfach ist, die Gegner zu besiegen. Auch die Bossgegner sind selten fordernd. Natürlich spielen wir hier kein „Dark Souls III“. Doch manchmal wäre ein wenig Mehr genau richtig gewesen. 

Titanfall2Bild2Besser mit Helm

In Sachen Grafik hinterlässt „Titanfall 2“ einen durchweg guten, wenngleich nicht überragenden Eindruck. Die Levelarchitektur bietet einige nette Hingucker, die Areale sind abwechslungsreich gestaltet, die Texturen weitgehend hoch aufgelöst und das Ganze läuft geschmeidig bei 60 fps. Die Animationen sind hingegen nicht das non plus Ultra und auch die Mimik hätte glaubwürdiger sein können. Hier wäre mehr drin gewesen. Richtig ärgerlich sind die relativ langen Ladezeiten, die immer wieder (auch innerhalb der Level) auftreten. Schön: Nach einem möglichen Ableben von Jack geht es ohne längere Unterbrechung weiter. Was im Test besonders überzeugen konnte, war das Gefühl für Masse und Trägheit. Während Jack zu Fuß unterwegs ist, kann er sich flink wenden und schnell in Deckung gehen. Ist er jedoch mit seinem Titan unterwegs, machen sich die Masse und Trägheit des Titans sehr gut bemerkbar. Das „mitten drin“-Gefühl beginnt allerdings schon in dem Moment, in dem wir als Jack uns den Helm des neuen Piloten überstreifen. Der Eine oder Andere hat sich bestimmt in dem Moment gewünscht, das Ganze in VR zu erleben. Neben der guten Grafik bietet „Titanfall 2“ auch einen sehr gut abgemischten Sound (und vorzügliche Waffensounds), der sämtliche Boxen mit einbezieht und auch den Subwoofer ordentlich arbeiten lässt. Über die Qualität der deutschen Synchronsprecher mag man geteilter Meinung sein. Immerhin sind sie besser, als die Herren (und Dame) von Gears of War 4. 

Und wie schlägt sich der Multiplayer?

Nun könnte man ja fast befürchten, dass Respawn Entertainment mehr auf den Kampagnen-Part fokussiert hat und dadurch den Multiplayer stiefmütterlich behandelt hat. Betrachtet man den Multiplayer unter dem Gesichtspunkt des machbaren Fortschrittes, ist hier eher Stillstand zu erkennen, da der Multiplayer fast 1:1 dem des ersten Teils entspricht. Betrachtet man den Multiplayer jedoch hinsichtlich seiner Stärken, so kann man beruhigt aufatmen, da die hohe Qualität des Debütanten auch in Teil zwei erreicht bzw. erhalten wird. 

Was etwas sauer aufstößt ist, dass zum Beispiel die Titanen nun festen Klassen zugeordnet sind und im wesentlichen die Loadouts widerspiegeln, die ihr in der Kampagne aufsammeln könnt. Eine freie Wahl des Titanen und die freie Kombinierbarkeit seiner Waffen ist im Vergleich zum ersten Teil leider nicht mehr gegeben. Mit 6 Titanen und den ganzen Ausrüstungsmerkmalen könnte es vielleicht auch etwas unübersichtlich sein, lässt sich aber so schwer mutmaßen. Jedoch kann man kleinere Anpassungen vornehmen, so dass sich euer Titan bei einem Notausstieg zum Beispiel selbst zerstört und man so die Gelegenheit bekommt, noch andere Feinde mit in den Tod des Titanen (und ggf. des eigenen) zu reißen. Viele Anpassungen gab es jedoch auch schon bei Titanfall 1, zum Beispiel die Wahl des Titanabwurfs (Teleport oder normaler Titanfall mit Kuppelschild nach der Landung). 

Titanfall2Bild3Wie der Titan lässt sich natürlich ebenfalls der Pilot in gewohnter Call of Duty Manier ausrüsten. Zusätzliche Items werden natürlich durch Erfahrungsaufstiege freigeschaltet. Alternativ gibt es ein Creditsystem, mit dem ihr durch verdiente Siege, Items auch schon vorher freischalten könnt. Dies ist auf jeden Fall eine angenehme Sache, da bei anderen Shootern durchaus schonmal ein Season Pass fällig sein kann, um seine "Wunschwaffen" etwas früher zu erhalten. Neu ist der Greifhaken, den ihr abfeuern könnt, um euch auf höher gelegene Positionen oder freundliche/feindliche Titanen zu ziehen. Im letzteren Fall kann ein toter Winkel nie schaden. Dies verleiht dem ohnehin schon flotten Spiel noch weitere Dynamik.  Eine weitere Innovation ist der Ersatz des Burncard-Systems durch sogenannte Boosts. Diese werden nach einer gewissen Zeitspanne im Spiel aktivierbar und können euch zusätzliche Möglichkeiten bieten euch eurer Feinde zu erwehren. Zum Beispiel durch den Einsatz von Spinnenminen (suchen aktiv nach Gegnern), oder Anti-Personen und Anti-Titanengeschütze, die sich auf der Karte aufstellen lassen. Schade ist, dass man das Aussehen des Piloten zwar hinsichtlich der Tarnung individualisieren kann, aber die Modelle sind den Fähigkeiten (Greifhaken, Stim-Pack, etc.) zugeordnet, da hätte man sich mehr wünschen können.

Die neuen Karten sind gut durchdacht und bieten viele Möglichkeiten, seinem persönlichen Spielstil auszuleben. Es gibt genug freie Plätze, um sich in seinem Titanen zu tummeln, gleichzeitig bietet das Gelände aber auch genug Deckung, um sich als Pilot relativ unbehelligt zu bewegen und den einen oder anderen unvorsichtigen Titanenpiloten ordentlich Lehrgeld bezahlen zu lassen.

Bei den neuen Multiplayer-Modi gibt es nicht allzu viel zu vermelden. Neu ist die „Kopfgeldjagd“. Hier müsst ihr Gegner (auch KI-Soldaten) eliminieren und erhaltet dafür virtuelles Geld. Dieses solltet ihr in spezielle Phasen des Spiels zum "Bankautomaten" bringen, denn wer zuerst die 5000er-Summe erreicht, gewinnt. Mich persönlich hat der Modus an der Stelle etwas genervt. Der eine oder andere Camper sitzt gerne in einer dunkeln Ecke am Bank-Depot und erschießt euch, während ihr einzahlt, dann könnt ihr euch nämlich nicht bewegen und gleichzeitig erhält er die verbliebene Summe, die ihr vorher mühsam zusammen gefraggt habt. Dieser Modus ist etwas leichter, wenn man in einer Party spielt, mit der man sich auch absprechen kann, um solchen Kollegen angemessen Herr zu werden, da die "Bankschalter" nur kurz geöffnet sind. Andere Spielmodi entsprechen dem Vorgänger. Die Veränderungen liegen hier eher im Detail. Persönlich habe ich die klassische Materialschlacht, entspricht dem klassischen Team-Deathmatch, am meisten genossen. Die Spieldynamik ist einfach gelungen.

8Fazit: Auch wenn die Kampagne keine erstklassig erzählte Story bietet und die Charaktere recht oberflächlich gezeichnet sind, macht es Spaß, auch mal bei Titanfall eine Kampagne spielen zu können. Dies liegt in erster Linie an den abwechslungsreichen Missionen. Auch der Multiplayer macht Spaß, bietet aber gewohnte Kost ohne große Fortschritte zu machen. Unterm Strich dennoch ein gut geschnürtes Gesamtpaket, das wir sowohl Einsteigern, als auch Fans des Vorgängers empfehlen können.

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Electronic Arts für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

M. Plischka

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