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Prey | Review (PS4)

PreyBild1Erinnert ihr euch noch an „Prey“, jenen von den Human Head Studios (PC) bzw. Venom Games (Xbox 360) im Auftrag von 3D Realms entwickelter Ego-Shooter, in dem es um den Cherokee-Indianer Tommy geht, der von Aliens entführt und auf deren Raumschiff gegen die Außerirdischen kämpfte? Egal, ob ihr die Frage mit „Ja“ oder mit „Nein“ beantwortet: Das neu erschienene „Prey“ von Arkane und Bethesda hat – außer dem Namen – rein gar nichts mehr mit dem 10 Jahre alten Titel zu tun. Und dennoch haben beide Spiele eine Gemeinsamkeit: Sie überzeugen durch die von ihnen inhaltlich gesetzten Akzente. Ob sich dieses Argument jedoch für einen Kauf trägt, erklären wir euch im Test der PS4-Fassung.

Jenseits von Hektik

„Prey“ ist – im Gegensatz zum damaligen Namensvetter, schon mal kein reiner Ego-Shooter. Stattdessen gesellen sich hier Elemente aus den Genres Rollenspiel und Action-Adventure hinzu. Im Spiel schlüpft ihr wahlweise in die Rolle eines Mannes oder einer Frau. Das Ausehen könnt ihr – im Gegensatz zum Geschlecht – allerdings nicht ändern. Als Morgan Yu ist es eure Aufgabe, die Mondumlaufbahn-Station Talos I zu erkunden, auf der ein außerirdisches Kollektiv namens „Typhon“ erforscht wird. Doch bis es soweit ist, müsst ihr euch erst einmal in ein Training begeben. Wie es sich für SciFi-Adventure Shooter und Rollenspiele gehört, geht bereits in den ersten Spielminuten irgendetwas ordentlich schief, wodurch die scheinbar heile Spielwelt mächtig aus den Fugen gerät. Und dennoch ist Prey – trotz seiner zahlreichen Bedrohungen – alles andere geworden als ein hektischer Shooter. Denn um im Spiel bzw. in der Handlung voranzukommen, müsst ihr häufig eure grauen Zellen anstrengen und auch diverse Frustmomente in Kauf nehmen. Ein wenig schade ist dabei, dass Arkane es nicht schafft, eine packende Story zu entfalten und auch sämtliche Charaktere blass und auswechselbar wirken zu lassen. Da sind Titel wie der PS4-Vorzeige Blockbuster „Horizon: Zero Dawn“ gefühlt Lichtjahre weiter – um im Bild zu bleiben. Dies nimmt dem Spiel etwas an Atmosphäre. Dennoch weiß Prey zu unterhalten. Das liegt vor allem an den vielen Einfällen, die den Titel vom Einheitsbrei manch anderer Mitbewerber angenehm abheben und den zahlreichen Möglichkeiten, die das Spiel euch bietet, um Aufgaben und Herausforderungen anzugehen und zu bewältigen. Hier wird „Open World“ als Gedankte stringent verfolgt. Ebenfalls als gelungen zu bezeichnen ist die Tatsache, dass die Haupt- und Nebenaufgaben abwechslungsreich ausgefallen sind. 

PreyBild2Während ihr also durch die Räume und Flure der Station streift, begegnen euch zahlreiche Aliens, die allesamt über individuelle Stärken und Schwächen verfügen. So gibt es die Mimics, welche das Talent besitzen, sich in Gebrauchsgegenstände zu verwandeln, die Phantoms, die Poltergeister, welche urplötzlich vor euch auftauchen, da sie unsichtbar sind und die so genannten Technopaths. Könnt ihr euch anfangs noch mit einem Schraubschlüssel gegen kleinere Widersacher erwehren, braucht ihr später größere Waffen. Doch leider ist Munition rar gesät. Unterstützt werdet ihr dafür von Neuromods, die Implantate darstellen, die euch in verschiedenen Bereichen in eurer Leistung verbessern. Ähnlichkeiten mit „Bioshock“ sind da nicht zufällig. So verfügt ihr über mehr Ausdauer, könnt Computer besser hacken, Hologramme von euch herstellen, um die Gegner kurzfristig zu irritieren, euch selbst in Gegenstände verwandeln und vieles mehr. Dadurch entstehen taktische Situationen, die ihr clever zu eurem Vorteil nutzen könnt. Die Neuromods können jederzeit gegen andere ausgetauscht werden. Experimentieren ist bei Prey wichtig und überlebensnotwendig. Darüber hinaus solltet, nein, müsst ihr alles, was ihr findet mitnehmen und jeden noch so scheinbar uninteressanten Bereich durchsuchen, da ihr Gegenstände recyceln könnt (um beispielsweise Medikits zu erstellen), Rüstungsteile finden müsst, Energiezellen benötigt und so fort. Mal eben schnell durchrennen ist bei Prey nahezu unmöglich, da ihr so nicht weiterkommen werdet. Last but not least müsst ihr eure Ressourcen ständig im Auge behalten, da eure Kräfte permanent Energie verschlingen. Habt ihr dann in unmittelbarer Kampfsituation nicht ausreichend Energie, könnt ihr den Kampf gleich als verloren abhaken. Allerdings hat auch niemand behauptet, dass Prey ein leichter Weltraumspaziergang ist.

Da wäre noch mehr drin gewesen

Als Sony im vergangenen Jahr seine hardwaretechnisch aufgebohrte PS4 an den Start schickte, hofften Fans in aller Welt, dass sämtliche Spiele die bessere Technik für sich nutzen werden. Im Falle von Prey erkennt man aber nicht sonderlich viel davon. Denn leider kann der Titel nicht mit aktuellen Hochglanzproduktionen grafisch mithalten. Zwar sieht das Spiel durchweg ordentlich aus. Doch wirken die Charaktere eher wie aus einem Comic entsprungen, gibt es immer wieder Probleme beim Nachladen von Texturen, sind die Ladezeiten nicht sonderlich kurz ausgefallen und wirken Mimik und Gestik oft sehr hölzern. Prey ist abermals ein Beispiel dafür, dass viele Entwickler mit der in Deutschland entwickelten „Cry-Engine“ nicht richtig umgehen (können). Hier wird eine Menge Potential liegengelassen. Die Detailarmut bzw. die Monotonie einiger Räume der Raumstation erinnern an frühere „Halo“-Tage auf der Xbox 360, als ebenfalls ein Raum wie der andere aussah. Besser gelungen ist da schon der Soundtrack, der situationsbezogen zum Einsatz kommt. Die Sprachausgabe hingegen ist - in der deutschen Fassung – ein zweischneidiges Schwert. 

8Fazit: Unterm Strich kann „Prey“ durchweg überzeugen. Dies liegt an den zahlreichen Nebenmissionen, die recht unterschiedlich sind, den Herausforderungen, mit seinen Kräften zu haushalten, den interessanten und stellenweise geschickt agierenden Gegnern und den vielen Möglichkeiten, in der Story voranzuschreiten. Für diejenigen unter euch, die sich für ein Spiel Zeit nehmen können und wollen, die keinen grafischen HighEnd-Titel brauchen, um Spaß zu haben und die auch mal Frustmomente ertragen, ist das Spiel durchaus lohnenswert. 

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Bethesda für das zur Verfügung gestellte Testmuster.

M. Plischka

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