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DiRT 4 | Review (Xbox One)

DiRT4Bild1Wer an Rally-Spiele auf den Konsolen denkt, der denkt an „Colin McRae Rally“, wenn er älter als 30 Jahre ist oder „DiRT“, wenn er zur jüngeren Spielergeneration gehört. Denn seit 1998 fesselt die nach dem leider viel zu jung verstorbenen Rally-Idol Colin Mac Rae benannte Rennspiel-Serie Generationen von Spielern vor den Bildschirm. Im Laufe der Jahre wandelte sich die Reihe, doch wichtige Kernelemente blieben enthalten. Nun ist mit „DiRT 4“ der neuste Ableger für Xbox One und PS4 erschienen. Wir durften den Titel für euch ausgiebig testen.

Zwischen den Stühlen?

Rennspielfans teilen sich von Natur aus in zwei Lager auf. Auf der einen Seite stehen die Simulationsfans, denen es nicht realistisch genug sein kann. Sie wollen jede noch so kleine Schraube an ihren virtuellen Fahrzeugen selbst justieren, um mit Lenkrad und Pedalerie bis auf die Hundertstelsekunde neuen Bestzeiten hinterherzujagen. Auf der anderen Seite stehen die Arcade-Fans, die sich weder um manuelles Gangschalten, um Dämpfungen oder um Karosserieschäden scheren und stattdessen einfach nur Gas geben und Spaß haben wollen. Es beiden recht zu machen, ist also die hohe Kunst des Spieldesigns, insofern man sich nicht einer kompletten Rennsimulation oder eines reinrassigen Arcade-Spiels verschrien hat. Doch kann man überhaupt beiden extrem voneinander entfernten Gruppen von Fans vollauf gerecht werden? DiRT 4 versucht es jedenfalls und unterscheidet aus diesem Grund schon gleich zu Beginn des Spiels, noch bevor ihr eine einzige Sekunde hinter eurem virtuellen Lenkrad gesessen habt, zwischen den „Handling-Modellen“ "Gamer" (für Neulinge und Gelegenheits-Rallyefahrer) und "Simulation" (für Experten und „Vielfahrer“). Wer sich nicht entscheiden kann, probiert einfach einen der beiden Modi aus. Im späteren Spielverlauf könnt ihr euch jederzeit wieder umentscheiden. Profis freuen sich über unzählige Einstellungs- und Feinjustierungsmöglichkeiten. 

Bevor ihr euch in die umfangreiche Karriere, Einzelrennen oder den Onlinemodus begebt, könnt ihr euch zuerst mit der interaktiven Fahrschule, der so genannten „DiRT-Akademie“, auseinandersetzen. Hier lernt ihr wichtige Basics und spezielle Manöver, mit denen ihr auf der Strecke und vor allem in Kurven. Dabei entscheidet ihr, ob ihr mit Fahrhilfen oder ohne fahren wollt. Insgesamt stehen euch 27 verschiedene Übungen zur Verfügung. Da die Fahrzeugphysik sehr gut umgesetzt wurde, fährt sich jeder Wagen individuell verschieden und glaubwürdig. Von einem Feature haben sich die Entwickler jedoch verabschiedet: DiRT 4 verfügt nicht mehr über die beliebte Rückspulfunktion. Wer also ins Schlingern gerät und somit seine Zeit versemmelt, der hat einfach Pech. Da DiRT 4 einen guten Spagat zwischen Arcade und Simulation schafft, lässt sich das Spiel nicht nur perfekt mit Lenkrad und Pedalerie, sondern auch mit dem Controller steuern, wenngleich das Spielen mit dem Lenkrad mehr Spaß macht. 

DiRT4Bild2Viel zu erleben

Wichtig ist natürlich auch das Drumherum. Da wäre zunächst der Umfang des Spiels. Der Fuhrpark von DiRT 4 sprengt zwar nicht die Dimensionen eines „Forza 6“ oder „Forza Horizon 3“. Doch mit rund 50 verschiedenen Fahrzeugen bietet euch der Titel für jeden Geschmack etwas. Bei den Kursen gibt es leider gerade einmal fünf Länder, die mit Australien, Spanien, Schweden, den USA und Wales zum Teil auch nicht sonderlich originell sind. Die Vorgänger hatten hier mehr zu bieten. Doch der mitgelieferte Streckeneditor ermöglicht es, die Strecken in vielfacher Weise zu variieren. Leider könnt ihr dann nur Rennen gegen die Zeit fahren. Auf den „normalen“ Strecken stehen euch der „Landrush“, Etappen-Rennen und Rallycross zur Verfügung. Das war’s dann auch schon. Der Vorgänger bot hier doch wesentlich mehr Facettenreichtum. Immerhin machen die Rennen allesamt viel Spaß, da die KI der Mitstreiter durchweg gelungen ist. Denn eure Konkurrenten sind nicht nur stark und stellenweise recht fordernd, sondern macht hin und wieder auch Fehler und wirkt hierdurch glaubwürdiger. Da sich das Wetter auf den Untergrund und somit auch auf das Fahrverhalten der Fahrzeuge auswirkt, muss man immer mit Überraschungen rechnen. Ein weiteres Beispiel ist das Auftreten von Nebelbänken, die während der Etappen schon mal komplett die Sicht nehmen kann. Da ist es gut, wenn der Copilot uns sicher durch das Terrain lotst. 

Apropos Copilot: Im Spiel greift ihr nicht nur auf dessen Fachwissen zurück. Auch ein ganzes Rennteam unterstützt euch mit Ratschlägen und Fachwissen. So müsst ihr euch auch jenseits der Piste um das Renngeschehen kümmern. Da all das jedoch Geld kostet, müsst ihr in der Karriere entsprechende Preisgelder abräumen. Hierdurch wird der Titel recht motivierend. 

Spiel hui – Technik pfui!

Wüsste ich es nicht besser, würde ich nicht bestätigen, dass DiRT 4 auf einer Xbox One läuft. Denn technisch leistet sich das Spiel diverse Schnitzer. Zwar sehen die Fahrzeuge wirklich gut aus und auch die Bildwiederholungsrate bleibt konstant auf hohem Niveau. Dafür müsst ihr allerdings eine stellenweise unansehnliche Kulisse in Kauf nehmen. So wirken die Bäume wie Tapeten, sind die Strecken wenig detailliert ausgestaltet, gibt es wieder einmal nur Pappkameraden als Zuschauer und überall matschige Texturen sowie aufploppende Objekte. Das ist mehr als enttäuschend, da sich der Titel so atmosphärisch eine Menge an Möglichkeiten nimmt. Kleinere Optimierungen wie die Fahrt zum Zeitmesser oder die kleinen Jubelszenen sind nett, reißen aber keine Bäume aus. Besser ist da schon der Sound ausgefallen. Die Motorengeräusche wirken sehr realistisch und auch die Auspuff-Sounds kommen echt daher.

7Fazit: „DiRT 4“ setzt sich bewusst zwischen die Stühle und bietet sowohl Einsteigern als auch Profis viele Stunden Spielspaß. Das optische Drumherum kann hingegen nur bedingt überzeugen. Allerdings gibt es kaum etwas, das DiRT 4 zu einem eigenständigen Spiel macht und Kaufgründe im Gegensatz zum tollen Vorgänger bietet. 

Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Codemasters für das zur Verfügung gestellte Testmuster.

U. Sperling

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