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Sudden Strike 4 | Review (PS4)

SuddenStrike4Bild1Es gab eine Zeit, in der das Weltkriegsszenario im Bereich der Echtzeit-Strategie äußerst beliebt war. Die Älteren unter euch werden sich vermutlich daran erinnern. Vor fast 18 Jahren erschien „Sudden Strike“ und bewies, dass das Genre nicht nur im Kalten Krieg (beim „Ur-Vater“ aller Echtzeit-Strategie-Spiele „Command & Conquer) funktioniert. Doch der große Unterschied zwischen C&C und Sudden Strike war, dass der Titel aus dem Hause CDV aus enorme taktische Komponente setzte. Anstelle von Ressourcen-Management und Basenbau gab Sudden Strike die Einheiten vor und zeigte euch, wie Taktik im Zweiten Weltkrieg funktioniert haben könnte. Nach zwei weiteren Titeln wurde es allerdings lange Zeit ruhig um die Reihe – bis jetzt! Denn nun ist endlich Teil vier erschienen, der zwar nicht als unmittelbarer Nachfolger verstanden werden möchte, im Geiste aber schon in der Reihe mit seinen großen Ahnen steht. Wir durften die PS4-Fassung ausprobieren und erklären euch, ob auch „Sudden Strike 4“ mit dem typischen „Sudden Strike“-Flair, dem taktischen Tiefgang und der intensiven „KI-Betreuung“ daher kommt.

Mikromanagement und das große Ganze

Da ist er also: Der vierte Teil von Sudden Strike. Und wie damals, beim allerersten Titel, geht es auch dieses Mal um historisch tatsächlich geschehene Schlachten des Zweiten Weltkriegs, die hier als Vorlage dienen. Neben einem Multiplayer und verschiedenen Gefechten, steht natürlich die umfangreiche Kampagne im Vordergrund, bei der ihr auf Seiten der Nazis, der Alliierten oder der Sowjets antreten könnt. Unterm Strich bietet das Spiel euch 21 Missionen mit viel Abwechslung und kleinen „Wendungen“.

Um sowohl Einsteigern in die Welt von Sudden Strike, als auch Veteranen etwas bieten zu können, haben die Entwickler dem Spiel verschiedene Schwierigkeitsstufen spendiert. Während die unterste Stufe noch „gut machbar“ ist und ihr mit ein wenig taktischen Überlegungen durch die Karten kommt, wird schon die mittlere Stufe zum taktischen Überlebenskampf. Dies liegt allerdings nicht nur an der fordernden Schwierigkeitsstufe, sondern auch an zwei anderen Faktoren: der schwachen KI und dem Mikromanagement.

SuddenStrike4Bild2Interessanterweise gab es auch schon beim „Urahn“ beide Probleme und beide wurden nicht optimiert. Im Klartext: Häufig rennen eure Einheiten mitten ins Schlachtgetümmel, wenn ihr nicht explizit vorgebt, dass sie sich hinter Hecken, im hohen Gras oder in Häusern verbergen sollen, um vor dem Fein (zumindest vorübergehend) geschützt zu sein. Auch ziehen sie sich nicht zurück, wenn sie merken, dass der Gegner zu stark ist. All das müsst ihr selbst erkennen und managen. Auch wenn die Steuerung mittels Buttons und Steuerrad sehr gut in den Griff zu bekommen ist, nervt das stellenweise fisselige Management jeder einzelnen Einheit (auch bei Gruppierungen muss manchmal ein einzelner Soldat ausgewählt werden, da gerade er in die feindlichen Linien geraten ist und nun vom Sani wieder zusammengeflickt werden muss). Auch funktionieren in der Hitze der Schlacht die Befehle nicht immer sofort. Manchmal kommt es dann nämlich vor (auch das war schon ein Problem des ersten Teils und seiner Nachfolger), dass sich Einheiten aufgrund schlechter Kollisionsabfrage im Wege stehen oder ganz den Weg versperren. Dann müsst ihr wieder „per Hand“ nachhelfen. Das ist schade, da so der Spielfluss ziemlich oft unterbrochen wird. Selbst das Reparieren von Fahrzeugen, das Betanken sowie das Ausrüsten mit neuer Munition muss im Mikromanagement vorgenommen werden. Sonderbar finden wir übrigens, dass deutsche Truppen stellenweise auf Englisch oder Französisch (?) auf eure Befehle reagieren. Daran hätte man sauberer arbeiten können! Um immer ausreichend Nachschub zu haben, spendieren euch die Entwickler nicht nur Versorgungsfahrzeuge, sondern bieten euch zusätzlich die Möglichkeit, auf den großen Karten an diversen Punkten gegnerische Versorgungslager einnehmen zu können. Habt ihr die feindliche Gegenwehr ausgeschaltet, die natürlich etwas dagegen hat, ihre Depots euch zu überlassen, wird eure Fahne gehisst, und der Treibstoff bzw. die Munition sind für euch verfügbar.

Doch auch mit den eben genannten Macken macht der neue Ableger wieder genauso viel Spaß, wie der Vorfahr. Das liegt an bereits erwähnten taktischen Möglichkeiten. So könnt ihr beispielsweise vorsichtig mit den Soldaten die Gegend erkunden, um dann im Anschluss die stärkeren Einheiten ins Feld zu schicken. Oder aber ihr geht mit den Panzern rein, müsst dann allerdings mit einem unmittelbaren Angriff des Feindes rechnen. Egal, für was ihr euch entscheidet: Im Endeffekt haben alle Vorgehensweisen Vor- und Nachteile, laden aber gleichermaßen zum experimentieren ein. Das Ausprobieren wird dann auch vom Spiel belohnt. Am Ende jeder einzelnen Mission erhaltet ihr für euer Vorgehen Sterne, die ihr in neue Fähigkeiten eurer Kommandanten investieren dürft.

Neben den drei Kampagnen gibt es – wie bereits erwähnt – auch noch einzelne Schlachten und den Multiplayer. Leider ist dieser aufgrund des geringen Kartenumfangs fast schon zu vernachlässigen. Doch wer die Reihe kennt, der weiß, dass Sudden Strike noch nie für große Mehrspieler-Schlachten stand. Und noch etwas ist anders: Während ihr in den Kampagnen euch lange Zeit mit verschiedenen Vorgehensweisen auseinander setzt bzw. setzen könnt, geht es im Multiplayer mit Karacho, Volldampf voraus und brachialer Gewalt über die Karten. Denn wer als Erster strategische Punkte innehat, der siegt.

Viel Abwechslung in jeder Hinsicht

Abwechslungsreich sind nicht nur die Missionen, sondern auch die grafische Gestaltung der Karten. Zwar dürft ihr hier keine High-End Grafik erwarten. Doch die Einheiten, die Umgebungen und die Effekte hinterlassen einen guten Eindruck. Sicherheitshalber, um die Grafikengine nicht allzu sehr zu überfordern, könnt ihr ins Spielgeschehen nicht hinein zoomen. Da hier jedoch immer viele Einheiten aufeinandertreffen, wäre dies auch wenig sinnvoll, da so die Übersicht komplett verloren ginge. Beim Sound haben die Entwickler ebenfalls gute Arbeit geleistet. Die Sprecher sind motiviert, die Effekte bieten ein tolles mitten drin Gefühl und die spärlich eingesetzt Musik passt gut zum Geschehen.

8Fazit: Für mich war schon damals Sudden Strike wesentlich spannender, anspruchsvoller und interessanter, als die Mitbewerber. Umso froher bin ich nun, dass „Sudden Strike 4“ da ist und der neue Teil mir ebenso viel Spaß bereiten kann, wie damals beim Vorfahr. Auch wenn der Titel nicht frei von Fehlern ist und das Mikromanagement hin und wieder nerven kann, hatte ich unglaubliche Freude daran, meine taktischen Vorstellungen auszuprobieren. Und zum Ende jeder Mission ist es nach wie vor ungemein befriedigend, wenn sich die taktischen Bemühungen auszahlen und man entsprechend seiner Leistungen honoriert wird.

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Kalypso Media für den zur Verfügung gestellten Review-Key.

U. Sperling

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