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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Holstein-Kaffee

DerNeumuensteranerViele der von uns bislang vorgestellten Kaffeeröstereien sind erst in den vergangenen 10 Jahren entstanden und sind nicht selten noch dabei, sich einen Namen zu machen. Anders sieht das bei „Holstein Kaffee“ aus Neumünster aus. Das Familienunternehmen kann auf eine mittlerweile über 80-Jährige Tradition zurückblicken. Denn seit 1931 existiert die Rösterei, die bis heute viele Kaffeegenießer – nicht nur im hohen Norden Deutschland – mit ihren Kaffees begeistert. Auch wir durften uns ein Bild von „Holstein Kaffee“ machen und erklären euch im Folgenden, ob auch wir begeistert sind und was wir möglicherweise kritisieren.

 

Schaut man sich auf der Webseite von „Holstein Kaffee“ einmal genauer um, so findet man in der Übersicht Informationen zur Geschichte des Unternehmens, recht allgemeine Aussagen zum Thema Rösten, der Shop sowie ebenfalls recht allgemeine Angaben zu den Kaffeeländern und dem Geschmacks- und Röstprofil. Hier ein Beispiel:

„Brasilien: Unser Brasilianischer Kaffee stammt aus den Anbauregionen Sul de Minas und Sao Paulo im Süden des Landes. Sul de Minas und Sao Paulo liegen in einem der traditionsreichsten und besten Anbaugebiete für Kaffee. Diese Kaffees sind berühmt für ihren vollmundigen Geschmack und ihr außergewöhnliches Aroma. Tassenprofil: Vollmundig, nussige Nuance, außergewöhnlich rundes Aroma, Röstgrad: hell“

Leider erhalten wir überhaupt keine Aussagen zu den einzelnen Farben, von denen die Kaffee-Sorten stammen, erfahren nichts über den Anbau, die Nachhaltigkeit und Fairness beim sozialen Engagement und der Bezahlung der Bauern oder auch die Aufbereitung der Kaffeebohnen. Lediglich beim Gelehrten und Neumünsteraner erfährt man etwas mehr. So lesen wir beim Gelehrten, dass die Bohnen von der Plantage Las Chicharras stammen, die im Besitz der NGO E-Café ist, die mit ihrem Engagement Arbeitsplätze und Bildungswege schafft. Unklar bleibt, ob der Kaffee über Direct trade bezogen wird (wie auch bei den übrigen Sorten), oder wie er zur Röster kommt. Bei der Erwähnung von E-Café könnte man auch Aussagen treffen, wie die, dass es sich um eine private, unabhängige, nicht profit orientierte Organisation handelt. Bei all dem bleibt man einfach viel zu oberflächlich, sodass sich der Kunde erst einmal woanders informieren muss. Solche Informationen gehören (wenn sie schon erwähnt und betont werden) direkt in die Beschreibung! Ebenso bleibt unklar, wie es mit „Blends“ oder „Sortenreinen“ ausschaut. 100% Arabica ist absolut nichtssagend, da keine Varietäten etc. angegeben werden. Es ist doch immer wieder schade, dass vor allem Traditionsröstereien sich noch immer mit der vollen Transparenz für den Konsumenten schwer tun. Als Verbraucher erwarte ich im Sinne der „Third Wave Coffee“-Bewegung, dass ich auf den ersten Blick exakt nachvollziehen kann, woher der Kaffee stammt, den ich erwerben möchte.

Dasselbe erwartet uns – oder eben auch nicht – auf den Verpackungen, die recht schlicht gehalten sind. Es gibt nur rudimentäre Aussagen und komischerweise fehlt sogar das Röstdatum. Lediglich das MHD ist aufgedruckt. Was bei den so genannten „Fairtrade“-Kaffees der Begriff genau für Holstein-Kaffee bedeutet, lässt sich nicht erschließen.

Ausgewählte Sorten im Geschmackstest

Für unseren Test hat uns „Holstein-Kaffee“ verschiedene Sorten zur Verfügung gestellt. Die Kaffeebohnen haben wir mit der „Comandante C40 MK3 Nitro Blade“ gemahlen, um ein möglichst authentisches und homogenes Bohnenbild zu haben. Aufgebrüht haben wir die Kaffees im Handfilter Hario V60, in der Stempelkanne, der Soft Brew-Kanne und im Siebträger. Was uns vor allem im Handfilter aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass bei dem Kaffee aus Brasilien und beim „Gelehrten“ (dem „Fair Trade-Kaffee“) das Blooming recht schwach gezeichnet wurde, was doch etwas verwundert. Auch beim Cupping bleiben die Aromen recht flach, obwohl hier von einem „guten“ Körper gesprochen wird. Bei den übrigen von uns getesteten Sorten ist der Geschmack durchaus facettenreich, aber es gibt keine außergewöhnlichen Highlights, die in Erinnerung bleiben, was doch recht schade ist. Es ist ein wenig so, wie bei einem guten Steakhaus, welches es schon seit vielen Jahren gibt. Man geht gerne hin, man speist recht gut, wie man es schon seit vielen Jahren macht. Doch das Interieur ist ein wenig hinter der Zeit geblieben und das Essen könnte mehr Pfiff vertragen. Ähnlich ist es hier. Der Kaffee ist natürlich alles andere als schlecht, bitte nicht falsch verstehen! Doch es fehlt einfach der letzte Kick und das Drumherum, die notwendigen Angaben zu Details und eben die Feinheiten, welche die Konkurrenz dann eben doch zu bieten hat.

Fazit: Geschmacklich sind die von uns getesteten Sorten zwischen interessant und recht abwechslungsreich einzuordnen. Geschmacksexplosionen oder eine sehr komplexe Aromenvielfalt war hingegen nicht gegeben. Was ich persönlich kritisieren muss, ist die nicht immer zufriedenstellende Transparenz. Auch zu „Nachhaltigkeit“ und „Fairness“ lassen sich nur bedingt Informationen einholen, was für den Kunden heutzutage oftmals neben dem Geschmack ebenfalls ein wichtiges Kaufkriterium darstellt.

Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 8 von 10 Punkten

7Fairness und Nachhaltigkeit: 5 von 10 Punkte  

Geschmack: 7-8 von 10 Punkten

Transparenz: 4 von 10 Punkten

 

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Kaffeerösterei „Holstein“ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

 

D. Stappen

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