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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Privatrösterei Vollmer

Vollmer1Um sich heute in der Welt des Kaffees von seinen Mitbewerbern abzuheben, bedarf es mehr, als lediglich „schonend geröstetem Kaffee“ im Portfolio. Ganz im Sinne der „Third Wave Coffee“-Bewegung verlangt der Kunde, genau zu wissen, woher der Kaffee, den er zu kaufen beabsichtigt, stammt, ob die Kaffeebauern gut bezahlt werden, wie es um den Schutz von Natur und Umwelt (Nachhaltigkeit) in den Herkunftsländern bestellt ist und wie die Qualität der Bohnen ist, die in der Trommel des Rösters zu einem einzigartigen Kaffee fertig geröstet werden, um dann vom Konsumenten in der Tasse genossen zu werden. Wenn all diese Punkte stimmen, kann man von einem hochwertigen und nachhaltigen Kaffee sprechen. Ob diese Punkte auch auf den Kaffee der „Privatrösterei Vollmer“ aus Altenberge im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen zutreffen und wie der Kaffee schmeckt, haben wir für euch herausgefunden.

Die „Panini-Bildchen“ der „Kaffeewelten“

Habt ihr früher als Kinder auch Fußballbildchen von Panini gesammelt? Dann erinnert ihr euch bestimmt auch daran, dass die Fußballalben jedes Mal besonders auf Hochglanz poliert waren. Da gab es Informationen zur WM oder EM und jede Menge „glanzvolle“ Bilder. Doch die Spieler als solche blieben ziemlich blass, gab es doch keinerlei Infos zu ihnen. Meistens sahen sie auch recht komisch auf den Fotos aus. Warum ich für den Test über „Vollmer“ diesen Einstieg gewählt habe? Ganz einfach: Hier ist es genau so, wie bei den Panini-Bildchen: Der Star ist das Drumherum und nicht das eigentliche Produkt!

Schaut man sich die Homepage des Unternehmens an, so denkt man: „Wow! Da hat sich aber jemand kreativ ausgetobt!“ Nette Bilder, schöne Texte und eine tolle Web-Präsenz zeichnen die Firmenpräsentation aus. Doch dann schaut man hinter die Fassade des Internetauftritts und ist als Konsument verwirrt und irritiert. Denn dort, wo die Mitbewerber Fakten liefern, gibt es hier ziemlich viel allgemeingültiger Text, ja man möchte fast schon geneigt sein zu sagen „Platzhalter-Text“. Denn die allgemeinen Aussagen kann man so 1:1 für jeden Kaffeeröster bereitstellen. So lobt man sich ob der Transparenz, der Nachhaltigkeit, der Fairness etc. gibt aber überhaupt keine konkreten Beispiele. Da erhält man selbst bei Tchibo mehr Aussagen zum Inhalt. Als Verbraucher finde ich weder auf der Homepage noch – was als Käufer, der das Produkt direkt in Händen hält besonders erschreckend ist – auf der Verpackung grundlegende Informationen. Zwar kann man erkennen, dass es sich um Blends handelt, da das Wort „Mischung“ zu finden ist. Doch alles andere wird verschwiegen. Eine lange Litanei, wie „fair“ der Kaffee gehandelt wird (wobei hier weder steht, ob es sich um „direct trade“ handelt oder sonst etwas), aber keine Infos zu den Herkunftsländern der Kaffees, keine Angaben zu Arabica oder Robusta und den Varietäten, keine Aussagen über die Aufbereitung der Sorten, kein Tassenprofil und – ebenfalls absolut nicht nachzuvollziehen – keine Angabe zum Röstdatum! Lediglich das MHD ist abgedruckt. Kurz gesagt: Transparenz ist hier Fehlanzeige. Lediglich die allgemein gehaltenen Vollmer2Siegel „Fair Trade“ und „Bio“ für Nicht-EU-Landwirtschaft sind zu finden. Diese sagen aber rein gar nichts über die Qualität des Kaffees aus. Die Aussage „Vollmer trägt das Fairtrade-Siegel.

Eine bessere Perspektive für Produzentenfamilien durch existenzsichernde Mindestpreise, medizinische Versorgung und Ausbildung für neue Perspektiven,

Verbot von illegaler Kinderarbeit, umweltschonende Anbauweisen, Erhaltung der Artenvielfalt in den tropischen Regenwäldern“ ist zwar löblich, sagt aber im Sinne der „Third Wave Coffee“- Bewegung auch nichts konkret aus.

Bohnen und Geschmack

Schaut man sich dann die Qualität der Bohnen an, kommt der nächste Schock. Zunächst einmal stellt man fest, dass das Röstbild sehr wenig homogen ist. Auch wurde die Röstung recht dunkel vollzogen. Das Erschreckende ist dann aber das Bohnenbild. Sehr viele Defekte (z.T. nur Schalen, zerbrochene Bohnen, in wenigen Fällen sogar mit Löchern, die auf Insektenbefall schließen lassen), die sonst eher bei Industrieröstern zu finden sind, lassen auf keine allzu hohe Qualität schließen.

Bei der Zubereitung stellte ich beim „Crema“ fest, dass das Blooming sehr schnell vorbei war. Dies lässt darauf schließen, dass der Kaffee nicht allzu frisch ist. Je länger das Blooming, desto frischer der Kaffee. Natürlich gibt das Blooming nichts über die Qualität wieder, lässt aber doch gewisse Rückschlüsse zu. Geschmacklich deuten sich hier kaum feine Aromastrukturen und Nuancen an. Alle drei Mischungen lassen keinerlei „landestypischen“ Akzente anklingen. Da ist es wie bei Tchibo: Eine Melange mit allgemeinen Aromen wie „kräftig“, „würzig“ und „schokoladig“ können erkannt werden. Mehr aber auch nicht.

Fazit: Viel Drumherum, kaum Konkretes für den Kunden, eine schwache Bohnenqualität und ein recht allgemeiner, kaum facettenreicher Geschmack. Sehr schade.

Die inn-joy Redaktion vergibt 4 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 4 von 10 Punkten

4Fairness und Nachhaltigkeit: keine genauen Angaben möglich

Geschmack: 5 von 10 Punkten

Transparenz: keine genauen Angaben möglich

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der „Privatrösterei Vollmer“ für die zur Verfügung gestellten Testmuster.

D. Stappen

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