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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Rösterei Rosendahl

Rosendahl1Auf unserer Kaffeereise durch Deutschland machen wir heute Station in Ratingen. Die Stadt im Kreis Mettmann Regierungsbezirk Düsseldorf liegt im Herzen von NRW. Besonders bekannt ist Ratingen für den Beginn der Industriellen Revolution auf dem europäischen Festland. Mit dem Bau der ersten Fabrik auf dem europäischen Festland durch den Industriellen Johann Gottfried Brügelmann im Jahre 1783 begann der Siegeszug der Industrie.

Doch Ratingen ist nicht nur aus diesem Grund bekannt. Auch die „Rösterei Rosendahl“ ist nicht nur für Ratinger ein Begriff, wurden die Kaffees von Tino Rosendahl doch bereits mehrfach prämiert. Grund genug für uns, den „ausgezeichneten“ Kaffee auch in unserer Rubrik „Kaffeewelten“ vorzustellen.

Tradition trifft Moderne im "Bühnenbild"

Zugegeben: Als ich das erste Mal in Kontakt mit der „Rösterei Rosendahl“ über den Internet-Auftritt kam, hatte ich sofort einen Begriff im Kopf „50er“-Retro Chic. Warum? Ganz einfach: Das Logo der Rösterei, welches einen zwinkernden Mann zeigt, die Schrift und Farben – all das wirkt, wie in den guten, alten Zeiten Sonntag nachmittags zu Kaffee und Kuchen bei Oma. Wer allerdings nun meint, dass es sich bei der „Rösterei Rosendahl“ um eine seit 80 Jahren in Familienbesitz geführte Traditionsrösterei handelt, der irrt sich gewaltig. Denn die Rösterei existiert erst seit 2010. Doch gerade dieser „Retro-Charme“ der Schrift, der Farben und des Logos ist es, was mich persönlich anspricht, da er wunderbare Erinnerungen weckt. Überhaupt ist die Internetpräsenz recht spartanisch, wenn man sie mit anderen Seiten vergleicht. Das muss sich natürlich nicht unbedingt als schlecht erweisen, solange die wesentlichen Informationen für den Konsumenten vorhanden sind.

Schauen wir doch mal, was wir so an Informationen finden. Aha! Einige Auszeichnungen wurden verliehen: „Unsere Liebe zum Kaffee wurde beim deutschen Kaffee- und Espressowettbewerb 2017 wieder mit zwei Goldmedaillen ausgezeichnet! Nicht zuletzt tragen wir den Titel „Gilderöster“, vergeben von der Deutschen Röstergilde für entsprechende fachliche Qualifikation.“ Schön, schön. Ok. Die Tatsache, dass man sich mit dem Titel „Gilderöster“ schmücken darf, ist nett und interessant zu wissen, allerdings werden es doch bei Bestehen der Prüfungen immer mehr Röster und Auszeichnungen einer Gilde sind ja immer mehr was fürs „Lampenkabinett“, also zum Anschauen und Anstrahlen im Gang. Fünf weitere Medaillen von 2012 an dürfen es dann auch sein. 5x Gold und 1x Silber. Mehr, als mancher Sportler bei Olympia holt. Kompliment! Der Text im Wortlaut: „Mit Gold prämiert wurden in den letzten Jahren unsere Espressoröstungen Arabica, Angergold, Flores Bajawa, Yellow Bourbon und Peru Tropical Mountains. Auch unsere klassischen Kaffees Java, La Cascada, Peru Tropical Mountains und der äthiopische Waldkaffee errangen jeweils Gold im Wettbewerb. Die heißgeliebte Angergold-Mischung trägt Silber. Alle Mischungen und sortenreinen Spezialitäten stammen selbstverständlich aus eigener traditioneller Trommelröstung: aromareich und säurearm. Hier finden auch Sie Ihre Lieblingsbohne für zuhause.“ Na das klingt doch schon mal ordentlich...

Weiter geht’s im Text. Aha! Man setzt auf direct trade. Hierzu erfahren wir Folgendes: „Mit Meámbar Direct Trade unterstützen wir den Direkthandel aus Honduras. So bekommen die uns wichtigen Themen Entlohnung, Naturbelassenheit und Nachhaltigkeit größtmögliche Transparenz. Sie sind die Voraussetzungen für den Spitzen-Rohkaffee, den wir einzig beziehen. Von uns dann zu Spitzen-Röstkaffee veredelt hat er es in sich: voll fruchtig-nussig-schokoladiger Genuss. Sie dürfen zwischen Kaffee- und Espressoröstung wählen!“ Dann sind wir doch mal gespannt.

Verpackung, Bohnenbild / Röstbild und Geschmack

Für unseren Test hat uns die „Rösterei Rosendahl“ die Sorten „Honduras“, „Yellow Bourbon“ sowie „Peru Tropical Mountains“ als Kaffee und Espresso zur Verfügung gestellt.

Die Verpackungen (auch hier wieder sehr schön im Retro-Charme gestaltet) enthalten leider – wie bei vielen Mitbewerbern) keine adäquaten Informationen zum Inhalt. Diese muss man sich über die Web-Präsenz besorgen. Für Kunden, die den Kaffee so kaufen wollen, ist das ziemlich schade. Warum ist es nicht möglich, auf die Verpackung zu drucken, woher der Kaffee nun genau stand, ob Robusta oder Arabica (natürlich auch welche Varietäten) zum Einsatz kamen und wie er aufbereitet wurde? All das ist hier nicht zu finden. Immerhin steht das Röstdatum mit auf der Verpackung. Auch das ist – wie unsere verschiedenen Tests bereits hinreichend bewiesen haben – keine Selbstverständlichkeit, gehört aber im Sinne der Transparenz unbedingt mit dazu, um die Frische des Kaffees zu erkennen. Die Verpackungen kommen aromaversiegelt daher. Leider sind sie nicht ohne „Knicken und Knautschen“ vernünftig hinzustellen. Das ist aber ein Problem, welches wir bei vielen Mitbewerbern monieren.

Rosendahl2Womit sich die „Rösterei Rosendahl“ dann wieder rettet, sind die ausführlichen Informationen auf der Homepage. Da wir davon ausgehen, dass potentielle Kunden den Kaffee sowieso vor Ort kaufen oder im Shop die Infos lesen, sind die fehlenden Infos auf der Verpackung nicht schön aber akzeptabel.

Vor dem Test der einzelnen Sorten haben wir natürlich die Bohnen in ein Gefäß geschüttet, um uns ein Bild über die Röstung bzw. die Bohnenqualität zu machen. Was uns begeistert: Die Bohnen sind größtenteils in der Röstfarbe identisch und Defekte sind nur ganz gering vorhanden. Hier erkennt man schnell die hohe Qualität der Bohnen sowie die Tatsache, dass die Bohnen per Hand gepflückt worden sind.

Zubereitet haben wir die Sorten mit der Softbrew-Kanne, dem Hario Handfilter V60, der FrenchPress und dem Siebträger. Vorbereitet / gemahlen wurden die Proben per Hand mit der „Comandante C40 MK3 Nitro Blade“ und maschinell mit der „Sette 270W“.

Der „Peru Tropical Mountains“

Dieser Kaffee stammt aus der Ortschaft José Calves in der Provinz Chanchamayo in Zentralperu. Er wird auf einer Höhe von 1300 bis 1800m angebaut und per Hand gepflückt. Über die Aufbereitung können wir leider nichts sagen. Auch zu den Varietäten gibt es keine Auskunft. Die Plantage mit ihren 640.000qm wird vom Schweizer Thomas Schwegler aus Küsnacht im Kanton Zürich und seiner peruanischen Frau Gisella betrieben. Im subtropischen Regenwald kann der Arabica seine ganze Aromenvielfalt ausbauen. Schwegler arbeitet in Eigenregie. So produziert und exportiert er in Peru, vermarktet und vertreibt seinen Kaffee in der Schweiz. Dadurch, dass er quasi jeden Handgriff überprüft und alles selbst managt, kann er absolute Transparenz im Sinne der „Third Wave Coffee“-Bewegung und faire Arbeitsbedingungen garantieren. Wer weiß, wie schwer es aufgrund der fehlenden Logistik und der Infrastruktur in Peru ist, die gleichbleibend hohe Qualität des Kaffees zu sichern, der kann in etwa nachempfinden, welche Arbeit Thomas Schwegler mit dem Kaffee (zu den umweltbedingten Anforderungen) hat. Umso höher ist das Engagement zu werten.

Unser Eindruck: Als Espresso im Siebträger zubereitet ist überzeugt diese Sorte durch Noten von (Wal)Nuss-Schokolade, eine gewisse Süße, die wiederum an Milchschokolade erinnert und einen Hauch Beeren. Ebenfalls vertreten sind leicht „erdige“ Noten. Die Kaffeesorte ist natürlich etwas filigraner aber dennoch im Handfilter zubereitet kräftig mit einer leichten Würze und einem recht langen Abgang. Beide Varianten sind wirklich gelungen. Röstaromen sind ganz leicht vorhanden, Säure nur ganz wenig.

Der „Yellow Bourbon“

Bei diesem Kaffee handelt es sich um Bohnen aus Brasilien. Diese stammen von der Plantage „Fazenda Rainha“ aus Sao Paulo in Sao Sebastiao da Grama. Angebaut werden die Kaffeebäume in einer Höhe von 1100 bis 1500m. Sie werden manuell geerntet und gewaschen aufbereitet. Das ist insofern interessant, alsdass normalerweise Kaffees dort trocken aufbereitet wird! Die Plantage „Fazenda Rainha“ befindet sich seit fast 120 Jahren im Familienbesitz. Aufgrund der Lage ist eine maschinelle Ernte ausgeschlossen. Durch das Ernten per Hand ist jedoch automatisch eine bessere Qualität garantiert. Die Familie Carvalho Dias legt viel Wert auf soziale und ökologische Aspekte und baut auch andere heimische Pflanzen an, was unter anderem den Aspekt des Schattenspenders berücksichtigt und dafür sorgt, dass die Aromen der Kaffeepflanzen noch differenzierter ausfallen. Die hohe Qualität des Kaffees der „Fazenda Rainha“ erkennt man nicht zuletzt daran, dass der Familienbetrieb in den Jahren 2000, 2001 und 2005 zu den Finalisten des „Cup of Excellence“ gehörte.

Unser Eindruck: Wow! Ein wirklich „kräftiger“ Yellow Bourbon. Der sortenreine Brasilianer begeistert schon beim Öffnen der Verpackung und macht Lust auf die Verkostung. Die milde Säure ist sehr angenehm, die mittlere Textur schön und der lange Abgang überraschend. Mit an Nougat-Schokolade erinnernder „Leitnote“, einem leicht nach Vanille und Zimt schmeckenden, vollen Körper und ganz dezenten Anklängen an Zeder sowie einem langen Abgang, kann der Espresso punkten.

Der „Honduras“

Die Kaffeebohnen dieses Kaffees mittelamerikanischen Kaffees stammen aus Marcala im Department La Paz im Süden des Landes. Die Finca „El Pastal 2“ hat die Bohnen in einer Höhe von mehr als 1500m per Hand gepflückt und gewaschen (fully washed) aufbereitet. Die Farm umfasst ungefähr vier Hektar Land. Die Kaffeepflanzen der Varietäten roter Catuai (hier vorliegend) und Pacas werden von sechs festen Mitarbeitern gepflegt. Zur Erntezeit sind es um die 20 Arbeiter, welche sich auf der Farm tummeln.

Beim „Honduras“ handelt es sich um einen Direktimport. Dadurch, dass keine zusätzlichen Instanzen zwischengeschaltet wurden, kann garantiert werden, dass die Bauern vernünftig bezahlt werden, Nachhaltigkeit geboten wird und Transparenz von der Pflanze bis zur Tasse gewährleistet ist. Was die Qualität auszeichnet ist die Tatsache, dass es sich hierbei um eine SCAA-Beurteilung von über 80 Punkten handelt. Da jeder exportierte Kaffeesack eine entsprechend nummerierte Markierung erhält, kann man die Bohnen bis zur Finca („El Pastal 2“) zurückverfolgen.

Unser Eindruck: Der Kaffee zeichnet sich durch seine interessante Aromen-Kombination aus. Mit Marzipan und Orange hat er etwas von Weihnachten. Nougat ergänzt diesen Eindruck. Da er ein wenig schwerer ist, als florale Kaffees, lässt er sich wunderbar zur kalten Jahreszeit genießen. Als kalten Kaffee im Sommer kann ich ihn mir weniger vorstellen. Auch dieser Kaffee schmeckt sehr gut.

 

Fazit: Qualitativ hochwertig, nachhaltig, fair und lecker - Das ist der Kaffee der Rösterei Rosendahl. Ist zwar kein hochtrabendes Fazit aber umschreibt kurz und knapp, was uns in den Sinn gekommen ist. Wer mehr wissen möchte, liest den Test und nicht nur hier unten das Fazit ;-) 

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 9 von 10 Punkten

9Fairness und Nachhaltigkeit: 8,5 von 10 Punkten

Geschmack: 9 von 10 Punkten

Transparenz: 8,5 von 10 Punkten

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der „Rösterei Rosendahl“ für die zur Verfügung gestellten Testmuster.

D. Stappen

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