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South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe | Review (PS4)

SouthparkBild1Seit rund 20 Jahren gibt es die Cartoon-Serie „South Park“. Die von Trey Parker und Matt Stone entwickelte Serie setzt sich seit Beginn mit extremem Humor, der häufig unterhalb der Gürtellinie angesiedelt ist, mit zum Erscheinen der Folgen aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinander. Im Mittelpunkt der Serie stehen dabei die vier acht- bis zehnjährigen Jungen Stan Marsh, Kyle Broflovski, Eric Cartman und Kenny McCormick. Sie erleben jede Menge skurriler Geschichten und treffen immer wieder auf Prominente, die zu Gast in South Park sind. Viele Charaktere sind im Laufe der Jahre zu einer festen Institution geworden, andere sind gekommen und gegangen. Neben dem ausgeprägten Fäkalhumor und den zahlreichen Kraftausdrücken, ziehen sich diverse „Running Gags“ durch die Reihe, wie das regelmäßige Töten von Kenny innerhalb der ersten Episoden auf die unterschiedlichsten Arten und die Tatsache, dass Kenny in seinem Kapuzenanzug nicht zu verstehen ist. Natürlich gibt es seit Beginn der Serie eine große Merchandise-Maschine, die unter anderem (neben diversen Versoftungen in den 1990er und 2000er Jahren) das Videospiel „Der Stab der Weisheit“ hervorgebracht hat. Nun steht der Nachfolger mit dem Titel „Die rektakuläre Zerreißprobe“ im Handel. Wir haben das Spiel für euch getestet und verraten euch, wie sich der Titel so schlägt und ob er mehr zu bieten hat, als Fäkalhumor.

Rollenspiel light im Superhelden-Genre

Das Spiel beginnt zunächst einmal recht unspektakulär. Ihr erstellt euch aus einer kleinen Auswahl an vorgegebenen Möglichkeiten euren Charakter, einen unbekannten und namenlosen Neuling, der nach South Park, jenes ewig verschneite Städtchen in Colorado, kommt. Dann erzählt euch Cartman, dass er versucht, eine entlaufene Katze wiederzufinden, um die ausgesetzten 100 Dollar Finderlohn einzustreichen. Natürlich tut er das nicht als Cartman, sondern als „The Coon“, einer von ihm erfundenen Superhelden-Figur. Denn anders, als noch im Vorgänger, sind Fantasy-Helden in South Park out und Superhelden up to date. Das Geld, welches Cartman sich natürlich nicht nur erhofft, sondern quasi schon fest eingeplant hat, will er in den Ausbau seines eigenen Franchise refinanzieren, um weitere Superhelden in sein Team aufnehmen zu können. Auch seine Freunde sind dabei als Superhelden unterwegs, wollen jedoch nicht alle mit Cartman gemeinsame Sache machen und so kommt es, dass zwei Superhelden-Lager entstehen, die um die Gunst der Fans buhlen – ähnlich wie bei Marvel und DC. Um bekannt zu werden, muss Cartman sich einen Namen machen und natürlich auch Follower für seine Social Media-Plattformen finden. Ganz wie im wahren Leben...

Klar, dass ihr als neu in die Stadt gezogenes Kind Cartman bei seinem Vorhaben unterstützt. Und so spielt ihr quasi die nächsten Stunden Cartmans Laufburschen, rennt quer durch Southpark und erfüllt jede Menge abgedrehter Aufgaben, die Cartmans Follower-Konto rapide ansteigen lassen sollen. Doch nicht nur das Erfüllen von Aufträgen für Cartman steht im Vordergrund. Auch die rundenbasierten Prügeleien gegen andere Bewohner der Kleinstadt gehören zum Leben eines echten Superhelden dazu. Die Kämpfe laufen – wie einstmals bei Final Fantasy – auf einem vom eigentlichen Geschehen getrennten Bildschirm. Ähnlich wie beim Schach, werden die Charaktere auf Feldern taktisch abgesetzt, damit sie möglichst effizient angreifen können. Da es im Spiel die Möglichkeit gibt, euer Alter Ego aufzuleveln und SouthparkBild2auch neue Teammitglieder zu bekommen, ändern sich die Kämpfe dank individueller Stärken. Dennoch ist der Anspruch hier – verglichen mit „echten“ Rollenspielen - auf allen Schwierigkeitsstufen nicht allzu hoch. Trotzdem müsst ihr bei den Kämpfen aufpassen, wie ihr vorgeht. Denn es müssen sowohl die Reichweite als auch Schaden mit einkalkuliert werden, was durch das Positionieren der Charaktere verändert werden kann. Vorplanen für den nächsten Rundenzug ist also wichtig. Wer den Vorgänger gespielt hat, der erkennt, dass die rundenbasierten Kämpfe dynamischer und durchdachter gestaltet wurden, was dem Spiel zugute kommt. Natürlich stehen bei den Kämpfen auch ganz besondere „Waffen“ im Vordergrund. Dass es dabei in erster Linie um Fürze und Fäkalien geht, ist bei South Park klar. Wer so etwas nicht mag und auch sonst mit dem typischen South Park-Humor nur wenig anfangen kann, der sollte das Spiel links liegen lassen. Derbe Zoten, Fürze als „Waffen“, sexistische, rassistische und diskriminierende Sprüche – alles ist hier im Minutentakt zu finden in akustischer und visueller „Perfektion“. Dennoch kommen hin und wieder auch ein paar gute Gags und Sprüche zum Tragen, was das permanente Fluchen, Meckern und Pupsen ein wenig wett macht.

Was wir im Test richtig schade fanden, ist die Tatsache, dass die beiden Autoren der Serie viel zu wenig aus der Handlung machen. Denn „Die rektakuläre Zerreißprobe“ hat deutliche Längen, führt neue Charaktere viel zu oberflächlich ein und bietet ihnen somit überhaupt keine Chance, sich richtig zu entfalten bzw. dem Spieler, sich auch nur ansatzweise mit ihnen zu identifizieren. Ebenfalls enttäuschend ist die recht sparsame Abwechslung, die der Titel vorweist. Da hatte der Vorgänger – auch in Punkto Setting-Vielfalt – eindeutig mehr zu bieten und konnte seinerzeit besser überraschen. Hier verlassen sich die Entwickler zu sehr auf ihre „Komfortzone“. Hin und wieder gibt es auch einige Rätsel, in denen ihr die Umgebung mit einbeziehen müsst. Doch auch diese setzen Größtenteils nur auf Fürze und wenig auf tolle und niveauvolle Einfälle. Auf Dauer nervt das schon gewaltig.

Grafisch kann der Titel keine Preise einsammeln, bietet aber eine gelungene Umsetzung der Serie. Akustisch bekommt ihr hier dafür die „volle Ladung“ geboten, da hier alle Synchronsprecher der Serie versammelt sind, was dem Spiel natürlich seinen typischen „Serien-Charme“ gibt.

Fazit: Anfangs war ich hellauf begeistert vom neuen Abstecher ins South Park-Universum, was natürlich in erster Linie dem tollen Vorgänger geschuldet war. Doch je länger ich mit Kyle, Kenny, Cartman und Co. mein „Unwesen“ in Southpark trieb, desto überdrüssiger wurde ich ob des stellenweise extrem anstrengenden Humors. Natürlich ist es nach wie vor witzig, wenn die Bande Probleme aufgreift, sich gesellschaftskritisch äußert und mal alles platt macht, was so zum guten gesellschaftlichen 7Ton gehört. Doch in Zeiten, wo einer der größten Elefanten im Porzellanladen die USA regiert, muss man sich schon andere Dinge einfallen lassen, als Fürze und Fäkalhumor. Da hilft es auch nur bedingt, dass die rundenbasierten Kämpfe nun deutlich dynamischer, taktischer und interessanter gestaltet wurden, als im ersten Teil (wenngleich Fans „echter“ Rollenspiele hier stellenweise eher müde gähnen dürften). Denn „Die rektakuläre Zerreißprobe“ scheitert (auf immer noch recht hohem Niveau, wenn man den Humor mal außen vor lässt) nicht nur daran, dass sich das Spiel zwischen die Stühle setzt, sondern vor allem daran, dass die Story nicht den Esprit versprüht, den der Vorgänger uns Spielern noch zu bieten hatte. Daher schafft es der Nachfolger nicht, seinen grandiosen Vorgänger zu übertreffen. Hier wurde gerade storytechnisch eine Menge Potential liegen gelassen. So wirkt das Spiel eher wie eine viel zu lange South Park-Folge, denn wie ein richtiges „vollwertiges“ Spiel. Trotz aller Kritik werden sich Fans über das Spiel freuen.

Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Ubisoft für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

D. Stappen

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