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Assassin's Creed: Origins | Review (Xbox One) mit Xbox One X Update!

AcOriginsBild1Wo haben wir uns mit den Assassinen nicht schon überall herumgetrieben? Wir waren Teil der Kreuzzüge, haben uns im Norden Amerikas als Teil der Indianer-Stämme bewegt, kämpften uns durch die Französische Revolution und zuletzt durch die Industrielle Revolution. Nun also Ägypten. Jene Hochkultur, die noch heute mit dem letzten verbliebenen Weltwunder, den Pyramiden von Gizeh, ihrem viel zu jung verstorbenen Pharao Tutanchamun, den zahlreichen Legenden und Mythen, den Kolossalbauten und unendlichen Geheimnissen, die noch im Wüstensand schlummern, die Menschheit seit Jahrhunderten fasziniert. Was Ubisoft aus dem neuen Setting gemacht hat, inwieweit „Assassin’s Creed: Origins“ noch nach dem altbekannten Muster gestrickt ist, was den Titel von seinen Vorgängern unterscheidet und ob schlussendlich die längere Pause der Reihe gut getan hat – darauf gibt es Antworten in unserem Test der Xbox One-Fassung.

Mein ist die Rache...

Wer sich im Vorfeld bereits mit dem neusten Ableger der Assassinen-Reihe befasst hat, der weiß, dass ihr in diesem Spiel in die Rolle eines der allerersten Assassinen überhaupt schlüpft. Dieser hört auf den Namen Bayek. Von Beruf ist er Medjai, eine Mischung aus Leibwächter, Ordnungshüter und Beschützer der Unterdrückten. Zunächst lebten und arbeiteten die Medjai am Hof des Pharao. Doch im Laufe der Zeit kam es zum Bruch zwischen den „Wächtern“ und dem Herrscher über Ober- und Unterägypten. Von da an verstanden sich die Medjai als Wächter und Beschützer aller Menschen.

Die Geschichte um Bayek beginnt im Jahr 42 v. Chr. Zu dieser Zeit regiert Pharao Ptolemaios XIII über Ägypten. Er befindet sich im Krieg mit der (historisch) letzten Pharaonin Kleopatra, die wiederum ein Verhältnis mit Caesar, dem Kaiser und großen Feldherren der Römer, hat. Inmitten dieses Konflikts werdet ihr quasi im Wüstensand abgesetzt.

Wie schon die Assassinen vor ihm (oder besser in chronologischer Epochenfolge nach ihm) so ist auch Bayek ein Getriebener. Denn das Schicksal meint es ganz besonders hart mit ihm. Warum Bayek auf Rache sinnt, wollen wir natürlich nicht verraten.

Eines können wir jedoch sagen, ohne Story relevante Inhalte preis zu geben: Bayek ist nicht allein auf seiner Reise durch Ägypten. Im späteren Spielverlauf kommen ein Adler – quasi als Späher und „Zielfinder“ (wie aus „Far Cry: Primal“ bekannt) und Aya, eine junge Frau und seine (Lebens-) Gefährtin hinzu. Allerdings könnt ihr Aya nicht – wie Evie Frye in „Syndicate“ – zu jeder beliebigen Zeit innerhalb einer Mission einsetzen. Stattdessen gibt euch das Spiel vor, wann ihr mit Bayek und wann ihr mit Aya spielen müsst.

ACOriginsBild2Achtung hier kommt ein Action-Rollenspiel!

Wie bereits erwähnt, haben die Entwickler bei Ubisoft die Pause genutzt, um einige Neuerungen in den neusten Teil mit einzubringen, ein wenig mit dem Alten abzuschließen und sich somit von den Wurzeln der Serie zu lösen. Zu den größten Veränderungen (neben dem Setting) gehört ganz klar die Abkehr vom reinen Action-Adventure, so wie wir es bislang von der Serie kannten, hin zum Action-Rollenspiel. Denn nun kann Bayek hochgelevelt werden, erhält er neue Fähigkeiten, verbessert seine Waffen über das Crafting und erlernt neue Tricks. Hierfür gibt es einen aus Rollenspielen bekannten „Skilltree“, über dessen „Äste“ ihr neue Fähigkeitspunkte verteilen könnt. So dürft ihr Bayek beispielsweise zum perfekten Schleich-Exprten ausbilden, auf den selbst ein Sam Fisher neidisch wäre, zu einem Fern- und Nahkämpfer oder einem Kämpfer, der von jedem Talent so einiges zu bieten hat. Wie ihr vorgeht, ist euch überlassen. Dabei gibt es auch hier bekannte Elemente, wie das Gegner aus der Luft attackieren, das Verschießen mehrerer Pfeile oder das Verlangsamen der Zeit für einen kurzen Augenblick. So ganz neu erfindet Ubisoft das Rad nun einmal auch in Origins nicht.

Dass ihr Bayek möglichst früh auf eine hohe Stufe leveln solltet, stellt sich spätestens dann als sinnvoll heraus, wenn ihr Siwa, die Heimat des Helden verlassen, und nach Alexandria ziehen wollt. Hier haben nämlich selbst „einfache“ Gegner schon Stufe 9 erreicht. Bossgegner sind da noch höher angesetzt. Darüber hinaus gibt es noch 10 besonders starke Gegner, die eine Art Polizei stellen, und euch nach dem ersten Drittel des Spiels an den Kragen wollen. Diese sind nur mit ganz speziellen Taktiken und dann auch nur sehr spät im Spielverlauf auszuschalten. Dafür hinterlassen sie bei ihrem Ableben stets eine besonders legendäre Waffe. Um also auch nur ansatzweise eine Chance gegen die oft in Scharen antretenden Widersacher zu haben, empfiehlt sich eine entsprechende Kampfstufe (durch das Erfüllen von Nebenaufträgen, das Jagen, Erkunden von Geheimnissen etc.) zu erreichen, oder eine gute Waffe vom ortsansässigen Schmied. Dieser verbessert eure bereits im großen Inventar enthaltenen Waffen auf die aktuelle Stufe, nimmt alte Waffen für kleine Münze entgegen, versorgt euch mit neuen Waffen und füllt Pfeile oder Bomben auf. 

„Schuld“ an diesem „Levelzwang“ sind übrigens die überarbeiteten Kämpfe, die wesentlich dynamischer, fordernder und taktisch geprägter sind, als in sämtlichen Vorgängern der Reihe. Wer da nicht rechtzeitig einen Schlag blockt, ausweicht oder stärkere Gegner aus dem Hinterhalt erledigt, zieht augenblicklich den Kürzeren. Ein bis zwei Treffer eines stärkeren Gegners sorgen dafür, dass der Spieltod eintritt.

Damit die Kämpfe nicht einfach aneinandergereiht wirken, hat Ubisoft viele Haupt- und Nebenquests eingebaut, die allesamt sehr abwechslungsreich, interessant und neugierig machend ausfallen. Häufig sind sie im Stil von „The Witcher 3“ erzählt, bringen uns also vor moralische Entscheidungen und bieten auch schon mal den einen oder anderen dumpfen Schlag in die Magengegend. Selten haben wir mit NPCs in der letzten Zeit derart mitgefühlt, wie hier.

Apropos Nebentätigkeiten: War Ubisoft mit seinen bisherigen Assassin’s Creed- und Far Cry-Titeln dafür bekannt, euch auf einer Weltkarte mit Aufgaben zuzuschütten, Türme erklettern zu lassen, um Gebiete freizugeben und Ressourcen bis zum Abwinken aufsammeln zu lassen, haben die Entwickler für „Origins“ das Ganze auf ein absolut vertretbares und verträgliches Minimum zu reduzieren. Diese „Entschlackungskur“ tut dem Spiel absolut gut. So werden Türme im neusten Ableger nicht erklommen, um Gegenden freizuschalten (dies erledigt ihr durch einfaches Hindurchmarschieren), sondern, um die typische Schnellreisefunktion zu ermöglichen. Um sich die Zeit zu vertreiben, kann Bayek dieses Mal jede Menge Dinge unternehmen. Eines der Highlights ist zweifelsfrei die Option, im Hippodrom von Alexandria Wagenrennen fahren zu können. 

Was und weniger gefallen hat, ist die Tatsache, dass Ubisoft auch hier auf Mikrotransaktionen setzt. Diese sind natürlich kein Zwang, haben aber schon einen unangenehmen Beigeschmack, da Ubisoft so noch mehr Geld vom Spieler fordert. Bei einem Spiel, was rund 60 Euro kostet (diverse DLCs natürlich noch nicht mit eingerechnet) ist das schon eine Frechheit, gehört aber leider schon fast dazu.

Wunderschönes Ägypten

Ein weiterer Punkt, den Ubisoft mit dem neuen „Assassin's Creed: Origins“ verbessern wollte, war die Grafik der Reihe. Diese war ja bekanntlich recht angestaubt. Ruckler, Fade-ins, Pop-ups, steife Animationen – all das zeichnete die vergangenen Teile immer wieder aus. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie Ubisoft diese Probleme in den Griff bekommen will. Sollte es eine ganz neue Grafikengine richten? Würde man die Konsolenpower anders nutzen? All das galt es zu klären. Vorweg können wir schon mal sagen, dass das Alte Ägypten wirklich schick ist und der neue Teil vor Details überbordet. Das beginnt jedoch erst in dem Moment, in dem ihr eurem Heimatdorf Siwa den Rücken gekehrt habt und die Metropole Alexandria betretet. Unglaublich, was Ubisoft hier optisch raushaut! Allerdings wird auch dieser Ableger auf der Xbox One von einigen Schwächen getrübt. So kam es während unserer Test-Sessions einige Male vor, dass das Spiel einfror, dass es zu sichtbaren Fade-ins und Pop-ups kam und auch kleinere Ruckler das Geschehen trübten. Die Haare der Figuren sehen nach wie vor unnatürlich aus und einige NPCs wirken regelrecht hässlich. Ehrlich gesagt habe ich mich bei einigen Kollegen der schreibenden Zunft darüber gewundert, dass derartige Probleme und technischen Unzulänglichkeiten unter den Teppich gekehrt und überhaupt nicht erwähnt wurden. Denn auch „Origins“ ist alles andere als frei von grafischen Defiziten. Auch bei der Vertonung gibt es Licht und Schattenseiten. Hier hat Ubisoft die Reihe zwar ein wenig weiter entwickelt, aber nicht wirklich revolutioniert. So sprechen die Bewohner von Alexandria beispielsweise allesamt Altgriechisch, doch die Sätze wiederholen sich recht schnell. Mancher Nebencharakter dreht stellenweise derart dramatisch auf, dass es nicht immer zum gesprochenen Text passt und auch bei den Hauptfiguren gibt es bessere und schwächere Synchronisationen. Immerhin: Held Bayek gibt nicht - wie frühere Assassinen - bei jedem Sprung Laute von sich, als würde er gerade Hanteln stemmen, die ihm eindeutig zu schwer sind. 

Update zur Xbox One X-Fassung: Mittlerweile hatten wir die Möglichkeit, den Titel auch ausgiebig auf der neuen Xbox One X zu testen. Der Unterschied zur Xbox One ist deutlich. So gibt es kaum noch die grafischen Mängel der „normalen“ Xbox One-Fassung zu sehen, die Ladezeiten wurden reduziert, die Weitsicht verbessert, die Texturen sehen deutlich schärfer aus und in 4K hat man beinahe das Gefühl, ein anderes Spiel zu spielen. Nicht nur die Städte, wie das unglaublich malerische und beeindruckens inszenierte Memphis, sondern auch die kleinen Ortschaften, die Wüstengebiete - ja jede noch so kleine Region - profitieren vom grafischen Update. Falls es euch irgendwie möglich ist, raten wir (wenn es euch auf die Grafik ankommt) zur Xbox One X-Fassung. Inhaltlich bleibt natürlich auch in dieser Fassung alles beim alten.

Fazit: Mit „Assassin's Creed: Origins“ ist Ubisoft in großen Teilen der ersehnte Neuanfang gelungen. So machen die fordernden Kämpfe mehr Spaß, als früher, wissen die Rollenspiel-Elemente zu gefallen, kann die Story begeistern, sind die Nebenquests viel abwechslungsreicher und interessanter gestaltet, kommt die Karte 9entschlackter daher und wirkt das Spiel im neuen Setting aufregender und insgesamt noch mehr, wie aus einem Guss. Dass man sich nicht gänzlich von seinen Wurzeln entfernt, ist dabei zu verschmerzen. Grafisch und in Sachen Vertonung wäre mehr möglich gewesen. Während Letzteres nicht mehr verbessert werden kann, dürfen künftige Besitzer von Microsofts Xbox One X sich über eine deutlich bessere Grafik freuen. Mehr dazu von uns in Kürze. Unterm Strich können wir jedem, der Action-Rollenspiele mag und sich wieder mit der Reihe versöhnen möchte, den Titel empfehlen.

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Ubisoft für das zur Verfügung gestellte Rezensionsmuster.

U. Sperling

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