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Need for Speed: Payback | Review (Xbox One)

NeedforSpeedPaybackBild1Als Electronic Arts Mitte der 1990er Jahre seinen Titel „Need for Speed“ veröffentlichte, schuf der Konzern damit ein neues Genre. Denn das „Cops vs. Racer“-Genre war damals noch unbekannt. Mit realen Fahrzeugen und Concept-Cars lieferte man sich packende Rennen gegen die immer stärker werdenden Gesetzeshüter. In den Folgejahren konnte das Prinzip weiter optimiert werden. Doch irgendwann entschied man sich, die „Gewinner“-Formel zu verändern und begann, die Reihe diversen Veränderungen zu unterziehen. Prinzipiell keine schlechte Idee. Doch was davon – abgesehen von „Underground“, wo das Tunen der Fahrzeuge im Vordergrund steht – unterm Strich übrig blieb und noch an den Geist der Serie erinnert, ist ziemlich wenig Gehalt und noch weniger Spielspaß.

Zu sehr verlor man sich in belanglosen Aufgaben, versuchte krampfhaft Coolness zu inszenieren und ging halbherzig neuen Impulsen nach. Die „Krönung“ dieser „Neuinterpretationen“ war dann der letzte Titel, der vor allem durch seine furchtbaren auf jugendlich machenden Charakterzeichnungen auch die letzten Fans vergraulte. Mit „Need for Speed: Payback“ versprachen dann Electronic Arts und Ghost Games Besserung. Mit einer hollywoodreifen Inszenierung im Stile von „Fast & Furious“ und einer abgedrehten aber dennoch unterhaltsamen Story sowie einer großen Missionsvielfalt, wollte man sich bei den Spielern quasi für den Vorgänger entschuldigen. Ob der Plan aufgeht, erklären wir euch anhand der Xbox One-Version.

Schrott-Alarm in Fortune Valley

Wer sich mit diversen Previews befasst hat, der weiß, dass es euch in „Payback“ in die frei erfundene Metropole Fortune Valley verschlägt. Diese erinnert an das Spielerparadies Las Vegas, sieht allerdings nicht einmal ansatzweise so spektakulär aus, wie die echte Zocker-Hauptstadt. Im Spiel schlüpft ihr in die Haut des jungen Rennfahrers Tyler Morgan. Dieser zieht mit seinen Freunden als Crew durch die City und nimmt an Rennen teil. Dabei verfügt jedes Crewmitglied über individuelle Stärken wie Driften, Stunts und Rennen. Zu Beginn schlüpft ihr wechselnd in die verschiedenen Charaktere der Freunde, um euch mit der Steuerung der Boliden vertraut zu machen. Doch es kommt, wie es kommen muss: Nach wenigen Spielminuten werdet ihr von einer Gegenspielerin (die eigentlich eure Mitstreiterin war) gelinkt und von eurem Team getrennt. Warum dies so ist, und ob ihr wieder ein Team werdet, wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Die Geschichte ist – im Vergleich zum Vorgänger – nicht mehr ganz so peinlich, dafür aber umso dicker aufgetragen. Damit steht man ganz klar im Geiste der „Fast & Furious“-Geschichten, die ja auch nicht gerade bekannt für ihren hohen Realitätsgrad sind. Auch wenn hier nicht permanent euer Smartphone nervt und ihr mitten in der Mission durch Anrufe aus der Handlung herausgerissen werdet, so ist es ziemlich anstrengend, dass alle paar Minuten die Handlung durch Storysequenzen unterbrochen wird zumal ihr keinerlei Einfluss auf das Geschehen habt und somit zum passiven Zuschauen degradiert werdet.

NeedforSpeedPaybackBild2Action am laufenden Band

Dafür sind die Missionen abwechslungsreicher gehalten und organischer in die Story integriert worden. Leider kommen die packenden Duelle mit den Cops eher am Rande vor und sind nicht mehr so spannend, wie früher. Man muss sich als Fan der allerersten Spiele wohl ein für alle mal damit abfinden, dass die Seele der Reihe aufgegeben wurde. Was der Entfaltung der Action jedoch im Wege steht, ist der krampfhafte Zwang, die Rennen gewinnen zu müssen. Vor allem die KI macht dies zu besonders nervtötenden Herausforderungen. Denn jeder kleinste Fahrfehler wird gnadenlos bestraft. Wer auch nur einmal zu hart in die Eisen steigt oder zu schwammig die Kurve nimmt, wird überholt und kann seine Chancen auf einen Sieg begraben. So kommt (vor allem bei Einsteigern und Gelegenheitsfahrern) schnell Frust auf. Auch die Drift-Events machen nur bedingt Spaß und wirken stellenweise recht aufgesetzt.

Des Weiteren enttäuscht der Titel beim Aufkommen von Gegenverkehr und Bevölkerung. Denn leider gibt es zu wenig Verkehr auf den Straßen von Fortun Valley und Fußgänger sucht man vergebens. So wirkt die Stadt wieder einmal wie eine statische Kulisse, die dazu noch recht lieblos inszeniert wurde. Selbst auf der „Powerkonsole“, der Xbox One X, kämpft der Titel mit Fade-ins, Pop-Outs, kleineren Framerate-Einbrüchen und diversen schlecht aufgelösten Texturen. So etwas darf nicht sein!

Blöde Lootboxen und seltsames Tuning

Was uns beim Testen so richtig auf den Zeiger ging, waren die „Tuning“-Optionen und die – wieder einmal in einem Spiel zu findenden – Lootboxen, die ja aktuell schwer in der Kritik stehen.

Wer ist wohl bei den Verantwortlichen von Ghost Games auf die blöde Idee gekommen, das klassische Tunen gegen das Sammeln von Speedcards einzutauschen? Sind wir hier bei „Gwent“ oder was? Um eure Fahrzeuge aufzurüsten, müsst ihr euch neue Karten beim Händler kaufen oder durch Rennen gewinnen. Mit diesen Karten könnt ihr die Bereiche in den sechs Kategorien „Getriebe“, „Auspuff“, „Kopf“, „Steuergerät“, „Block“ und „Turbo“ variieren. So verändert ihr die PS Stärke, modifiziert die Bremsen oder pimpt den Nitro. Besonders spaßig ist das nicht. Die Lootboxen gibt es in den beiden Varianten „Basis“ und „Premium“. Diese erinnern an die Boxen aus „Forza Motorsport 7“ und können über die Ingame-Währung oder Echtgeld erkauft werden. Auch wenn es kein Zwang ist, diese Boxen zu erwerben, stellt sich die Frage, warum immer mehr Entwickler sich die Kosten zur Herstellung ihrer Spiele durch solche „Verfahren“ zusätzlich refinanzieren lassen.

Gemeinschaftsfahrten

Wem die Kampagne auf Dauer zu langweilig ist, oder wer gerne mit Freunden zusammenspielt, der kann sich im Multiplayer austoben. Hier fahrt ihr in Speedlists. Vorab wählt ihr dann ein Auto und fahrt in festgesetzten Events gegen gleichstarke Gegner. Auch hier gibt es Boni wie XP-Punkte, Karten oder Kohle. Leider wirken die Partien nicht so spannend, wie man es sich erhoffen könnte.

6Fazit: Es hätte so schön werden können. Die „over the top“-Inszenierung ist eigentlich eine witzige Idee, wird jedoch nur halbgar umgesetzt. Die Spielwelt ist eher Statist als Mittelpunkt des Geschehens. Die dauernden Unterbrechungen für Storyevents sind anstrengend, das krampfhafte als Gewinner über die Ziellinie fahren müssen wird durch die KI zum Frustfaktor, die grafischen Probleme, die zeigen, dass Ghost Games die Frostbite Engine nicht zu 100% im Griff hat und andere Probleme lassen auch „Need for Speed: Payback“ in der Mittelmäßigkeit versinken. Hier wurde leider erneut enorm viel Potential verschenkt.

Die inn-joy Redaktion vergibt 6 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Electronic Arts für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

L. Zimmermann

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