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Menue-Karussell 2019 im "Unverhofft" Gelsenkirchen

UNVERHOFFT aussenDas Menue-Karussell ist alljährlich für Gastronomen aus der Region wie eine Art Schaufenster, in dem sie sich, ihr Team und natürlich ihre eigenen Kreationen – und somit das, was sie auszeichnet – einem interessierten Publikum präsentieren können. Die meisten Gastronomen sind dabei seit etlichen Jahren fester Bestandteil des Karussells. Wenn dann mal ein neues Haus dabei ist, wird man natürlich neugierig. Besonders spannend wird es aber erst, wenn - wie im Fall des Restaurants „Unverhofft“ im Golfclub Haus Leythe - ein Teilnehmer des Menue-Karussells sein Haus unter neuem Namen, mit einer neuen Einrichtung und einem neuen Team eröffnet. Inhaber und Chefkoch Patrick Hoff ist mit seinem „Unverhofft“ All-in gegangen. Zwar ist er in der Szene bekannt, doch mit der Übernahme des Restaurants von der Vorbesitzerin, war es natürlich eine besondere Herausforderung, dem Ganzen seinen eigenen, unverkennbaren Stempel aufzudrücken. Daher war es für uns eine besondere Freude, dass wir im Rahmen des Menue-Karussells zu Gast sein durften. Wie Patrick Hoff dem ehemaligen „Nixon“ seine Handschrift mitgegeben hat und was ihr vom „Unverhofft“ erwarten dürft, verraten wir euch im Folgenden.

Mitten im Buerschen Grüngürtel

Seien wir doch mal ehrlich: Viele von uns haben, wenn sie „Golfclub“ lesen, doch gewisse Vorurteile: Da finden sich der Herr Chefarzt, diverse Promis und andere „hohe Tiere“ ein. Da parkt der Maserati neben dem Bentley und als „normaler Sterblicher“ hat man es schwer, überhaupt dort hin zu gelangen. Wenn dann ein neues Restaurant eröffnet, muss man mit Sicherheit in feinstem Zwirn auftreten, um nicht gleich die Lokalität rückwärts wieder verlassen zu müssen...

Doch das „Unverhofft“ räumt schnell mit diesem Vorurteil auf. Zwar kann es zu gewissen Zeiten vorkommen, dass sich hier einige „Promis“ die Klinke in die Hand geben (vor allem Fans des S04 treffen hier so manche „Vereinslegende“). Darüber hinaus wirkt hier nichts wie ein elitärer Club. Ganz im Gegenteil: Im ganzen Club-Bereich sowie im Restaurant herrscht eine angenehme, ja entspannte Atmosphäre, in welcher man sich als Gast schnell heimisch und wohl fühlt. Mein erster Gedanke „Gelsenkirchener Barock trifft Moderne“. Wo hat man es schon gesehen, dass Tische auf schlichten Teppichen stehen, während wuchtige Holzschränke die Wandseite zieren und gleichzeitig zeitgenössische Bilder den Raum mitprägen? Kein überbordender Schnickschnack, kein Chichi - alles ehrlich, bodenständig und doch mit einem gewissen Charme. Die Ehrlichkeit und Bodenständigkeit sollten sich auch durch den gesamten Abend ziehen. Doch dazu später mehr.

Bevor wir Platz nehmen konnten, wurden wir vom sehr zuvorkommenden und freundlichen Service in Empfang genommen. Im Anschluss ging es durch den Hauptraum des Restaurants an einen liebevoll und bis ins letzte Detail stimmig eingedeckten Tisch. Auch hier: Kein unnötiger Firlefanz, alles mit klarer Linie.

Der Service-Chef fragte uns, ob wir bereits Erfahrungen mit dem Menue-Karussell haben, da er ansonsten kurz die „Regeln“ erläutern würde. Als wir dies bejahten, fragte er uns, ob wir einen Aperitif gereicht bekommen möchten. Dieser bestand aus einem fruchtigen Mix aus Gin, Holunder und Cointreau, sehr fein abgestimmt und in einem optisch ansprechenden Becher serviert.

Vorab gab es frisches, warmes Brot mit einer leichten, aufgeschlagenen Thymian-Butter. Sehr delikat. Der Clou war jedoch nicht das Brot, sondern das dazu gereichte obergärige Bier der Bochumer Brauerei Fiege. Als „Sponsor“ hat Fiege das „Bernstein“ angeboten. Eine unglaublich tolle Kombination zu Brot und Thymian-Butter.

Unverhofft2Es folgte ein wunderbares, dekonstruiertes, geflämmtes Tatar vom Limousin Rind, zu dem u.a. Kapern, Sardellen und Zwiebeln einzeln angerichtet wurden. Eine - wie wir finden - tolle Entscheidung, kann so jeder Gast sich sein Tatar doch individuell zusammenstellen. Über eine Pipette war eine zusätzliche Würzung möglich. Geschmacklich sehr lecker. Dazu gab es ein frisches Malzbrot.

Ein großes Lob verdienen sich auch die begleitenden Weine, die perfekt auf die jeweiligen Gerichte abgestimmt sind und deutsche und spanische Weine der besten Winzer bieten. Gerade hier schwächelt doch der eine oder andere Gastronom...

Als nächstes wurde uns eine Petersilienwurzelessenz mit Jakobsmuscheln, Lardo und Süßkartoffelrösti mit schwarzer Walnuss präsentiert. Die Essenz wurde optisch ansprechend aus einer kleinen Flasche am Tisch in den Teller gegossen. Geschmacklich bot dieser Gang eine wahre Aromenexplosion im Mund. Die auf den Punkt zubereitete Jakobsmuschel schmeckte wunderbar, spielte sich nicht dominant in den Vordergrund und harmonierte perfekt mit dem knackigen Lardo. Die leichte Schärfe und die feine Süße der Süßkartoffel boten eine perfekte Symbiose. Dazu wurde ein Medium Dry Sherry gereicht. Eine sehr spannende Kombination, die wir in dieser Weise noch nicht kannten und die auch von Patrick Hoff spontan in das Menue eingebaut wurde. Das Risiko hat sich ausgezahlt!

Das Highlight des Menues stellten die beiden Hauptgerichte dar. Wer übrigens Fisch liebt, erhält auch hier ein entsprechendes Hauptgericht. Wir hatten uns jedoch für die beiden „fleischigen“ Varianten, „Teres Major Steak vom Australian Prime Beef mit Risoleekartoffeln, Enoki-Pilzen und Langpfefferjus“ sowie einem klassischen „Coq au vin von der Maispoularde“ entschieden. Beide Gerichte waren unglaublich toll und gehören mit zu unseren absoluten Geschmacksfavoriten. Das Sous vide gegarte Steak war butterweich und schmeckte absolut fantastisch. Und auch beim Coq au vin gerieten wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Begleitet von knackigem Gemüse und wunderbaren Kartoffeln, die auf den Punkt zubereitet waren, konnte der Gang rundum überzeugen. Besonders toll: Hier schafft es endlich mal eine Küche, dunkle Sauce nicht zu überwürzen und auch bei den Kartoffeln sparsam mit Salz umzugehen!

Den Abschluss dieses unvergleichlichen, auf Sterne-Niveau gekochten Menues, bildete ein fantastisches Dessert mit einer Tarte von der Williamsbirne mit Mandel-Karamell, Yuzugel, Himbeerkavier und geeisten Nougatpralinen. An dieser Stelle zitiere ich einen bekannten TV-Koch: „Das war Gaumen-Sex!“

10Fazit: Was für ein unglaublich toller Abend und welch grandioses Menue. Kein Wunder, dass sich die Bewertungen in den sozialen Netzwerken überschlagen und die Gäste allesamt begeistert sind. Was Patrick Hoff und sein Team hier zaubern, ist ganz großes kulinarisches Kino! Der tolle Service glänzt mit jeder Menge Fachwissen und das Ambiente weiß zu überzeugen. Dass der Golfclub sich für Hoff und sein Team entschieden hat, war die beste Wahl, die er treffen konnte. Denn welcher Club hat schon so ein tolles Restaurant zu bieten? Hätten wir eine 11, wir würden sie hier sofort ziehen. Denn besser geht es nicht. Nach diesem wunderbaren Abend spiele ich wirklich mit dem Gedanken, mal eine Runde Probe-Golf zu spielen. Vielleicht habt ihr durch unseren Bericht ja auch Lust auf beides bekommen. Weitere Infos erhaltet ihr auf der offiziellen Homepage, die ich euch zu Beginn des Artikels bereits verlinkt habe. Informationen rund um den Golfclub findet ihr hier.

Die inn-joy Redaktion vergibt 10 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Herrn Patrick Hoff und seinem Team für den wunderbaren Abend und die freundliche Unterstützung.

M. Heiland

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