Menue-Karussell 2020 im Unverhofft im Golfclub Haus Leythe

| Marc Heiland | Für Gourmets
MenueKarussellUnverhofftBild1Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir erstmals für euch vom Menue-Karussell des Restaurants „Unverhofft“ im Golfclub Haus Leythe in Gelsenkirchen-Erle berichtet. Einige Tage zuvor hatte das Restaurant unter neuer Leitung von Patrick Hoff seinen Betrieb aufgenommen. Schon damals waren wir vom Menue begeistert und auch die Auswahl der Weine und der zuvorkommende und kompetente Service konnte uns voll und ganz überzeugen. Nun, ein Jahr später, durften wir erneut zu Gast im Unverhofft sein und erneut testen, ob es Patrick Hoff und seinem Team gelungen ist, das hohe Niveau zu halten oder sogar noch zu übertreffen.
 
Heimkommen... Was gibt es Schöneres?!
"Willkommen zu Hause". Mit diesen freundlichen Worten empfing uns am Sonntag, 23.02.2020 der Restaurantleiter und Sommelier des Hauses. Und genau so fühlten wir uns auch. Angekommen und gut aufgenommen. Ein schöner Einstieg in den Abend.
Nachdem uns unsere Garderobe abgenommen wurde, begleitete uns der Restaurantleiter zu unserem Tisch. Vor uns hatten bereits einige Gäste im Restaurant Platz genommen und freuten sich ebenfalls auf das diesjährige Menue-Karussell. Im weiteren Verlauf des Abends stellten wir fest, dass alle Plätze reserviert waren. Für einen Sonntag ist das eine beachtliche Leistung und spricht natürlich für die Qualität des Essens im „Unverhofft“.
Der Tisch selbst war klar in seiner Linie und relativ schlicht gedeckt. Optisches Highlight war ein „floraler Frühlingsgruß“ in der Mitte des Tisches, der schön anzusehen war, allerdings ein klein wenig zu viel Platz einnahm.
 
Zu Beginn des Menue-Karussells gab es zwei interessante Aperitif, bevor es dann einen ersten kulinarischen Einblick in das, was uns in diesem Jahr erwarten würde, mit dem Gruß aus der Küche gab. Doch halt! Wir wollen es ja nicht überstürzen. Denn das obligatorische „Butter-Brot“ vorab war für mich persönlich schon ein kleines Highlight, lies es in mir doch Erinnerungen an meinen letzten Urlaub in Erinnerung rufen. In diesem Jahr wird eine Orangenbutter gereicht, die dadurch eine ganz leichte Süße besitzt, bei der man dennoch nicht den Buttergeschmack zu dominant im Mund empfindet und damit eine tolle Kombination bietet. Sehr lecker.
 
Der „Gruß aus der Küche“ ist ein kleines, aber dadurch nicht minder schmackhaftes Brickteig-Röllchen mit BBQ-Creme. Filigrane Aromen mit einer leichten Rauchnote im Abgang – wunderbar! Den ersten Gang bildete nun ein kleines Stück Bonito Thunfisch in Sashimi-Qualität. Dazu gab es leicht geröstete Pistazien mit ganz feinen Röstaromen, eine cremige Espuma von Avocado, Salty-Fingers sowie Kaki als herzhaft-fruchtige Begleitung. Als „flüssige Begleitung“ wurde ein Riesling gereicht, der – für einen Riesling – nicht die typisch starke Säure aufwies und dadurch sehr gut harmonierte.
 
Weiter ging es mit der „Tea Time“. Angerichtet auf einem großen Teller mit recht kleiner Öffnung, fanden wir Pastrami, gebeiztes Ei, Butternut-Kürbis und - als Beilage – einen Chip von Cheddar, der optisch ansprechend auf einem Holzbrett mit ein wenig Salat serviert wurde vor. Dabei gestellt wurde eine kleine Teekanne, der „Beef Tea“. MenueKarussellUnverhofftBild2Hierbei handelte es sich um eine sehr schön abgeschmeckte, da nicht allzu dominante, im Abgang aber ganz leicht scharfe dunkle Bouillon, die eine grandiose Basis für die übrigen Aromen bildete. Dazu gab es einen Madeira mit fantastischem Aromabouquet, der erneut exzellent zum Gericht passte.
 
Nach einer Pause wurde uns der Hauptgang gereicht. Dies waren ein U.S Flat Iron - Steak vom Greater Omaha Nebraska Beef, Ofenkartoffel, Shiitake Pilz, Tellycherrypfeffer und Jus und Cassoulet vom Schwarzfederhuhn mit Kartoffeln, Paprika, Weiße Bohnen und Thymian. Hier kam mir als Assoziation „Gulasch für Genießer“ in den Sinn. Und so war es dann auch. Ich persönlich liebe die ungarische Nationalspeise. Wie bereits bei den vorherigen Gängen, so waren auch hier die Aromen wunderbar aufeinander abgestimmt. Das Schwarzfederhuhn war auf den Punkt zubereitet, die Kartoffeln besaßen noch leichten „Biss“, die Paprika stach nicht die übrigen Aromen überdeckend hervor – alles sehr delikat und facettenreich im Geschmack. Selbiges lässt sich über das butterzarte Steak sagen, das ein Gourmet-Highlight bildete. Interessant hierzu der Shiitake, toll abgeschmeckt im Gesamtgeschmack. Da hätten wir gerne noch eine Portion von gegessen…
 
Wer aber nun dachte, man könne dieses nahezu perfekte Menü nicht mehr toppen, der hatte nicht mit dem Nachtisch gerechnet. Denn dieser hört in 2020 auf den ganz schlichten Namen „Choc – Nut“. Dahinter verbirgt sich allerdings ein unglaublich grandioses Dessert bestehend aus Callebaut Schokolade, die mit goldfarbenem „Flitter“ überzogen daher kommt, leicht gerösteten und nur ganz fein gesalzenen Erdnüssen als Crumble, Karamell und Pralineneis. Da fehlten uns wirklich fast die Worte. Bedenkt man, dass der Grundentwurf vom Lehrling des „Unverhofft“ erstellt wurde, kann man nur noch den Hut ziehen. Begleitet wurde dieses sensationelle Dessert von einem roten Banyuls aus Südfrankreich, dessen Gärung abgebrochen, der mit Cognac aufgespritzt und im Anschluss noch vier Jahre gelagert wurde. Sehr filigran im Geschmack und mit einem ganz feinen Prickeln auf der Zunge. Selten haben wir so einen tollen Dessertwein gereicht bekommen. In Kombination mit dem Dessert ein unvergessliches Erlebnis.
 
10Fazit: Als ich vor einem Jahr meinte, Patrick Hoff und sein Team können ihr Menue-Karussell wohl kaum noch toppen, da ahnte ich nicht, dass sie mich ein Jahr später vom Gegenteil überzeugen würden. Doch das, was in diesem Jahr geboten wird, ist noch einmal besser, facettenreicher und harmonischer, als das grandiose Menue in 2019. Für dieses Menü müssten wir eigentlich unser Bewertungssystem auf 11-12 erweitern. 
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich beim Team des Restaurants „Unverhofft“ für den wunderbaren Abend und die Unterstützung bei unserer redaktionellen Arbeit.
 
M und C. Heiland
 

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