Menue-Karussell 2020 im Restaurant Mutter Wehner Oer-Erkenschwick

| Marc Heiland | Für Gourmets
MenueKarussellMutterWehnerBeim diesjährigen Menue-Karussell 2020 ist unsere nächste Station „Mutter Wehner“ in Oer-Erkenschwick. Am Rande der Haard gelegen, ist die Gastronomie schon seit vielen Jahren Treffpunkt für Wanderer zur gemütlichen Einkehr, Pferdefreunde, Familien aber auch für Feierlichkeiten. Nachdem bereits diverse Besitzer das Restaurant führten, steht „Mutter Wehner“ nun schon seit ein paar Jahren unter der Leitung der beiden Brüder Marcin und Christof Kopij. Am Freitag, 28.02.2020 waren wir zu Gast und berichten euch im Folgenden von unseren Eindrücken.
 
Ein Platz im Grünen
Leider war der diesjährige Winter ja alles andere als schön. Viel zu regnerisch, mit zu wenigen Sonnenstunden und irgendwie auch viel zu warm. Doch nun neigt sich der Winter dem Ende zu und die Natur erwacht erneut zum Leben. Dies merkt man vor allem bei „Mutter Wehner“. Denn das Restaurant in Oer-Erkenschwick, bietet einen Rundumblick mitten ins Grün hinein. Während man bei vielen anderen Restaurants eher „im Dunkeln“ sitzt, hat man hier das Gefühl, den Wald fast schon riechen und die gute Luft atmen zu können. Eine wirklich hübsche Location mit leicht rustikalem Charme. Klar, dass hier normalerweise „gut bürgerliche Speisen“ serviert werden. Doch für das Menue-Karussell hat man sich ordentlich herausgeputzt und bietet seinen Gästen ein 4-Gänge-Menü, dass sich auf dem Papier schon einmal recht interessant liest. Dort finden wir:
Cappuccino vom Steinchampignon, Fenchel-Chili-Orangen Salat mit geräucherter Garnele, Geschmorte Kalbssemerrolle an Madeira-Crème mit Spitzkohl und Hummerspätzle oder Aumônière vom Skrei im Strudelteig mit Sauerkraut und Kräuter-Drillingen, Piña Colada „mal anders“ karamellisiertes Ananas-Carpaccio mit Kokos-Parfait. Das Menü wird angeboten für 52,90 Euro inkl. der begleitenden Weine, Biere und Mineralwasser. Vegetarier dürften in Anbetracht einer fehlenden Variante ein wenig enttäuscht sein. 
Nach wenigen Minuten erschien unsere Abendbedienung und erkundigte sich nach Getränken und unserer Hauptspeisenwahl. Freundlich, kompetent und zuvorkommend, begleitete sie uns auch während des gesamten Menüs.
Vor dem Menü wurde uns frisches Brot mit einem Paprika-Rucola Dip mit leichter Knoblauch-Note serviert. Der Dip war süß-herb abgestimmt im Geschmack und schmeckte gut. Weder der Knoblauch noch die Paprika drängten sich unangenehm in den Vordergrund. Als Aperitif entschieden wir uns für einen alkoholfreien Hugo. Dieser zeichnete sich durch Zugabe von Bitter Lemon aus, was dem Aperitif eine tolle Beinote gab.
Das eigentliche Menü begann mit dem Cappuccino vom Steinchampignon. Die cremige Konsistenz konnte uns dabei ebenso überzeugen, wie die miteinander sehr gut harmonierenden Geschmacksnoten. Der lange stehende Schaum ergänzte den Cappuccino und rundete die schmackhafte erste Vorspeise ab.
 
Im Anschluss wurde der begleitende Wein gereicht. Hier kann man streiten, ob ein Rotwein und ein Weißwein als begleitende Weine bezeichnet werden können und ausreichend sind, da viele Gastronomen unter „begleitend“ zu jedem Gang einen anderen Wein verstehen, was gerade bei einem Dessert noch einmal einen ganz besonderen Twist mit sich bringen würde. Andere hingegen sehen den Wein für das Hauptgericht begleitend an. Wie dem auch sei: Die Wahl der beiden Weine war durchaus gut, auch wenn es keine ausgewiesenen Spitzenweine waren.
 
Als zweiten Vorgang reichte man uns einen Fenchel-Chili-Orangen Salat mit geräucherter Garnele. Der Gang war optisch ansprechend auf einem Schieferbrett serviert und schön garniert (wie auch die anderen Gänge). Das Räuchern auf Buchenholz nahm zwar der Garnele etwas von ihrem Eigengeschmack, war aber hier genau richtig gewählt, da so ein recht interessanter und spannender „Neugeschmack“ vorgelegt wurde, der eher an geräucherten Fisch erinnerte. Die Orangennote unterstütze die Garnelen gemeinsam mit der filigranen Chilinote. Hier hätte es ein wenig mehr Chili sein dürfen. Aber dies ist natürlich nur unser subjektiver Geschmack…
 
Zum Hauptgang entschieden wir uns sowohl für den Fisch als auch für das Fleisch. Der auf den Punkt gebratene Skrei, der irgendwie seit einiger Zeit zu den „Modefischen“ zu gehören scheint, wurde raffiniert im Strudelteig „verpackt“. Das so entstandene Säckchen ist eine tolle Idee und eine hervorragende geschmackliche Erweiterung des Gerichts. Zusammen mit dem Sauerkraut ergab sich so eine tolle Mixtur. Allerdings hätte ich mir eine etwas kleinere Portion gewünscht, da sich so recht schnell ein Sättigungsgefühl einstellte. Begleitet wurde der Hauptgang hier von einer Dijonsenf-Creme. Durch die Art von Béchamel ging allerdings ein wenig die Schärfe des Dijonsenf unter. Die kleinen Balsamico-Tupfer, die zur Verzierung dienten, hätte es nicht unbedingt gebraucht.  
Die geschmorte Kalbssemerrolle war wunderbar zubereitet und zerging auf der Zunge. Die würzige Madeira-Crème konnte überzeugen und der cremige Spitzkohl fügte sich gut ein. Interessant waren auch die Hummerspätzle, die eine spannende Kombination zum Fleisch und Madeira-Crème darstellten.
 
Last but not least folgte die sprichwörtliche Krönung des Menüs. Geboten wurde hier eine eigene Interpretation des Getränks „Piña Colada“. Auf vier hauchdünn geschnittenen Ananasscheiben (Carpaccio), die leicht karamellisiert und mit ein wenig Kokosraspeln bestreut waren, thronte das Kokos-Parfait, welches von in einer Art Kronenform gestalteter Vollmilchschokolade gerahmt wurde. Sehr lecker und ein wirkliches Highlight. 
 
Fazit: Das Menue-Karussell bei „Mutter Wehner“ war – in Anbetracht der Rezensionen im Internet – durchaus eine Überraschung mit einigen spannenden Interpretationen. Etwas kleinere Portionen wären wünschenswert gewesen sowie eine größere 8Weinauswahl mit einigen „WOW!“-Momenten. Vor allem das tolle Dessert stand damit etwas „nackt“ dar. Insgesamt ist das Menü für einen „Debütanten“ aber ganz klar empfehlenswert. 
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich beim gesamten Team von „Mutter Wehner“ für die freundliche Unterstützung und den gelungenen Abend.
 
M. und C. Heiland
 

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