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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Kaffeerösterei Mailänder

MailaenderBild1Das Saarland ist ja eigentlich flächenmäßig das kleinste Bundesland, hat aber – gemessen daran – mit fünf Röstereien eine relativ „hohe“ Dichte an Kaffeeröstereien. Nachdem wir euch bereits das „Café Plaisir“ vorgestellt haben, steht heute das Familienunternehmen „Mailänder“ aus Neunkirchen im Fokus. Die Kaffeerösterei besteht seit 2013 und möchte – gane im Sinne der „Third Wave Coffee“-Bewegung wieder „das Bewusstsein für hochwertigen Kaffee aus unserer Region (...) wecken“. Dies begrüßen wir und stellen euch aus diesem Grund die Kaffeerösterei Mailänder einmal genauer vor.

Mit kleinen Schritten zu Nachhaltigkeit und Fairness

Ihren Kaffee bezieht die Kaffeerösterei von einem „mittelständischen Importeur aus Bremen, welcher seinen Kaffee direkt bei Kleinbauern vor Ort einkauft. So werden die Menschen aktiv unterstützt und Sie können gewiss sein, ein hochwertiges Produkt zu erhalten. Ungefähr 95% des Rohkaffees stammen aus biologischem Anbau - so gewährleisten wir beste Qualität aus fairem Handel.“ So können wir es auf der Webseite der Kaffeerösterei nachlesen.

Leider bleibt uns Inhaber David Mailänder weitere Informationen schuldig. Es wäre schön zu wissen, wie die Kaffeebauern genau unterstützt werden, wie es um die Bezahlung der Kaffeebauern bestellt ist etc. Solche Aussagen wären interessant. Natürlich kann man nicht jeden Kaffeebauern selbst vor Ort besuchen, um sich ein Bild von der Qualität zu machen und in gewisser Weise gehört auch Vertrauen zum Importeur dazu. Dennoch wäre es auch im Interesse der Endverbraucher, wenn er weiß, wo ein Teil seines Geldes hinfließt. Auf der Internetseite selbst gibt es nur allgemeine Aussagen, die so in jedem gängigen Kaffeebuch zu finden sind. Sehr schade.

Doch kommen wir zu dem, was hier in den „Kaffeewelten“ natürlich nicht minder wichtig ist, den Kaffees und Espressi. Aktuell (Stand 03/2018) hat die „Kaffeerösterei Mailänder“ sechs sortenreine Kaffees, einen entkoffeinierten Kaffee vier Espressi im Angebot. Die Sorten werden zu 250g, 500g und 1kg als ganze Bohnen oder gemahlen für verschiedene Zubereitungsmethoden verkauft.

Für unseren Test hat uns David Mailänder Sorten zur Verfügung gestellt: den „Furpacher Espresso“, „Java Blawan“, den „Monsooned Malabar“, den „Neinkeijer Espresso“ sowie den „Columbia Supremo“. Gemahlen wurden die Sorten mit unserer Comandante C40 MK3 Nitro Blade und der Baratza Sette. Zubereitet wurden sie in den gängigen Mehtoden wie dem Hario V60-Handfilter, dem Siebträger, dem Vollautomaten, der Chemex-Karaffe usw.

Der „Furpacher Espresso“

Bei diesem Espresso handelt es sich um einen recht hell gerösteten Espresso, welcher ausschließlich aus Arabica-Bohnen diverser Länder besteht. Er wird als „mittelkräftig, sehr ausgewogenen und aromatisch“ im Geschmack beschrieben – perfekt für Milchkaffee, Cappuccino und Latte Macchiato.

Unser Einruck: Geschmacklich überzeugt der Espresso durchaus, da er harmonisch abgerundet ist, vollmundig im Geschmack und sehr viele Aromen aufweist. Schon während des Brühvorgangs lassen sich Anklänge von dunkler Zartbitterschokolade ausmachen, die sich noch weiter verstärken, wenn die Aromen aufbrechen. Allerdings halten sich die Aromen gut ausgewogen zurück und erschlagen den Genuss zu keiner Zeit. Der Kaffee besitzt einen langen Abgang und überzeugt aufgrund geringer, feiner Säure und schwachen Röstaromen.

Der „Java Blawan“

Diese Sorte beschreibt David Mailänder wie folgt: „Der fast säurelosee Java Blawan besitzt von Natur aus eine leichte Süße und verführerische, intensive Noten von Kakao und Milchschokolade. Das Anbaugebiet liegt östlich des Vulkans Ijen, auf der indoesischen Insel Java. Durch das vorherrschend feuchtwarme, fast tropische Klima und die nährstoffreichen Vulkanböden bestechen Sorten aus Java mit einem ganz besonderen Aroma.“

Unser Eindruck: Ein „typischer“ Java-Kaffee ist der „Blawan“. Und das meine ich nicht einmal abschätzig! Denn wer Kaffee aus Java kennt, der weiß, dass es hier regional nicht sonderlich große Unterschiede gibt. So schmeckt auch dieser „Javaner“ nussig-erdig mit schokoladigen Noten und recht „rustikal“. Die Süße ist eher angedeutet, denn deutlich herauszuschmecken. Von der Aufbereitung her sollte er „washed“ oder nach der „Giling-Basah“-Methode her aufbereitet worden sein.

MailaenderBild2Der „Monsooned Malabar“

Bei diesem Kaffe handelt es sich um einen der Klassiker, den wohl so ziemlich jeder Röster im Programm hat. Hierzu lesen wir:

„Nach der Ernte wird der Indian Monsooned Malabar mehrere Monate den Regen und Winden des Monsun ausgesetzt. Hierdurch entsteht sein außergewöhnliches und volles Aroma bei einem minimalen Säuregehalt.

Die Malabarküste erstreckt sich rund 650 Kilometer entlang des Arabischen Meeres von Norden bis zur Südspitze des Indischen Subkontinents. Sie zählt zu den regenreichsten Gebieten Indiens und bietet mit ihrer ganzjährig hohen Luftfeuchtigkeit die besten Voraussetzungen für den Anbau von Kaffee, Gewürzen und Edelhölzern.

Lange Zeit spielte der Kaffeeanbau in Indien, obwohl seit dem 17. Jahrhundert kultiviert, nur eine untergeordnete Rolle. Als britische Kolonie wurde bis 1947 hauptsächlich der Anbau von Tee gefördet, danach schuf das staatliche Kaffeemonopol kaum Anreize zur Produktion qualitativ hochwertiger Sorten. Seit 1995 wird der Kaffeeanbau aktiv vom “Coffee Board of India” unterstützt und ist fester Bestandteil der Exportwirtschaft.“

Unser Eindruck: Der Malabar besticht durch seinen vollen Körper, seine Aromenkomplexität, einen geringen Säureanteil und einen tollen Nachklang. Etwas holzig schmecken die Malabars darüber hinaus ebenfalls, was auch hier zum Tragen kommt.

Der Neinkeijer Espresso

Der nächste Espresso im Bunde ist ein Espresso mit einem recht sonderbaren Namen. Diesen erläutert Kaffeerösterei-Besitzer David Mailänder auf seiner Internetpräsenz: "Schwarz wie Kohle und feurig wie flüssiger Stahl" - zugegeben, das ist natürlich übertrieben. Dennoch handelt es sich bei dem Neinkeijer Espresso um eine kräftige, typisch italienische Espressomischung aus hochwertigen Arabica- und Robustabohnen mittlerer Röstung.

Zu Ehren unserer Heimatstadt Neunkirchen, im Dialekt “Neinkeije” genannt, haben wir diese Mischung zusammengestellt. Eine Erinnerung an den einstigen Wohlstand der Stadt zur Zeit der Industrialisierung und das Alte Hüttenareal.“

Unser Eindruck: Ein durchaus kräftiger, aber nicht übertrieben starker Espresso mit einer leichten Note von Bitterschkolade und einer durchweg ordentlichen Würze. Die Röstaromen sind durchweg zu schmecken, dominieren jedoch nicht unangenehm stark.

Der „Columbia Supremo“

Last but not least haben wir den „Columbia Supremo“ getestet. Hinter diesem soll sich „ein reiches, würziges und vollmundiges Aroma sowie süßliche Noten von Nüssen“ verbergen.

Unser Eindruck: Vollmundig und körperreich ist diese Sorte in der Tat. Dazu kommen Anklänge von gebrannten Mandeln und eine gewisse, nicht zu dominante Würze. Sehr lecker!

Fazit: Würden wir ausschließlich die Kaffee-Sorten und Espressi testen, so könnten wir „Mailänder“ durchaus eine 8-9 geben. Denn die uns angebotenen Sorten sind allesamt gut bis sehr gut im Röstprofil und somit im Geschmack. Die Qualität der Bohnen (das so genannte „Bohnenbild“) weist kaum Defekte auf und ist recht harmonisch. Doch wir testen immer das „Gesamtpaket“. Hier gibt es leider zahlreiche „Schwächen“ im Sinne der „Third Wave Coffee“-Bewegung. So ist nahezu keine verlässliche Aussage zur exakten Herkunft der Kaffeebohnen zu finden, es gibt keine Informationen zu Nachhaltigkeit und Fairness und auf den Verpackungen finden wir nur ein hübsches Logo der Rösterei sowie das MHD. Elementare Informationen wie Bohnenherkunft, welche Varietäten eingesetzt werden, wie die Bohnen / Kaffeekirschen aufbereitet werden – all das wird hier dem potentiellen Kunden in Gänze vorenthalten. Auch das Röstdatum wird nicht genannt. Hier sollte auf jeden Fall deutlich nachgebessert werden!

Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 9 von 10 Punkten

7Fairness und Nachhaltigkeit: 3 von 10 Punkten (schwer nachzuvollziehen)

Geschmack: 8,5 von 10 Punkten

Transparenz: 4 von 10 Punkten (schwer nachzuvollziehen)

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Herrn David Mailänder von der Kaffeerösterei „Mailänder“ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

L. Zimmermann

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