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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Kaffeerösterei Müller

MuellerKaffeeBild1Wenn man topografisch an Rheinhessen denkt, dann fällt einem zunächst wohl Wein ein. Nicht umsonst wird das Gebiet als „Wein-Erlebnis-Region“ bezeichnet. Kaffee dürfte da wohl nur echten Insidern in den Sinn kommen. Und so waren auch wir überrascht, als wir von der Kaffeerösterei Müller erfuhren, die in Bodenheim, in der Nähe von Mainz, ansässig ist. Ob Kaffee aus Rheinhessen genauso gut schmeckt, wie Wein aus dieser Region, verraten wir euch im Folgenden.

Seit über 10 Jahren gibt es nun die Kaffeerösterei Müller in Bodenheim bei Mainz. Gegründet und geführt von Dominic Müller, hat sich das Unternehmen nicht nur in Rheinhessen mittlerweile einen Namen gemacht. Neben der Kaffeerösterei führt Müller einen Kaffeeladen in Nähe des Mainzer Doms in der Fischtorstraße. Der Laden ist aber nicht nur Geschäft für Kaffee, Espresso und Zubereitungsarten, sondern auch Café mit Ausschank. In gemütlicher Runde kann der Gast Kaffee, Schokoladen, sowie feinstes italienisches Mandelgebäck und köstliches schottisches Shortbread genießen. Das Kaffee- und Espresso-Sortiment umfasst 13 sortenreine Kaffees und 10 Kaffee- und Espressomischungen. Zusätzlich die drei Kaffee-Raritäten Hawaii Kona, Galapagos und Jamaika Blue Mountain. Darüber gibt es diverse Kaffeepads.

Ein weiteres Geschäft führt Müller in der Augustiner Straße in Mainz. Dort befindet sich ein ganz im Jugendstil gehaltenes Haus, in welchem sich die Kaffeebar von Müller befindet. Dort werden auch diverse Seminare rund um das Thema „Kaffee“ angeboten.

Die von Müller angebotenen Kaffees sind BIO-zertifiziert nach DE-ÖKO-003. Sie werden ohne Zugabe von Chemie angebaut. Zum Thema Nachhaltigkeit erfahren wir auf der Homepage von Müller: „Wir setzen uns aktiv mit unseren Kaffeelieferanten und dem Thema fairer Handel auseinander. Zudem wird der Handel vieler Kaffees über ortsansässige Kooperationen organisiert. Desweiteren werden immer mehr Projekte wie beispielsweise Schulen in Kaffeeanbauländern realisiert um die Lebensqualität der Bauern und deren Familien zu verbessern. (Aktuell befinden sich im Portfolio der Kaffeerösterei fünf BIO-zertifizierte Sorten sowie fünf direkt gehandelte Kaffees.)

Um die Verschwendung von Rohstoffen zu vermeiden bieten wir Mehrweg Becher so genannte Tree Cups als Alternative an. Tree Cups sind aus recyclebaren Materialien, so dass dieser sich innerhalb von 180 Tagen kompostieren lassen. Tree Cups können in all unseren Standorten erworben werden.

Seit der Firmengründung setzen wir bei unseren Verkaufstüten auf nachhaltige Papiertüten. Dieser werden eigenhändig von uns mit unserem Firmenlogo versehen. Dieser Service ist für unsere Kunden kostenlos. Um jedoch auch hier das Bewußtsein zu schaffen auf Mehrweg-Tüten oder Jutesäcke zurückzugreifen oder andere Transportmittel zu nutzen, freuen wir uns über eine kleine Spende für die Mainzer Krebshilfe.“

Kommen wir also nun zu dem, was die Meisten von euch besonders interessieren dürfte: Den Kaffee-Sorten der Kaffeerösterei. Für unseren Test hat uns Dominic Müller drei Filterkaffees zur Verfügung gestellt.

Die Verpackungen sind recht schlicht aufgemacht. Alle Sorten kommen in einer optisch schicken goldfarbenen Verpackung mit Vakuumventil daher. Ein klein wenig schade ist, dass die Verpackungen nicht wiederverschließbar sind. Schön: Die Verpackungen haben einen vernünftigen Boden, sodass ihr sie während der Entnahme der gewünschten Kaffee-Portion fest und sicher hinstellen könnt. Auf jeder Verpackung sieht man auf der Vorderseite das Logo des Unternehmens und den Namen der Sorte. Angaben zum Tassenprofil sind nur mit einem Schlagwort gekennzeichnet. Darüber hinaus gibt es einen Hinweis, dass es sich (bei einigen Sorten) um direkt gehandelten Kaffee handelt bzw. um BIO-zertifizierten Kaffee. Auf den Seiten finden sich Kontaktdaten und Mengenangaben. Auf der Rückseite gibt es einen allgemein gehaltenen Infotext und das MHD. Weitere wichtige Informationen, wie exakte Angaben zur Herkunft des Kaffees (Region und Farm), dem Röstgrad, der Qualität (Zusammensetzung bei einem Blend, Erntejahr, Ernteart, Varietäten der vorliegenden Bohnen, Aufbereitung, Anbauhöhe, Bodenbeschaffenheit) etc. sind leider nicht zu finden. Dafür gibt es auf der Homepage einige Informationen zur jeweiligen Sorte.

MuellerKaffeeBild2Zubereitung

Ein Wort zum Bohnenbild: Dieses ist nicht immer sehr einheitlich und auch die Qualität ist schwankend. Mal ist die Zahl der Defekte höher, mal geringer.

Die Kaffee-Sorten gibt es in verschiedenen Größen: 250g, 500g und 1000g. Der Kaffee kann für verschiedene Zubereitungsmethoden gemahlen oder als ganze Bohne erworben werden.

Die drei Kaffee-Sorten haben wir wie immer mit der Comandante C40 MK3 Nitro Blade frisch gemahlen. Zubereitet haben wir die Sorten im Hario V60-Handfilter, der Softbrew-Kanne und dem Syphon.

Die Texte zu den Sorten haben wir der Homepage entnommen. Die Geschmackseindrücke ergänzen wir durch die Verkostung von drei Redakteuren.

Kaffee aus Mexiko - Finca Las Chicharras

Das Anbaugebiet Jaltenango liegt im Süden des mexikanischen Bundesstaates Chiapas, welcher im Osten an Guatemala angrenzt. Die Höhe der Anbaugebiete liegt zwischen 1200 und 1400 Meter, dazu liegen die Temperaturen im jährlichen Durchschnitt bei etwa 23,5 Grad. Zusätzlich begünstigt der durchschnittliche Niederschlag von 2200 mm jährlich, den Anbau von erstklassigem Rohkaffee. Der Kaffee ist ein Strictly High Grown Kaffee.

Soziale Aspekte des Kaffeeanbaus in Mexiko Chiapas

Eigentümer dieser Plantage ist die ONG (unabhängige und nicht gewinnorientierte Organisation) E-Café. Ziel dieser Organisation ist es u.a. Schulen näher an die Anbaugebiete der Kaffeebauern zu bringen und somit die Ausbildungsmöglichkeiten zu steigern. Durch dieses Bestreben verfügen die Kinder der Kaffeebauern über sehr gute Englisch-Kenntnisse. Zudem besuchen ca. 90% der Absolventen im Anschluß ein College.“

Unser Eindruck: Wer es fruchtig und ein wenig süß mag, der kommt bei diesem Kaffee auf seine Kosten. Der schokoladige Kaffee ist fein im Mund und hat einen recht langen Abgang.

Kaffee aus Peru - Cecovasa SHB biologisch angebaut und fair gehandelt

Die Anfänge von Cecovasa gehen auf den Beginn des Kaffeeanbaus in der Region Puno etwa Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zurück. Cecovasa bildet einen Dachverband, dem insgesamt acht einzelne Kaffeekooperativen angehören, welche sich entsprechend in acht Einzelregionen im Anbaugebiet nördlich des Titicaca-Sees unterteilen.

Cecovasa wurde 1970 mit dem Ziel gegründet, gerechte Kaffee-Handelspreise ohne Umwege zu erzielen. Bis dahin erfolgte der Kaffeeverkauf über Zwischenhändler, direkte Beziehungen zu Abnehmern existierten nicht. Damals schlossen sich zunächst wenige Farmerinnen und Farmer in einer existenziellen Notlage zusammen. Heute gehören der Kooperative knapp 5.000 Kleinfarmer-Familien an. Seit 1993 ist die Kooperative Fair Trade zertifiziert.

Fast alle Farmer gehören den zwei indigenen Völ­kern Quechua und Aymara an, den Vorfahren der Inka. Sie sprechen ihre eigenen Sprachen, die sich so voneinander unterscheiden, dass sich Angehörige der zwei Gruppen untereinander oftmals nicht verstehen können. Auch gibt es Farmer vor Ort, die die gemeinsame Nationalsprache Spanisch nicht beherrschen und es somit vereinzelt nicht zu einer Verständigung kommen kann.

Die Gemeinsamkeit beider Völkergruppen ist die Verehrung der Erde als weibliche Göttin, die allen Wesen das Leben schenkt und sie nährt (Pachamama). In diesem Rahmen erfolgen an den wenigen unfruchtbaren Tagen des Jahres traditionelle Rituale, an denen die Farmerinnen und Farmer Mutter Erde symbolisch zurückgeben, was sie von ihr erhielten. Es geht um ein Leben in Einklang mit der Natur und das Ziel, ein Gleichgewicht zwischen Gegensätzen zu schaffen.

Trotz mehrmaligen vergeblichen Anfragen beim peruanischen Staat um Unterstützung, waren die Far­mer von Beginn an auf sich alleine gestellt. Sie lernten in Eigeninitiative die Regeln von globalen Handelsmärkten kennen. Hierbei entwickelte sich der Fokus zunehmend auf höchste Qualität. Als Resultat entstanden langfristige internationale Geschäftsbe­ziehungen. Das Spitzenprodukt: Tunki Coffee.

Heute ist Cecovasa 'das Modell' in Peru. Farmer aus dem ganzen Land besuchen die Produzenten in Puno, um deren Anbaumethoden in Erfahrung zu bringen und die eigenen zu adaptieren. Qualitätsmanagement, soziale Ausrichtung und weltbeste Kaffees bilden heute den Charakter von Cecovasa. Seit letztem Jahr ist die Kooperative im Auftrag der peruanischen Regierung ein Innovationszentrum, mit dem Ziel, nationale Standards zu setzen.

Aufbereitung des Peru Cecovasa

Der biologisch angebaute und fair gehandelte sortenreine Arabica Hochlandkaffee wird nass aufbereitet und zudem gewaschen. Dadurch behält Peru Cecovasa seine angenehme und spritzige Säure.“

Röstung, Geschmack und Zubereitung

Peru Cecovasa veredeln wir im schonenden Langzeit-Trommelröstverfahren zu einem mittelstarken Kaffee, welcher sich vorrangig für klassische Filtermethoden eignet.“

Unser Eindruck: Geschmacklich wird der Peru Cecovasa als Kaffee „mit Charakter aufgrund seines kräftigen Körpers“ angegeben. Wir in der Redaktion fanden ihn allerdings wenig spektakulär. Im Handfilter spielte er seine feinen Säuren aus und war recht filigran. Der Geschmack von Zartbitterschokolade wurde hingegen gut ausgebildet.

Kaffee aus Guatemala Lampocoy Grand Cru

„Der Anbau von Kaffee in Guatemala hat lange Tradition. Auch heute gehört Guatemala noch zu den zehn größten Kaffeeproduzenten weltweit. Angebaut werden insbesondere Arabica Kaffees der Varietät Typica und Bourbon.

Kaffee aus Guatemala wird überwiegend im Schattenanbau kultiviert. Große Plantagen, die mit Erntemaschinen geerntet werden können, sucht man hier vergebens. Kaffee aus Guatemala wird überwiegend mit der Hand gepflückt und sortiert. Die meisten Kaffees durchlaufen in Guatemala eine nasse Aufbereitung und werden zudem im Anschluss gewaschen. Kaffees der unterschiedlichen Anbauregionen in Guatemala haben ihren ganz eigenen Charakter. Allerdings verfügt Kaffee aus Guatemala häufig über einen kräftigen Körper sowie fruchtige und blumige Aromen.

Das Projekt Lampocoy - direkt gehandelt, umweltfreundlich und sozialverträglich

Ziel des Projektes Lampocoy ist vor allem die Lebenssituation der Kaffeebauern des kleinen Dorfes Lampocoy im Gebiet Nuevo Oriente / Guatemala zu verbessern. Aus diesem Grund hat sich der deutsche Detlev Cordts, der seit 25 Jahren für das Deutsche Fernsehen aus aller Welt berichtet, zur Aufgabe gemacht, die Vertriebswege für den Export von Rohkaffee aus Guatemala insbesondere nach Deutschland zu verbessern. Dadurch können Zwischenhändler vermieden und somit die Gewinne der Kaffeebauern in Lampocoy gesteigert werden. Durch die im Jahre 2013 in Nizza von der Europäischen Röstervereinigung ausgezeichnete Qualität des Kaffees aus Guatemala Lampocoy Grand Cru, können Preise für den Rohkaffee erzielt werden, die 15 - 40 % über dem Weltmarktpreis liegen. Zusätzlich werden durch Spenden der Bau von Schulen und medizinischen Einrichtungen realisiert.

Das Anbaugebiet Nuevo Oriente in Guatemala

Nuevo Oriente liegt im Süd-Osten Guatemalas, an der Grenze zu Honduras. Damit befindet sich das Anbaugebiet Lampocoy am Rand der riesigen Vulkane Zentralamerikas. Diese fruchtbaren und mineralhaltigen vulkanischen Berghänge werden zudem von atlantischen Passatwinden gespeist, was zu einem besonderen Mikroklima in Lampocoy beiträgt. Die Anbaugebiete liegen zwischen 1000 - 1500 Meter und eignen sich insbesondere für den Anbau von qualitativ hochwertigen Arabica Kaffees. Die Kaffeekirschen reifen im Anbaugebiet Nuevo Oriente etwa zehn Monate und werden im Anschluss mit der Hand geerntet. Die darauf folgende nasse Aufbereitung und zusätzliche Waschung der Rohkaffeebohnen unterstreichen die ausgezeichnete Qualität dieses Projekt-Kaffees aus Guatemala.

Direkter Kaffeehandel - mehr Transparenz für Kaffeeliebhaber

Direkter Kaffeehandel hat viele Vorteile. Einerseits ist die verbesserte Lebenssituationen der Kaffeebauern zu nennen und andererseits können wir besser nachvollziehen woher unser Kaffee kommt und wer diesen anbaut.

Wenn Sie bei uns Guatemala Lampocoy Grand Cru erwerben, so wurde dieser von Don Abél Francisco Castillo Canan angebaut. Don Abél ist 45 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau Clara Luz Escalante Suchité und ihren drei gemeinsamen Kindern Francis, José Danilo und Abel Eduardo in La Union. Sie besitzen eine 1,5 ha große Kaffeeplantage oberhalb von El Capucalito in einer Höhe von 1480 Meter. Dort bauen sie ausschließlich sortenreinen Arabica Kaffee der Varietäten Catimor, Caturra und Catuai an. Die Qualität des Rohkaffees ist ausgezeichnet und wird mit dem Gütesiegel SHB (strictly hard bean) versehen.“

Unser Eindruck: Der sortenreine Arabica-Kaffee duftet nach Kakao und erdigen Noten. Im Mund machen sich Anklänge von Nuss und Toffee bemerkbar. Der Kaffee hat einen vollen Körper, eine ganz feine Säure, die allerdings erst nach hinten raus deutlicher wird und einen langen Abgang.

Fazit: In Sachen Transparenz, Nachhaltigkeit und Fairness wir bereits einiges getan. Geschmacklich hat uns der Kaffee jedoch nicht allzu sehr vom Hocker gehauen. Die drei Sorten schmeckten sowohl im Handfilter als auch im Syphon und in der Slowbrew-Kanne etwas lasch und blieben nicht sonderlich lange im Gedächtnis.

Die inn-joy Redaktion vergibt 7,5 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 7,5-8 von 10 Punkten

Fairness und Nachhaltigkeit: 8 von 10 Punkten

Geschmack: 7-8 von 10 Punkten

Transparenz: 8 von 10 Punkten

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Kaffeerösterei „Müller “ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

D. Stappen

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