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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Unbound aus Wattens (Österreich)

Unbound1Nachdem wir seit Ende 2017 in unserer Rubrik „Kaffeewelten“ über 70 Kaffeeröstereien aus Deutschland und einige Röstereien aus der Schweiz präsentiert haben, wollen wir nun endlich auch Kaffeeröstereien aus Österreich vorstellen. Den Anfang macht die „unound luxury food e.U“ oder auch kurz „unbound“. Die junge Rösterei hat ihre Heimat im schönen Wattens in Tirol. Dort hat Gründer und Inhaber Florian Mayrhofer mit seinem Team in den alten Werkshallen der Firma Svarovski seine Zelte aufgeschlagen und röstet und verkauft „Third Wave“-Kaffee vor Ort und online. Wie uns der Kaffee geschmeckt hat, was „unbound“ auszeichnet und was euch das Unternehmen sonst so zu bieten hat, berichten wir euch im Folgenden.

Third Wave Coffee – von der Pflanze bis zur Tasse

Woran denken wohl die meisten Menschen, wenn sie den Begriff „Kaffee“ hören? Vermutlich an Tchibo, Jacobs oder Eduscho (zumindest die älteren Semester). Dieser Kaffee wird seit Jahrzehnten von einem Groß an Kaffeetrinkern konsumiert. Dass dabei die Qualität nicht sonderlich hoch ist, die Kaffeebauern in den meisten Fällen nicht fair bezahlt werden und der bei den Global Playern angebotene Kaffee nicht unbedingt der Gesundheit zuträglich ist, wissen wohl die Wenigsten. Daher haben wir bei inn-joy es uns Ende 2017 zur Aufgabe gemacht, Kaffeeröstereien vorzustellen, die eben nicht diesen Weg gehen, sondern sich um Fairness, Transparenz, Nachhaltigkeit und Qualität bemühen. Diese Schlagwörter werden unter dem Begriff „Third Wave Coffee“ zusammengefasst. Unsere treuen Leserinnen und Leser haben diesen Begriff schon häufig gelesen. Dennoch wollen wir ihn an dieser Stelle kurz noch einmal erläutern.

Die Amerikanerin Trish Rothgeb, Mitbegründerin der „Wrecking Ball Coffee Roasters“ hat als eine der ersten Röster-Meister die Entwicklung des Kaffeekonsums in drei Wellen eingeteilt.

Ab den 1940er Jahren bis in die 1960er setzt sie die erste Welle. Vom Luxusgut wird der Kaffee allmählich ein Allgemeingut, dass in den meisten Haushalten zu finden ist. Es entsteht ein Massenmarkt mit geringerer Kaffeequalität. Das Bewusstsein, dass die Qualität wichtig ist, entsteht in den späten 1960er Jahren (zweite Welle) in den USA, setzt sich international allerdings kaum durch. Hierzulande sind die großen Konzerne unangefochten und kaum ein Kaffeekonsument fragt nach Ursprung, Verarbeitung und Alternativen. Nur wenige Konsumenten, die vielleicht in den USA waren, und den langsam aufkommenden Trend mitbekommen, versuchen, die Alternativen für den eigenen Hausgebrauch zu etablieren. Erst mit Beginn der 1980er Jahre setzt ein Umdenken ein. Beginnend mit Norwegen kommt der Trend in den 1990er Jahren in den USA an. Qualität, nachhaltiger Anbau, soziale Unterstützung der Kaffeebauern und anderes mehr werden nun immer wichtiger. International setzt sich der „Cup of Excellence“ in den folgenden Jahren als wichtigster Wettbewerb durch. Hier werden Spitzenkaffees unterschiedlicher Länder prämiert. Auch die Zubereitung von Kaffee in ganz unterschiedlichen Methoden wird ein spannender und wichtiger Aspekt der „Third Wave Bewegung“. Deutschland bleibt allerdings bis in die 2000er-Jahre hinein ein Entwicklungsland in Sachen „gutem“ Kaffee und auch heute noch ist das Interesse weit weniger stark vertreten als im Ausland.

An diesem Konzept orientiert sich auch die Kaffeerösterei „unbound“. Inhaber und Gründer Florian Mayrhofer hat seine „gläserne“ Manufaktur in den alten Werkshallen der Firma Svarovski vor ein paar Jahren eröffnet. Bei seinem täglichen Handwerk legt er viel Wert auf das Rückverfolgen des Kaffees von der Pflanze bis zur Tasse. Er bezieht seinen Kaffee von Plantagen, auf denen die Kaffeebauern zu fairen Konditionen arbeiten und Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird. Auch werden höhere Preise für den Rohkaffee bezahlt, als an der Kaffeebörse oder bei Fair Trade-Kaffee. Dass dem Team von „unbound“ Transparenz auch beim Rösten wichtig ist, erkennt man daran, dass es möglich ist, den Röstern bei der Arbeit über die Schulter zu blicken. Denn Florian Mayrhofer und sein Team haben nichts zu verbergen. Um die Kriterien der „Thirs Wave Coffee“-Bewegung transparent zu machen, verzichtet „unbound“ auf die klassischen Siegel, da diese von den Kaffeebauern finanziert werden müssen. Stattdessen setzt man auf ein hauseigenes Siegel. Dies beschreibt das Unternehmen wie folgt:

„TRACE BACK TO FARM“-Siegel

Unser Firmeneigenes „TRACE BACK TO FARM“ - Siegel bietet euch höchstmögliche Transparenz. Jede Bohne kann somit bis zur Farm zurückverfolgt werden. Wir geben euch jene Orte bekannt, die so nahe wie möglich zu den Farmen führen. Unser Plum Crazy (8°48'31.6"N 82°27'24.6"W) und unser Nutty Butty (18°59'04.8"S 46°16'55.3"W) kommen von einer einzelnen Farm, und daher führen euch die Koordinaten genau dort hin. Manche unserer Kaffees kommen jedoch von den oben genannten Kooperativen und sind somit eine Mischung von Kaffees aus einem Tal oder einer überschaubaren Region. Das betrifft unseren Merry Blueberry (0°30'53.2"S 37°06'43.9"E) und unseren Peachy Keen (5°52'59.7"N 38°59'0.8“E) sowie unseren Robusta aus Java, der unseren starken Choc´n`Brew verfeinert. Von dort aus ist es aber nicht mehr weit bis zu den einzelnen Farmen.

Warum Trace back to farm?

Wir haben großes Interesse daran, dass Mensch und Umwelt nicht geschadet werden. Fehlende Informationen bieten stets die Möglichkeit, Menschen hinters Licht zu führen. Alles was nicht offen Kommuniziert wird, kann von Anderen ausgenutzt werden. Folglich zahlen alle anderen den Preis, von den Arbeitern am Feld bis hin zu euch, den Konsumenten. Unserer Meinung nach sind Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit, zusammen mit dem Interesse und der Neugier der Konsumenten, die einzigen effektiven Maßnahmen für eine bessere und fairere Zukunft. Sobald offengelegt wird WAS, WO und WIE produziert wird, können es sich die Beteiligten in dem Wertschöpfungsprozess nicht mehr leisten, zu betrügen.

Warum kein Fair-Trade und Bio-Siegel?

Lange haben wir uns mit dem Thema Fair-Trade und Bio beschäftigt, weil uns Mensch und Umwelt am Herzen liegen. Leider sind wir vorerst auf einige Problem gestoßen.

Geschmack

Seit 2014 sind wir auf der Suche nach Farmen, die uns mit Bio- und Fair-Trade ausgezeichnete Kaffees liefern können. Jedoch konnten diese Kaffees geschmacklich bei weitem nicht mit normalen Spezialitäten-Kaffees mithalten. Zu Beginn 2017 standen wir vor einem Dilemma – sollten wir einen Kompromiss mit der geschmacklichen Qualität oder mit den Menschen und der Natur eingehen? Nach langer Suche und Überlegung wurden wir fündig – ein Kompromiss ist nicht nötig. Denn wir fanden heraus, dass Information der wichtigste Faktor ist, um Fairness und Rücksicht auf die Natur zu gewährleisten. die wichtigste Information, die wir euch bieten können, ist die Herkunft. Dahinter stehen wir mit unserem “TRACE BACK TO FARM“-Siegel.

Transparenz bei Zertifizierungen - Wieviel Wahrheit steckt dahinter

Du willst die Farmen besuchen wenn du auf reisen bist? Du willst dir selbst ein Bild von den Bedingungen an den Farmen machen? Eventuell willst mal an einer der Farmen arbeiten, die mit diversen Siegeln ausgezeichnet sind. Aber wo sind eigentlich diese Farmen, die diese ausgezeichneten Produkte herstellen? Und wie kommt man dorthin? Was bezahlt man genau, wenn man Produkte mit diversen Siegeln kauft?

Bei vielen Zertifizierungen bekommst du keine Auskunft darüber. Frag einfach mal nach und versuch Antworten zu finden...

Hohe Investitionen und erhöhtes Risiko

Nicht nur wir von Unbound mussten für den Start viel investieren, um ausgezeichneten Kaffee anbieten zu können. Vor allem kleine Farmen haben große Schwierigkeiten, Siegel zu bezahlen. Laufende Kontrollen, erschwerte Bedingungen, Risiko durch Ernteausfälle – all das lastet auf den Farmer-Familien. Und wohin geht der Aufpreis diverser Zertifikate wirklich? Auch hier fehlt oft die Transparenz.

unbound2Kaffeeanbau und Herkunft

Kaffee ist das am häufigsten konsumierte Getränk in Österreich und Deutschland. Weil er jedoch nur in tropischen und subtropischen Regionen unserer Erde wächst, können wir jedoch nie von regionalen Produkten sprechen. Bei allen Siegeln und Zertifizierungen macht es einen Unterschied, ob ich Eier vom regionalen Bauern kaufe oder Bio-Kaffee vom anderen Ende der Welt. Nur bei ersterem weiß ich wirklich, bei wem ich kaufe und kann mich relativ einfach über die Produktion informieren. Ein Vorteil den wir als kleine Rösterei bieten können, dass wir unsere Farmen und Lieferanten kennen und euch mehr darüber erzählen können als die großen Konzerne.

Das macht Transparenz und Offenheit wichtiger als jedes Zertifikat dieser Welt.

Wir haben wir uns vorerst gegen offizielle Zertifikate entschieden. Für uns sind zu viele Fragen offengeblieben und die geschmackliche Qualität würde darunter leiden. Dafür entscheiden wir uns mit unserem Namen und unserem eigenen TRACE BACK TO FARM - Siegel für Offenheit und Transparenz.

Jetzt liegt es auch an euch, nicht einfach nur weg zu schauen. Wir geben euch alle Informationen die wir haben und werden laufend selbst den Kontakt zu den Farmen halten, damit niemand ein schlechtes Gewissen haben muss, eine gute Tasse Kaffee zu genießen.“

Ausgewählte Sorten in der Vorstellung und im Geschmackstest

Kommen wir nun zu dem Teil, der wohl die meisten von euch besonders interessiert – den „praktischen“ Teil.

Für unseren Test hat uns Florian Mayrhofer, Gründer und Inhaber der Kaffeerösterei „Unbound“ freundlicherweise sieben Sorten des „Brew-Up“ Portfolios der Rösterei und die Sorte „Alpenröstung“ zur Verfügung gestellt. Die „Brew-Up“-Sorten hören auf die interessanten Namen „Go nuts – Espresso blend“, „Peachy keen – Äthiopien“, „Fruity beauty – fruity blend“, „Nutty butty – Brasilien“, „Choc and brew – Strong Espresso blend“, „Plum Crazy – Panama“ und „Merry Blueberry – Kenia“

Als die „Stars“ im Sortiment von „unbound“ kann man zweifellos die „Brew-up“ Kaffees bezeichnen. Alle Sorten kommen – was wir so noch bei keinem der zahlreichen von uns getesteten Kaffees und Espressi anderer Röstereien gesehen haben – in einem Pappzylinder verpackt daher. Der eigentliche Kaffee befindet sich dann in einer weiteren Verpackung mit Vakuumventil und Spitzboden, was ein wenig schade ist, da man so den Kaffee nicht einzeln entnehmen kann. Doch dafür kann man die Bohnen in den Pappzylinder schütten.

Kommen wir zur Beschreibung der Verpackungen. Auf dem Deckel und unter dem Zylinder finden wir das Logo der Kaffeerösterei „unbound“. Der Zylinder selbst kommt in dunkelbrauner Farbgebung daher. Auf der Front ist die Bezeichnung der Sorte zu finden, und die Mengenangabe sowie ein Siegel, dass eine Rückverfolgung bis zur Kaffeefarm garantiert. Darüber hinaus finden wir Angaben zum Tassenprofil bzw. Geschmacksprofil und Empfehlungen zur Zubereitungsart. Der zweite Clou (neben der Verpackung in der Verpackung) eröffnet sich dem Kunden beim Anheben des Pappzylinders. Hier sehen wir den Weg vom Wachsen des Kaffees über die Aufbereitung bis hin zum Aufbrühen. Erläutert werden die einzelnen Schritte mit Hilfe von Strichmännchen. Ebenfalls wird erläutert, dass es sich hierbei um einen „Third Wave Coffee“ handelt. Das Witzige: Beim Lesen und durch die Wortwahl hat man das Gefühl, der Kaffee selbst würde hier sprechen. Tolle Idee! Die eigentliche, den Röstkaffee enthaltende Verpackung, kommt im selben Grundton daher. Hier finden wir das Röst- und das Mindesthaltbarkeitsdatum des Kaffees sowie die Kontaktdaten des Unternehmens. Auf jeder Verpackung befinden sich auf der Vorderseite das Logo der Kaffeerösterei Bohnenschmiede, der Name des Kaffees / Espressos und die Gewichtsangabe. Auf der Rückseite gibt es Informationen zum Herkunftsland (inklusive Region und Finca / Farm), zur Aufbereitungsart und zur Anbauhöhe der Pflanzen. Aussagen zu den Varietäten finden wir nicht. Last but not least gibt es eine kurze Tassenprofil-Beschreibung und das MHD. Bei der Verpackung hat man bei „unbound“ an die Umwelt gedacht, da hier kein Aluminium verwendet wird und alles recycelt werden kann.

Zubereitung

Gemahlen haben wir die Sorten – wie immer – mit unserer Comandante C40 MK3 Nitro Blade für den Filter-Kaffee und der Baratza Sette 270W für die Espressi. Zubereitet haben wir die Sorten im Hario V60 Handfilter, in der French Presse, dem Siebträger, im Kaffeevollautomaten, der Chemex, der AeroPress und in der neuen Cafflano Kompresso. Mehr dazu im separaten Test.

Geschmackstest

Die Texte zur Produktbeschreibung stammen von der Kaffeerösterei „unbound“ bzw. wurden von uns ergänzt. Die Geschmackseindrücke fassen wir kurz zusammen.

Im Shop von „unbound“ werden die verschiedenen Sorten sowohl als ganze Bohne als auch gemahlen für verschiedene Zubereitungsmethoden. Angeboten wird jede Sorte in den Größen 250g und 1000g.

Der „Go Nuts“

Für unseren Go Nuts rösten wir etwas länger und mit höheren Temperaturen. Dadurch werden angenehme Röstaromen erkennbar, während die Säure verringert wird. Nuss, Schokolade, Pfirsich und Pflaume vereinen sich zu einem ausgewogenen Espresso. Zusätzlich kannst du Aromen von Mandel und Karamell erkennen. Wichtig ist aber vor allem die richtige Zubereitung.

Der Rohkaffee ist ein Blend, der sich zu 60% aus Nutty Butty (Brasilien), zu 25% aus Peachy Keen (Äthiopien) sowie zu 15% aus Plum Crazy (Panama) zusammensetzt.

Unser Eindruck: Ein Espresso, wie man ihn sich wünscht. Der geht nach vorne, der hat ordentlich Dampf! Mandel und Karamell erinnern an den Jahrmarktsrummel oder an den Weihnachtsmarkt. Ein Espresso, wie man ihn gerne mit Freunden zusammen genießt oder wie man ihn nach dem Essen trinken möchte. Lecker, schwarz und feurig. Besser kann es der Italiener um die Ecke auch nicht machen.

Der „Peachy Keen“

Für unseren Peachy Keen rösten wir deutlich kürzer und mit niedrigeren Temperaturen. Dadurch ist der Geschmack sehr klar und wird nicht von Röstaromen überdeckt. Das natürliche Aroma der Kaffeekirsche bleibt somit erhalten. Durch die trockene Aufbereitung entsteht ein süßlich-cremiger Abgang. Wichtig ist aber vor allem die richtige Zubereitung.

Die Kaffeebohnen für diesen Kaffee stammen aus Äthiopien, der Wiege des Kaffees. Der Aferara Natural Grade 1 stammt aus Guji in der Region Oromia. Der Rohkaffee wird natural aufbereitet und liegt in der Varietät Ethiopien Heirloom vor.

Unser Eindruck: Der Kaffee ist ein wahrer „Fruit Punch“. Mit komplexen floralen und obstigen Aromen ist er ein typischer Vertreter der Aromenvielfalt, die Kaffees aus Yirgacheffe, Sidamo und Co. Auszeichnen. Nie aufdringlich, immer klar und direkt und mit einem feinen Abgang. Vielleicht nicht unbedingt für den Mainstream aber für Kenner eine wahre Delikatesse!

Der „Fruity Beauty“

In den Fruity Beauty schaffen es nur unsere 3 fruchtigsten Kaffees. Dadurch entsteht ein abgerundetes und sehr komplexes Geschmacksbild. Neben Pfirsich, Pflaume und Blaubeere kannst du auch Erdbeere, Zitrone und Kirsche entdecken. Wichtig ist aber vor allem die richtige Zubereitung.

Unser Eindruck: Bei diesem Kaffee handelt es sich um einen Blend aus drei verschiedenen Rohkaffees. Dies sind zu 50% der „Peachy Keen“ (Äthiopien), zu 30% der „Plum Crazy“ (Panama) sowie zu 20% der „Merry Blueberry“. (Kenia) Zu den einzelnen Farmen könnt ihr dann jeweils im eigenen Testteil etwas nachlesen.

Der Kaffee-Blend hinterlässt einen sehr aromatisch-fruchtigen Gesamteindruck, wie der Name bereits erahnen lässt. Schon beim Öffnen der Verpackung strömt ein intensiver Fruchtduft in die Nase. Dominant ist hier die Kirsche. Zubereitet verstärkt sich das Bouquet und auch Pflaume und ein Hauch Blaubeere ist zu erkennen. Im Mund schmeichelt der Kaffee. Im Abgang erkennt man die Zitrone. Insgesamt ein wunderbar komponierter, nicht zu starker Kaffee, den man gerne zum Frühstück aber auch zwischendurch trinkt.

unbound3Der „Nutty Butty“

Für unseren Nutty Butty rösten wir deutlich kürzer und mit niedrigeren Temperaturen. Dadurch ist der Geschmack sehr klar und wird nicht von Röstaromen überdeckt. Das natürliche Aroma der Kaffeekirsche bleibt somit erhalten. Die Kombination aus Walnuss, Mandel, Karamell und etwas Schokolade trifft den klassischen Kaffeegeschmack. Wichtig ist aber vor allem die richtige Zubereitung.

Der Rohkaffee des „Nutty Butty“ kommt von der Fazenda Capim Branco aus der Region Cerrado Mineiro. Besitzer der Farm ist Ismael José de Andrade. Der Kaffee wird natural aufbereitet und liegt in der Varietät Yellow Catuai vor.

Brasilianische Kaffees waren über viele Jahre nicht als Spitzenkaffees angesehen und wurden in großen Chargen für industriell zubereiteten Kaffee gehandelt. Doch in den vergangenen Jahren hat man sich mehr und mehr auf Kaffee für Spezialitätenröstereien fokussiert. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist Ismael Andrade, der auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit setzt.

Der Kaffee von Ismael Andrade wurde bereits mehrfach als Cup of Excellence Kaffee prämiert. Die Bohnen des Yellow Catuai wachsen auf dem berühmten Cerrado Plateau. Nachdem der Kaffee aufbereitet wurde, lässt Isamel Andrade den Kaffee bis zu einem halben Jahr weiter reifen. Erst danach wird er geschält und poliert.

Unser Eindruck: Der „Nutty Butty“ ist ein sehr interessanter, wuchtiger Kaffee. Zunächst kommt er ein wenig fruchtig, süßlich daher, um dann mit Mandel aufzuwarten. Im Abgang machen sich ganz dezente Bitterschokoladennoten breit. Sehr spannend.

Der Choc'n'brew

„Die Kaffeekirsche ist eine Frucht. Wie auch beim Wein ist der Geschmack abhängig von Pflanzenart, Bodenbeschaffenheit, Aufbereitung und vielen anderen Faktoren. Für unseren Choc'n'brew rösten wir deutlich länger und mit höheren Temperaturen. Dadurch treten Röstaromen in den Vordergrund, während die Säure stark verringert wird. Nuss, Schokolade, Pfirsich und Pflaume werden zu einem starken Espresso vereint. Hochwertiger Robusta bringt Crema und Noten von Bitterschokolade in den Espresso. Wichtig ist aber vor allem die richtige Zubereitung.

Choc'n'brew - italienischer Espresso der Extraklasse (85% Arabica und 15% Robusta)

„Für unseren Choc'n'brew verwendet wir den nussigen und cremigen Nutty Butty dazu etwas Peachy Keen und Plum Crazy. Für den typisch italienischen Einschlag kommt noch hochwertige Robusta aus Indonesien hinzu. Ein perfekter Espresso für Freunde der italienischen Kaffeekultur.“

Unser Eindruck: Wer es noch stärler und italienischer haben will, dem sei dieser Blend zu empfehlen. Ein ganz toller Espresso mit kräftigen Aromen, einer rauchigen Note und einer tollen Crema. 

Der „Plum Crazy“

„Unseren Plum Crazy rösten wir deutlich kürzer und mit niedrigeren Temperaturen. Dadurch ist der Geschmack sehr klar und wird nicht von Röstaromen überdeckt. Das natürliche Aroma der Kaffeekirsche bleibt somit erhalten. Neben Pflaume kannst du Kirsche und leicht blumige Aromen entdecken. Wichtig ist aber vor allem die richtige Zubereitung.“

Bei diesem Kaffee handelt es sich um einen Single Origin aus Panama. In der Region Boquete, genauer gesagt auf der Farm „La Fortuna“, wird der Rohkaffee angebaut und natural aufbereitet. Der Kaffee liegt in der Varietät Typica vor. Kaffee aus Panama gehört zu den besten Kaffees weltweit. Der Kaffee wächst im zentralen Hochland Panamas in unmittelbarer Grenze zu Costa Rica und dem Pazifik. Da vor Ort ein mildes Klima mit gleichmäßigem Niederschlag, nährstoffreiche Böden an Vulkanhängen und eine perfekte Höhenlage vorliegen, kann der Kaffee hier besonders gut gedeihen.

Unser Eindruck: Der feine Kaffee aus Panama begeistert und durch seinen komplexen und sehr aromatischen Charakter. Der leichte bis mittlere Körper harmoniert mit der ausgewogenen Säure. Die floralen Aromen liegen angenehm und lange im Gaumen. Die fragile Struktur weiß dabei ebenso zu begeistern, wie der lange Abgang. Sehr delikat!

Der „Merry Blueberry“

„Für unseren Merry Blueberry rösten wir deutlich kürzer und mit niedrigeren Temperaturen. Dadurch ist der Geschmack sehr klar und wird nicht von Röstaromen überdeckt. Das natürliche Aroma der Kaffeekirsche bleibt somit erhalten. Neben Blaubeere kannst du Zitrone und im Abgang Himbeere erkennen. Wichtig ist aber vor allem die richtige Zubereitung.“

Die Bohnen des vorliegenden Kaffees stammen von der Farm Kiamabara in der Region Nyeri an der Grenze zu Nairobi. Der Kaffee wird gewaschen aufbereitet und liegt in den Varietäten SL28 und SL34 vor.

Kiamabara Coffee Factory

Die Kiamabara Coffee Factory befindet sich im Bezirk Nyeri in der Nähe von Karatina Town und bildet zusammen mit Gatina die Mugaga Farmer Cooperative Society (FCS).

Die Fabrik wurde in den frühen achtziger Jahren gebaut, um Kaffeekirsche von den benachbarten Farmen zu verarbeiten, und bezieht die Wasserversorgung aus dem nahe gelegenen Fluss Kingu.

Die Fabrik erhält Unterstützung von der Organisation Coffee Management Services, deren langfristiges Ziel die Steigerung der Kaffeeproduktion durch Schulungen für Landwirte, Zugang zu den Eingängen sowie Seminare für gute landwirtschaftliche Praxis sind.

Landwirte haben Zugang zu Vorfinanzierungen für ihre Ernten und erhalten Vorschüsse für Schulgebühren und landwirtschaftliche Betriebsmittel. Die Schulung des Werksleiters wird jedes Jahr von Coffee Management Services aktualisiert, zusammen mit Feldtagen, die vom Minister für Landwirtschaft und Agrochemie-Unternehmen abgehalten werden, die den Landwirten neues Wissen und Know How liefern.

In Kenia gibt es mehr als 700.000 Kleinbauern, die etwa 55% der kenianischen Witschaftsleistung ausmachen.

Unser Eindruck: Geschmacklich ist der „Merry Blueberry“ ein sehr klarer Kaffee mit feinen Aromen, ein wenig Säure und einem schönen, fruchtigen Bouquet. Die namengebende Blauberry spielt sich in den Vordergrund, dominiert aber nicht zu stark und überlagert zu keiner Zeit die anderen Aromen. Der lange, saubere Abgang weiß zu gefallen.

Fazit: Die von uns getesteten Sorten konnten uns voll und ganz überzeugen. In Sachen Nachhaltigkeit und Fairness bietet man schon eine ganze Menge, könnte aber beispielsweise noch aufzeigen, was den Kaffeebauern vor Ort genau gezahlt wird, in welche (sozialen) Projekte Geld fließt etc. Die damit verbundene Transparenz ist weit höher, als bei manch anderem Kaffeeröster. Von der Qualität des Kaffees her beweist „unbound“, dass es nicht immer ein „Cup of Excellence“-Gewinner sein muss, um Spitzenkaffee zu bieten. Insgesamt gibt es von uns ganz klar eine Kaufempfehlung

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 9 von 10 Punkten

9Fairness und Nachhaltigkeit: 8,5 von 10 Punkten

Geschmack: 9 von 10 Punkten

Transparenz: 8,5 von 10 Punkten

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Florian Mayrhofer von der Kaffeerösterei „unbound“ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

D. Stappen

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