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Zeitlose Schönheit im Test - Die Rancilio Silvia

RancilioBild3Was verbindet ihr mit „Italien“? Viele von euch werden jetzt an DAS Schlagwort schlechthin denken: „La Dolce Vita“, zu deutsch: „Das süße Leben“. Dieses Motto beschreibt besonders gut den italienischen Lifestyle vor allem deswegen, weil Italiener bekanntlich Genussmenschen sind. Neben Pasta und Wein ist es vor allem der Espresso, der den Lebensstil des Landes am Mittelmeer kennzeichnet. Wer sich ein Stück Italien nach Hause holen möchte und darüber hinaus Espresso liebt, kann dies in Form einer Siebträgermaschine tun. Von rund 500 Euro bis hin zu mehreren tausend Euro reicht da die Preisspanne.

Als Anfänger möchte man vielleicht noch nicht allzu viel Geld investieren, um erst einmal zu schauen, ob man überhaupt mit der Materie klar kommt. Wer also in die Welt des Espressos hereinschnuppern möchte und trotzdem sehr gute Espressi machen will, der kommt um DIE Einsteigermaschine schlechthin, die „Rancilio Silvia“, nicht herum. Dank der freundlichen Unterstützung von Rancilio, die uns ein Testexemplar zur Verfügung gestellt haben, ist es uns nun möglich, euch die Maschine vorzustellen und unsere Eindrücke von diesem tollen „Einkreiser“ zu schildern. Im Langzeittest, der sich als Update an den Artikel anschließen wird, werden wir dann schauen, wie wir auf lange Sicht mit dem Gerät arbeiten konnten. Viel Spaß mit der Lektüre.

Die Kleine – seit über 20 Jahren eine der ganz Großen

Es war im Jahr 1998. In den USA kommt Präsident Clinton über eine Affäre mit seiner Praktikantin ins Straucheln, der Papst besucht Kuba, in Deutschland endet die „Ära Kohl“ und in Italien wird im Hause Rancilio eine neue Siebträgermaschine vorgestellt, die bis heute zu den beliebtesten Einkreiser-Maschinen (mit Vibrationspumpe) gehören wird: Die „Miss Silvia“. Und obwohl in den folgenden Jahrzehnten fünf Generationen das Licht der Welt erblickt haben, ist die Maschine in den Grundzügen dieselbe, wie Anno 1998. Warum dies so ist? Weil die „Silvia“ eine schöne, zeitlose und funktionale Siebträgermaschine ist, die zwar so ihre Tücken hat, aber dafür mit einem wunderbaren Espresso glänzen kann (Vorausgesetzt ihr habt gute Bohnen im Einsatz. Aber davon gehen wir einfach mal aus...)

Technische Spezifikationen der Maschine

Die „Rancilio Silvia“ wiegt 14kg und misst 34 x 23,5 x 29cm. Sie hat eine Leistung von 1100 Watt und besitzt einen 2,4 Liter fassenden Wassertank. Die „Silvia“ verfügt über eine Dampflanze und einen Siebträger. Der Dampf wird über einen Drehknopf geregelt. Vier Kippschalter sind zum Ein- und Ausschalten (mit LED-Lämpchen daneben), für den Espressobezug, für Heißwasser und zum Aktivieren des Dampfes da. Das Gehäuse der Maschine besteht aus gebürstetem Stahl. Mitgeliefert werden ein Plastiktamper (den ihr allerdings nicht nutzen solltet, da die Qualität und Größe nicht zufriedenstellend sind), ein 58er Siebträger, ein Messlöffel und ein Blindsieb. Der Wassertank (sinnvollerweise nur mit gefiltertem Wasser zu befüllen) ist im hinteren Teil der „Silvia“ eingebaut und kann von oben mit Frischwasser befüllt werden. Einen Festwasseranschluss besitzt die Maschine nicht. Zur Reinigung könnt ihr den Wassertank entnehmen. Auf der Oberseite der Maschine können Espresso- oder Cappuccino-Tassen abgestellt bzw. vorgewärmt werden. Ein Gitter („Reling“) gibt es nicht. Die Auffangschale besteht ebenfalls aus Edelstahl. Wichtig ist bei der Maschine, dass ihr sie immer trocken und sauber haltet. Zum einen aus hygienischen Gründen, zum anderen, damit sich kein Rost entwickeln kann. Ebenfalls sollte man wissen, dass die „Rancilio Silvia“ keine E61Brühgruppe und keinen PID-Regler zur konstanten Temperatursteuerung besitzt.

Zubehör, Tipps und Praxistest

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei dieser Siebträgermaschine um einen Einkreiser. Das heißt, ihr könnt entweder nur einen Espresso beziehen oder nur Milch schäumen. Beides parallel ist nur mit einem Zweikreiser oder einem Dualboiler möglich. Wenn ihr also in erster Linie Espressi oder hin und wieder mal einen Cappuccino oder Latte Macchiato trinkt, dann könnt ihr hier glücklich werden (Vor allem, da die Maschine preiswerter ist, als die meisten Mitbewerber im Einkreiser-Bereich). Nicht umsonst haben viele der Barista-Profis ihre ersten Gehversuche mit eben dieser Maschine gemacht.

Bevor ihr den ersten Espresso bezieht, solltet ihr zunächst einmal ordentlich Wasser durch die Maschine jagen, damit alles sauber und aufgeheizt ist. Auch ein Leerbezug (also ohne Kaffeemehl) sollte vorab stattfinden. Apropos Sauberkeit: Eigentlich versteht es sich von selbst. Aber für diejenigen unter euch, die sich noch nie mit einer Siebträgermaschine befasst haben, sollte erwähnt sein, dass alle Siebträgermaschinen nach jedem Bezug (oder spätestens am Ende des Tages) gereinigt werden müssen. Anderenfalls habt ihr Kaffeepulverreste an der Brühgruppe bzw. Dusche, Kalk im Wassertank oder Rost in der Maschine. Hierzu empfehlen wir einen Pinsel mit harten Borsten, um den Siebträger sauber zu halten, trockene Tücher zum nachwischen (was vor allem bei derDampflanze wichtig ist), eine Bürste (am besten mit Rillen, um sich nicht die Hände zu verbrühen) zum Reinigen der Brühgruppe / Dusche sowie Kaffeefettlöser in Form von Tabs oder Pulver. Wenn ihr eure Maschine regelmäßig pflegt, wird sie euch viele Jahre problemlos ein treuer Begleiter sein.

Habt ihr die Maschine also mit Wasser durchgespült, könnt ihr euch um den Kaffee kümmern. Bezüglich der Mühle und des Mahlgrads werdet ihr unzählige Empfehlungen finden. Von kleinen Einsteigermühlen bis hin zu Profimühlen gibt es eine enorm weit gefächerte Angebotspalette. Gerade Anfänger sollten sich daher beim Fachmann oder in diversen Foren RancilioBild2umhören. Wichtig ist, dass die Mühle fit für Espressi ist. Denn um ein gutes Ergebnis und damit einen perfekten Espresso zu erhalten, müssen der Mahlgrad fein und das Mahlgut homogen sein. Für ein Doppelsieb empfehlen wir rund 16g Pulver für einen doppelten Espresso (oder 8g für einen einfachen Espresso). Als Richtangabe für die perfekte Zeit sind ca. 23-26 Sekunden zu veranschlagen. Auch das richtige Tampen, also das Verdichten des Kaffeepulvers zu einem homogenen „Kaffeekuchen“, will geübt sein. Daher seid nicht frustriert, wenn es nicht sofort mit dem perfekten Espresso klappt. Denn auch bei den Tampern gibt es unterschiedliche Modelle. Hier empfehlen wir einen Tamper mit Stahlboden (z.B 58mm). Ob druckregulierend oder nicht, darüber gibt es ebenfalls viele Meinungen. Preislich solltet ihr einen klassischen Tamper in Erwägung ziehen, da druckregulierende Tamper in der Regel das Doppelte kosten. Hinzu kommen eine Andrückstation, in die ihr den Siebträger einspannen könnt, um problemlos zu tampen und eine Abschlagbox, um den Puck zu entsorgen.

Wenn ihr den Kaffee dann gemahlen und getampt habt, wird der Siebträgerhalter in die Brühgruppe eingehängt. Dies funktioniert bei der Maschine leicht und ohne verhaken. Wichtig ist, dass ihr den Siebträgerhalter fest einspannt. Sobald die Diode an der Front der „Silvia“ grün leuchtet, könnt ihr den Bezug des Espressos starten. Habt ihr alles richtig gemacht, läuft der Espresso gleichmäßig wie ein kleiner Mäuseschwanz in die Tasse und eine schöne marmorierte Crema ist das Ergebnis. Wollt ihr zusätzlich Milch schäumen, müsst ihr ein wenig experimentieren. Denn bei der „Rancilio Silvia“ gibt es einige Dinge zu beachten: Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass die Maschine für den Bezug von Espresso eine Temperatur von ca. 92-95 Grad benötigt, für Milchschaum jedoch über 120 Grad. Da die Maschine allerdings über keine Möglichkeit verfügt, die Temperaturen exakt anzusteuern oder über einen längeren Zeitraum konstant zu halten, müsst ihr hier ein wenig testen bzw. kleinere Pausen einhalten. Denn wenn ihr unmittelbar nach dem Milchschäumen einen zweiten Espresso beziehen würdet, oder zuerst die Milch und dann den Espresso bezieht, werden sämtliche Aromen der Kaffeebohnen bzw. im Kaffeepuck zerstört, da das Wasser des Milchschaums viel heißer ist, als es für einen Espresso der Fall sein darf. Daher solltet ihr ca. anderthalb Minuten abwarten. Dies hat natürlich zur Folge, dass der Espresso in der Zeit ein wenig abkühlt. Dafür ist die Dampfkraft, welche die „Silvia“ zu bieten hat, ausreichend, um eine mittlere Menge an Milch zu schäumen. Für Latte Art ist das ok. Ihr solltet auf jeden Fall darauf achten, das Ventil langsam zu öffnen und das zuerst ausströmende Kondenswasser in eine Tasse oder ein Glas abzuführen. Anderenfalls habt ihr alles im Kännchen und somit eine wässerige Milch. Da die Dampflanze frei schwenkbar und durch den Gummimantel gut geschützt ist, könnt ihr flexibel mit ihr arbeiten ohne euch die Finger zu verbrennen. Das Milchschäumen beginnt erst dann, wenn ihr den entsprechenden Kippschalter betätigt. Das Ergebnis (mit 3,8%iger Milch) ist sehr gut und braucht sich hinter den „großen“ Maschinen nicht zu verstecken.

Fazit: Nach diesen ersten Schritten mit der „Rancilio Silvia“ können wir sagen, dass wir von der legendären Einkreiser-Siebträgermaschine begeistert sind. Die Maschine bietet ein perfektes Preis-Leistungsverhältnis und gehört in ihrer Klasse zu den Topmodellen. Kein Wunder, dass sie seit über 20 Jahren ein oft gekauftes Modell ist. Vorausgesetzt ihr habt „gute“ Bohnen und eine entsprechende Mühle, bietet euch die Maschine einen tollen Espresso-Geschmack, ist recht einfach zu bedienen (auch wenn wir uns eine PID-Steuerung wünschen würden) und – die notwendige Pflege vorausgesetzt – nahezu unverwüstlich. Auch das Milchschaum-Ergebnis kann sich sehen lassen. Vom Design her ist die „Rancilio Silvia“ zeitlos und passt – dank der recht kompakten Bauweise - wunderbar in jede Küche. Neben der Maschine solltet ihr euch aber auf jeden Fall einen „vernünftigen“ Tamper und das bereits erwähnte Zubehör zulegen. Dann steht eurem Espresso-Vergnügen nichts mehr im Weg. 

Zum Schluss haben wir noch einen kleinen Tipp für euch: Rancilio Deutschland bietet auch Barista Kurse für die Silvia an. In der Presseinfo heißt es hierzu: „Da wir festgestellt haben, dass sich solch eine Maschine immer mehr Beliebtheit erfreut, jedoch der Käufer schnell an seine Grenzen stoßen kann, bieten wir diese Kurse direkt an der Silvia Maschine an. Somit soll ein potenzieller Käufer/Interessent nicht alleine dastehen und von der Mühlen Einstellung, zum perfekt extrahierten Espresso bis zum Milchaufschäumen alles erklärt und gezeigt bekommen.“ Solltet ihr also einmal in Frankfurt am Main bzw. im Umland sein, empfehlen wir euch, einen Kurs zu buchen. In der Zentrale in Neu-Isenburg finden die Kurs als 1-Tages Kurs (ca. 4 Std.) überwiegend an Samstagen statt. Der Kursbeitrag beträgt aktuell 99 Euro pro Person. Bei mehr als acht Teilnehmern wären auch Kurse außerhalb von Neu-Isenburg möglich. 

Alle Infos, Anfragen, Buchungen etc. findet ihr auch auf der Homepage

+++ Test-Update vom 23.08.2019 +++

Nach einigen Wochen, die wir mit der „Rancilio Silvia“ nun verbracht haben, wurden wir zu echten „Surfern“. Neulinge in Sachen Espresso- und Siebträgermaschinen dürften sich jetzt fragen, was die „Silvia“ mit dem beliebten Strandsport zu tun hat? Die Antwort ist einfach: Wie bereits in unserem ersten Testeindruck beschrieben, kann eine Einkreiser-Maschine nicht extrahieren, schäumen und gleich danach wieder extrahieren, da die Temperatur beim Espressobezug und beim Milchschäumen eine ganz andere ist und über einen „Kreislauf“ innerhalb der Maschine die schnelle Temperaturanpassung einfach nicht möglich ist. Daher müsst ihr entweder warten oder „surfen“. Dafür müsst ihr beim Hochheizen der Maschine die Dampftaste anschalten und den Restdampf des Boilers ableiten. Gleichzeitig muss dann kaltes Wasser hinzugeführt werden. So wird einerseits das heiße Wasser abgeleitet, andererseits die Temperatur durch das kalte Wasser gesenkt. Nun heizt die Maschine wieder auf. Danach müsst ihr entweder noch einmal kurz warten oder kurz nachspülen. Klingt komplizierter, als es ist. Dies ist allerdings bei allen Einkreisern ein Moment, mit dem man „leben muss“.

Gewünscht hätten wir uns, dass die Maschine mit mehreren Ausgängen an der Dampflanze ausgestattet worden wäre. Dann hätte die Dampflanze den Dampf gleichmäßiger in die Milch leiten können. Da die Lanzette jedoch nur über einen Ausgang verfügt, bedarf es hier einiger Übung. Das Milchschäumen hat in unseren Versuchen stets zuverlässig funktioniert. Wer allerdings mehrmals hintereinander oder mehrfach am Tag Getränke mit Milch bzw. Milchschaum anbieten möchte, der sollte sich auf Dauer doch vielleicht für einen Zweikreiser entscheiden. Nachdem wir uns einen vierlöchrigen Aufsatz gekauft hatten, konnten wir in Punkto Milchschaum noch bessere Ergebnisse erzielen.

Eine weitere Sache, die uns aufgefallen ist, sind die doch recht kurzen Standfüße der Maschine. Wenn man mit der Dampflanze Milch aufschäumt und hierzu ein größeres Gefäß benutzt, wird der Platz auf der Arbeitsplatte zu knapp, da man während des Milchschäumens das Milchkännchen nicht weit genug herunterziehen kann. Hierzu muss dann entweder die Silvia auf ein Podest oder eine Tamperschublade drunter gestellt werden. Längere Standfüße würden Abhilfe schaffen.

Was uns positiv aufgefallen ist, ist die relativ kurze Aufheizphase, die bei einigen Testern als recht lang kritisiert wurde. Dies scheint mit dem aktuellen Modell behoben worden zu sein. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist, dass die Dampflanze ordentlich Druck für eine große Menge Milchschaum. Hier muss sie sich nicht hinter der Konkurrenz verstecken.

9Unser Fazit kann daher noch einmal bestätigt werden: Die Rancilio Silvia leistet hervorragende Arbeit, bietet tolle Espressi und eine hohe Qualität und ist vor allem für Einsteiger aber auch preisbewusste „Heim-Barista“ absolut zu empfehlen.

Die inn-joy Redaktion vergibt für die „Rancilio Silvia“ in ihrem Segment 9 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Firma Rancilio für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

 

Fotos: (c) inn-joy Redaktion; Text: C. Heiland

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