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Kaffeelegende oder viel Schall und Rauch? "Jamaica Blue Mountain" von Café Plaisir im Test

JamaicaEs gibt Kaffees, um die ranken sich Legenden, Mythen und zahlreiche Geschichten. Meist steckt mehr Schein als Sein dahinter, so wie beispielsweise beim hoch gejazzten „Katzenkaffee, dem „Kopi Luwak“, der in Wirklichkeit jedoch alles andere als eine besondere Rarität oder geschweige denn eine Delikatesse ist. Doch dann gibt es wenige Raritäten, die wirkliche Kenner und Feinschmecker wie einen Popstar verehren. Zu diesen Kaffees gehört die Sorte „Jamaica Blue Mountain“ aus dem gleichnamigen Gebirge im Karibikstaat Jamaika. Wer diesen auf sehr geringer Fläche angebauten und aufwändig transportierten Kaffee jemals getrunken hat – so die Experten – der weiß, wie Champagner in Kaffeeform schmeckt. Daher waren wir umso neugieriger und auch erstaunter, als uns Carsten Schäfer von der Rösterei „Café Plaisir“ aus Saarlouis eine kleine Packung dieses wunderbaren Kaffees in die Redaktion geschickt hat. Wie uns dieser „Champions League“-Kaffee geschmeckt hat und ob wir ebenfalls zu seinen neuen „Jüngern“ geworden sind, verraten wir euch im Folgenden.

Schon bei Anbau und Transport etwas ganz Besonderes

Der Rohkaffee des „Jamaica Blue Mountain“ wird – wie bereits erwähnt – auf einer recht kleinen Fläche angebaut. Das Gebiet liegt inmitten einer Gebirgslandschaft, die bis zu einer Höhe von 2300m reicht. Auf den südlichen Hanglagen werden von den Kaffeebauern die Kaffeesträucher für den „Jamaica Blue Mountain“ fast schon liebevoll umsorgt. Aufgrund der geringen Produktionsmenge gehört der „Jamaica Blue Mountain“ zu den teuersten Kaffeesorten weltweit. Hinzu kommt das dieses Kaffees liegt darin begründet, dass dieser Kaffee nur auf einer sehr begrenzten Fläche angebaut werden kann. Jamaika wird westöstlich von einem Gebirge durchzogen, das zu der dem karibischen Raum zugewandten Küstenzone in den „Blue Mountains“ (der Name kommt vom bläulich schimmernden Nebel in der Gebirgsregion) Höhen bis zu 2256m erreicht. Nur im südlichen Hanggebiet dieser Region werden die besten Kaffees der Insel angebaut und in einer Höhe von etwa 1000 bis 1700m von den Kleinbauern geerntet. Die Produktion ist sehr begrenzt und damit zählt Jamaika Blue Mountain Kaffee zu einem der teuersten Kaffees der Welt. Auch das optimale Klima und beste Bodenverhältnisse sorgen für einen wunderbaren Kaffee. Denn aufgrund des Nebels kommt es zu geringeren Sonneneinstrahlungen als bei anderen Sorten und eine sehr lange Reifung bis zur Ernte von beinahe einem Jahr. Darüber hinaus ist es klimatisch im „Blue Mountain“-Gebirge recht kalt und nass, was ebenso zum einzigartigen Geschmack beiträgt. Apropos Geschmack: Im Gegensatz zu anderen Kaffees wird der Rohkaffee nicht in Jute- bzw. Leinensäcken, sondern in Holzfässern verschifft und transportiert. Auch dies trägt mit dazu bei, dass das Aroma intensiv, kräftig, würzig und lang anhaltend ist. Leider blüht seit etlichen Jahren auch der Handel mit teilweisen oder kompletten Fälschungen des „Jamaica Blue Mountain“, der aber dennoch zu hohen Preisen verkauft wird. Das Original mit dem Siegel „Blue Mountain Coffee“ darf nach dem „Coffee Industry Board“ nur derjenige Kaffee tragen, der aus eben jener Anbauhöhe stammt. Auf Jamaika gibt es gerade einmal sechs Röstereien, die mit dem Siegel des „Blue Mountain Coffee“ rösten.

Der „Jamaica Blue Mountain“ im Geschmackstest

Nach dem Öffnen der Verpackung strömt bereits ein recht intensiver, würziger Duft in die Nase. Dieser wird durch das Mahlen (zum Einsatz kam unsere Baratza Sette 270Wi) noch betont. Obwohl er „medium“ geröstet ist, wirkt der Kaffee wirkt er eher wie ein „Dunkler“. Die unglaubliche Würze, der erdig-hölzerne Geschmack und irgendwie Tabaknoten, die an eine kubanische Zigarre erinnern; All das ergänzt sich zu einem spannenden Aromenbouquet mit tollem Volumen und einem sehr langen Abgang. Der „Blue Mountain“ bleibt extrem lange am Gaumen hängen und kann noch Minuten später nachgespürt werden. Das muss man natürlich auch mögen. Dieser Kaffee ist weit ab von dem, was selbst im gängigen Rösterei-Angebot zu finden ist. Als Espresso ist der Kaffee ebenso eine Wucht, wie als Filterkaffee. So oder so bietet er eine wahre Geschmacksexplosion, die man sich – das nötige „Kleingeld“ vorausgesetzt – nicht entgehen lassen sollte.

Fazit: Mit dem „Jamaica Blue Mountain“ erhaltet ihr nicht nur einen der besten und teuersten Kaffees, sondern auch ein Stück der jamaikanischen (Rastafari)Kultur. Man fühlt sich in gewisser Weise beim und nach dem Verkosten tiefenentpannt und einfach wohl. Ob der Preis nun gerechtfertigt ist (es gibt 10diverse Microlots die fast genauso gut schmecken und dennoch um einiges weniger kosten), sei dahingestellt. Er ist und bleibt ein Mythos und geschmacklich ein Abenteuer.

Die inn-joy Redaktion vergibt 10 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Carsten Schäfer von der Kaffeerösterei „Café Plaisir“ für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

 

D. Stappen, M. Heiland

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