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| Marc Heiland | Kaffeewelten

MerakiBild1Zwei Jahre ist es nun her, dass uns die „Meraki“, eine All-in-One Espressomaschine aus China, als Prototyp zur Verfügung gestellt wurde. Das über „Kickstarter“ seinerzeit finanzierte Produkt liegt mittlerweile in der zweiten Iteration vor. Zeit für eine Bestandsaufnahme, was sich seit dem Prototypen bis zur heutigen „Generation 2“ verändert hat, was möglicherweise verbessert wurde und wo wir weiterhin Verbesserungsbedarf sehen.

Das Zubehör
Fangen wir beim Zubehör an. Dies ist im Umfang sehr reichhaltig und bietet fast alles, was das (Einsteiger-)Herz sich wünschen kann. Wie beim Prototypen, findet sich auch in der neuen Maschinengeneration ein recht ordentlicher Leveler aus Metall zum glattziehen des Kaffeepucks, ein Standard-Tamper, der ebenfalls aus Metall ist (leider ohne Druckregulierung), ein Brühgruppen-Pinsel aus Kunststoff, ein magnetischer Becher für das Kaffeemehl, ein Siebträger mit Holzgriff, der recht gut in der Hand liegt und sowohl in der bodenlosen Version als auch mit zwei Ausläufen genutzt werden kann plus ein Blindsieb aus Metall und ein Reinigungstuch. Die Ablage für das Zubehör, die auch zum Tampen genutzt werden kann, besteht nicht mehr aus Kunststoff, sondern aus Holz und sieht dadurch etwas edler aus. Dazu kommen noch ein kleines Handbuch sowie eine Quick Start-Anleitung, die nun auch auf Englisch sind. Theoretisch könnt ihr auch einen Wasserfilter in den zwei Liter fassenden Wassertank einsetzen. Dieser ist im Lieferumfang jedoch nicht enthalten. Last but not least liegt dem Liferumfang auch ein kleines Milchkännchen bei. Dieses ist leider nach wie vor recht klein.

Die Technik
Intuitive und einsteigerfreundliche Bedienung stehen auch bei der neuen Version der „Meraki“ ganz weit oben.
Wie vor zwei Jahren der Prototyp, so besitzt auch die neue Version ein 38mm-Kegelmahlwerk von „Timemore“. Dies wird auch in einem „Timemore“-Aufkleber auf dem Mühlenkorpus deutlich gemacht. Da viele Nutzer sich bei der ersten Iteration beklagten, dass der Mahlgrad nicht fein genug bzw. nach oben hin nicht grob genug eingestellt werden kann, wurde der Mahlgrad um insgesamt zehn Stufen (fünf auf beiden Seiten der Range) erweitert. Darüber hinaus hat sich an der Mühle nichts verändert. Noch immer könnt ihr den Mahlgrad entweder an der Mühle selbst über einen Schieber verändern, oder über das große Display über der Frontseite der Maschine.
Auch die neue Auflage der „Meraki“ kommt mit einem Dualboilersystem mit Rotationspumpe (!) sowie einem Fassungsvermögen von 350 ml (Extraktionsboiler) bzw. 550 ml (Dampfboiler) daher. Die Aufheizzeit von ungefähr fünf Minuten ist in Ordnung. Dank der eingebauten Brühgruppenheizung bleibt die Temperatur stabiler. Vor dem Bezug solltet ihr dennoch einmal Wasser durchlaufen lassen, um den Siebträger auf Temperatur zu bekommen.
Die in der Maschine verbaute Rotationspumpe ist (was für einen Preis von unter 2000 Euro zu erwarten ist) nicht besonders leise, arbeitet aber gut, da sie einen konstanten Pumpendruck von 9 Bar ermöglicht. Dass der Dampfkessel mit 550 ml nach wie vor etwas kleiner ausfällt, ist ok. Der recht trockene Damp kann in drei Stärken eingestellt werden und reicht, um seidigen Milchschaum zu erreichen. Leider lässt sich die Qualität des Dampfes nicht verändern.
Apropos verändern: Auch der Druck und die Fließgeschwindigkeit können nicht von euch verändert werden. Hier sieht man, dass sich die Maschine dann doch eher an Anfänger, die schnell einen guten Espresso oder ein Milchmischgetränk beziehen wollen, richtet. Die Extraktionstemperatur umfasst eine Range von 88 bis 96° C.
Kommen wir kurz zum Siebträger: Was wir beim Prototypen bemängelten, ist die Tatsache, dass das Einspannen sehr viel Kraft benötigt. Dies hat sich jetzt etwas verbessert, aber auch nur leicht. Wichtig ist, den Siebträger nach rechts „durchzuziehen“, da sonst an den Seiten etwas Wasser herausspritzen kann!
Was uns gefällt ist, dass der 58er-Siebträger auch mit anderen entsprechenden Siebträgern kompatibel ist. Beim Prototypen vor zwei Jahren funktionierte das nicht. Über das optisch ansprechende und kippbare Display, könnt ihr – ähnlich wie bei aktuellen Smartphones – mit Wischgesten die Abstimmungen vornehmen und alles ganz individuell an eure Wünsche anzupassen. Ebenfalls hierüber steuert ihr die Bedienung der Mühle, startet den Brühvorgang oder aktiviert die Dampflanze. Das Display ist sehr aufgeräumt; auf unnötigen Schnickschnack wird bewusst verzichtet. Während des Brühvorgangs zeigt das Display nicht nur das Zeit-Brühverhältnis an, sondern gibt auch Auskunft darüber, welche Getränkegröße gerade vorliegt (Ristretto, Espresso etc.). So habt ihr alles auf einen Blick an einem Ort und müsst nicht auf die Waage schauen, um den Vorgang rechtzeitig zu stoppen oder auf Manometer, ob der Druck ausreichend ist. Waage? Ja! Auch die zweite Version der „Meraki“ verfügt über eine Waage unter dem Becher, sodass hier „Grind by Weight“ also Mahlen nach Gewicht“ möglich ist und eine zweite Waage auf der Tropfschale, damit gemessen werden kann, wann die Maschine den Bezug stoppen kann.
In unseren Testläufen haben wir 10 Bezüge hintereinander laufen lassen. Alle Bezüge passten von der Zeit exakt. Die Länge der Bezüge haben wir mitgestoppt. Auch die Menge an ausgegebenem Kaffeepulver stimmt in allen 10 Testläufen. Die Ergebnisse haben wir mit unserer Bookoo-Waage abgeglichen.

Der „Rösterei-Chip“
Ein Feature, über das schon der Prototyp verfügte, das aber leider von deutschen Röstereien – bis auf ganz wenige Ausnahmen – nicht unterstützt wird, ist das Auslesen von Infos mit Zubereitungsempfehlungen durch den Röster bzw. die Rösterin. Den entsprechenden NFC-Chip konnten wir daher auch nicht ausprobieren.
Besonders ist auch das Tropfschalensystem von „Meraki“, das nicht nur recht groß ist, sondern auch neben der großen eine kleinere Tropfschale enthält, die das gebrauchte Wasser in eine größere Schale leitet. Dieses durchdachte Design verhindert unschöne Spritzer und hält den Arbeitsplatz sauber und trocken. Darüber hinaus bietet eine Schwimmeranzeige eine schnelle und einfache Möglichkeit, den Wasserstand zu überwachen, damit ihr immer im Blick habt, wann die Schale geleert werden muss.

MerakiBild2Die Dampflanze
Selbstverständlich verfügt die „Meraki“ Espressomaschine auch über eine Dampflanze, mit der ihr Milchschaum produzieren könnt. Im Kopf der Dampflanze befinden sich nicht nur drei Löcher, um ordentlich Dampf auszugeben, sondern auch ein Temperaturfühler für das Feedback an die Maschine, wann die gewählt Temperatur erreicht ist. Das Schäumen funktioniert wahlweise automatisch oder manuell. Das manuelle Schäumen hängt natürlich von eurem Talent ab. Beim automatischen Schäumen könnten Roll- und Ziehphase ausgeprägter sein, sodass hier nicht dasselbe volle Volumen entsteht, wie beim Schäumen per Hand, vor allem dann, wenn ihr ein größeres Kännchen nutzt. Was wiederum positiv zu erwähnen ist, ist die Länge der Dampflanze und deren Flexibilität. Hier haben die Designer sich wirklich Gedanken gemacht! Die Zieltemperatur wurde von uns natürlich ebenfalls gemessen. Leider lag die Temperatur der Milch immer ein wenig unter der angepeilten Temperatur, sodass wir euch empfehlen, sie immer 2-3 Grad höher einzustellen.
Die Dampflanze bleibt - bis auf die Spitze - kalt, sodass ihr jederzeit ohne Angst, euch die Finger zu verbrühen, die Lanze bewegen könnt.
Und um die „Usability“, also die Nutzerfreundlichkeit abzurunden, könnt ihr sogar einen Timer einstellen, der die Maschine vorbereitet, damit ihr morgens, wenn ihr euren Espresso genießen wollt, direkt mit der Zubereitung loslegen könnt. Dank des zwei Liter fassenden Wassertanks, der sich hinten an der Maschine befindet und bequem befüllt und auch nach oben hin herausgenommen werden kann, müsst ihr die Maschine auch nicht permanent mit frischem Wasser befüllen. Einen Festwasser-Anschluss bietet die „Meraki“ nicht. Die Reinigung der Maschine und der Dampflanze ist sehr einfach und ein Teil des Zubehörs kann auch in die Spülmaschine gestellt werden.

Die Optik
Erwähnten wir eigentlich schon, dass die Espressomaschine von „Meraki“ eine optische Schönheit ist? Das Design ist sehr ansprechend und hat nichts mit den klassischen, eckigen Maschinen zu tun, bei denen man jeden Fingerabdruck sofort erkennen kann. Stattdessen kommt die Maschine in zeitlosem Mattschwarz daher, was sie sehr edel erscheinen lässt. Wem das nicht gefällt, kann sich aber auch die weiße Version zulegen! Von der Verarbeitung hat sich – im Vergleich zu früheren Versionen – bereits einiges getan. So ist der Großteil der Maschine aus rostfreiem Edelstahl und nur wenige Komponenten, wie die Tropfschale, bestehen nach wie vor aus Kunststoff. Die beweglichen Teile, wie das Display und die Schieber an der Mühle, der Dampflanze und dem Siebträger, sind besser verarbeitet und wirken nicht mehr so, als würden sie nicht lange halten. Auch die Software der Maschine kann über WLAN aktualisiert werden. Was – neben der Druck- und Flußsteuerung – fehlt, ist eine echte mehrstufige Preinfusion.

Fazit: Es hat sich etwas getan bei „Meraki“. Zwar ist es bei der "Gen 2" eher eine Evolution statt einer Revolution, und man kann sich auch durchaus fragen, warum die Mühle und einige Schwächen bei der ursprünglichen Verarbeitung nicht auch in der ersten Version vorhanden waren. Dennoch sind die Verbesserungen gut und ihr könnt nun noch besser abgestimmte Bezüge erhalten, was ja im Endeffekt das Wichtigste ist. Das „Dial in“, also das Finden des richtigen Mahlgrads ist mit der neuen Iteration noch etwas leichter. Wir haben das Gefühl, dass zwischen der Einstellung der Mühle über den Schieber und die Anzeige auf dem Display ebenfalls eine Verbesserung vorgenommen wurde. Für rund 1800 Euro erhaltet ihr so eine durchaus lohnenswerte Maschine, die sich ungefähr auf Höhe der großen „Sage“-Maschinen einpendelt. Wer sich jetzt für die Maschine interessiert, kann sie hier kaufen.

Wir bedanken uns bei der Firma „Meraki“ für das uns zur Verfügung gestellte Testexemplar.

Text: D. Stappen, M. Heiland

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