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Das Forum Romanum

ForumRomanumDas Forum Romanum bildete in der römischen Antik, vor allem in der Kaiserzeit, den Mittelpunkt der Stadt und zugleich des römischen Weltreichs, wurden hier doch wichtige Entscheidungen in politischer, wirtschaftlicher aber auch kultureller und sozialer Hinsicht diskutiert und entschieden. Doch das Forum Romanum war noch mehr: Hier trafen sich Römer, um miteinander in Kontakt zu kommen, zu feiern und Götter zu ehren. Verschiedene Kaiser des römischen Reichs prägten mit ihrem eigenen Stil das „Gesicht“ des Forum Romanum, indem sie Triumphbögen stifteten, Tempel gründeten und sich auch auf andere Weise unsterblich machten. Auch die bekannteste Straße Roms, die „Via Appia Antica“, verlief mitten durch das Forum. Doch viel von dem, was das einstige Herzstück des Imperiums ausmachte, wurde vor Jahrhunderten zerstört. Wie wäre es wohl, wenn man das alte Forum in seiner ganzen Pracht zu sehen bekäme? Nun: Die Möglichkeit besteht. Denn im neu im wbg Verlag erschienenen Buch „Das Forum Romanum“ haben James E. Packer und Gilbert J. Gorski das antike Forum erstmals komplett auferstehen lassen, so, wie es einst erstrahlte.

Architektonisches Gesamtkunstwerk und gesellschaftlicher Mittelpunkt

Dass es auch mit modernster Computerrechenleistung, mit den aktuellsten archäologischen Methoden und den besten technischen Möglichkeiten nicht machbar ist, das Forum Romanum 1:1 in allen noch so kleinen Details „auferstehen“ zu lassen, ist klar. Denn weder können wir wissen, ob die einzelnen Gebäude in verschiedenen Farben gestrichen waren noch können wir jede kleine Änderung im Detail nachvollziehen. Doch mittels unzähliger Quellen ist es möglich, die Gebäude, die einst das Forum repräsentierten, in ihrer Entstehungsgeschichte darzustellen, zu zeigen, wie sie sich entwickelten und veränderten, wiederaufgebaut und neuen Vorstellungen und Wünschen der Herrscher oder auch der Senatoren entsprechend anders interpretiert und somit auch dem „Zeitgeist“ unterliegend hergerichtet wurden und wie sie heutzutage nicht nur zu betrachten, sondern auch zu verstehen sind.

Während sich die verschiedenen in den vergangenen Jahrzehnten erschienenen Werke über das Forum Romanum stets mit einzelnen Bauwerken und Gebäuden befassten, dabei jedoch nicht die „Komposition“ der Gebäude zueinander im Blick hatten, nur einen bestimmten Ausschnitt der Entstehungszeit darstellten oder sich mit den heutigen, nur noch wenigen Zeugnissen der einstigen Pracht des Forums befassen, bringt uns das vorliegende Buch eine nahezu vollständige Gesamtschau mit allen wichtigen Bauwerken, deren Beziehungen zueinander sowie die Entstehungsphasen und einen Vergleich der damaligen mit der heutigen Zeit.

Als historisches Datum, um das Forum Romanum der Kaiserzeit zu präsentieren, nutzen die beiden Autoren das Jahr 360 n. Chr., da zu diesem Zeitpunkt die bekannten Gebäude und Bauwerke noch erhalten und in einem Zustand waren, an dem sie sich orientieren konnten.

Das Buch, welches 431 Seiten (inklusive Vorwort, Glossar, Anmerkungen, Bibliografien, Quellen der antiken Münzen und dem Register) umfasst, wurde in drei Teile gegliedert. Teil I befasst sich dabei mit der Vorstellung des Forum Romanum in der Kaiserzeit in Form eines historischen Abrisses. Teil II wiederum stellt die einzelnen Bauwerke in den Fokus, während Teil III die Schlussfolgerungen beinhaltet.

Dass die Autoren sich absolut akribisch mit den einzelnen Elementen, Bauwerken und Gebäuden und ihrer Historie befasst haben, wird nicht nur bei der Entstehungszeit des Buches deutlich, die über viele Jahre hinweg reicht, sondern auch an der detaillierten Beschreibung, an den Erläuterungen historischer Zusammenhänge sowie an der facettenreichen Darstellung der verschiedenen Bauwerke und Gebäude. Im Ersten Teil steht zunächst der Wiederaufbau des Forums unter dem römischen Kaiser Augustus in den Jahren 31 v. Chr. Bis 14 n. Chr. im Blickwinkel. Um verstehen zu können, wie Augustus (und seine Nachfolger) das Forum geprägt und verändert haben, muss vorab das Forum der römischen Republik dargestellt werden. Von der Gründung auf sumpfigem Gebiet über erste Ausgestaltungen bis hin zu ersten Problemen schildern die Autoren die bewegte „erste Phase“ des Forum Romanum. Aber auch unter Augustus blieben (vor allem finanzielle) Probleme bestehen. Diese werden dargelegt, da sie auf die Baupläne und die Realisierung ebenso Auswirkungen hatten, wie politische Entscheidungen und Ereignisse.

Weiter geht es mit den Bau- und „Umstrukturierungsphasen“ unter den Kaisern Tiberius, den Flaviern, Antonius Pius, Septimus Severus, Maximian und Diocletian und den Wiederaufbau des Saturn-Tempels sowie das Ende des Forum Romanum im Zuge des Untergang des Weströmischen Reichs im 7. Jhd. n. Chr.

Im Anschluss setzen die Autoren ihre Vorstellung der einzelnen Bauwerke und Gebäude fort. Die 17 wichtigsten Gebäude werden in ihrer Geschichte, Struktur, den Einzel- oder Besonderheiten des jeweiligen Gebäudes und (falls vorhanden) den Überresten präsentiert. Die Bauwerke reichen vom Tempel des Antoninus Pius der Faustina, dem Tempel des Caesar (Aedes Divi Iuli), der Basilica Aemilia, der Curia, des Bogens des Septimius Severus, kleinerer Bauwerke, dem Tempel der Concordia, dem Tempel des Vespasian und dem Tabularium über die Potikus der drei Consentes, dem Tempel des Saturn und der Basilica Iulia bis hin zum Bogen des Tiberius, der Schola Xanthi, den Diocletianischen Ehrensäulen, dem Tempel der Dioskuren, dem Partherbogen des Augustus und schlussendlich dem Tempel der Vesta.

Jedes Bauwerk wird von einer rekonstruierten Ansicht „gerahmt“. Hinzu kommen Fotos der „aktuellen Situation“ des Bauwerkes, Rekonstruktionen des Grundrisses und einzelner Elemente und vieles mehr. Durch diese „komplette“ Erarbeitung erhält der Leser eine ziemlich genaue Vorstellung davon, welche Pracht auf dem Forum Romanum einst geherrscht hat, wie einzelne Herrscher auf den Stil und die Gebäudekomposition Einfluss hatten und in welchem politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel das Forum Romanum der Kaiserzeit stand. Für die Texte haben die Autoren

nahezu alle archäologischen Funde und Befunde einbezogen, antike literarische Quellen ausgewertet, um so eine chronologische Entwicklung des jeweiligen Gebäudes darzustellen. Was mir persönlich besonders gefällt, ist die Tatsache, dass die Verfasser auch abweichende und stellenweise falsche Lehrmeinungen vorstellen und im aktuellen Licht der Forschung präsentieren. Dabei verwenden sie eine für den Leser klar verständliche Sprache und verlieren sich nicht in wissenschaftlichen Worthülsen. So bleibt die gesamte Darstellung von der ersten bis zur letzten Zeile interessant. Um dem Leser historische Begriffe und architektonische Zusammenhänge zu erläutern, gibt es ein zum Teil bebildertes Glossar, welches sich mit den verschiedenen Säulentypen oder auch Marmor- und Gesteinsarten auseinandersetzt und diese in Bildform erklärt.

Fazit: „Das Forum Romanum“ von Gilbert J. Gorski und James E. Packer ist das bislang umfangreichste, ausführlichste und „kompletteste“ Buch über das Forum der Kaiserzeit, da es nicht nur alle wichtigen Gebäude in ihren Entstehungsphasen beleuchtet, mithilfe modernster Computertechnik die Rekonstruktion des Forum Romanum bietet und so eine unglaublich detaillierte und „lebendige Gesamtschau“ auf der Herz des römischen Imperiums zulässt, sondern auch die Gebäude in Beziehung zueinander setzt, zeigt, wie sich der Einfluss der jeweils herrschenden Kaiser auf einzelne Elemente des Forum Romanum auswirkte und wie nah man aufgrund einer fast vollständigen Quellenauswertung dem „echten“ historischen Forum Romanum kommen kann. Ein Buch, das wir nicht nur jedem Lehrer, Professor und Studenten ans Herz legen können, sondern auch allen Interessierten, wenngleich der Preis von 224 Euro kein Schnäppchen ist. Doch die Investition lohnt sich. Eine bessere Gesamtschau werdet ihr nicht finden.

Die inn-joy Redaktion vergibt 10 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Titel: Das Forum Romanum

10Autor(en): Packer, James E. / Gorski, Gilbert J.

Verlag: wbg Academic in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG); Auflage: 1. Auflage 2017 (1. Oktober 2018)

ISBN-10: 3534269497

ISBN-13: 978-3534269495

L. Zimmermann

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