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Der Pakt gegen den Papst

DerPaktgegendenPapstDer Vatikan ist Schauplatz eines kalten Krieges. Mächtige Männer aus dem Innern der Kurie fühlen sich von Papst Franziskus bedroht und werfen ihm vor, dass er durch seine mutigen Reformen der katholischen Kirche schade. In geheimen Zirkeln haben Franziskus‘ Feinde deshalb einen Pakt geschmiedet, der bis in die Spitzenämter der katholischen Kirche reicht und nur ein Ziel hat: den Papst zum Rücktritt zu zwingen. Deutschlands bekanntester Vatikan-Insider und Bestsellerautor Andreas Englisch hat die Hintermänner dieser Verschwörung getroffen. Seine packende Recherche zeigt, wer die Gegner des Papstes sind, mit welchen Mitteln sie gegen den Heiligen Vater kämpfen – und wie unbeirrt Franziskus seinen Weg verteidigt.
 
Rezension: Es gibt Menschen, die ihn als das „verbale Maschinengewehr Gottes“ bezeichnen. Andere sehen in ihm eine echte „Urgewalt“, die über seine Gesprächspartner hereinbricht und sich gnadenlos ihren Weg bahnt. Egal, was man von Vatikan-Kenner, Journalist und Buchautor Andreas Englisch denkt: Wenn der Mann erst einmal ins Reden kommt, ist kein Gesprächspartner mehr vor seinen Ausführungen sicher. Dann kommt er oftmals von einem Punkt zum nächsten, unterbricht auch gerne mal sein Gegenüber und braucht allem Anschein nach nur wenige Millisekunden, um Luft zu holen. Das, was er dann zum Thema Päpste, aktuelle Probleme der Orts- und Weltkirche, dem Zölibat, dem Missbrauchsskandal innerhalb der Katholischen Kirche und anderen Themen zu sagen hat, wiederholt sich in den verschiedenen Talkrunden, zu denen Englisch eingeladen wird, immer wieder und wirkt auch gerne mal abgedroschen und hier und da etwas zu Ich-bezogen. Aber dennoch lässt uns der Mann, der seit mittlerweile über 30 Jahren aus dem Vatikan berichtet und drei Päpste auf ihren Auslandsreisen begleitete, spannend, interessant und macht neugierig, auch wenn er nur wenig neue Aussagen und Impulse liefert und vieles von dem, was er mitzuteilen hat, bereits bei anderen Journalisten und Wissenschaftlern besser belegt ist. Englisch kann, was vielen anderen seiner Zunft nur teilweise gelingt: Die Leute mitnehmen. Wenn er berichtet, wie er mit seiner Vespa oder auch seinem Fahrrad durch das „ewige Rom“ fährt, sich in Cafés setzt, in dem wichtige Personen des Vatikanstaat kursieren oder mit Papst Franziskus quasi auf du und du ist, dann hört man (nicht nur) als Laie gerne zu. 
 
Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen seine Bücher kaufen. Selbst dann, wenn sie – wie in seinem zuletzt bei C. Bertelsmann erschienenen Buch „Der Pakt gegen den Papst – Franziskus und seine Feinde im Vatikan“ ohne „echten“ roten Faden geschrieben sind, keine Fußnoten, konkreten Zahlen und Belege zu finden sind und ziemlich viel Englisch im Vordergrund steht, ist das Buch interessant zu lesen. Auf rund 400 Seiten zeigt Englisch, wie er sich an Fersen von Tippgebern, wer denn die „Feinde“ des aktuellen Papstes sind, wie ein Agent heftet, berichtet von ominösen Treffen mit einer geheimnisvollen Frau, die von ihm in Erfahrung bringen möchte, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass nach Benedikt XVI. auch Franziskus zurücktreten wird und zeigt immer wieder, dass auch der älteste Männerverein der Welt mit ganz und gar weltlichen Problemen und Sorgen zu kämpfen hat. So berichtet Englisch von zwei katholischen Professoren, die gemeinsam Zimmer an Zimmer arbeiteten, das genaue Gegenteil voneinander waren und der Autor sich fragte, was im gemeinsamen „Zwischenraum“ zu finden sei. Als der eine der beiden Professoren stirbt, lüftet sich dieses Geheimnis, das für uns „weltlich“ lebende Menschen zutiefst menschliche Dinge beinhaltete, die jedoch von der Katholischen Kirche geschmäht würden.
 
Darüber hinaus erzählt Englisch von den Tücken, die das Papsttum mit sich bringt, über die letzten Päpste und die Gefahr auf dem Heiligen Stuhl Petri und zeigt immer wieder auf, wie Franziskus als Mitglied der Befreiungstheologie in Argentinien auch in seinem achtjährigen Pontifikat mit den Regeln der Kirche regelmäßig bricht und sich dadurch natürlich den Zorn der Konservativen, seines Vorgängers und wichtiger Mitglieder der Kurie und des italienischen Adels auf sich zieht.
 
Das Problem bei Englischs Buch ist – wie bereits erwähnt – dass es sich mehr um ein buntes Potpourri aus Geschichten, Erzählungen, Anekdoten, viel Andreas Englisch (in beinahe autobiographischen Zügen) und Beiträgen gibt, die man als Leser aufnimmt, die aber nur wenig zum Kern des Buches beitragen. Auch lässt sich an etlichen Stellen viel Selbstbeweihräucherung zwischen den Zeilen erkennen. 
 
7Fazit: Für wen ist also „Der Pakt gegen den Papst“ zu empfehlen? Sicherlich in erster Linie für die Leserschaft, die es eher populär mag, die einen einfachen Stil bevorzugen und sich gerne unterhalten lassen. Weniger für Fans von streng strukturiertem, fachwissenschaftlichem und an jeder Stelle durch Fußnoten etc. belegbarem Stil. Englisch ist da auf Linie mit Papst Franziskus: Einfach für das Volk, statt vergeistigt und hochwissenschaftlich wie es bei Papst Benedikt XVI der Fall war. Kritische Fragen an Papst Franziskus und sein „Programm“ werden zwar hier und dort angerissen und auch als solche erkannt und dargestellt. Antwortversuche, wie sie ein so altgedienter „Vatikan-Insider“ liefern könnte, gibt es hingegen nur ganz sporadisch, was durchaus schade ist.
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich beim Verlag C. Bertelsmann für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
Titel: Der Pakt gegen den Papst: Franziskus und seine Feinde im Vatikan
Autor: Andreas Englisch
Herausgeber : C. Bertelsmann Verlag; 3. Auflage, 2020
ISBN-10 : 3570103684
ISBN-13 : 978-3570103685
 
L. Zimmermann
 

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