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Ein Traum in bunt: Entdeckung Ruhrgebiet

EinTrauminbuntFragt man Menschen, die nicht im Ruhrgebiet aufgewachsen sind nach dem, was sie über die Region zwischen Rhein und Ruhr schon einmal gehört haben, kommt auch heute - über 40 Jahre nach dem Beginn des großen Zechensterbens im Ruhrgebiet - häufig das Vorurteil, das Ruhrgebiet sei dreckig und es gebe kaum grüne Flächen, es herrsche eine hohe Arbeitslosigkeit und überhaupt hinke das „Revier“ in vielen Dingen dem Rest der Republik hinterher.  
 
Dass vor allem der Wandel von der Industrie mit Stahl und Bergbau hin zu Orten voller Kultur sichtbar stattgefunden hat oder noch stattfindet, lässt sich an vielen Ecken im „Pott“ erkennen. Und auch die Tatsache, dass es oft sauberer ist, als manches Klischee aus der Zeit der Hochblüte der Zechen vermuten lässt, hat sich rumgesprochen. Und dennoch ist das Ruhrgebiet voller Widersprüche und Gegensätze, voller Klischees und die Menschen von einem ganz besonderen Typus geprägt. Wer das Ruhrgebiet nicht kennt, hat aber nicht nur ein anderes Bild von der Region als die dort ansässigen Menschen; er sieht vieles von dem, was im „Pott“ möglicherweise mit einer voreingenommenen Perspektive wahrgenommen wird, differenzierter. 
 
Einer dieser Menschen ist Fotograf und Autor des vorliegenden Buches „Ein Traum in bunt“, Stefan Thoben. Der in Hannover lebende Fotograf hat in einer vierwöchigen Tour die Städte, Ortschaften und Landstriche zwischen Rhein und Ruhr mit seinem Fahrrade bereist, zahlreiche Bilder geschossen und ist auf seiner Reise mit vielen Menschen aus dem „Revier“ ins Gespräch gekommen. Seine Eindrücke hat er zusammengefasst und im vorliegenden Fotoband eindrucksvoll dargelegt. 
 
Der Bildband zeigt jedoch keine Hochglanzbilder aus dem Ruhrgebiet, sondern vielmehr die Vielseitigkeit, wie man sie sowohl als Ortsfremder als auch als Einwohner sehen kann. Hier ein Teil eines der zahlreichen „Shopping-Tempel“, dort eine Frau im Häusschen einer Theaterkasse, an anderer Stelle ein Taubenvater, wieder an anderer Stelle Landschaftsaufnahmen zwischen ehemaligen Industrietürmen, Zechen und Schornsteinen. Auf diese Weise entsteht einerseits eine bunte Collage, andererseits auch eine Hommage an das Ruhrgebiet in Bildform.
 
Begleitet werden die vielseitigen Fotos durch Texte bekannter und weniger bekannter Literaten, die sich mit dem Ruhrgebiet auseinandergesetzt haben, Eindrücken des Autors, Texten zu Menschen des „Reviers“, wie dem „Taubenkönig aus Eisenheim“ uvm. Die Texte zu den Motiven oder Städten sind eher ungewöhnlich für den Schreibstil eines noch recht jungen Fotografen und auch passen dennoch zum manchmal sperrigen „Revier“ mit seinem ganz eigenen Charme. 
 
Fazit: Der Bildband „Ein Traum in bunt“ ist sowohl für Einwohner des Ruhrgebiets als auch für Fremde und Interessierte gleichermaßen lohnenswert. Wenngleich sprachlich ein wenig gewöhnungsbedürftig besticht er vor allem durch die Fotos, die oft mehr über das „Revier“ und seine Menschen erzählen, als Texte es vermögen. Während einige Klischees durchaus bestätigt werden, können andere widerlegt werden. Aufgrund seines spannenden und eher ungewöhnlichen Blicks auf die Region zwischen Rhein und Ruhr sprechen wir dem Band eine Kaufempfehlung aus.
 
8Titel: Ein Traum in bunt: Entdeckung Ruhrgebiet
Autor: Stefan Thoben
Herausgeber : Verlag Reiffer; 1. Auflage (15. April 2021)
ISBN-10 : 3945715733
ISBN-13 : 978-3945715734
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich beim Verlag Reiffer für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
 
L. Zimmermann

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