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Sing meinen Song - Das Tauschkonzert Volume 5 | VÖ: 11.05.2018

SingmeinenSong5Wenn es Frühling wird in Deutschland, dann sprießen die Blumen, dann setzt man sich gerne zusammen und genießt die Zeit zum ersten Mal nach der langen, dunklen Winterzeit im Freien. Zur selben Zeit ist es auf der anderen Seite des Globus, genauer gesagt in Südafrika, zwar Herbst. Doch eine kleine gesellige Gruppe setzt sich ebenfalls im Freien zusammen, genießt die gemeinsame Zeit und feiert sich und die manchmal länger und manchmal kürzer zurückliegenden Erfolge. Darüber hinaus betreibt man noch jede Menge Werbung in eigener Sache. Wie es der Zufall so will, sind dann auch noch ein paar Kameras mit dabei, um die Feierrunde fachgerecht ins Bild zu setzen. Die feucht-fröhliche „Promi“-Runde nennt sich dann „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ und geht mittlerweile in die fünfte Runde. Nach „Nationalbarde“ Xavier Naidoo und den beiden Sängern von „The BossHoss“ ist nun Pop-Experte Mark Foster an der Reihe, durch die bunten Abende zu führen. Klar, dass es zum Event auch die entsprechende CD gibt. Man trifft sich ja nicht (nur) zum Spaß. Wir haben für euch in die neue „Tauschkonzert“-CD hinein gehört und verraten euch, warum die CD von vorn herein zum Scheitern verurteilt ist.

Wenn es am Schönsten ist...

Wer die vergangenen Jahre VOX dienstagabends einschaltete, der wurde Zeuge, wie sich in jedem Frühling alternde Stars und Sternchen und aktuelle Sangeskünstler zum gemeinschaftlichen Singen in Südafrika trafen. Unter der Leitung des nicht gerade unumstrittenen Naidoo sang eine Handvoll Künstlerinnen und Künstler die „größten“ Songs der anderen Künstler. Dabei wurden unzählige Mengen an alkoholischen Getränken gekippt. In Zeiten, in denen versucht wird, Jugendliche vom Rauchen fernzuhalten, war diese Veranstaltung (böse Zungen behaupten ja, dass sie von der Alkohol-Industrie mitgesponsert wird) ein Freifahrtschein für alle, die gerne mal dem Rauschmittelkonsum frönen. Frei nach dem Motto: „Mein Vorbild macht es doch auch!“ Zwischendurch wurde – mal schlechter, mal besser – gesungen. Was wechselte waren die Moderatoren und die Barden. Natürlich diente die Sendung ebenso als Plattform, um die neuste CD, die die „Stars“ zufälligerweise stets zur ihrem eigenen Tauschkonzert am Start hatten, zu vermarkten. Und um das Ganze noch zu toppen, traf man sich dann jedes Jahr zur Weihnachtszeit auf einer einsamen Hütte, um auch noch die „schönsten“ Weihnachtslieder in der eigenen Fassung neu zu interpretieren. Die Musikindustrie und ihre Verantwortlichen rieben sich vor Freude die Hände. Viele Fans jedoch sprachen von ersten Abnutzungserscheinungen, was nicht zuletzt an Herrn Naidoos Pseudorührseligkeit gelegen hatte.

Eine echte Wendung erfuhr die Show jedoch Anno 2017, als die beiden Jungs von BossHoss durch die Abende führten. Irgendwie funktionierte das Konzept und die Sängerinnen und Sänger überzeugten durch die Bank. Wer hätte gedacht, dass ein Moses Pelham auch etwas Anderes kann, als „fette Rhymes“ ins Mikro zu bellen und sogar in der Öffentlichkeit – und damit auch vor seinen Fans – Tränen vergießt? Wer hätte gedacht, dass ein Michael Patrick Kelly (ehemals besser bekannt als „Paddy“ von der Kelly Family“) auf Deutsch singt und hier und da sogar wie ein Iggy Pop in seinen besten Zeiten abgeht? Hier stimmte einfach das Konzept. Doch anstatt das alte Motto der Showbranche „Wenn’s am Schönsten ist, sollte man aufhören!“ zu beherzigen, leuchteten die Dollarzeichen in den Augen der Verantwortlichen immer stärker auf und beseelt von diesem Erfolg plante man bereits eine fünfte Staffel. Dumm nur, dass nicht nur die Jungs von The BossHoss die Segel strichen und dem witzigen aber irgendwie immer etwas blass wirkenden Mark Foster das Steuerrad der Sendung überließen. Auch die Chemie der Künstler untereinander konnte vom Ende der vierten Staffel an nur noch schlechter werden.

Und so wundert es nicht, dass es bereits in den ersten beiden von VOX „versendeten“ Folgen der fünften Ausgabe immer wieder kleine fiese Spitzen der Künstlerinnen und Künstler untereinander gab. Über die Zusammensetzung der „Sangescouch“ kann man ja noch geteilter Meinung sein. Während Rocker Rea Garvey quasi zeitlos zu sein scheint, ist „Revolverheld“ Johannes Strate beinahe schon vergessen worden. Zu Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ muss man schon einen besonderen Draht haben und Mary Roos dürfte wohl nur den alten Fans noch ein Begriff sein (nicht zuletzt wurde sie bekannt, da ihre Schwester im vergangenen Jahr Teil des RTL Trashformates „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ gewesen ist). Leslie Clio kann man vernachlässigen und Marian Gold – Alphaville und sein „Forever Young“ kennt natürlich jeder. Daher ist er – zumindest theoretisch – eine Ausnahme und Lichtgestalt der Südafrika-Connection.

Doch kommen wir nun zu dem, was wir als „Fans“ da so zu hören bekommen, also dem Gesang. Dieser ist leider nicht immer besonders schön. Und die „Deluxe Edition“ der Tauschkonzert-CD spiegelt sich eindrucksvoll und erschreckend wider. Das beginnt schon bei den ersten Titeln. Teilweise wirken sie hölzern, wenn sie übersetzt sind, teilweise – wenn sie umgeschrieben wurden wie bei „Ich lass für dich das Licht an“ – plump und im Falle von Rea Garvey, der mit seinem „Denglisch“ mal den letztjährigen Sänger Michael Patrick Kelly wohl imitieren und ebenfalls Deutsch singen wollte, wie ein peinlicher Versuch. Auch wenn die Geste zählt, so möchte man doch in den Fernseher hineinrufen „Lass es doch bitte lieber!“ Selbiges gilt für Marian Golds Version von „Oh my Love“. Soll das nun Gospel sein, Rock oder kann das weg? Im weiteren Verlauf wird es nicht besser. „Big in Japan“ von Rea Garvey klingt wie aus der Zeit gefallen, „Arizona Man“ von Leslie Clio wirkt „bemüht“ und „Sister Sund, Brother Moon“ von Mary Rose zeigt, dass die Künstlerin auch schon ihre besten Tage (stimmlich gesehen) hinter sich gebracht hat.

3Fazit: Im Vergleich zu Staffel 4 wirkt das hier alles verkrampft, künstlich aufgesetzt, ja stellenweise sogar einfach deplatziert. Wo man beim letzten Tauschkonzert den Sängern stellenweise noch ihre Emotionen abgenommen hat, bleiben die „Neuen“ erstaunlich blass. Dass das Ganze dieses Mal nicht so richtig funktionieren will, merkt man als Zuschauer der VOX-Show auch an den diversen Spitzen, die in den Shows gesetzt werden. Daher unsere Empfehlung: Sendung absetzen, CD nicht kaufen! (Schon gar nicht die „Deluxe“ Fassung, bei der nichts „deluxe“ ist, außer dem Preis)

Die inn-joy Redaktion vergibt 3 von 10 Punkten.

 

L. Zimmermann

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