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Boy George & Culture Club - Life

BoyIn den 1980er Jahren ging alles. Jeder noch so verrückte musikalische Trend wurde durchgewunken, jede noch so verrückte Mode zum Kult stilisiert. Sei es Elton John mit seinen aberwitzigen Brillen, sei es Cindy Lauper mit ihren bunten Haaren oder das „Gesamtkunstwerk“ Boy George, der mit so ziemlich allem kokettierte, was nur irgendwie abseits von „spießig“ einzuordnen war. Doch während viele Trends der 80er Jahre langsam aber sicher in der Mottenkiste der Zeit verstaut wurden, hielten die Sängerinnen und Sänger dieses „durchgeknallten Jahrzehnts“ häufig noch lange Zeit durch. Einer, um den es trotz aller Erfolge zwischendurch musikalisch recht ruhig wurde, und der mehr durch Negativschlagzeilen auffiel, war besagter Boy George, ehemals Frontmann der Band Culture Club. Parties, Drogen und regelmäßige Abstürze gehörten über Jahre zum Alltag des Sängers. Wohl kaum jemand hätte damit gerechnet, dass sich der Künstler noch einmal fangen würde, geschweige denn, das er noch einmal mit seiner Combo ein neues Album auf den Markt bringen würde. Doch ähnlich wie Axel Rose hat auch Boy George bewiesen, dass er es noch immer musikalisch drauf hat. Dies kann man eindrucksvoll auf dem neuen Tonträger von Boy George & Culture Club hören. Was die Herren auf „Life“ nämlich zelebrieren, ist alles andere, als ein verzweifelter Comeback-Versuch.

So mischen die Künstler altbekannte Themen und typische „Culture Club“-Rhythmen mit aktuellen Fragen der Zeit, die sogar recht kritisch beleuchtet werden mit für die Kapelle eher ungewöhnlichen Melodien und Anklängen an andere Stilrichtungen, die ihnen jedoch erstaunlich gut stehen. Von Salsa und Reggae über Soca und Rock bis hin zu Dancefloor und Pop ist von jedem ein wenig mit dabei. Ein tolles Beispiel, wie gut die aktuelle Scheibe klingt und funktioniert, ist die erste Singleauskopplung „Let somebody love you“. Auch „Human Zoo“, in dem es um die Menschen und ihr Verhalten geht, ist gelungen. Mutig, da für die Band absolut untypisch, ist auch „More Than Silence“.  Rockig und vielleicht hier und dort ein wenig zu groß mit einer grandiosen Gitarre. Hätte man dem „Culture Club“ wohl vorab kaum zugetraut. „Soulig“ kommt Boy George mit „What Does Sorry Mean?“ daher. Ein Track, der vermutlich sein persönlicher neuer Meilenstein sein könnte. Das Erstaunliche: Richtige Ausreißer nach unten sucht man hier vergeblich. Aber auch überkandidelten Kitsch und zuckersüßen Pop. Das ist neu, das ist frisch und immer noch zeitlos. Vielen Dank für dieses tolle Album!

Fazit: Ich persönlich hätte es nicht für möglich gehalten, dass Boy George & Culture Club ein derart facettenreiches und rundum gelungenes Album an den Start bringen. Nach dieser langen kreativen Schaffenspause knüpfen die Herren an ihre alten Erfolge an und zeigen, dass man auch nach all den Jahren durchaus mit ihnen rechnen kann und dass sie immer noch Botschaften für uns haben, denen es zuzuhören lohnt. Bitte mehr davon!

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Tracklist:

01. God & love

02. Bad blood

03. Human zoo

804. Let somebody love you

05. What does sorry mean?

06. Runaway train

07. Resting bitch face

08. Different man

09. Oil & water

10. More than silence

11. Life

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Presse Peter für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

U. Sperling

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