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Spider-Man | Review (PS4)

Spiderman1Spider-Man bzw. Peter Parker ist seit vielen Jahrzehnten einer der beliebtesten Charaktere im Marvel-Universum. Noch lange, bevor die Avengers und andere Helden die Kinoleinwand eroberten, gab es bereits Kinoadaptionen der Comics, die sich mit Parkers Geschichte befassten. Auch auf verschiedenen Konsolen tummelte sich „die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft“ mit mehr oder minder großem Erfolg. Doch im Vergleich zu den Comics und den Filmen, konnte der „virtuelle Spider-Man“ nie so wirklich überzeugen, vor allem, da er sich in den späteren Ablegern, stets mit den scheinbar übermächtigen „Batman“-Titeln messen lassen muss. So natürlich auch im neuen Abenteuer, für das die Entwickler bei Insomniac Games verantwortlich zeichnen. Doch dieses Mal soll Spider-Man sowohl optisch, als auch in Sachen Story und Gameplay überzeugen. Mit Insomniac Games hat man schon einmal eine kreative und erfahrene Basis geschaffen. Ob der exklusiv für die PS4 erschienene Ableger allerdings wirklich das Zeug hat, gegen Batman anzutreten und wie gut sich der Fokus auf eine Konsole auswirkt, klären wir im Test.
 
Der ist bereits aus dem Gröbsten raus
 
Die Handlung des neuen Spider-Man Titels ist eigenständig von den Comics und dem Film-Universum geschrieben worden. Jedoch werden natürlich die bekannten Charaktere und Anspielungen auf die Filme immer wieder in der rund 30stündigen Kampagne zu finden sein. Da man als Fan des „Spinnenmannes“ natürlich jede Entwicklung in Peter Parkers bzw. Spider-Mans Karriere seit des Bisses der mutierten Spinne auswendig kennt, gibt es nicht wirklich viel zu erzählen. Daher ist Parker im Spiel bereits im Twen-Alter und kann mit 23 Lenzen auch schon auf einige Jahre Erfahrung als Held im Kampf gegen das Böse in New York zurückblicken. Und dennoch ist auch das Spiel von der Story her so vielseitig, wie die Comics und die Filme. Denn Spider-Man muss nicht nur die Schurken bekämpfen (allen voran King Pin), sondern auch in seinem „realen“ Leben als Peter Parker sich um die Angelegenheiten seiner Tante May und seiner Freundin MJ kümmern. Interessanterweise schlüpft ihr jedoch im Spiel nicht nur in die Rolle des Spinnenmannes, sondern seit in einigen Abschnitten auch in der virtuellen Haut von Parkers Freundin unterwegs. Das unterscheidet sich dann natürlich nicht nur in Sachen Person / Optik, sondern auch im Gameplay, da MJ eher schleichend unterwegs ist und nicht – wie Spider-Man – sich durch die Häuserschluchten New Yorks schwingen und Gegner durch Gefechte oder seine Spinnenkräfte ausschalten kann. Bereits nach den beeindruckenden ersten Spielminuten erkennt man (nicht nur als Fan), dass bei der Entwicklung der Geschichte eine Menge Herzblut eingeflossen ist und sich die Verantwortlichen bei Insomniac Games viel Rat von Marvel geholt haben. Die Story bietet eine emotionale Achterbahnfahrt und einige Wendungen, wie wir sie bei den Abenteuern von Spider-Man kennen und lieben.
 
Offene Welt mit bekannten Schwächen
 
Eingebettet ist die Handlung in einer offenen Spielwelt, die euch viele Möglichkeiten offeriert. Denn neben den Hauptmissionen, die geschickt in das frei erkundbare New York, genauer gesagt den Stadtteil Manhattan, eingebunden wurden, gibt es viele Nebenmissionen, die optional bewältigt werden können. Oft sind es Missionen, in denen ihr Personen in unterschiedlichen Situationen helfen sollt. Um schnell von A nach B zu gelangen, schwingt ihr euch mittels eurer Spinnenfäden durch die Stadt, lauft an Wänden hoch, lasst euch kopfüber von Fassaden hängen und genießt das Gefühl, mit euren Kräften ein „Superheld“ zu sein. Dieses Gefühl kommt vor allem daher, dass die Bewegungsabläufe sehr organisch wirken und ineinander übergehen. Auch das Geschwindigkeitsgefühl wurde toll umgesetzt. Alternativ zum Schwingen, könntet ihr auch die örtliche U-Bahn benutzen. Doch seien wir ehrlich: Wer will das schon?!
 
Während wir also so durch Manhattan schwingen und die Aussicht auf dem Stark-Tower genießen, der uns ein wunderbares Panorama bietet, macht sich in einigen Bereichen dann doch ein wenig das Problem der offenen Spielwelt bemerkbar. Da ihr zu jeder Zeit an jedem Ort gelangen könnt, dabei alles wie aus einem Guss wirken und die Framerate möglichst stabil bleiben soll, um eine nahezu perfekte Illusion der frei begehbaren Stadt aufrechtzuerhalten, wird diese optische Opulenz durch Schwächen bei der „Bodendarstellung“ erkauft. Denn die Einwohner Manhattans können nicht einmal ansatzweise mit den Protagonisten mithalten, wirken stellenweise, wie aus einer Klonfabrik und wirken hier und da wie Platzhalter, um nicht eine derart leere Stadt zu bieten, wie einst in den Batman-Titeln. Auch die Reaktionen der New Yorker auf die Aktionen von Spider-Man sind nicht sonderlich aufregend und glaubhaft gestaltet worden. Irgendwie scheinen die Bewohner der Stadt die Anwesenheit der Spinne achselzuckend hinzunehmen. Begeisterung ist hier jedenfalls ein Fremdwort. Das ist schade, nimmt es doch ein wenig von der ansonsten tollen Atmosphäre. Ebenso schade ist es, dass nicht alle Bereiche, die ihr aufsuchen werdet, von gleichbleibend hoher Qualität sind. So wirken die Fassaden teilweise atemberaubend detailreich, während es im Hinterhof, also jenseits der Fassaden häufig trister aussieht. Was die akustische Seite anbelangt, so kann das Spiel mit hervorragenden deutschen Sprechern, einer tollen, detailverliebten Surroundkulisse, die sich an euer Heimkino-Boxenset anpassen lässt und der typisch-epischen Musik der Filme überzeugen. Ein wenig seltsam - und ebenfalls die Immersion störend - ist jedoch, dass die Passanten in New York oftmals Englisch sprechen und auch der Polizeifunk nicht lokalisiert worden ist. 
 
Immer auf die Zwölf - aber mit Stil!
Spiderman2Wenn ihr euch nicht gerade durch die Gegend schwingt, oder Aufträge annehmt und ausführt, prügelt ihr euch mit diversen Schurken. Dabei setzt das Spiel auf ein ähnliches Kampfsystem, wie bei den Batman-Spielen. So nutzt ihr eure Hände und Füße, um Tritte und Schläge zu verteilen, zieht Gegner mit den Spinnenfäden an euch heran, wickelt sie in Netze ein, nutzt die Umgebung zu eurem Vorteil, führt Combos am Boden und in der Luft aus und so weiter und so fort. Die Kämpfe sind wunderbar choreographiert und trotz zahlreicher Möglichkeiten wirkt die Steuerung nicht überladen, da die Optionen, die euch zur Verfügung stehen, recht schnell in Fleisch und Blut übergehen. Vereinzelt gibt es auch Quick Time Events, in denen eure Reaktion gefragt ist. Dies wird allerdings nicht inflationär genutzt. Im Verlauf der Story erhält Spider-Man diverse Kostüme, die unterschiedliche Stärken haben. Diese sind auch dringend vonnöten, da der Schwierigkeitsgrad stellenweise recht hoch ist und ihr gerade bei großen Gegneraufkommen oder Gegnern mit stärkeren Waffen sonst schnell das Nachsehen habt. Neben seinen Fähigkeiten verfügt Spider-Man über verschiedene Gadgets, die er ebenfalls in Kämpfen einsetzen kann. Hier treffen Taktik und Geschick auf Spaß und coole Prügeleien. Ach ja! Beinahe hätte ich es vergessen: Habt ihr Gegner besiegt und Missionen erfolgreich absolviert, erhält Spidey Erfahrungspunkte, die ihr im Talentbaum investieren könnt. Dort erlernt der Spinnenmann zusätzliche Fertigkeiten bzw. baut diese aus.
 
Multiple Persönlichkeiten
 
Jeder, der die Comics und Filme kennt, weiß, dass viele Figuren ein Doppelleben führen. Und so ist es auch im Spiel. Mal trefft ihr auf eure Widersacher im „normalen“ Leben, mal auf ihre dunkles Alter Ego. In einigen Missionen seid ihr also auch als Peter Parker unterwegs oder ihr schlüpft – wie bereits erwähnt – in die Haut von MJ, die recherchiert und mit ihrem Fotoapparat „bewaffnet“ heimlich Aufnahmen beispielsweise von geheimen Aktionen machen muss. Diese Schleichmissionen spielen sich komplett anders und sind teilweise auch gut inszeniert. Als Peter Parker müsst ihr dann wiederum häufig Rätsel lösen, die leider immer mehrstufig, langweilig und den Spielfluss durchbrechend sind. Durch all diese Missionen wird die Geschichte auch auf der „alltäglichen“, menschlichen Ebene erzählt. Manchmal ist der Bruch zwischen Spider-Man Missionen und Parker-Missionen etwas zu abrupt und reißt uns aus der ansonsten tollen Immersion heraus.
 
Fazit: Auch wenn Spider-Man wohl kein System Seller wird, so bietet er doch eine tolle Spielerfahrung mit einer absolut hollywoodreifen Story, einem tollen Kampfsystem, einer überwiegend beeindruckenden Optik und guter auditiver Untermalung sowie erstklassiger Synchro-Arbeit. Was dem Titel jedoch anzukreiden ist, sind die Schwächen im Design der Bevölkerung Manhattans, die teilweise unlogisch oder gar nicht auf Spidey reagieren, die Gegnertypen aus der Klonfabrik, die nicht immer wirklich gelungenen Missionen und Nebenaufträge, die viel zu häufig vorkommenden und recht öden Minispiele als Peter Parker sowie diverse 8Kameraprobleme. Dennoch ist dieser Ableger die bislang beste Umsetzung eines Spider-Man Abenteuers geworden und für Fans lohnenswert.
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Sony für das zur Verfügung gestellte Testmuster.
 
U. Sperling

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