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Two Point Hospital | Review (PC)

TwoPointHospital1Die Älteren unter euch werden sich vielleicht noch an die 1990er Jahre erinnern. Damals, als man noch mit Windows in den Kinderschuhen steckte, als Spiele noch Sicherheitsabfragen hatten, um zu starten und als man sich noch auf Kreativität und neue Genres als Entwickler stürzte, als die zwanzigste Fortsetzung, ein Remake, Pre- oder Sequel oder ähnliche Langeweiler auf den Markt zu bringen, gab es wundervolle Entwicklerstudios wie die Westwood Studios, die Lionhead Studios oder auch Bullfrog Productions. Das Genre der Simulationen hatte in den 1990er Jahren Hochkonjunktur und lieferte uns Perlen wie „Die Siedler“, „Railroad Tycoon“, „Theme Park“ oder auch „Theme Hospital“. Vor allem „Theme Hospital“ blieb vielen Spielern nachhaltig im Gedächtnis, konnte der Titel doch vor allem durch seine abgedrehten Krankheiten, liebevoll in Szene gesetzten Figuren und jeder Menge Spielspaß überzeugen. Leider ist ein Nachfolger nie Realität geworden – bis vor einem Jahr. Denn da kam mit „Two Point Hospital“ der geistige Nachfolger in den Handel. Nicht irgendwer, sondern die beiden Erfinder von „Theme Hospital“ haben sich ihren Traum erfüllt und zeichnen verantwortlich für diese Neuschöpfung des altbekannten Themas. Wir durften etwas verspätet aber dafür mit den DLCs, den Titel für euch testen und verraten euch, ob uns auch dieser Ausflug in die Welt des Krankenhaus-Managements so sehr begeistern konnte, wie im Jahr 1997 das Original.

Von „Topfschmerzen“, Schmuddelsohlen und Freddie Mercury

Wer damals „Theme Hospital“ gespielt hat, der kam stellenweise aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. Der Grund waren die völlig abstrusen aber unglaublich witzigen und liebevoll in Szene gesetzten Krankheiten bzw. Patienten, die unter eben diesen litten. So gab es beispielsweise Patienten mit einem Kopf aus Luft, der geheilt wurde, indem der Arzt mit einer großen Nadel die Luft aus dem Kopf entfernte, um dann den Kopf neu aufzublasen. Oder die Krankheit „Schmalzstimme“, bei der sich Elvis-Imitatoren einer ordentlichen psychologischen Behandlung zu unterziehen hatten (was in Anbetracht der zahlreichen noch heute umherlaufenden Elvis-Imitatoren vielleicht gar keine allzu schlechte Idee darstellen dürfte). Das Ganze wurde unglaublich liebevoll inszeniert. Auch die Krankenhausdurchsagen waren sehr humorvoll und sorgten für manch vergnügliche Stunde vor dem heimischen Monitor.

Abgesehen von dieser unterhaltsamen Grundstimmung war „Theme Hospital“ eine waschechte Aufbau-Simulation. So musste man in verschiedenen Missionen die Rolle eines Krankenhausleiters übernehmen, um ein möglichst effizientes Krankenhaus aufzubauen und zu verwalten. In demselben Geiste wurde auch „Two Point Hospital“ erschaffen. Wie damals beim Original, beginnt ihr zunächst mit leeren Räumlichkeiten, deren Form und Aufbau sich hier und da ändern. Für die einzelnen Krankheiten gibt es Diagnose- und Behandlungszimmer. Der Trick bei Theme Hospital ist es, eine Masse an Kunden / Patienten zu versorgen, ohne dass sie unzufrieden werden und das Krankenhaus verlassen. So muss der Krankenhausleiter nicht nur für genügend Beratungs- und Behandlungsräume sorgen, sondern auch für Wartemöglichkeiten und eine gewisse Redundanz bei der Versorgung, denn manche Krankheiten kommen zeitweise häufiger vor als andere. Auch gilt es, neue Behandlungsmethoden und Krankheiten zu erforschen. Das geht unter anderem mit einer Forschungsabteilung. Die Krankheiten sind natürlich wieder einmal der „Star“ des Spiels. Von immer lustigen Clowns (Diagnose: „Narrzissmus“), die erst einmal in den „Deprimator“ geschickt werden über Personen, die sich für Freddie Mercury halten bis hin zu einem Wiedersehen mit Elvis-Imitatoren, die dieses Mal unter „Rock’n’Rollitis“ leiden. Natürlich können die Patienten auch sterben. Dann geistern sie durch die Krankenhausflure und müssen fachmännisch (die Ghostbusters lassen grüßen) eingesaugt werden. Selbst dem Tod wird hier mit Humor begegnet.

TwoPointHospital2Zugängliche Steuerung

Die Steuerung geht wie immer gut von der Hand. Mit der Maus bestimmt ihr die Größe der einzelnen Räume und stattet die Zimmer im Anschluss mit dem entsprechenden Inventar aus. Da ihr die Zimmer auch im Nachhinein verändern und über den Bauplan schieben könnt (was im Original nicht möglich war), gibt es ein „falsch“ hier nicht. Um ein gut funktionierendes Krankenhaus zu bekommen, bedarf es allerdings nicht nur Behandlungsräumen, sondern auch fachkundigem Personal. Neben Ärzten und Pflegern müssen auch Assistenten und Hausmeister her. Das Fachpersonal lässt sich seinen Job entsprechend kräftig bezahlen. Daher gilt es auch immer mit einem Auge auf die Finanzen zu blicken. Denn was gibt es Schlimmeres, als ein Krankenhaus, das finanziell den Bach runter geht? Dennoch macht euch das Spiel das virtuelle Managerleben zunächst einmal leicht. Die Lernkurve ist moderat und erst im späteren Spielverlauf geht es so richtig zur Sache. Aber auch hier bleibt der Schwierigkeitsgrad auf einem guten, aber zu keiner Zeit übertriebenen Level. Gleiches gilt für den Ruf des Hospitals, der ebenfalls auf einem konstanten Niveau gehalten werden muss, um nicht zu versagen. Denn die Konkurrenz schläft ja bekanntlich nicht. Wen man wann heilt, wie man seine Behandlungsketten effektiv einsetzt und was man mit spontan eintreffenden Epidemie-Patienten macht, wird immer wichtiger.

„Theme Hospital“ überzeugte seinerzeit mit einer kunterbunten Cartoon-Optik und „Two Point Hospital“ schlägt in dieselbe Kerbe. Auch hier weiß die Grafik durch ihren liebevollen Stil und ihre vielen Details zu überzeugen. Alles wirkt wie aus einem Guss. Auf dem PC konnten wir keine Ruckler oder andere Probleme bemerken. Lediglich die Ladezeiten hätten ein wenig geringer ausfallen können. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Der Sound präsentiert sich ebenfalls in Topform und bietet auch beim geistigen Nachfolger lustige akustische Untermalungen und amüsante Durchsagen. Schade, dass es keine echte Story oder Cutscenes gibt. Was uns im Test gefreut hat, sind die moderaten Anforderungen an die PC-Hardware. Es bedarf keines High-End PCs, um den Titel ruckelfrei und in bester Qualität spielen zu können. 

Und wer nicht genug vom Krankenhaus-Management bekommen kann, der freut sich über die verschiedenen DLCs, die mit weiteren verrückten Krankheiten aufwarten und zusätzlichen Spielspaß mitbringen. So geht es in "Pebberly Island" auf eine schöne Insel, wo viele neue Herausforderungen auf euch warten, während ihr mit "Unheimliche Begegnungen" 37 neue Krankheiten und Aliens spendiert bekommt. Und auch der legendäre "Schneemensch" Yeti ist mit einem eigenen DLC am Start. Ihr seht: Fanservice wird groß geschrieben.

Fazit: Mich hat „Two Point Hospital“ von der ersten bis zur letzten Minute unglaublich unterhalten. Auch wenn es viele Parallelen zum Urspiel gibt und man den beiden „Vätern“ der beiden Spiele vorwerfen mag, hier nur eine Art „Theme Hospital 2.0“ entwickelt zu haben, ist die Kritik zwar in gewisser Weise nachvollziehbar. Doch Fans der ersten Stunde stören sich nicht dran, sondern schwelgen in Erinnerungen und freuen sich über diese gelungene Neuauflage, 9welche den Geist von „Theme Hospital“ in jeder Faser atmet. Wer den damaligen Titel nie gespielt hat, freut sich gleich doppelt, da es sich hier nicht um den xten-Aufguss einer Serie handelt, sondern um einen „neuen“, frischen Titel handelt, der absolut grandios ist. Vielen Dank, liebe Entwickler, für dieses tolle Spiel. Über einen Nachfolger würden (nicht nur) wir uns freuen. Wer keinen PC besitzt, der wird sich freuen, da die Entwickler gerade dabei sind, das Spiel auch für die Konsolen umzusetzen.

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei SEGA für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

L. Zimmermann

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