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Stormland | Review (Oculus Rift S)

StormlandBild1Insomniac Games steht seit Mitte der 1990er Jahre für erstklassige Videospiele auf hohem Niveau, innovative Spiele, die ein Genre häufig vorangebracht und andere Entwicklerstudios inspiriert hatten sowie Spiele-Reihen, die auf Sonys PlayStation-Konsolen von Beginn an zu System-Sellern wurden. Wer erinnert sich nicht an die „Ratchet & Clank“-Titel, an die „Resistance“-Spiele oder auch an die alten „Spyro“-Ableger. Auch auf der Xbox One konnte das Entwicklerstudio mit „Sunset Overdrive“ zahlreiche Fans für seine Arbeiten gewinnen. Nun hat man sich die VR-Brillen vorgenommen und erstmals ein Spiel komplett für die virtuelle Realität erschaffen. Wir haben anhand der Oculus Rift S „Stormland“ ausführlich getestet und klären, ob der im Vorfeld bereits hoch gehypte Titel seinen Vorschusslorbeeren gerecht werden und zum System Seller für die VR-Brillen werden kann.

Der Androide ist ich und ich bin der Androide

Was in VR besser funktioniert als in klassischer „2D“-Spielweise, ist die Immersion. Dadurch, dass ihr die Brille aufsetzt, werdet ihr mitten ins Geschehen hineinversetzt. Was aufgrund des heimischen Monitors oder TV-Geräts nur bedingt möglich ist, klappt hier – bei einer glaubwürdigen Spielwelt – von der ersten Sekunde an. Und „Stormland“ schafft es aus dem Stand heraus, dass wir uns als Spieler als Teil der Spielwelt fühlen. In dem Augenblick, in dem das Spiel beginnt, wird auch niemand von euch Zweifel daran hegen, hier in die Rolle des Androiden Vesper zu schlüpfen. Denn die Immersion funktionier nicht nur aufgrund der VR-Brille. Vielmehr haben die Entwickler auch daran gedacht, den ganzen Körper des Androiden Vesper so nachzubilden, dass bei jedem Blick nach unten, ihr seinen Metallkörper seht. Seien es die Arme, die multifunktional genutzt werden können, der Torso oder die Beine. All dies wurde akkurat, glaubhaft und nahezu perfekt umgesetzt. Hinzu kommt, dass es im Gameplay einige Entscheidungen gibt, die das mitten drin-Gefühl noch weiter verstärken. Doch dazu später mehr.

Zunächst wollen wir uns mit dem Kern des Titels, der Story befassen. Denn in erster Linie ist „Stormland“ ein storygetragener VR-Titel, der von einer ca. 6-8 Stunden langen Kampagne / Geschichte getragen wird. Um diese zu verstehen, solltet ihr allerdings einigermaßen gute Englischkenntnisse besitzen, da „Stormland“ (wie die meisten Oculus Rift-Titel) komplett in Englisch daher kommen. Eine Entscheidung, die wir in der Redaktion schade finden, die aber wohl bei einem Schwerpunkt auf den nicht deutsch sprechenden Markt und aus Kostengründen nachzuvollziehen ist. Hier ist Sony mit seiner VR-Brille der Oculus voraus, erscheinen dort doch fast alle Titel auch auf Deutsch. Doch das ist auch der einzig wirkliche Kritikpunkt, den man bei „Stormland“ anmerken kann.

Wie bereits erwähnt übernehmt ihr die Rolle des Androiden Vesper, der friedlich auf einem Planeten lebt, bis er und seine Freunde bei einem Angriff zerstört werden. Doch irgendwann wird er reaktiviert und findet sich an einem ihm zunächst unbekannten Ort wieder. Nun ist es an Vesper herauszufinden, was genau passiert ist und ob seine Freunde noch existieren. Schon bald findet Vesper einige andere Androiden, die ebenfalls überlebt haben. Zwischendurch werdet ihr mit Erinnerungsfragmenten anderer Androiden konfrontiert. Diese zeigen euch die Grundlagen der Steuerung, sodass ihr nach und nach mit den Spielmechaniken vertraut werdet.

Gesteuert wird Vesper über die Richtungsjoysticks der beiden Touch Controller. Dabei bewegt sich Vesper frei im Raum, was zunächst unter Umständen zu leichter Übelkeit führen kann. Doch rasch gewöhnt man sich daran, zumal es im Menü Einstellungen für das Drehen um die eigene Achse und damit verbunden die Kamera gibt. Während der Kampagne erlernt ihr neue Fähigkeiten, verbessert eure Arme, rüstet Waffen auf, erhaltet einen Schild, der euch für eine Gewisse Zeit Schutz vor den verschiedenen Feinde bietet, bekommt eine interaktive Map spendiert, findet Energiepflanzen und Behälter für eure Gesundheit, die ihr mittels ruckartiger Bewegung öffnet, lernt, wie ihr über gewisse Bereiche hinweg gleitet, bekommt raus, wo und wie ihr klettern könnt und vieles andere mehr. Das alles funktioniert auf den Punkt, ist absolut natürlich in der Bewegung und wirkt sehr glaubwürdig. Kommen Gegner von oben, aktiviert ihr blitzschnell euren Schild, versteckt euch mit einer schützenden Armbewegung hinter diesem, geht in Deckung oder bewegt eure Arme so, als würdet ihr tatsächlich klettern. Es ist unglaublich, wie real die Abläufe hier in der VR umgesetzt werden. Alle fühlt sich organisch und durchdacht an, zu keiner Zeit geht die Immersion verloren. Besser kann man das nicht machen.

StormlandBild2Auch wenn das Gameplay recht wiederholungsanfällig ist und ihr irgendwie stets dasselbe in ähnlicher Form macht, macht das Ganze so unglaublich viel Spaß, wirkt die Welt von „Stormland“ so facettenreich, bietet so viel zu sehen und zu bestaunen, dass die Wiederholungen sich nicht groß als solche anfühlen. Wirklich schade ist, dass die Bindung an die anderen Androiden so nebensächlich abgehandelt wird. Wenn man das erste Mal einen verloren geglaubten Freund wiederfindet, ist das ein absoluter Gänsehaut Moment. Doch anstelle mehr aus dieser Bindung zu machen, ist Vesper nur wenige Minuten später schon wieder ganz alleine unterwegs. Hier wäre mehr Tiefgang wünschenswert gewesen. So bleiben die anderen Charaktere eher Beiwerk und erwecken in mir als Spieler kein großes Bedürfnis, sie um jeden Preis zu beschützen.

Wunderschöne VR-Welt

Grafisch ist „Stormland“ mit Abstand das beeindruckenste Spiel geworden, sieht man von „Asgard’s Wrath“ einmal ab. Wie bereits erwähnt, strotzt der Titel nur so vor Details, optischer Abwechslung und liebevoll in Szene gesetzten Levels. Um das alles auch in VR auf höchstem Niveau bieten zu können, solltet ihr schon einen potenten Rechenknecht besitzen. Dass der Fliegengittereffekt der Oculus Rift S keinen komplett „klaren“ Blick auf die phantastische Welt von „Stormland“ ermöglicht, muss hingegen hingenommen werden.

Ein besonderes Schmankerl heben sich die Entwickler für die Zeit nach Beendigung der Kampagne auf. Denn dann verändert sich „Stormland“. So werden die Welten Woche für Woche prozedural generiert. So erschaffen die Entwickler Gegner, Inseln und Aufgaben neu und bieten euch für eine längere Zeit Herausforderungen. Währenddessen wird euer virtuelles Alter Ego weiter verbessert. Diesen Modus konnten wir bislang noch nicht langfristig testen.

Fazit: „Insomniac Games“ hat es wieder einmal geschafft. Mit „Stormland“ setzen sie einen weiteren Meilenstein, dieses Mal in VR. Auch wenn der Titel bei der emotionalen Bindung der Charaktere zueinander und damit auch unserer Bindung zu Vesper ein wenig leidet, die Story hier und dort noch ein wenig tiefgründiger hätte sein können, es schade ist, dass der Titel ausschließlich auf Englisch erhältlich ist und der Gameplay viele Wiederholungen bietet, ist „Stormland“ eine unglaublich grandiose VR-Erfahrung, die wir jedem empfehlen können, der auch nur ansatzweise etwas für VR übrig hat. Das mitten drin-Gefühl kann man nicht besser vermitteln, die 9Steuerung wurde hervorragende umgesetzt und die englische Synchro sowie die glaubhafte und grafisch sehr aufwendige Spielwelt sind auf allerhöchstem Niveau angesiedelt. Daher können wir trotz einiger Schwächen das Spiel absolut und bedenkenlos empfehlen, zumal knapp 40 Euro ein echtes Schnäppchen sind. Auf der Konsole würdet ihr für selbige Qualität mindestens 20 Euro mehr zahlen müssen. Falls ihr noch ein Argument benötigt, um euch eine Rift S zuzulegen: Hier ist es!

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Oculus für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

U. Sperling

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