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Down the rabbit hole | Review (Oculus Rift S)

DowntherabbitholeBild1Fast jeder von euch kennt mit Sicherheit die Geschichte der kleinen Alice, die über ein Loch in einem Baumstamm in das Wunderland fällt und dort auf so wundersame Gestalten wie die Grinsekatze, den verrückten Hutmacher, den Märzhasen, die Herzkönigin und viele andere mehr trifft. Unzählige Male wurde die von Lewis Carroll im 19. Jahrhundert erdachte Geschichte verfilmt. Die beiden berühmtesten Umsetzungen des literarischen Stoffes dürften zweifelsfrei die Zeichentrick-Version von Walt Disney und die Realverfilmung u.a. mit Whoopi Goldberg in der Rolle der Katze sein. Dass die Geschichte rund um die kleine Alice mit „Alice hinter den Spiegeln“ sogar aus Büchern besteht, dürften hingegen nur die Wenigsten, wirklich großen Bücherwürmer und Carroll-Fans wissen. Auch im Videospielbereich wurde der Stoff durch American McGee bearbeitet. Hier allerdings mehr in einer gruseligen Horror-Version. Nun ist mit „Down the rabbit hole“ eine weitere Adaption als Diorama für die VR-Brillen erschienen. Welche Schwerpunkte der Titel geht, was ihn von bisherigen Veröffentlichungen unterscheidet und ob er uns im Test überzeugen konnte, verraten wir euch im Folgenden. Getestet haben wir das Spiel mit der Oculus Rift S.
 
Ein ungünstiger aber mutiger Zeitpunkt?
Es ist von einem relative kleinen Publisher entweder ziemlich mutig, oder ziemlich verrückt, seinen eigenen Titel gerade einmal drei Tage nach Release des wohl wichtigsten VR-Spiels bislang zu veröffentlichen. Fans wissen natürlich gleich, welchen Titel wir meinen. Verrückt, weil man davon ausgehen kann, dass sich ein Großteil der VR-Brillen Besitzer gerade den Hauptkonkurrenten auf die Festplatte ihres heimischen PCs geladen haben und nun alles andere im Sinn haben, außer sich weitere Spiele zu holen. Mutig, weil man so zeigt, dass der eigene Titel groß genug ist, um gegen den übermächtigen Konkurrenten zu bestehen. Oder einfach, weil es trotz des derzeit immensen Hypes noch immer viele Spieler gibt, die das Genre meiden und sich lieber kreativen (und nicht weniger wunderschönen) Titeln wenden, wie eben „Down the rabbit hole“. Daher war es uns eine doppelte Freude, endlich mit Alice in diese Version des sagenhaften Wunderlandes einzutauchen. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielern, haben wir im Vorfeld versucht, möglichst wenige Infos um Spiel zu sammeln, keine Videos anzuschauen und nicht auf diversen Plattformen nach Hinweisen zu suchen, um ganz unvoreingenommen und neutral an unsere Review zu gehen. Lediglich einige Basics, wie die Tatsache, dass es sich beim Spiel um einen reinen VR-Titel handelt, und dass es sich hierbei um ein Diorama handelt, waren uns vor dem Test bekannt. 
 
Ein ruhiger und (noch) recht gemächlicher Start
Die leider nur auf Englisch (aber immerhin mit deutschen Untertiteln) vertonte Geschichte beginnt zunächst einmal recht unspektakulär. Ein Großvater erzählt seinem Enkelkind eine Gute-Nach-Geschichte. Wir schauen im Diorama ins Geschehen hinein und sehen das Haus des Großvaters von außen. Doch auf einmal taucht das Mädchen, von dem der Großvater erzählt, neben dem Haus auf und schon wechseln wir von der einen Spielebene auf die andere. In der Rolle der Alice spielen wir von da an die bekannte Geschichte nach und treffen auf alle Charaktere. Später wechseln wir auch mal für kürzere Passagen und werden zu anderen Figuren. In diesen Momenten steuern wir den Charakter oder helfen mit unseren virtuellen Händen diverse Puzzle zu lösen. So müssen wir anfangs zum Beispiel dem Märzhasen helfen, die Einladungen für die Herzkönigin zu finden, die Alice durch ihren Sturz in den Hasenbau in alle Himmelsrichtungen hat aufwirbeln lassen oder später als Spielkarte Zutaten finden, um die durch einen Trank gigantisch gewachsene Alice wieder auf „Normalgröße“ schrumpfen zu lassen. Die Rätsel sind dabei meist nicht allzu schwer und lassen sich sowohl durch genaues Beobachten als auch durch Nachdenken recht schnell lösen. Insgesamt wurden sie alle wunderbar in die Szenerien eingebaut und wirken zu keiner Zeit aufgesetzt oder irgendwie fehl am Platz. Im Gegensatz zu „Moss“ setzen die Entwickler auf zahleiche und vielfältige Rätseltypen. So kommt nie Langeweile und Monotonie auf. 
 
DowntherabbitholeBild2Um die Immersion, die schon durch die VR-Brille enorm hoch ist, noch weiter zu steigern, wechselt in den Dialogsequenzen die Kamera häufig in die Ego-Perspektive. Dann könnt ihr aus bis zu drei Antworten auswählen. Falsche Optionen gibt es jedoch nicht, da dann das Gespräch noch einmal von Neuem startet. Weil sich „Down the rabbit hole“ auch an der Romanvorlage orientiert, wären Entscheidungsfreiheiten auch nur schwer nachzuvollziehen.
 
Ein weiteres Highlight - neben den Rätseln - ist die wunderschöne, detailverliebte Grafik. Der Zeichenstil ist absolut hinreißend und Fans der Bücher fühlen sich von der ersten bis zur letzten Spielminute heimisch. „Down the rabbit hole“ wurde von den Entwicklern (bzw. wird) für alle gängigen VR-Systeme umgesetzt und den jeweiligen technischen Gegebenheiten angepasst. Ruckler, Tearing oder schlecht aufgelöste Texturen sind uns im Test zu keiner Zeit aufgefallen. Die Sprachausgabe ist absolut passend und die Sprecher sind allesamt mit viel Herzblut ihrer Arbeit nachgegangen. Da verschmerzt man gerne die fehlende deutsche Sprachausgabe. Die Untertitel sind meistens gut ins Deutsche übersetzt worden; hin und wieder hätten sie den Inhalt des Gesprochenen allerdings noch ein wenig präziser wiedergeben können. In Zeiten, in denen ein Großteil der Spiele, die für VR erscheinen aber nach wie vor ausschließlich im Original (und ohne Untertitel) daher kommen, ist das schon ein deutliches Plus.
 
Was uns auch besonders gefallen hat, da es so die VR-Steuerung ganz neu denkt, ist, wie wir auf den unterschiedlichen „Etagen“ der Diorama-Abschnitte wechseln können. Denn an den Rändern des jeweiligen Abschnitts gibt es Wurzeln, an denen wir uns festhalten und den Abschnitt nach oben oder unten verschieben können. Zudem ist es möglich, hin Geschehen hinein zu blicken. So behält man zu jeder Zeit den Überblick. Witzig gelöst ist auch, dass jedes neue Diorama ein Stück weiter nach rechts „aktiviert“ wird, wenn Alice dort hinläuft. So hat man als Spieler das Gefühl, als würde das Geschehen um den eigenen Kopf herum ablaufen. Auch ein weiterer Aspekt für die gelungene Immersion.
 
Fazit: Mit ihrer Interpretation des Alice im Wunderland-Stoffes haben die Entwickler von Cortopia einen der Überraschungshits des Jahres gelandet. Mit vielen wunderschönen Locations, die vor Details nur so strotzen, abwechslungsreichen Rätseln, all den bekannten und legendären Figuren des Alice-Universums und ganz viel 9Herzblut ist es ihnen gelungen, aus der Buchvorlage ein unglaublich immersives Spielerlebnis zu erwecken, wie es nur in VR möglich ist. Neben dem gerade erschienenen „Half Life: Alyx“ ist „Down the rabbit hole“ ganz klar ein must have in diesem Jahr und ein weiterer Grund für den Kauf einer VR-Brille.
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Cortopia für den zur Verfügung gestellten Testkey.
 
U. Sperling
 

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