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Forza Horizon 4 | Review (Xbox One)

ForzaHorizon4Bild1Seit der Markteinführung der allerersten Xbox, im Jahr 2002, hat Microsoft ein paar First Party-Spiele, die sie immer wieder auf den Markt bringt. Dies sind „Halo“, „Gears of War“ und „Forza“. Allen drei Titeln warfen Kritiker in den vergangenen Jahren vor, sich zu wenig weiterzuentwickeln, zu stark auf hohem Niveau zu verharren und sich damit auf den Lorbeeren vergangener Teile auszuruhen. Neue, wirklich überraschende Impulse, suchte man stets weitestgehend vergeblich. Dann kam mit „Forza Horizon“ im Jahr 2012 auf den Markt und brachte frischen Wind auf die Xbox 360. Diese Serie entwickelte sich zunächst mit verschiedenen Schwerpunkten und konnte auch durch neue Akzente und coole Erweiterungen überzeugen. Doch bereits mit „Forza Horizon 3“ zeigten sich gewisse Abnutzungserscheinungen. Ob Teil vier hier wieder eine echte Weiterentwicklung bieten kann oder doch mehr vom Selben aufgefahren wird, erklären wir euch im Test.

Ein Schritt nach vorne und zwei zurück

Als Microsoft und Playground Games die Entwicklung von „Forza Horizon 4“ bestätigten, dachten viele Fans und Kritiker gleichermaßen, dass (aufgrund diverser scheinbarer Leaks, die sich dann doch als falsch herausstellten) der neuste Ableger der Reihe in Japan angesiedelt sein könnte. Nachdem der letzte Teil in Australien „spielte“, wäre gerade Japan prädestiniert für spektakuläre Rennen. Doch es kam bekanntlich völlig anders, als gedacht. Denn nicht Fernost wurde gewählt, sondern England mit seinen rauen Küsten, seinen malerisch-rustikalen Dörfern, seinen engen Serpentinen und seinem wechselhaften Wetter. Und genau darauf setzen die Entwickler von Playground Games. Denn in diesem Jahr geht es nicht nur um Rennen bei Regen oder – wie bei dem DLC „Blizzard Mountain“ um Rennen auf Eis und durch Schnee. Vielmehr hat man sich der vier Jahreszeiten angenommen, die nicht nur optisch starke Akzente setzen können, sondern auch Einfluss auf die Bodenbeschaffenheit und damit die Steuerung der Fahrzeuge haben. Doch wer sich nun freut, selbst auswählen zu können, ob er im Frühling, Sommer, Herbst oder im Winter fährt, der wird schnell enttäuscht werden. Denn der Wechsel der Jahreszeiten erfolgt in regelmäßigen Abständen von exakt einer Woche im realen Leben. Somit wollen euch die Entwickler dieses Mal ein Festival bieten, „das niemals endet“. Wer sich jedoch durch die ersten Spielstunden gekämpft hat, in denen alle vier Jahreszeiten simuliert werden, der ärgert sich später umso mehr, dass ihm die Jahreszeiten vorgegeben werden. Natürlich setzt man hier auf Langzeitmotivation, um die Spieler bei Laune zu halten und immer wieder vor den heimischen Fernseher zu holen. Doch ich persönlich fühle mich hier viel zu stark vom Spiel bzw. von den Entwicklern an die Leine genommen.

Was ich ebenfalls sehr bedauere, ist, dass es den Entwicklern bei „Forza Horizon 4“ ansonsten komplett an Mut zu Neuem fehlt. All das, was ihr im letzten Teil gesehen habt, findet sich auch hier wieder. Das beginnt beim noch immer stummen virtuellen Alter Ego, den ihr zwar einkleiden dürft, der aber ansonsten abermals nur Staffage ist, geht über die bekannten Rennevents und Schaurennen (dieses Mal unter anderem gegen ein Luftkisssenboot, vier Rally Cross-Motorräder oder auch den legendären Zug Flying Scotsman), eine Weltkarte, die mit denselben Icons aufwartet, wie in Teil drei, über dieselben Musikkanäle, die nur mit neuen Songs daher kommen (wobei hier auch alte Songs recyclt werden), sonst aber immer noch beim Start eines neuen Events mittendrin abgebrochen werden und endet bei stellenweise gleichen Grafikassets, wie Fesselballons, oder Bäumen, Feldern und Wiesen, die aussehen, wie aus der „Australien-Version“ herauskopiert. Klar: Wenn man rund ein Jahr nach dem letzten Teil ein neues Spiel herausbringen muss, kann man nicht alles neu erfinden. Doch hier fällt es einfach allzu deutlich auf. Dass die Grafik ForzaHorizon4Bild2keinen großen Sprung nach vorne machen kann, ist aufgrund der limitierten Konsolenpower klar. Allerdings hätten sich die Entwickler für die Xbox One X mehr einfallen lassen müssen, als an 4K und HDR allein zu schrauben, zumal immer wieder ins Bild ploppende Texturen bzw. nachladende Texturen und kleine Ruckler (die es auch wieder beim Sound gibt) den ansonsten visuell gelungenen Gesamteindruck trüben. Dies ändert sich auch nicht sonderlich, wenn ihr im zweiten Modus von der 4K-Grafik weg zu 60fps wechselt. Versteht mich bitte nicht falsch: Auch Teil vier sieht toll aus, wartet mit teils wunderschönen Panoramen und vielen Details. Doch irgendwie ist der Reiz, den die Serie einstmals ausmachte, in gewissen Bereichen verflogen. Während Ubisoft sein „Assassin’s Creed“ pausieren ließ, um ein wenig Luft zu holen und nach zwei neuen Teilen wieder eine Pause einlegen will, sind die Entwickler von Playground Games dem großen Druck ausgesetzt, Jahr für Jahr einen neuen Teil auf den Markt zu werfen. Und dies geht zu Lasten der frischen Ideen, die nicht über (vorgegebene) Jahreszeiten hinauskommen. Da können auch die rund 450 ihren realen Vorbildern erneut bis ins kleinste Detail nachempfundenen Boliden nicht viel ändern. Klar: Als besonderes „Gimmick“ haben sich die Entwickler für die „Ultimate Edition“ unter anderem die coolsten Bond-Autos lizensieren lassen, um sie ins Spiel zu bringen. Aber dafür fast 100 Euro zu berappen, ist schon ein ordentliches Stück. Wer diese ultimative Ausgabe nicht möchte, der kann natürlich auch alternativ einen Autopass erwerben, der ihm noch einmal in regelmäßigen Abständen rund 40 Autos in die virtuelle Garage liefert. Auch das (Geschäftsmodell) kennen wir bereits aus den Vorgängern. Und warum gibt es immer wieder Brüche in der Immersion? Ich soll im Schnee mit Autos fahren, die Winterreifen benötigen, kann aber mit meinem Audio TTS viel besser fahren. Es regnet und mein Alter Ego steht im Regen, als würde er einen wunderbaren Sommertag genießen. All das ist schade, denn es reißt mich als Spieler aus der Spielwelt. Und welchen Mehrwert hat es, sich ein Haus zuzulegen, wenn ich dieses nur als zentrale Verwaltungsstelle meiner Spieloptionen nutzen kann?

Wirklich neu ist hingegen, dass die Drivatare im freien Modus jetzt nicht mehr nur Fahrzeuge mit Daten von Spielern sondern echten Spieler sind, die ebenfalls gerade unterwegs durch das virtuelle Großbritannien cruisen. Allerdings können sie euch nicht von der Piste schießen, da sie abseits von Rennen zu „Ghosts“ werden, die durch euch hindurchfahren. So beugt man gewissen Idioten vor, die es nur auf Unfälle abgesehen haben. Ebenfalls möglich ist es, mit anderen Spielern gemeinsam Gruppen zu erstellen, und in gewissen Events gegeneinander anzutreten. Hierfür gibt es das Team Adventure. Somit seid ihr stets an den Mitstreiter und sein Fahrkönnen ebenso gebunden, wie er an euch, da ihr gemeinsam eines von zwei Teams bilden werdet.

Fazit: Ich kann und will in diesem Jahr „Forza Horizon 4“ keine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Dagegen spricht, dass hier einfach zu wenig wirklich Neues gewagt wird, sich die Entwickler auf ihren Lorbeeren ausruhen und vieles einfach aus dem Vorgänger übernehmen. Auch wenn Großbritannien (mit England und Schottland) tolle Locations zu bieten hat, die Jahreszeiten Abwechslung bieten und auch die neue Weltkarte enorm viele Events mit sich bringt, hat man einen Großteil von dem, was geboten wird, in ähnlicher Form nun bereits x-fach gesehen. Besonders störend 8empfinde ich, dass mir die Entwickler einfach die Jahreszeiten vor die Nase setzen, und ich nicht frei auswählen kann und mein virtuelles Alter Ego noch immer vollkommen stumm und beinahe emotionslos (von einigen Bewegungen und albernen Tänzen beim Sieg oder besonders coolen Karren einmal abgesehen) ist. So fehlt jede Identifikation. Daher empfehle ich Playground Games (und natürlich vor allem Microsoft als Publisher) sich bis zum Launch der nächsten Konsolengeneration einfach mal Zeit zu nehmen, zu überlegen, was man dem potentiellen Käufer wirklich Neues bieten kann und dies dann auch konsequent zu verfolgen und umzusetzen! Also bitte nicht noch ein Aufguss.

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Microsoft für den zur Verfügung gestellten Review-Code.

U. Sperling

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