A+ R A-

Suchen

Rage 2 | Review (Xbox One)

Rage2Bild1Seit vielen Jahren steht id Software für knallharte, kompromisslose und überwiegend sehr gute Ego-Shooter. Mit „Rage“ ging man 2011 in die offene Spielwelt und öffnete damit sein Shooter-Konzept von engen Räumen hin zu weitläufigen Arealen. Doch der Shooter blieb hinter den Erwartungen zurück und konnte nicht so wirklich überzeugen. Doch mit dem Nachfolger, der erneut von den Avalanche Studios mitentwickelt wurde, will man die Fehler des Vorgängers ausmerzen und den Spielspaß im Stile eines „Doom“ wieder in den Vordergrund stellen. Wir haben die Xbox One-Fassung für euch getestet.

Mal wieder Postapokalypse

Fans von postapokalyptischen Settings kommen in den vergangenen Monaten voll und ganz auf ihre Kosten. Alle anderen werden schon bei dem Gedanken, dass nach „Fallout 76“, „Far Cry: New Dawn“ oder auch „Metro: Exodus“ schon wieder die Endzeit bemüht wird, sich genervt wegdrehen. Denn auch „Rage 2“ spielt in einer frei erfundenen Endzeit. Worum es geht, ist hier so uninteressant wie uninspiriert und langweilig. In der Kurzfassung: Ein Asteroid hat die Menschheit nahezu ausradiert. Marodierende Banden zogen durch die verlassenen Gegenden und hinterließen Chaos, Hass und Zerstörung. Während auf der Erdoberfläche das Inferno wütet, gibt es unter der Erde die „Obrigkeit“, welche die noch lebenden Menschen unterdrücken will. Hierzu stehen ihnen Armeen zur Verfügung. In einer großen Schlacht, in die ihr als wahlweise weiblicher oder männlicher Charakter hineingeworfen werdet, soll es zu einer Entscheidung kommen. So weit so uninteressant. Eure Aufgabe ist es nun, die fiesen Schurken ein für alle Mal in den Hintern zu treten und aus der Welt zu schaffen. Gemeinsam mit einigen Weggefährten macht ihr euch also durch das Ödland auf, erfüllt etliche – ebenfalls belanglose – Missionen und steht dann final dem Obermotz gegenüber.

Bis dahin müsst ihr jedoch die unzähligen Schergen aufhalten. Hierzu verbessert ihr zwischen den Kämpfen euer virtuelles Alter Ego sprich: seinen oder ihren Anzug und dessen Fähigkeiten. Diese Verbesserungen können an so genannten „Archen“ durchgeführt werden, die über die großen Areale hinweg verstreut zu finden sind. Habt ihr den Anzug verbessert, könnt ihr unter anderem schneller feindlichen Geschossen ausweichen oder auch euch besser verteidigen.

Apropos Verteidigung: Wie bereits erwähnt, bietet euch das Spiel (typisch für Avalaunch- und id Software-Titel) jede Menge Waffen wie den vom Beginn an verfügbaren Wingstick, der wie ein Bumerang in Kombination mit eurer Waffe auf Gegner gerichtet wird und diese erledigt, Granaten, Blaster, MGs Rage2Bild2und andere „durchschlagenden Argumente“. Auch die Waffen können natürlich verbessert und optimiert werden. Um dies zu bewerkstelligen müsst ihr allerhand Zeug sammeln, welches in der Gegend verstreut ist. Gegenstände und Upgrades können auch beim Händler erworben oder verkauft werden. Energie hinterlassen die getöteten Gegner – allerdings nur für eine begrenzte Zeit. Daher solltet ihr stets flink unterwegs sein und euch nicht allzu lange in der sicheren Deckung aufhalten. Überhaupt erinnert das Ganze ziemlich an Klassiker wie „Doom“, was es ja prinzipiell nicht schlecht macht. Dennoch sind die Ballerorgien nicht ganz so unterhaltsam, wie beim geistigen Urahn. Schuld ist unter anderem die nicht sonderlich hohe Abwechslung. Die Gegner erinnern an Klone (was sie ja auch irgendwie sind), die nur mäßig mit künstlicher Intelligenz ausgestattet wurden. Die Missionenstuktur ist ebenso einfallslos und folgt stets demselben langweiligen Schema.

Damit ihr schnell und sicher durch die großen Areale kommt, stehen euch Fahrzeuge zur Verfügung. Wer gerade kein eigenes Fahrzeug zur Verfügung hat, „borgt“ sich einfach eines. Die Fahrzeuge haben allesamt verschiedene Waffen mit dabei und einen Boost sowie bei einigen ausgewählten Fahrzeugen eine Art Helikopter-Funktion. Die Steuerung der Fahrzeuge ist ordentlich, auf Dauer aber ebenso wenig inspirierend, wie bei Teil eins. Überhaupt ist man froh, schnell von einem Ort zum anderen zu kommen. Denn die Spielwelt kann nicht wirklich sonderlich überzeugen. Die Areale sind wenig spektakulär gestaltet, viel zu leer und eintönig gehalten und bieten nur ganz selten wirkliche „Wow“-Momente. Alles wirkt auf Sparflamme gekocht. Im Gedächtnis bleiben wird euch diese Spielwelt ganz sicher nicht. Dass zu keinem Zeitpunkt eine richtige Identifikationsmöglichkeit mit dem Protagonisten geboten wird, liegt an der vollkommen stumpfsinnigen Art. Ein weiterer Atmosphäre-Killer ist die Tatsache, dass ihr nur mit wenigen ausgewählten KI-Charakteren interagieren könnt. Die meisten Bewohner der Gebiete sind stumme Statisten und nichts anderes als „Dekomaterial“. Hat man dann mal die Möglichkeit, sich mit einem Einwohner auszutauschen, kommt es über eine allgemeine Phrasendrescherei nur ganz selten hinaus.

Fazit: Sorry Bethesda. Aber was ihr da in letzter Zeit am Start habt, ist eurer eigentlich nicht würdig. Nach „Rage“ 2011 kann „Rage 2“ eigentlich noch weniger überzeugen und unterhalten und stellt lediglich einen müden Abklatsch eines „Doom“ dar. Die furchtbar belanglose Story, die 08/15-Missionen, die unsympathischen Figuren, die langweilige offene Spielwelt und die zum Teil wirklich unzeitgemäße Grafik (vor allem auf der Xbox One X) hinterlassen den Eindruck, als müsse man mal wieder die Lizenzkuh melken und um jeden Preis ein Spiel auf den Markt bringen, ohne sich dabei Gedanken zu machen, wie man den Spieler wirklich packen, fesseln und begeistern kann. Nehmt euch doch mal an einem kleinen Studio wie „Asobo“ ein Beispiel, das zuletzt mit „A Plague Tale: Innocence“ ein grandioses, storyfokussiertes Spiel auf den Markt gebracht hat, weil man hier noch Wert auf Qualität legt und nicht mit dicken Taschen rum rennt und mit Überheblichkeit (wir haben ja id und Avalanche an Bord, da kann schon nichts schief 6gehen) den Spieler überrollt. Solltet ihr euer Konzept nicht grundlegend überdenken, spart uns bitte einen Nachfolger! Leider fällt mir dann nämlich auch nicht mehr ein, was ich hier schreiben kann. Stumpfsinnige Shooter sind heutzutage einfach nicht mehr wirklich angesagt. Da muss schon weit mehr kommen!

Die inn-joy Redaktion vergibt 6 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Bethesda für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

U. Sperling

Impressum - Datenschutz

Copyright 2016 © Inn-Joy.de All Rights Reserved. 

Joomla! © name is used under a limited license from Open Source Matters in the United States and other countries.