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F1 2019 | Review (Xbox One)

F12019Bild1Formel 1 Spiele gibt es bereits seit vielen Jahren. Angefangen hat alles mit „Grand Prix Unlimited“ im Jahr 1992 auf dem PC. Es folgten „F1“, „Grand Prix 2“ und weitere PC-Ableger, wie das hochgelobte „F1 Racing Simulation“. Konsoleros durften sich über einen eigenen Cockpitplatz in der Königsklasse erst ab „F1 97“ freuen. Danach wurde vor allem die PlayStation bevorzugt, bevor vor mittlerweile 10 Jahren der heutige Platzhirsch, die „F1“-Reihe aus dem Hause Codemasters der Konkurrenz die Rücklichter zeigte. Mittlerweile hat sich die Serie etabliert und bringt – leider wie alle Sportspiele – nur noch mehr oder minder leicht aufgebohrte Updates in den Handel. Fanservice statt Ausruhen auf den Lorbeeren?

In den vergangenen Jahren leider eher Fehlanzeige. Doch pünktlich zum Jubiläum der ersten Dekade rollt mit „F1 2019“ ein ordentlich getunter Ableger an die Startlinie und will euch beweisen, dass die Mannen von Codemasters doch mehr können, als kleine Stellschrauben zu verändern und „Fellpflege“ (sprich grafische Updates) zu betreiben. Wir haben uns die Xbox One-Version geschnappt und verraten euch, ob sich der Kauf der aktuellen Fassung lohnt.

Jetzt auch mit (rudimentärer) Story

Electronic Arts und deren Fußballsimulation „FIFA“ haben es vorgemacht und diverse andere Sport-Titel zogen nach. Die Rede ist von einer Story, in welcher man als Spieler vom Nobody zum umjubelten Helden wird, dabei auf Rivalen trifft, die zu unfairen Mitteln greifen, sich aber auch Freunde schafft, die einen unterstützen und – trotz alledem – irgendwie immer ein „sprachloser“ Held bleibt. Auch Codemasters „F1 2019“ schlägt in diese Kerbe. Denn im neusten Teil werdet ihr in der erstmals integrierten storybasierten Karriere zum Mitglied der zweithöchsten Klasse, der Formel 2, berufen. In packenden Szenen geht es um ein Duell mit eurem Teamkollegen und einem Rivalen eines anderen Teams und um die Fahrerweltmeisterschaft. Mitten in diese schnell geschnittenen Szenen, die ein wenig an eine TV-Übertragung erinnert, werdet ihr geworfen und müsst das Rennen zu euren Gunsten ändern oder euren Teamkameraden aufgrund einer Stallorder unterstützen. Einige Rennen (deren Länge ihr selbst festlegt) später steht dann auch schon der Sprung in die Formel 1 an. Dann könnt ihr wählen, ob ihr die Story weiter verfolgt, oder euch aber in die Königsdisziplin wagt, wo die großen Teams mit teils strengen Vorgaben für die Saison auf euch warten.

Was sich auf dem Papier durchaus interessant liest, entpuppt sich in der Realität allerdings schnell als recht vorhersehbar, öde und vor Klischees triefend. Hinzu kommt, dass man für die Protagonisten nicht wirklich ambitionierte Synchronsprecher engagiert hat und auch die Grafik im Vergleich zum Vorgänger kaum Verbesserungen erfahren hat. Vor allem auf der Xbox One X wäre technisch mehr drin gewesen. Klar: Man muss immer für die leistungsschwächere Konsole programmieren. Doch Gestik und Mimik sind nicht mehr zeitgemäß. Sehr schade, nimmt das doch einiges an Atmosphäre. Gleiches gilt dann auch für die Interviews, die ihr in der Regel nach einem Rennen geben müsst. Aus vorgegebenen Antworten sucht ihr innerhalb eines recht engen Zeitfensters die „richtige“ aus und erhaltet hierfür einen Boni beim Team oder für euer Fahrer-Ego. Dumm nur, dass die Interviews genau so langweilig sind, wie beim Vorgänger. Spannende Pressekonferenzen, bei denen auch schon mal ein Fahrer vor Frust ausfällig wird, sucht man hier vergebens. Apropos vergebens: Sobald ihr erst einmal die F1-Fahrerlager betreten habt, wird die Story absolut nebensächlich, was wir sehr schade finden.

Wer keine Lust auf die Geschichte hat, aber gerne mit Stars von Morgen wie Mick Schumacher um die WM der F2 fahren will, kann dies auch in einer kompletten Rennsaison tun. Aufgrund der Tatsache, dass sich die F2-Boliden in Sachen Fahrverhalten von denen der Königsklasse unterscheiden, macht es durchaus Spaß, sich hinter das Lenkrad der „neuen“ Teams zu klemmen.

In der F1 wartet dann wieder einmal das Übliche auf euch: Die aktuellen Strecken, das überarbeitete Regelwerk, die neuen Teams und Rennfahrer – alles ist mit dabei. Auch die Halo-Cockpitbügel und die veränderten Front- und Heckflügel der Boliden sind mit integriert. Vor allem letztere Neuerung macht sich zum Teil spürbar beim Handling der Fahrzeuge bemerkbar. Kurz: In Sachen Fahrgefühl wirkt der neuste Teil noch einen Tick realistischer als der direkte Vorgänger. Da die Entwickler aber auch Anfänger nicht überfordern möchten, können etliche Fahrhilfen auf Wunsch aktiviert oder deaktiviert werden, sodass auch Neulinge schnell erste Siege einfahren könnten.

Habt ihr sämtliche KI-Unterstützung ausgeschaltet, solltet ihr auf jeden Fall mit Lenkrad und Pedalerie spielen. Nur so erlebt ihr das authentische Fahrgefühl am besten. Grandios ist auch in der 2019er-Ausgabe die Möglichkeit, die Mitstreiter-KI über 100 Stufen zu konfigurieren. Verglichen mit der letztjährigen Ausgabe fahren sie auch weniger aggressiv und rempeln euch nicht mehr auf biegen und brechen von der Piste. Auch die Auslegung des Regelwerks durch die virtuellen Marshalls wirkt nicht mehr ganz so zufallsbestimmt.

F12019Bild2Wer sich gerne mit den Legenden des F1-Motorsports befasst, hat wieder viel zu tun und kann mit den Classic Cars über die Pisten brettern. In der „Legends Edition“ warten sogar die Helden meiner Kindheit, Ayrton Senna und Alain Prost, auf uns. Hinzu kommen ein paar Herausforderungen zwischen den Altmeistern, welche ihr nacherleben dürft.

Wo ist die Lupe?

Während man bei Codemasters also den Umfang ein wenig ausgebaut hat und auch im Multiplayer eine Schippe drauflegen konnte, hat sich in Punkto Grafik nicht sonderlich viel getan. Noch immer gibt es leichte Ruckler und Tearing und die Ladezeiten werden in dieser Konsolengeneration wohl kein Freund mehr von Codemasters werden. Etwas verbessert haben die Entwickler die diversen Effekte, einige Szenen bei der TV-Übertragung, die Siegerehrungen und vor allem die Nachtrennen, welche noch spektakulärer ausschauen. Richtig nett wird es allerdings immer dann, wenn das Wetter umschlägt und euch die Sicht vermiest. Das Wettersystem kann absolut überzeugen. Abstriche machen müsst ihr dann wieder bei den Kommentatoren. Auch wenn man mit Heiko Wasser einen bekannten Sprecher vors Mikrofon holte, fehlen mir Christian Danner und Florian König. Zwar kann Wasser gemeinsam mit seinem Kommentatorkollegen einige nette Infos zu den Rennstrecken geben und auch so Interessantes aus dem Nähkästchen der F1 ausplaudern. Doch unterm Strich wiederholen sich die Kommentare, sind oft nicht wirklich treffsicher und die Tatsache, dass sie nur eine Handvoll Namen eingesprochen haben, mit denen ihr erwähnt werdet, spricht Bände für die Qualität der Umsetzung. Ich will einfach nicht „Müller“, „Star“ oder sonst irgendwie heißen. Das alles wirkt gekünstelt und aufgesetzt. Und warum nicht Kommentare im Spiel eine packende Dramatik während des Rennens bieten, ist mir persönlich schon seit Jahren ein Rätsel.

Na schau, es geht doch!

Wie bereits erwähnt haben sich die Mannen bei Codemasters am Multiplayer ausgetobt. Auch wenn es nach wie vor keinen Splitscreen gibt (allem Anschein nach hat man bei Codemasters eine echte Allergie gegen einen solchen Mehrspieler), so hat man sich im Online-Part durchaus viel Mühe gegeben. Neben einzelnen Rennen und der Meisterschaft, in denen ihr XPs sammelt und Credits bekommt, gibt es die Möglichkeit, mit selbst erstellten Fahrzeugen anzutreten, da ihr einen kleinen Editor an die Hand bekommt. Dank wöchentlich neuer Events und Ligen mit vielen Optionen werdet ihr auf lange Zeit motiviert und an den Titel gebunden. Die neuen Ligen sind individuell an eure Wünsche anzupassen wie Länge der Rennen, Stärke der anderen Fahrer und Fahrhilfen-Unterstützung. Das nennt man dann mal guten Fanservice!

Fazit: Wieder einmal handelt es sich um eine Evolution, statt um eine Revolution. Aber was will man auch machen? Karts? Formel E-Meisterschaften? Formel 3? Alles möglich. Aber hier geht es – wie der Titel schon sagt – ja um die Formel 1. Dass man die F2 mit eingebaut hat, ist schon ein richtiger Schritt nach vorne, da man hier endlich mal ein wirklich anderes Fahrgefühl geboten bekommt. Dass man es mit einer Story versucht – geschenkt. Hier muss noch dringend nachgebessert werden. Aber die Konkurrenz hat ja auch mal klein angefangen. Beim Multiplayer hat Codemasters wirklich gute 8Arbeit geleistet. Ansonsten ist der 2019er-Ableger das, was uns die Serie seit 10 Jahren bietet: Ein gutes jährliches Update. Mal schauen, was wir in zwei Jahren auf den neuen Konsolen geboten bekommen werden. Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn der grafische Sprung von der Xbox One zur Xbox One X hier deutlicher ausfallen würde. Ein wenig HDR hier und hochskalierte Texturen, die rufen „ich wäre gerne natives 4K“ sind leider nicht alles. Dennoch bietet „F1 2019“ viele kleine Verbesserungen, die auch dieses Mal eine Kaufempfehlung rechtfertigen. PS: Liebe Codemasters: Lasst euch für 2020 mal ein neues Cover einfallen. Das Pseudo-Drama-Cover mit Vettel und Hamilton ist wirklich grausam ;-)

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Codemasters für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

U. Sperling

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