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inn-joy live @ Geheimdepot Dorsten: Kammerflimmern

GeheimdepotDorstenKlassische Escape Room-Abenteuer gibt es mittlerweile fast schon wie den sprichwörtlichen „Sand am Meer“. Vor der Pandemie schossen die Anbieter im monatlichen Takt aus dem Boden und viele Städte konnten ihre eigene Escape-Attraktion anbieten. Mittlerweile haben einige Anbieter wieder die Pforten schließen müssen, andere sind mit neuen Konzepten durchgestartet.

Bei den Anbietern lassen sich mehrere Trends feststellen: 1. Gibt es immer weniger, die auf die „klassischen“ Escape-Räume der ersten Generation setzen, in denen noch das typische Schlüssel-Schloss-Rätsel im Vordergrund stand. 2. Setzen daher mehr und mehr Anbieter auf technisch aufwendige, innovative und teilweise recht komplexe Rätsel. 3. Kommen viele Anbieter auf den Markt bzw. haben einige ihr Konzept dahingehend geändert oder überarbeitet, dass vor allem die Geschichte im Fokus steht. Von lustigen Räumen über adrenalingeladene bis hin zu allem, was Horror, Psychoterror und die Abgründe der menschlichen Seele so zu bieten hat, reicht die Bandbreite der Escape Räume. Eine Mischung aus all den genannten Punkten mit einigen neuen Akzenten, will das „Geheimdepot“ in Dorsten seinen Fans bieten. In einer ehemaligen Zeche befindlich, sitzt Dorstens einziger „Live Theater Escape-Room“-Anbieter, dem wir am gestrigen Freitagabend, 17.09.2021, einen Besuch abstatten durften. Was es mit dem „Kammerflimmern“ auf sich hat, ob das interaktive Konzept aufgeht und ob wir den Raum auch empfehlen können, verraten wir euch im Folgenden.

Nervenzerreissende Immersion

Das Abenteuer beginnt für uns schon mit der Anfahrt. Denn noch liegt das „Geheimdepot“ eher verstreckt auf einem alten Zechengelände, auf dem sich auch die örtliche Gastronomie sowie ein Club und andere Unternehmen angesiedelt haben. Dies soll sich allerdings, so Niclas Holtrup, Inhaber und Betreiber des „Geheimdepots“, schon bald ändern. Denn dann wird der Eingangsbereich neugestaltet und die Besucher werden schon dort immersiv in das bevorstehende Abenteuer mit eingebunden.

Am Eingang erwartet uns bereits ein in Arztmontur gekleideter Schauspieler, der uns auf eine ganz „spezielle“ Art begrüßt. Wenige Minuten später stehen wir inmitten eines dunklen, effektreich inszenierten „Vorraums“. Mit Nebeleffekt und dunkel gehalten, finden wir noch gerade die Haken, an denen wir unsere Jacken aufhängen können. Derart dunkel wird es in den kommenden 90 Minuten auch bleiben.

GeheimdepotDorstenBild2Kaum haben wir unsere Jacken entsprechend verstaut, werden wir mittels Video in das Spielgeschehen eingeführt. Wir werden konfrontiert mit Professor Balsinger, der mit Hilfe eines Experiments versucht, das ewige Leben an einer Frau zu erreichen. Das Grandiose dabei ist, dass der Schauspieler uns immer wieder in Schrecken versetzt, da er urplötzlichen Lärm verursacht, uns anschreit oder Tätigkeiten nachgeht, nur, um im nächsten Augenblick aus dem Nebel aufzutauchen und mit einer Art Jumpscare unseren Puls in die Höhe zu treiben versucht.

Nach dieser äußerst immersiven und sehr gut umgesetzten Einführung, kommen wir in den ersten Raum der unter Denkmalschutz stehenden Steigerkaue. Wie uns Niclas Holtrup nach Beendigung des Rätselraums erklärte, war dies eine Schwierigkeit bei der Realisierung dieses und kommender Rätselräume, welche sich gerade in der Entwicklung und Bauphase befinden, da hier nicht die Freiheiten herrschen, die in „normalen“ Locations ohne Denkmalschutz-Auflagen möglich sind. Dafür haben Holtrup und sein Team jedoch das – unserer Meinung nach – Beste aus dem Raum herausgeholt.

Der in zwei Einzelräume unterteilte Themenraum fällt nicht nur thematisch auf. Auch in Sachen audiovisueller „Untermalung“ ist er eher außergewöhnlich. Denn der Gamemaster steuert uns über den Einsatz von Lichteffekten. Mal führt er uns somit gewollt auf eine falsche Fährte; ein anderes Mal hilft er durch die Illumination bestimmter Bereiche des Raumes. Hin und wieder schaltet sich der Professor dazu oder erscheint im Raum, was aufgrund der Dunkelheit, die im Raum die ganze Zeit vorherrscht, natürlich umso intensiver auf uns als Spieler wirkt.

Zwei Sachen sind jedoch durch die extreme Lautstärke, die bewusst an den Nerven zerren soll, ein wenig schwierig: Die Kommunikation und die Sicht. Während es beispielsweise Nachtblinden und Menschen mit Asthma und Epilepsie teilweise oder gar nicht möglich ist, den Raum ohne Einschränkungen zu spielen, stört die laute Akustik die Gespräche der Rätselnden untereinander. Hier wäre eine bessere Auspegelung bzw. eine etwas leisere Geräuschkulisse nicht minder erschreckend, dafür allerdings effektiver für das Team. Das ist allerdings Kritik auf hohem Niveau.

Was uns – neben der immersiven Raumgestaltung und dem schauspielerischen Talent des „Professors“ – besonders gut gefallen hat, ist die Vielseitigkeit der Rätsel und die nahtlose Einbindung der Aufgaben in die beiden Raumbereiche. Lobenswert ist ebenfalls, dass der Escape Raum komplett barrierefrei ist.

Ein wenig schade jedoch ist, dass das Spielende im Vergleich zum starken Rest des Spiels, ein wenig abflacht. Bedenkt man, dass man alles im Raum selbst aktiviert und auslöst, ist für Spiele mit knapper Zeit dieses abflachende Ende durchaus sinnvoll. In Anbetracht dessen, was jedoch während der fast 90 Minuten an Spannung aufgebaut wird, fehlte uns ein wenig der große „Schlussakkord“, der uns noch einmal mit einem aufregenden Finale von den Beinen holt. Für den Besuch im „Geheimdepot“ empfehlen wir euch übrigens, alte Sachen oder Sachen, die ihr schnell waschen könnt und nicht am nächsten Tag erneut tragen wollt, anzuziehen, da hier eingangs mit Gerüchen gearbeitet wird und bei uns noch am nächsten Tag in den Klamotten hingen…

Fazit: „Ein wirklich tolles und immersives Abenteuer der etwas anderen Art mit einigen Gänsehautmomenten“. So wurde der Abend von unseren Teammitgliedern abschließend resümiert. Wir geben dem Raum natürlich eine uneingeschränkte Empfehlung und freuen uns bereits jetzt auf die kommenden Räume.

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Immersion / Atmosphäre: 10

Story: 8

9Rätsel: 9

Hilfestellungen: 10

Ausstattung des Raumes: 9

Spielspaß: 9

Die inn-joy Redaktion bedankt sich beim Team vom „Geheimdepot“ für die nette Betreuung und die freundliche Unterstützung.

Text: M. Heiland, C. Heiland

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