F1 2022 | Review (PS5)

| Marc Heiland | Konsolen

F12022Es gab eine Zeit, da stand für mich – und vermutlich für die meisten von euch – Codemasters als Synonym für exzellente Rennspiele. Als Entwickler der „DIRT“-Reihe, der „Colin McRae“-Serie, als Erfinder legendärer Serien wie „DTM Race Driver“ und „GRID“, hat man in über 20 Jahren gezeigt, dass man stehts neue Impulse setzen kann. Und auch mit der Einführung der „F1“-Reihe, in der sich alles rund um die Königsklasse des Automobilsports dreht, konnten die Entwickler zeigen, dass sie sich auch auf diesem Gebiet sicher bewegen.

 

Doch in den vergangenen Jahren hat Codemasters dasselbe Schicksal ereilt, wie viele Entwicklerstudios, die keine Konkurrenz zu fürchten brauchten: Eine gewisse Trägheit stellte sich ein. So fühlten sich die letzten Ableger stets eher wie ein Strecken, Rennfahrzeuge und Regeln an, als wie ein vollwertiges Spiel, dass die rund 70 Euro, die jeder neue Ableger aufruft, auch wirklich wert ist. Der Kauf durch Electronic Arts hat es dann nicht wirklich besser gemacht, ist der Entwickler und Publisher doch bekannt, sämtliche Sportspiele eher wie jährliche Updates wirken zu lassen. Und auch für „F1 2022“ gilt diese Aussage – vielleicht noch mehr als bei den Vorgängern. Warum das so ist, verraten wir im Test auf Basis der PS5-Fassung.
 
Stillstand im Mittelmaß
Ich muss zugeben, dass ich in diesem Jahr überhaupt keine Erwartungen mehr an den Titel hatte. Zu wenig hat sich in den vergangenen Jahren für Euphorie und Vorschusslorbeeren getan. Auch wenn es jedem Ableger immer wieder gelang, mit kleineren Einfällen meine Neugierde zu wecken, habe ich für die 22er-Ausgabe meine Erwartungen sehr tief gesteckt. 
 
Die Gründe hierfür sind vielfältig und beginnen mit der veralteten Grafikengine. Noch immer trauen sich die Entwickler nicht, die PS4 (aber auch die Xbox One) hinter sich zu lassen und sich ausschließlich auf die aktuelle Konsolengeneration zu fokussieren. Natürlich kann man das aus rein wirtschaftlichen Gründen sogar nachvollziehen, bestehen bei der PS5 auch nach bald zwei Jahren seit Launch große Lieferschwierigkeiten. Da muss man die breite Masse an PS4-Besitzern auch mit bedienen. Aber dann muss man sich als Entwickler auch nicht wundern, wenn die Kritiken dementsprechend ausfallen. Denn das, was uns EA und Codemasters hier vorsetzen, ist nicht und kann nicht Anspruch für die neue Konsolen-Ära sein. Nahezu alles, was wir schon in „F1 2021“ gesehen (aber auch gehört) haben, wird hier recycelt und nur wenig „aufgehübscht“. Das beginnt bereits bei der Vorstellung der Fahrer. Wenn man als Spieler sieht, dass Codemasters im Spiel selbst auf möglichst viel Realismus und eine nahezu perfekte Darstellung der F1-Boliden setzt, dann fragt man sich doch, warum die Fahrer noch immer aussehen, als seien sie einem Comic entsprungen. Warum ist es nicht möglich mit Fotos der Fahrer zu arbeiten? Oder man versucht es mit Motion Capture oder legt auf ansprechendere und hübschere Assets wert. Egal ob hölzerne Bewegungen, Haare, die noch wie zu PS3-Zeiten stammen können, Wachsgesichter und eine nicht mal ansatzweise glaubhafte Mimik – alles wirkt hier stark angestaubt und veraltet. 
 
Sicherlich kann man die noch etwas hübscheren Strecken, die höhere Detailzahl auch abseits der Strecke und anderes mehr lobend erwähnen. Doch wenn man bedenkt, welchen Betrag die Entwickler von euch für das Spiel verlangen, ist das Gebotene nicht in richtiger Relation zu den Kosten, die der Kunde trägt.
Ja. Die Wagen sehen wieder einmal top aus, das Reglement ist auf dem aktuellen Stand, die Physik der Boliden wurde verbessert, das haptische Feedback der Trigger bietet noch immer einen gewissen Mehrwert und so weiter und so fort. All das könnt ihr aber auch in meinem Test von 2021 nachlesen, da ich es dort schon in ähnlicher Form geschrieben habe. Ebenso schaut es beim akustischen Bereich aus: Die Motoren klingen gut und ähneln ihren Vorbildern, die Umgebungsgeräusche halten sich dezent im Hintergrund und die Kommentatoren und die (teilweise wirklich nervige) Menümusik bieten rein gar nichts, was langfristig in Erinnerung bleiben wird. Zu einem großen Teil wurde bei den (oftmals immer noch allgemeinen Phrasen und teils sinnlosen Kommentaren) wenig Neues hinzugefügt. All das wirkt auf mich sehr statisch und beliebig. Auch wenn zum Schluss die Siegerehrung ein wenig authentischer aussieht, gibt es auch hier nichts, was motivierend ist. Noch immer findet die Siegerehrung nur rudimentär statt, wird sie mittendrin abgebrochen und wirkt alles sehr steif und stellenweise gar surreal. 
 
Was also bleibt – neben der Karriere, dem Rennwochenende, dem Zeitrennen und dem Online-Modus – an Neuerungen? Vor allem der sogenannte „F1 Life“-Modus. Hier dürft ihr euch recht frei austoben. Freies personalisieren und anpassen, Freunde treffen, die ebenfalls „F1 2022“ spielen und anderes mehr. Warum ich mich hier so kurz fasse? Weil dieser Modus für mich absolut belanglos ist und ich kaum Zeit damit verbracht habe. 
Das nützt es mir auch nichts, wenn es erstmals Supercars gibt, mit denen ich protzen oder die F1-Strecken nachfahren darf. Autos sammeln kann ich dann doch besser bei „Gran Turismo“ und muss es nicht hier haben. Anstatt sich mehr auf den Inhalt und größere Schritte nach vorne zu konzentrieren, hat man die Zeit der Entwicklung des neuen Ablegers lieber auf die Supercars gelegt. Schade auch, dass es keine packende Story mehr gibt und die Ära der klassischen Rennwagen dieses Mal ebenfalls nicht mit am Start ist. Lediglich die Rennen der letzten Saison können nachgespielt werden. 
 
Fazit: Ich bin derzeit absolut satt und sehe für mich keine Motivation mehr, die nächste Iteration der F1-Reihe zu verfolgen. Solange Codemasters nicht dazu bereit ist, einen echten Schritt nach vorne zu gehen, sich vom alten Ballast zu befreien und uns wirklich ein „Next Gen F1“ anzubieten, kann ich euch nicht mehr ruhigen Gewissens die Investition von rund 70 Euro zu 6tätigen. Dafür bietet der neuste Teil einfach viel zu wenig und kann das Geld besser ausgegeben werden. Dies ist der einzige Weg, um EA und Codemasters zu zeigen, dass man sich von den bequemen Kissen erheben und einen mutigen Neustart schaffen muss. So dümpelt die Reihe nur noch im Mittelmaß. Schade.
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 6 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Electronic Arts für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
 
U. Sperling
 

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