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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Odiba Coffee

Odiba1Das Ruhrgebiet hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Geheimtipp von Kaffeefans gemausert. Neben Bochum, Recklinghausen und vor allem Essen (gleich mehrfach vertreten), kann auch Gelsenkirchen auf eine Kaffeerösterei stolz sein. Diese liegt im Stadtteil Buer und hört auf den Namen „Odiba Coffee“. Wir waren vor einiger Zeit vor Ort und haben jetzt für unsere Vorstellung des Unternehmens vier ausgewählte Sorten zugeschickt bekommen. Was uns gefällt und wo vielleicht noch Optimierungspotential vorhanden ist, verraten wir euch im Folgenden.

Café und Rösterei in einem Raum

Sucht man in Gelsenkirchen-Buer nach der Kaffeerösterei Odiba, dann erhält man von den Menschen auf der Straße schnell Hilfestellung. Denn den Bueranern ist das Café bestens bekannt. Ein wenig in einer Seitenstraße gelegen, und dennoch nicht abseits des Einkaufstrubels, befindet sich das Café mit „angeschlossener“ Rösterei.

Das Café selbst besteht aus einem relativ kleinen Raum, der mit Stühlen der unterschiedlichsten Art, Sofas, Sesseln und Tischen ausgestattet ist. Ich habe mir sagen lassen, dass es hier immer sehr voll ist. Dies konnten wir bei unserem spontanen Besuch nur bestätigen. Im Café fallen zwei Bereiche auf: Zum einen wäre da die große Theke, hinter der der Kaffee und Espresso zubereitet wird. Zum anderen gibt es den Bereich, in dem der Röster steht. Hier können sich Interessierte live anschauen, wie der Kaffee geröstet wird. Für uns als Kaffeefans ist das natürlich gewohnt aber gleichermaßen spannend, wie hier mit dem Rohkaffee gearbeitet wird.

Neben den verschiedenen Kaffeesorten und Espressi, bietet Odiba noch verschiedene kleinere Snacks, Kuchen etc. zu fairen Preisen. Die Qualität ist dabei durchweg hoch. Dass alles frisch zubereitet wird, zeugt vom Willen, den Kunden nach besten Möglichkeiten zu verwöhnen. Vom Café selbst mit seinem ganz eigenen Stil und seinem Retro-Flair angetan, haben wir uns dazu entschieden, die Rösterei auch mit in unsere „Testreihe“ aufzunehmen, da wir der Meinung sind, dass gerade diese „kleinen“ Röstereien einem breiteren Publikum vorgestellt werden müssen.

Da wir zur Geschichte rund um die Entstehung von „Odiba“ keine Informationen auf der Homepage finden, beginnen wir gleich mit dem „praktischen“ und für euch, liebe Leserinnen und Leser, mit Sicherheit spannenderen Teil.

Ausgewählte Sorten in der Vorstellung und im Geschmackstest

Für unseren Test hat uns Odiba freundlicherweise vier ausgewählte Sorten zur Verfügung gestellt. Zwei von ihnen wurden von der Deutschen Röstergilde mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Die Sorten sind der „Odibatraum“, der „Cuba Serrano“, die „Buersche Mischung“ und die „Zechenbohne“.

Alle Sorten kommen in einer optisch schlichten Verpackung daher. Sie sind wiederverschließbar. Auf ein Vakuumventil, wie es heutzutage in den meisten Röstereien zum Einsatz kommt oder den klassischen Zip-Verschluss wurde verzichtet. Gut gefällt mir, dass die Verpackung hingestellt und so der Kaffee vernünftig entnommen werden kann, ohne, dass man Angst haben muss, dass die Verpackung umkippt und alles auf dem Boden landet.

Auf jeder Verpackung befinden sich auf der Vorderseite das Logo von „Odiba Coffee“, der Name des Kaffees / Espressos, ein Tassenprofil und eine Angabe zur Stärke. Weitere Angaben bleibt uns Odiba leider schuldig. Im Sinne der „Third Wave Coffee“-Bewegung fehlen mir persönlich wichtige Informationen. So gibt es keine Infos, woher die Kaffeesorten stammen (Land, Farm / Finca), wie sie bzw. in welcher Höhe sie angebaut werden, wie sie aufbereitet werden und in welcher Varietät die Bohnen vorliegen. So bleibt jede Sorte dahingehend ein Geheimnis. Ebenfalls – und das sollte als Minimum auf einer Verpackung zu finden sein – gibt es keinen Hinweis zum Röstdatum bzw. das MHD. Da es leider auf der Homepage nur rudimentäre Informationen gibt und der Onlineshop noch nicht existent ist, bleibt dem Kunden nur die Option, sich im Geschäft kundig zu machen. Hier ist eindeutig noch viel Luft nach oben!

Der Rohkaffee ist – nach Angaben von Odiba – BIO- bzw. organic zertifiziert. Er wird von einem einzigen Lieferanten bezogen, der einen fairen Kaffeehandel zusagt. Tragende Säule ist „International Coffee Partners“, ein Unternehmen mit Sitz in Hamburg, welches sich vor 17 Jahren mit dem Ziel, Nachhaltigkeit und Fairness in den Kaffee-Ursprungsländern zu fördern und sicherzustellen, gegründet wurde. Dabei unterstützt das Unternehmen aktiv Kleinbauern vor Ort auf vielfache Weise, fördert Umwelt- und Naturschutz und die Jugendarbeit, engagiert sich in sozialen Projekten in den Kaffee produzierenden Ländern im aktiven Austausch mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern. Somit stützt sich Odiba in Punkto Nachhaltigkeit und Fairness auf einen guten, verlässlichen und großen Partner. Dies ist durchweg lobenswert zu erwähnen.

Kommen wir zurück zum Kaffee. Zum Bohnenbild lässt sich sagen, dass dieses gut ist. Defekte sind nur in geringer Stückzahl vorhanden und auch das Röstbild ist weitgehend stimmig.

Zubereitung

Gemahlen haben wir die Sorten – wie immer – mit unserer Comandante C40 MK3 Nitro Blade für den Filterkaffee und der Baratza Sette 270W für die Espressi. Zubereitet haben wir die Sorten im Hario V60 Handfilter, in der French Presse, dem Siebträger, im Kaffeevollautomaten, in der SoftBrew-Kanne, im Cafflano für unterwegs, in der Madame Solo, der Chemex und in der AeroPress. Bei den Sorten fiel auf, dass das Blooming recht kurz war. Dies kann u.U. am Alter der Bohnen liegen. Da auf den Verpackungen kein Röstdatum steht, können wir leider hierzu keine Aussage treffen.

Geschmackstest

OdibaBild2Die „Buersche Mischung“

Dieser Blend setzt sich aus „Bohnen fünf verschiedener südamerikanischer Hochland- und afrikanischer Spitzenkaffees“ zusammen, so Odiba. Er bietet ein „volles Aroma“ und ist „mild in der Säure“.

Unser Eindruck: Der Kaffee steht natürlich für Buer bzw. ist eine Hommage an die Heimat von Odiba. Dementsprechend hoch sind wohl auch die Erwartungen der Kaffeefans, wenn sie die Mischung bestellen. Und in der Tat werden die Erwartungen der Kunden voll und ganz erfüllt. Bereits beim Öffnen der Verpackung strömt ein wunderbar-angenehmer, an Schokolade erinnernder Aromaduft in die Nase, der sich beim Mahlen mit der Handmühle noch weiter verstärkt. Während der Zubereitung mit dem Handfilter entfalten sich die Aromen und werden stärker. Im Mund erkennt man Schokolade und ein wenig Nuss sowie leicht hölzern-erdige Anklänge. Der vollmundige Geschmack ist angenehm, die leichte Würze trägt die Aromen. Röstaromen halten sich dezent im Hintergrund auf. Die minimale Säure umspielt das Bouquet und im Abgang ist der Kaffee klar und bleibt einen Moment auf der Zunge zurück. Ein toller Kaffee zur Mittagszeit und für Genussstunden mit Freunden auf der Terrasse und im Garten.

Die „Zechenbohne“

Dieser Kaffee wird als „würziger, mittelkräftiger Kaffee mit leichter Kakaonote“ beschrieben. Über die Ursprungsländer des Kaffees lässt sich ebenso spekulieren, wie über andere Angaben, da sich auch der Internetauftritt hierüber ausschweigt.

Unser Eindruck: Die Zechen sind die Wurzel unserer Revierkultur. Der Bergmann unter Tage, der Kumpel und Malocher, sorgte für Jahrzehnte dafür, dass das Ruhrgebiet zu den wichtigsten Wirtschaftsstandorten der Republik gehörte. Doch die Tage der Zechen sind gezählt. Als Erinnerung an die Tradition der Zechen kann dieser Kaffee gesehen werden. Ehrlich, gerade und ungeschminkt. So wie das Handwerk der Knappen, ist auch dieser Kaffee. Die Würze, die für das Bergwerk steht, die Kakaonote, die das Exotische, den ersten Urlaub im Süden der jungen Revier-Steigerfamilie symbolisiert und die Klarheit, die für die direkte Art steht, mit der man sich hier im Revier begegnet. All das ist in diesem Kaffee vereint. Ein wenig erinnert er an „Sonntach bei Omma zu Käffken und Kuchen“. Nicht allzu stark, aber einfach nur lecker und mit tollen (Revier-)Erinnerungen verbunden.

Der „Cuba Serrano“

Beschrieben wird der wohl aus Cuba stammende Kaffee als „reiches und weiches Aroma mit leicht honigartiger Würze“. Es ist zu vermuten, dass es sich hierbei um einen reinen Arabica handelt. Aber auch hier fehlen sämtliche Hintergrundinformationen zum Produkt.

Unser Eindruck: Cuba. Das steht für viele immer noch für 50er-Jahre Cadillacs, Cuba Libre, Che Guevara und Havannas. Kenner schätzen aber auch den Kaffee des Inselstaates, der durch ein reichhaltiges Aroma, eine feine Würze und durch ein schnörkelloses Profil besticht. Und genau dies hat Odiba hier wirklich gut eingefangen. Augen schließen, zurücklehnen, genießen und an Sonnenschein, Meer und Urlaub denken. Ein nicht sonderlich kräftiger Kaffee, den uns Odiba hier serviert, der aber zum Frühling passt und in der Stempelkanne besser zur Geltung kommt, als im Handfilter, wo er etwas weicher daher kommt.

Der „Odibatraum“

Last but not least haben wir hier einen Kaffee, der über eine „schöne florale Würze“ verfügt sowie als „erfrischend aromatisch“ und „vollmundig“ angepriesen wird. Weiteres bleibt uns Odiba schuldig.

Unser Eindruck: Ein interessanter Kaffee, der irgendwie nach afrikanischem Kaffee schmeckt, was die blumigen Noten zu erkennen geben, aber auch ein wenig in Lateinamerika verortet werden könnte. Ein Blindflug ohne Wissen, welche Sorten „verarbeitet“ wurden. Aber dennoch durchaus gut zu trinken. Er regt im Mund an, prickelt ein wenig an der Zungenseite und bleibt eine gewisse Zeit im Mundraum stehen.

Fazit: Würden wir ausschließlich die Kaffee-Sorten und Espressi testen („Cupping“), so könnten wir „Odiba Coffee“ durchaus eine 8 geben. Denn die uns angebotenen Sorten sind allesamt gut im Röstprofil und somit im Geschmack. Die Qualität der Bohnen (das so genannte „Bohnenbild“) weist kaum Defekte auf und ist recht harmonisch. Doch wir testen immer das „Gesamtpaket“. Hier gibt es leider zahlreiche „Schwächen“ im Sinne der „Third Wave Coffee“-Bewegung. So ist nahezu keine verlässliche Aussage zur exakten Herkunft der Kaffeebohnen zu finden, es gibt nur äußerst spärliche Informationen auf der Homepage (abgesehen vom nicht existenten Onlineshop) zu den Sorten und auf den Verpackungen finden wir ebenfalls recht wenig Infos. Elementare Informationen wie Bohnenherkunft, welche Varietäten eingesetzt werden, wie die Bohnen / Kaffeekirschen aufbereitet werden – all das wird hier dem potentiellen Kunden in Gänze vorenthalten. Auch das Röstdatum wird nicht genannt. Hier sollte auf jeden Fall deutlich nachgebessert werden!

Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 8 von 10 Punkten

7Fairness und Nachhaltigkeit: 7 von 10 Punkten (nur über interne Info nachzuvollziehen bzw. ggf. auf Rückfrage vor Ort)

Geschmack: 8 von 10 Punkten

Transparenz: 4 von 10

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Kaffeerösterei „Odiba Coffee“ für die zur Verfügung gestellten Testmuster.

L. Zimmermann, M. Heiland

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