Berserker Coffee - der "stärkste Kaffee der Welt" im Test
Um heutzutage auf dem Kaffeemarkt sich von den Mitbewerbern abzuheben muss man ganz besondere Wege gehen. So setzen viele Spezialitätenröster auf Nachhaltigkeit, ein Maximum an Transparenz, hohe Qualität und besonderen Kundenservice wie Abos. So kann der Kunde vom Strauch bis zur Tasse exakt nachvollziehen, woher sein Kaffee stammt. Andere Kaffeeröster geben an, sie würden den „stärksten Kaffee der Welt“ produzieren. Interessanterweise behaupten dies mehrere Anbieter. Neben „Death Wish“, „Black Insomnia Coffee“ (mit angeblich 702mg je 100ml der wohl in der Tat stärkste), „Banned Coffee“ (mit 237mg Koffein je 100ml Kaffee) und „Zombie Coffee“ ist dies hierzulande „Berserker Coffee“. Auch dieser Anbieter setzt den Koffeingehalt seines Kaffees bei 237mg Koffein auf 100 ml Kaffee fest. Wir durften für euch den Kaffee testen und verraten euch im Test, wie er uns geschmeckt hat, und ob ihm sein Ruf auch gerecht wird.
Da wird der Bürohengst zum Berserker – oder auch nicht
Für den „stärksten Kaffee der Welt“ hat man sich bei Berserker Coffee entschieden, weil man keine Lust mehr auf die vielen Versprechungen auf den Verpackungen im Stile eines floralen, fruchtigen, Bio-Veganen-Arabica hatte und stattdessen zurück zum „ehrlichen“ Kaffee wollte. Anstelle eines „ausgewaschenen Hipster-Kaffee“ sollte ein „köstliches, heißes Getränk“ stehen, „das dir dabei helfen soll, die Schlachten des Alltags zu überstehen“, so die offizielle Aussage des Unternehmens.
Da wir in den vergangenen Jahren schon recht viele PR-Sprüche gelesen haben, wollten wir uns natürlich ein Bild davon machen, ob es sich hierbei wirklich um den „stärksten Kaffee der Welt“ handelt. Lassen wir einige US-amerikanische und teilweise dubios geprüfte Kaffees außen vor, so haben wir noch den „Zombie Kaffee“ und eben besagten Kaffee der „Berserker Coffee Company“. Da wir zum Mitbewerber aktuell keine fundierten Aussagen treffen können, schauen wir, was hier zu finden und zu schmecken ist.
Die Verpackung
Geliefert wird der „Berserker“ in einer schlichten Verpackung mit Zip-Verschluss, damit ihr den Kaffee auch mehrfach entnehmen könnt und Standboden, was recht praktisch ist, da ihr den Kaffee so ganz bequem je nach Bedarf aus dem Beutel nehmen könnt. Auf der Vorderseite prangt das Logo des Unternehmens mit einem grimmig dreinblickenden Krieger, der ein Bärenfell trägt. Auf der Rückseite gibt es Informationen zu „Berserker Coffee“, eine Dosierungsempfehlung, Hinweise zu den Zubereitungsarten (beim „Berserker“ handelt es sich um einen klassischen „Ominroast“, also eine Sorte, die ihr in allen Zubereitungsmethoden nutzen könnt), die Gewichtsangabe, den Internetlink sowie das MHD.
Transparenz
Beim Stichwort „Transparenz“ hält man sich bei „Berserker“ leider sehr stark zurück. Über Anbaugebiete, Varietäten und Aufbereitungsarten sowie Produktionsrahmenbedingungen erfährt man leider gar nichts. Einzig die Aussagen, dass es sich ausschließlich um Robustabohnen aus Vietnam und Kamerun handelt, werden gemacht. Die Aussagen, die wir zum Punkt „Nachhaltigkeit“ bzw. „Fairness“ lesen, sind die, die sich auch viele andere von uns getestete Kaffeeröstereien mittlerweile auf die Fahnen geschrieben haben. Hierzu lesen wir:
„Wir lieben qualitativ hochwertigen Kaffee, sind sehr umweltbewusst und wollen, dass auch die Bauern eine faire und gute Bezahlung für ihre harte Arbeit erhalten. Und genau hier hat die Berserker Coffee Company eine Lösung gefunden und umgesetzt.
Wir beziehen Kaffee direkt von den Kaffeebauern. Der Kaffee wird also gar nicht erst über Großhändler an der Börse gehandelt. So stellen wir sicher, dass das Geld genau dorthin fließt, wo es auch hingehört: zu den Bauern. Und dazu noch zu Bedingungen, die unseren umweltschonenden und nachhaltigen Ansprüchen entsprechen. Weil darüber hinaus der Kaffee so nicht lange gelagert werden muss, erhalten wir herausragende Qualität und Frische.
Zwar können wir so nicht mit einem Fair-Trade- oder Bio-Siegel aufwarten, die Anbau-, Produktions- und Handelsbedingungen sind aber noch besser. Du wirst den Unterschied schmecken! Überzeuge dich am besten selbst!“
Dies beruhigt für „Otto Normal“ schon einmal etwas das Gewissen, sagt aber darüber hinaus leider auch nicht viel aus. Doch sei’s drum. Kommen wir zu dem, was euch wohl am meisten interessiert:
Der Berserker im Geschmackstest
Für unseren Test haben wir den Kaffee mit unserer Comandante C40 MK3 Nitro Blade für den Hario V60 Handfilter und der Baratza Sette 270W für den Siebträger bzw. die French Press gemahlen. Bereits während des Mahlvorgangs konnten wir ein intensives, schokoladiges Aroma wahrnehmen, welches sich während des Brühvorgangs noch verstärkte. Geschmacklich konnte der Kaffee uns überzeugen. Ehrlich, direkt, geradeaus und mit ordentlich Dampf im Kessel. Wer ein wenig auf „Hipster“-Kaffee steht, kann den „Berseker“ auch mit Milch (und wenn wirklich nötig auch mit Zucker) trinken. Er hält das aus... Ansonsten trinken wir ihn natürlich schwarz. Die Qualität der Bohnen ist gut, Fehler sind vorhanden, aber beim recht gleichmäßigen Bohnenbild halten sie sich in Grenzen.
Fazit: Ob der „Berserker“ nun auch wirklich der „stärkste Kaffee der Welt“ ist, kann ich nicht abschließend beurteilen. Ob er durch den höheren Koffeingehalt längerfristig zu mehr Leistung verhilft oder sonst etwas bewirkt – auch dies vermag die Wissenschaft zu klären. Mir hat er jedenfalls recht gut geschmeckt. Wer einen ehrlichen Kaffee ohne Chichi und Schickimicki haben möchte, der kann zugreifen. Ein wenig schade finde ich, dass es hier an Transparenz mangelt. Ich denke nämlich, dass man bei „Berserker“ nichts zu verheimlichen hat.
Zusammensetzung der Gesamtbewertung:
Qualität: 8 von 10 Punkten
Fairness und Nachhaltigkeit: kaum konkrete Angaben zu finden
Geschmack: 8,5 von 10 Punkten
Transparenz: kaum konkrete Angaben zu finden
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Berserker Coffee Company für das zur Verfügung gestellten Testexemplar.
D. Stappen
