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| Marc Heiland | Kaffeewelten

NinjaDer Markt für Siebträger- und Hybrid-Kaffeemaschinen befindet sich aktuell in einer spannenden Umbruchphase. Während etablierte Hersteller zunehmend versuchen, möglichst viel Komfort, Automatisierung und Funktionsvielfalt in einem einzigen Gerät zu bündeln, treten zugleich neue Anbieter auf, die das Thema Kaffeezubereitung grundlegend neu denken. Genau in diesem Spannungsfeld begegnen sich die Ninja Luxe Café Pro ES701EU und die nunc. – zwei Maschinen, die zwar das gleiche Ziel verfolgen, nämlich exzellenten Kaffee zu Hause zu ermöglichen, dabei jedoch völlig unterschiedliche Wege einschlagen.

Bereits beim ersten Blick auf beide Systeme wird deutlich, dass hier zwei unterschiedliche Philosophien aufeinandertreffen. Die Ninja Luxe Café Pro ES701EU versteht sich als klassisches All-inOne-Gerät. Sie ist darauf ausgelegt, eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen, von Einsteigern bis hin zu fortgeschrittenen Kaffeeliebhabern, die Wert auf Komfort legen, aber dennoch gewisse Eingriffsmöglichkeiten behalten möchten. Espresso, Filterkaffee und Cold Brew lassen sich mit ihr gleichermaßen zubereiten, ergänzt durch eine Vielzahl an unterstützenden Funktionen wie ein integriertes Mahlwerk, eine eingebaute Waage und automatisierte Dosierungsmechanismen. Dem gegenüber steht das nunc. Espresso System, das einen deutlich radikaleren Ansatz verfolgt. Hier geht es nicht darum, dem Nutzer möglichst viele Optionen zu geben, sondern im Gegenteil darum, Komplexität vollständig zu eliminieren. Die Maschine übernimmt sämtliche Parameter der Kaffeezubereitung eigenständig und versteht sich damit weniger als Werkzeug, sondern vielmehr als vollständig automatisierter Barista. Mit dem neuen anybeans-System ist es darüber hinaus möglich, Espresso-Bohnen von Röstereien überall auf der Welt in die Software der nunc. einzubinden, um so den Espresso so zuhause zu genießen, wie es sich der Röster bzw. die Rösterin vorgestellt hat. Hierbei setzt nunc. auf ein neuronales Netzwerk, das sich aus unzähligen Shots, Erfahrungs- und Vergleichswerten speist und täglich besser wird. Kurz: Maschinen wie die Ninja reihen sich in weitere, bereits bestehende Systeme, die wir auch von Sage, Gastroback und Co. keinen, ein, während die nunc. einen komplett neuen, in dieser Form noch nicht gesehenen Ansatz verfolgt.

NuncTechnisch manifestiert sich dieser Unterschied sehr deutlich. Die Ninja kombiniert mehrere Zubereitungsarten in einem Gerät und setzt dabei auf eine teilautomatische Bedienung mit intelligenter Assistenz. Das integrierte Mahlwerk bietet verschiedene Einstellstufen, während die Kombination aus Waage und Dosierungshilfe dafür sorgt, dass selbst Einsteiger schnell reproduzierbare Ergebnisse erzielen können. Gleichzeitig bleibt genügend Spielraum für individuelle Anpassungen, etwa beim Mahlgrad oder bei der Extraktion. Genau hier liegt jedoch auch eine typische Schwäche solcher Hybridlösungen: Sie beherrschen viele Disziplinen solide, erreichen aber selten in allen Bereichen absolute Spitzenwerte. Besonders erfahrene Home-Baristas könnten die eingeschränkten Feinjustierungsmöglichkeiten als limitierend empfinden. Auch die eingebauten Mühlen und Mahlwerke sind meist eine Schwachstelle, da sie entweder zu warm werden, als integrierte Mühle nur schwer vom Laien repariert werden können und dafür sorgen, dass man sein System komplett einschicken muss. Auch sind die eingebauten Kegelmahlwerke in den meisten Fällen deutlich leistungsschwächer als Flachmahlscheiben.

Das nunc. Espresso System geht einen vollkommen anderen Weg. Es setzt auf ein eng verzahntes Zusammenspiel aus Hardware und Software, das sämtliche Variablen der Kaffeezubereitung automatisch steuert und kontinuierlich optimiert, euch aber auch im Manuel Mode einige Freiheiten bietet. Mahlgrad, Dosierung, Brühdruck, Temperatur und Durchflussprofil werden nicht vom Nutzer festgelegt, sondern dynamisch an die verwendeten Bohnen und das gewünschte Ergebnis angepasst. Möglich wird dies durch Komponenten wie eine intelligente Bohnen-Erkennung, gewichtsbasiertes Mahlen und eine KI-gestützte Extraktionssteuerung. Das Resultat ist eine Art „Geling-Garantie“, bei der der Nutzer praktisch keinen Einfluss mehr auf den Brühprozess nehmen muss. Diese konsequente Automatisierung ist beeindruckend, bringt aber auch neue Fragestellungen mit sich, etwa die Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Software. Was bei eventuell auftretenden Fehlern möglich ist, ist das „Aufschalten“ auf die Maschine durch die nunc.-Techniker, die via Fernsteuerung eure Maschine auf Probleme hin untersuchen können. Auch hier ist Flexibilität Trumpf!

Gerade im Bedienerlebnis zeigt sich der wohl größte Unterschied zwischen beiden Systemen. Die Ninja richtet sich an Nutzer, die aktiv in den Brühprozess eingreifen möchten, die Kaffee als Hobby begreifen und Freude daran haben, ihre Fähigkeiten schrittweise zu verbessern. Sie bietet Unterstützung, nimmt dem Nutzer aber nicht die Kontrolle ab. Das nunc. System hingegen richtet sich nicht nur an Neulinge, die sich vielleicht gerade vom klassischen Vollautomaten weg bewegen wollen oder sich nicht mit Mahlgradeinstellungen etc. auseinandersetzen möchten, sondern auch an eine Zielgruppe, die maximale Qualität bei minimalem Aufwand erwartet. Hier steht nicht das Erlernen von Barista-Skills im Vordergrund, sondern das Vertrauen in die Technologie. Während man bei der Ninja selbst zum Barista wird – wenn auch mit Assistenz – übernimmt bei nunc. die Maschine diese Rolle vollständig. Selbst dann, wenn man mit dem manuellen Modus eigene Parameter festlegen kann, ist das System ganz klar auf die entspannte und bequeme Zubereitung fokussiert. 

Ninja2Auch in Design und Materialwahl spiegeln sich diese unterschiedlichen Ansätze wider. Die Ninja präsentiert sich als modernes, funktionales Premium-Haushaltsgerät mit klaren Linien und einem Fokus auf Robustheit und Alltagstauglichkeit. Edelstahloberflächen und eine durchdachte Anordnung der Bedienelemente unterstreichen diesen pragmatischen Ansatz. Die nunc. Maschine hingegen positioniert sich bewusst im High-End-Segment und setzt auf eine deutlich stärker designorientierte Gestaltung. Hochwertige Materialien wie Edelstahl in Kombination mit Holzdetails und einer minimalistischen Formensprache lassen sie eher wie ein Designobjekt erscheinen als wie ein klassisches Küchengerät. Dass die Designsprache immer wichtiger wird, zeigt auch die bereits vor zwei Jahren erschienene Ligre, die ebenfalls auf eine Mischung aus Design und Komfort mit externer Mühle legt. Hier sind die Ergebnisse allerdings weniger stabil und auch die Mühle kann nicht mit der von nunc. mithalten. 

Beim Preis-Leistungs-Verhältnis wird schließlich deutlich, dass beide Maschinen in unterschiedlichen Kategorien operieren. Die Ninja bietet für ihren Preis eine beeindruckende Funktionsvielfalt und spricht damit vor allem Nutzer an, die ein flexibles und vielseitiges Gerät suchen. Die nunc. hingegen ist weniger ein einzelnes Produkt als vielmehr ein miteinander kommunizierendes System, das Hardware, Software und Nutzererlebnis miteinander verbindet. Entsprechend bewegt es sich auch preislich in einer anderen Liga und versteht sich eher als langfristige Investition in ein automatisiertes Kaffeeerlebnis. Schaut man sich vor allem die Qualität der beiden Mühlen an (die nunc. kommt mit einer externen Mühle mit Flachmahlscheiben mit einem Durchmesser von 63mm daher), erkennt man, dass hier nunc. die eindeutig leistungsstärkere Hardware am Start hat. 

Am Ende ist dieser Vergleich daher weniger eine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern vielmehr eine Gegenüberstellung zweier grundlegend unterschiedlicher Herangehensweisen. Die Ninja überzeugt durch ihre Vielseitigkeit, ihre zugängliche Bedienung und die Möglichkeit, sich aktiv mit dem Thema Kaffee auseinanderzusetzen. Sie ist ideal für alle, die ein breites Spektrum an Zubereitungsarten abdecken möchten und dabei die Kontrolle nicht vollständig abgeben wollen. Die nunc. hingegen steht für einen Blick in die Zukunft der Kaffeezubereitung: ein maximaler Wert auf die individuell perfekte Extraktion jeder noch so komplexen Bohne, mit der dem Nutzer bzw. der Nutzerin nicht nur die Komplexität einer klassischen Siebträgermaschinenzubereitung abgenommen,  sondern die facettenreiche Welt des Kaffees zugänglich für alle zu Hause gemacht wird.

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