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| Marc Heiland | Kaffeewelten

CompakFinoScaleDer Markt für Singledosing-Mühlen explodiert derzeit förmlich. Kaum ein Hersteller, der nicht längst seine eigene Interpretation der perfekten „Einzeldosis-Mühle“ präsentiert. Zwischen minimalistischen Design-Ikonen, High-End-Experimenten und immer neuen Kickstarter-Hoffnungen wird es allerdings zunehmend schwieriger, wirklich überrascht zu werden. Und genau hier betritt plötzlich ein Name die Bühne, den viele Espresso-Fans bislang eher aus dem professionellen Gastronomie-Bereich kennen: Compak.

Mit der „Fino“ wagt sich der spanische Hersteller erstmals in die Welt der Single-Dosing-Mühlen – und sorgt direkt für Diskussionen. In sozialen Netzwerken und Foren fällt dabei immer wieder ein großer Name: „Niche Zero“. Manche sprechen sogar bereits vom „Niche-Killer“. Große Worte also. Aber steckt hinter dem Hype tatsächlich eine der spannendsten Mühlen der letzten Monate?

Wir haben uns die „Compak Fino Scale“ genauer angesehen – und schnell gemerkt: Diese Mühle versucht nicht einfach nur mitzuschwimmen. Sie will ihren eigenen Weg gehen.

Zwei Varianten – aber eine klare Idee

Die „Fino“ gibt es in zwei unterschiedlichen Versionen: als klassische Basisvariante und als „Scale“-Modell mit integrierter Waage und LED-Beleuchtung. Farblich habt ihr die Wahl zwischen Schwarz, Weiß und Blau – wobei gerade die dunklen Varianten einen angenehm hochwertigen Eindruck hinterlassen.

Schon auf den ersten Blick wird klar, dass die „Fino Scale“ nicht versucht, ultrafiligran oder minimalistisch zu wirken. Stattdessen präsentiert sie sich kompakt, massiv und fast schon professionell. Mit ihren 16,5 cm Breite, 24 cm Tiefe und 34,5 cm Höhe bleibt sie zwar angenehm latzsparend, wirkt aber deutlich kräftiger und robuster als viele Konkurrenten. Und genau dieses Auftreten passt erstaunlich gut zur Philosophie der Mühle. Denn während viele Hersteller bei ihren Single-Dosing-Modellen auf flache Mahlscheiben setzen, geht Compak bewusst einen anderen Weg: 63-mm-Kegelmahlwerk. Ein spannender Ansatz – insbesondere deshalb, weil die „Fino“ laut Hersteller wirklich alles beherrschen soll: Espresso, V60, AeroPress bis hin zur French Press. Ein Versprechen, an dem schon viele Mühlen gescheitert sind.

Durchdacht bis ins Detail

Bereits nach wenigen Minuten fällt auf, wie viel Praxiswissen in die Entwicklung eingeflossen ist. Die leicht geneigte Bauweise soll den Totraum reduzieren – ein Prinzip, das man inzwischen von vielen modernen Single-Dosing-Mühlen kennt. Gleichzeitig wirkt die Konstruktion stabil und angenehm hochwertig verarbeitet. Besonders positiv: Die Reinigung ist erfreulich unkompliziert. Compak legt ein spezielles Werkzeug bei, mit dem sich die Mühle in wenigen Handgriffen zerlegen lässt. Gerade für Home-Baristas, die regelmäßig zwischen verschiedenen Bohnen wechseln oder Wert auf saubere Mahlkammern legen, ist das ein echter Pluspunkt.

Auch beim Zubehör zeigt sich die „Fino Scale“ erstaunlich komplett:

Neben der eigentlichen Mühle mit einem 40-Gramm-Bohnentrichter liegen ein 65-Gramm-Dosierbecher, ein Blasebalg zur Restentleerung, das Werkzeugtool und ein Reinigungstuch sowie ein kleines Kalibrierungsgewicht mit im Lieferumfang dabei. Der Dosierbecher sitzt zudem perfekt auf einem Standardsiebträger – eine Kleinigkeit vielleicht, aber genau diese Details entscheiden oft darüber, ob ein Workflow Spaß macht oder nicht.

Langsam. Sehr langsam. Aber genau das ist der Plan.

Wer zum ersten Mal mit der „Fino Scale“ arbeitet, bemerkt schnell: Diese Mühle hat es nicht eilig. Mit etwa 1,4 Gramm pro Sekunde beim Espresso-Mahlgrad gehört sie definitiv zu den langsameren Vertretern ihrer Klasse. Während andere Modelle Bohnen nahezu aggressiv durch die Mahlkammer jagen, setzt Compak bewusst auf Kontrolle. Der Grund dafür nennt sich „Slow Feeding“.

Die Bohnen rutschen kontrolliert und langsamer in das Mahlwerk. Dadurch soll weniger Hitze entstehen, die Partikelverteilung homogener werden und Verstopfungen vermieden werden. Klingt zunächst nach Marketing – macht in der Praxis aber tatsächlich Sinn. Denn gerade bei helleren Röstungen wirkt das Mahlgut auffallend gleichmäßig. Dazu kommt ein Sicherheitsmechanismus, der im Alltag angenehm beruhigend wirkt: Sobald der Deckel geöffnet wird, stoppt die Mühle automatisch den Mahlvorgang.

Die integrierte Waage verändert den Workflow

Der größte Unterschied zwischen der normalen „Fino“ und der „Fino Scale“ steckt jedoch direkt im Namen: die integrierte Waage. Und genau dieses Feature entwickelt sich im Alltag schnell zum echten Luxus. Denn ihr wiegt nicht nur eure Bohnen vor dem Mahlen exakt ab – ihr seht auch sofort, ob die gewünschte Menge tatsächlich im Dosierbecher gelandet ist. Kein zusätzliches Umfüllen. Keine zweite Waage. Kein Nachkontrollieren auf der Arbeitsfläche.

Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail, verändert den Workflow aber spürbar. Besonders morgens oder bei mehreren Bezügen hintereinander entsteht dadurch ein angenehm flüssiger Arbeitsablauf.  Schade lediglich: Einen Siebträgerhalter gibt es nicht. Genau das wäre am Ende das kleine Extra gewesen, das die „Fino Scale“ endgültig zur perfekten Home-Barista-Mühle gemacht hätte.

Von Espresso bis French Press – und überraschend präzise

Eine der größten Stärken der „Fino Scale“ zeigt sich bei der Mahlgradeinstellung. Der massive Einstellring wirkt nicht nur hochwertig, sondern ist auch hervorragend gelöst. Unterschiedliche Brühmethoden werden über kleine Icons visualisiert, zusätzlich helfen Zahlenbereiche bei der Orientierung. Das klingt simpel – funktioniert im Alltag aber erstaunlich gut. Vor allem die Feinjustierung hat uns beeindruckt. Änderungen lassen sich präzise und reproduzierbar einstellen, was gerade Espresso-Fans enorm entgegenkommt.

Auch das erneute Kalibrieren oder das Einstellen des Nullpunkts nach einer Reinigung gelingt unkompliziert. Hier merkt man, dass die Mühle nicht nur gut aussehen, sondern langfristig genutzt werden soll. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt allerdings das Display der Waage. Funktional gibt es wenig zu beanstanden, optisch wirkt es jedoch etwas einfacher als der ansonsten sehr elegante Rest der Maschine.

Und wie schmeckt der Kaffee?

Am Ende zählt natürlich vor allem eines: die Tasse. Und hier liefert die „Compak Fino Scale“ ein Ergebnis, das viele überraschen dürfte. Das Mahlgut fällt angenehm fluffig in den Dosierbecher, Klumpenbildung war in unseren Tests praktisch kein Thema. Gerade für ein Kegelmahlwerk ist das bemerkenswert.

Geschmacklich präsentiert sich die Mühle mit einer klaren Stärke: Balance.

Espresso-Shots wirken rund, weich und harmonisch. Die Aromen werden sauber herausgearbeitet, ohne jemals unangenehm spitz oder aggressiv zu wirken. Besonders mittelhelle bis klassische italienische Röstungen profitieren davon enorm.

Was die „Fino Scale“ allerdings weniger stark beherrscht, ist maximale analytische Komplexität. Wer absolute Klarheit, extreme Separation oder ultrafeine Nuancen sucht, wird diese eher bei hochwertigen Scheibenmühlen finden. Dafür punktet die „Fino“ mit etwas anderem: Konsistenz und Vielseitigkeit. Ob V60, AeroPress oder French Press – die Ergebnisse bleiben durchweg hochwertig und geschmacklich überzeugend.

Fazit: Eine Mühle für Genießer statt für Speed-Junkies

Die „Compak Fino Scale“ versucht nicht, die lauteste, schnellste oder spektakulärste Mühle am Markt zu sein. Stattdessen konzentriert sie sich auf etwas, das im Alltag oft viel wichtiger ist: einen entspannten, sauberen und konstant hochwertigen Workflow. Ja, sie mahlt langsam. Ja, sie setzt geschmacklich eher auf Harmonie als auf extreme Präzision. Aber genau darin liegt ihre Stärke.

8Für rund 600 Euro in der Basisversion beziehungsweise knapp 800 Euro als „Scale“-Variante bekommt ihr eine hervorragend verarbeitete Single-Dosing-Mühle, die nahezu jede Zubereitungsart souverän beherrscht, optisch Eindruck macht und im Alltag unglaublich angenehm zu nutzen ist.Die „Compak Fino Scale“ ist keine Mühle für Menschen, die morgens in Rekordzeit ihren Espresso durchziehen wollen. Sie ist eine Mühle für alle, die Kaffee bewusst erleben möchten – Shot für Shot.

Wir bedanken uns bei der Firma Bonucon für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

D. Stappen

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