Roxy Espresso im Test: Kleine Maschine, große Ambitionen
Manchmal lernt man eine Maschine kennen und merkt schon beim ersten Gespräch, dass hier etwas anders ist. So ging es uns mit der Roxy Espresso und dem sympathischen Team rund um Florian und Max, die wir mit ihrer Maschine erstmals auf dem Frankfurt Coffee Festival 2025 kennengelernt haben. Bereits vorher hatten wir einige Videos auf YouTube gesehen, wo sie sich und die Roxy präsentierten. Eigentlich wollten wir uns dann auf dem FCF „nur“ die Maschine anschauen – geblieben ist vor allem der Eindruck, dass hier Menschen mit einer gehörigen Portion Kaffee-Nerdtum, viel technischem Know-how und gleichzeitig erstaunlich wenig Getöse am Werk sind – so bodenständig, wie ihre Heimat Fürstenfeldbruck. Dort zeichnet Max für die Softwareentwicklung verantwortlich, während Florian für die Entwicklung der Hardware, den Kundenkontakt und Service zuständig ist.
Was uns ebenfalls schon in Frankfurt begeisterte: Während sich so mancher Hersteller im umkämpften Markt der High-End-Espressomaschinen mit großen Versprechen, aufwendigen PR-Maschinerien und beeindruckenden Inszenierungen in Szene setzt, geht es bei Roxy angenehm anders zu. Florian und Max sprechen leidenschaftlich über Technik, Extraktion und die Möglichkeiten ihrer Maschine, ohne dabei den Eindruck zu vermitteln, die eigene Entwicklung sei das achte Weltwunder. Die Begeisterung für Kaffee und die Technik dahinter steht im Mittelpunkt – nicht die große Show.
Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum uns die Roxy schon bei unserer ersten Begegnung so neugierig gemacht hat. Denn auch die Maschine selbst passt hervorragend zu diesem Eindruck: kompakt, reduziert und auf den ersten Blick fast unscheinbar. Keine Armada aus Manometern, Displays und glänzendem Edelstahl, sondern zwei Tasten, ein außergewöhnliches Design und erstaunlich viel Technik, die sich erst offenbart, wenn man genauer hinschaut.
Dabei steckt in der Roxy deutlich mehr, als ihr minimalistisches Äußeres vermuten lässt. Die Maschine verbindet einen Dickfilmheizer mit präziser Temperatursteuerung, Flow- und Pressure-Profiling, Brew-by-Weight und einer App, über die sich die Extraktion bis ins kleinste Detail konfigurieren lässt. Das klingt zunächst nach einer Spielwiese für Technik-Nerds – und genau das ist die Roxy wahrscheinlich auch. Allerdings eine, die nicht vergessen hat, dass am Ende nicht die Technik zählt, sondern das, was in der Tasse landet und daher auch Einsteiger an die Hand nimmt, um ihnen jeden Morgen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Kleiner Funfact: Auch der Paketbote freut sich, da er sich das Paket mit der Roxy bequem unter den Arm klemmen kann. Wir waren live dabei!
Grund genug also, die kleine Maschine einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel Technik in die gerade einmal 16,6 Zentimeter breite Roxy passt. Sondern ob diese Technik am Ende tatsächlich für besseren Espresso sorgt.
Design und Verarbeitung: Understatement statt Chrom und Edelstahl
Wer die Roxy zum ersten Mal sieht, dürfte sich zunächst fragen, ob hier wirklich eine Espressomaschine für rund 2.300 Euro vor einem steht. Mit ihren gerade einmal 16,6 Zentimetern Breite gehört sie zu den kompaktesten Geräten ihrer Klasse. Sie ist 26,3 Zentimeter hoch, 30 Zentimeter tief und bringt ungefähr acht Kilogramm auf die Waage. Damit verschwindet sie selbst auf einer kleinen Küchenarbeitsplatte nicht zwischen anderen Geräten – sie findet dort schlicht Platz, wo andere Siebträger bereits anfangen, problematisch zu werden.
Auch optisch verfolgt Roxy einen eigenen Weg. Statt glänzendem Edelstahl, großen Manometern und einem möglichst imposanten Maschinenkörper setzt das Gerät auf ein reduziertes, modernes Erscheinungsbild. Das passt erstaunlich gut zu dem Eindruck, den wir vom Team hinter Roxy bereits bei unserer ersten Begegnung gewonnen haben: Hier möchte man nicht möglichst laut zeigen, was man kann. Man lässt lieber die Technik sprechen. Bei der Form kam uns spontan die Zahl „7“ in den Sinn.
Die Verarbeitung der Maschine unterstreicht den Anspruch höchster Qualität. Gefrästes Aluminium, Glas und eine insgesamt sehr präzise Anmutung vermitteln einen hochwertigen Eindruck. Besonders der gläserne Wassertank fällt ins Auge. Er macht nicht nur optisch etwas her, sondern erlaubt jederzeit einen Blick auf den verbliebenen Wasservorrat.
Ganz ohne Kompromisse kommt das minimalistische Konzept allerdings nicht aus. Das geringe Gewicht ist beim Einspannen des Siebträgers spürbar. Eine schwere klassische Espressomaschine bleibt dabei einfach stehen, während man bei der Roxy gelegentlich mit der anderen Hand etwas gegenhalten muss. Das ist kein gravierendes Problem, gehört aber zu den kleinen Eigenheiten, an die man sich gewöhnen muss. Und dass im Glaswassertank ein kleiner Kunststoffschlauch baumelt, der das Wasser transportiert, ist ebenfalls ein minimaler Stilbruch, der sich aber kaum anders lösen lässt. Da der Tank sehr klein ist, muss er jeden Tag mit frischem Wasser befüllt werden. Dies hat jedoch den Vorteil, dass stets frisches Wasser genutzt wird. Auch hier wurde mitgedacht. Selbiges gilt bei der ebenfalls sehr kleinen Tropfschale. Diese muss ebenfalls täglich geleert werden. Der Clou: Aufgrund einiger Stege, die quer in der Schale angebracht wurden, kippt das Wasser beim Transport nicht hin und her und schwappt nicht so leicht über. So etwas haben wir auch selten gesehen.
Aufheizen: Espresso, bevor andere Maschinen überhaupt wach sind
Einer der interessantesten Unterschiede zu klassischen Siebträgermaschinen steckt nicht außen, sondern im Inneren. Roxy arbeitet nicht mit einem herkömmlichen großen Boiler, sondern mit einem Dickfilmheizer. Das Wasser wird also erst dann erhitzt, wenn es tatsächlich benötigt wird. Diesen Weg gehen auch einige Mitbewerber und wir finden, dass Dickfilmheizer die Zukunft auf dem Siebträgermaschinenmarkt ist, denn nicht nur die Aufheizzeit mit rund 3-4 Minuten ist wahnsinnig schnell, sondern auch die damit einhergehende Zeitnutzung bzw. das Nutzererlebnis! Denn wer schon mal mit einer klassischen E61-Brühgruppe gearbeitet hat, der kennt das Problem: Entweder ihr müsst morgens sehr früh aufstehen, um eure Maschine pünktlich zum Frühstück auf Betriebstemperatur zu haben, oder aber einen Timer stellen, damit die Maschine auf den Punkt kommt.
Und genau das verändert den täglichen Umgang mit einer Espressomaschine. Die Roxy muss nicht lange vor dem ersten Kaffee eingeschaltet werden. Wer morgens nur einen Espresso trinken möchte, schaltet sie ein, bereitet währenddessen seinen Kaffee vor und kann schon kurze Zeit später loslegen.
Das ist einer dieser Vorteile, die auf dem Papier unspektakulär aussehen, im Alltag aber schnell zu einem echten Argument werden.
Energieverbrauch: Die Roxy heizt nicht für die Küche mit
Der Verzicht auf einen großen Boiler macht sich auch beim Energieverbrauch bemerkbar. Statt dauerhaft eine größere Wassermenge auf Temperatur zu halten, konzentriert sich die Roxy auf das Wasser, das für den jeweiligen Bezug tatsächlich benötigt wird.
Das Ergebnis fällt entsprechend überzeugend aus. Messungen kommen beim Aufheizen und der Zubereitung des ersten Espressos auf einen Verbrauch von lediglich rund 0,028 kWh. Damit gehört die Roxy zu den ausgesprochen sparsamen Espressomaschinen.
Natürlich muss man dabei berücksichtigen, dass sie keine Dampffunktion besitzt. Eine klassische Dualboilermaschine muss schließlich zusätzlich Energie bereitstellen, um Milch aufschäumen zu können. Der niedrige Verbrauch der Roxy ist deshalb untrennbar mit ihrer konsequenten Spezialisierung auf Kaffee verbunden. Für Espresso-Trinker ist das allerdings ein ziemlich starkes Gesamtpaket: einschalten, kurz warten, Espresso beziehen – und danach muss kein großer Boiler stundenlang warmgehalten werden. Wer Milch schäumen muss, der sollte sich nach einer Alternative umsehen, wie gewisse externe Schäumgeräte.
Flow und Druck: Hier wird aus einer kleinen Maschine ein echtes Werkzeug
Bis hierhin könnte man die Roxy als besonders kompakte und energieeffiziente Espressomaschine betrachten. Ihre eigentliche Daseinsberechtigung - oder um es ein wenig milder zu sagen: Das, was sie von 90% der Mitbewerber auf dem Markt deutlich abhebt - liegt jedoch an einer anderen Stelle. Die Maschine gibt dem Nutzer ungewöhnlich viel Einfluss auf den eigentlichen Extraktionsprozess. Nicht nur die Brühtemperatur lässt sich verändern, auch Druck und Wassermenge beziehungsweise Durchfluss können gezielt gesteuert werden.
Das eröffnet Möglichkeiten, die man von einer klassischen Siebträgermaschine normalerweise nicht kennt. Ein Espresso muss nicht zwangsläufig mit einer festen Druckkurve durchlaufen. Stattdessen kann die Extraktion beispielsweise mit einer sanften Vorbenetzung beginnen, anschließend stärker und gegen Ende wieder zurückgenommen werden. So legt ihr exakt nach eurem Geschmack fest, was zu euch und eurem Kaffee passt. Hierdurch ist es auch möglich, verschiedene Profile zu imitieren. Gerade bei hellen Röstungen ist das spannend. Ein Kaffee, der mit einem traditionellen Standardrezept dünn oder spitz wirkt, kann durch einen anderen Ablauf plötzlich deutlich süßer, runder oder komplexer erscheinen.
Wer bisher einfach neun Bar eingestellt und den Bezug nach Gefühl beendet hat, bekommt mit der Roxy eine völlig andere Welt eröffnet. Denn das Geheimnis, so auch Florians Aussage, liegt nicht im Druck allein, sondern vor allem im Verhältnis zum Fluss. Und wer bereits mit Profiling-Maschinen gearbeitet hat, wird sich hier schnell zu Hause fühlen.
Die Pumpe: Nicht einfach nur an oder aus
Auch die Art und Weise, wie Roxy den Wasserfluss kontrolliert, ist bemerkenswert. Zum Einsatz kommt zwar eine Vibrationspumpe, wie man sie aus zahlreichen anderen Espressomaschinen kennt. Die Besonderheit liegt jedoch in ihrer elektronischen Ansteuerung. Statt die Pumpe lediglich herunterzuregeln, arbeitet das System mit kurzen Pumpenintervallen. Vereinfacht gesagt wird Wasser in definierten Impulsen gefördert, zwischen denen bewusst Pausen entstehen. Dies macht sich auch akustisch bemerkbar und ist recht spannend, da hier die unterschiedlichen Phasen wortwörtlich gehört werden können. Für die Extraktion bedeutet das eine wesentlich feinere Kontrolle über geringe Durchflussmengen. Gerade bei Profilen, die mit sehr wenig Wasserfluss arbeiten, kann die Maschine dadurch präziser agieren. Das ist kein Feature, das man nach dem Auspacken sofort spektakulär findet. Es ist vielmehr die technische Grundlage für einen großen Teil dessen, was die Roxy später in der Tasse möglich macht. Und genau solche Details machen deutlich, dass hier nicht einfach eine kleine Espressomaschine gebaut wurde. Die Konstruktion ist konsequent auf kontrollierte Extraktion ausgelegt.
Die App: Die eigentliche Bedienoberfläche liegt im Smartphone
Auf der Maschine selbst herrscht Minimalismus. Zwei Tasten müssen reichen. Während die linke Taste euch drei festgelegte Profile über die Farben blau, gelb und grün an die Hand gibt, löst ihr die drei Profile (im Easy-Modus) mit einem einfachen Druck auf die rechte Taste aus. Das funktioniert erstaunlich gut, solange man einen der vorhandenen beziehungsweise gespeicherten Abläufe verwenden möchte. Seid ihr etwas fortgeschrittener, könnt ihr auch eigene Profile auf die Knöpfe legen. Das geht dank Bluetooth-Verbindung spielend einfach. Wer jedoch tiefer in die Möglichkeiten der Roxy einsteigt, landet zwangsläufig bei der App und im Profi-Modus. Dort wird es deutlich umfangreicher.
Temperatur, Zeit, Druck, Flow und weitere Parameter können miteinander kombiniert und zu individuellen Rezepten zusammengefügt werden. Damit lässt sich ein Espresso praktisch als Ablaufplan definieren, den die Maschine anschließend reproduziert. Das ist einerseits großartig. Wer Spaß daran hat, Rezepte zu entwickeln, bekommt hier ein ausgesprochen mächtiges Werkzeug. Man kann einen Kaffee ausprobieren, das Ergebnis verändern, einzelne Parameter anpassen und sich über verschiedene und selbst definierte Stufen so langsam an den persönlichen Sweet Spot herantasten. Andererseits bringt dieses Konzept eine gewisse Lernkurve mit sich. Die Roxy ist keine Maschine, bei der man nach dem Einschalten zwangsläufig das Gefühl bekommt, bereits alles verstanden zu haben. Je mehr man sich mit ihren Möglichkeiten beschäftigt, desto größer wird die Zahl der Optionen. Für Einsteiger ist das zunächst vielleicht einschüchternd. Für Kaffeenerds ist es dagegen ziemlich genau das, worauf sie gewartet haben. In der App lassen sich auch Profle anlegen, hochladen und teilen. Die Community befindet sich derzeit noch im Aufbau, kann aber schon jetzt eine ordentliche Datenbank aufweisen.
Bluetooth und Brew-by-Weight: Wenn Maschine und Waage zusammenarbeiten
Ein weiterer Schritt in Richtung Präzision ist die Möglichkeit, eine kompatible Bluetooth-Waage, wie die Bookoo Themis Ultra, einzubinden. Dadurch kann die Roxy nicht nur anhand eines voreingestellten Ablaufs arbeiten, sondern bekommt eine tatsächliche Rückmeldung über das Gewicht des ausgegebenen Kaffees. Das ist insbesondere für reproduzierbare Rezepte interessant. Wer beispielsweise einen Espresso im Verhältnis 1:2 zubereiten möchte, muss nicht darauf hoffen, den richtigen Moment zum manuellen Stoppen zu erwischen. Das System kann den Bezug anhand des erreichten Gewichts beenden. Auch ohne externe Waage arbeitet die Roxy bereits mit einer internen Ermittlung der ausgegebenen Wassermenge. Mit einer externen Waage lässt sich diese Kontrolle jedoch nochmals deutlich präzisieren. Das klingt nach einem Detail, ist für ambitionierte Espressotrinker aber ausgesprochen praktisch. Denn wer einmal damit begonnen hat, seine Rezepte konsequent nach Dosis und Getränkemenge zu dokumentieren, möchte irgendwann nicht mehr nach Gefühl arbeiten.
Temperaturkontrolle: Schnell heißt bei Roxy nicht beliebig
Ein schnelles Heizsystem muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Temperatur weniger stabil ist. Genau hier muss sich ein System wie die Roxy beweisen. Die Messungen zeigen, dass die Maschine die eingestellte Temperatur sehr gut und stabil hält. Während einzelne Bezüge kleinere Veränderungen zeigen können, bleibt die Temperatur auch bei mehreren aufeinanderfolgenden Bezügen bemerkenswert konstant. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil die Maschine mit einer sehr kleinen Wassermenge arbeitet und trotzdem nicht nach wenigen Bezügen deutlich aus dem vorgesehenen Temperaturfenster läuft. Für die Praxis bedeutet das: Wer mehrere Espressi hintereinander zubereiten möchte, muss nicht ständig zwischen den Bezügen neu kalibrieren oder längere Erholungspausen einplanen. Damit erfüllt die Roxy eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Maschine, die mit reproduzierbaren Rezepten arbeiten möchte.
Der Espresso: Wo die Technik ihren Sinn beweisen muss
So faszinierend Flow-Kurven, Druckprofile und App-Steuerung auch sein mögen – am Ende interessiert uns nur eine Frage wirklich: Was schmeckt aus der Tasse?
Und hier kann die Roxy absolut überzeugen! Ihre Stärke liegt weniger darin, einen einzelnen klassischen Espresso möglichst unkompliziert zuzubereiten. Das können viele deutlich günstigere Maschinen ebenfalls. Interessant wird sie dann, wenn man beginnt, die Möglichkeiten ihrer Steuerung auf unterschiedliche Kaffees anzuwenden. Gerade bei modernen und nicht selten komplexen Specialty-Röstungen kann die Möglichkeit, den Wasserfluss und den Druck gezielt zu verändern, einen deutlichen Unterschied machen. Statt einen Kaffee in ein festes Schema zu pressen, kann das Rezept an die Eigenschaften der Röstung angepasst werden. Ein heller Kaffee bekommt vielleicht eine längere und sanftere Anfangsphase, während ein klassischer Espresso stärker über eine konventionelle Druckkurve angesprochen werden kann. Das Ergebnis sind ausgesprochen ausgewogene, süße und teilweise erstaunlich komplexe Espressi. Die Roxy gehört damit definitiv zu den Maschinen, bei denen das Profiling nicht nur ein Marketingbegriff ist.
Besonders spannend bei hellen Röstungen
Wer vor allem traditionelle, sehr dunkel geröstete Espressobohnen verwendet und seinen Kaffee möglichst unkompliziert beziehen möchte, wird die Möglichkeiten der Roxy vermutlich nicht vollständig ausschöpfen.
Anders sieht es bei hellen Röstungen aus.
Hier kann die zusätzliche Kontrolle tatsächlich zum entscheidenden Vorteil werden. Mehr Temperatur, längere Kontaktzeit, eine kontrollierte Vorinfusion oder ein gezielt reduzierter Flow können helfen, die charakteristischen Aromen heller Kaffees besser herauszuarbeiten. Das macht die Roxy zu einer interessanten Maschine für alle, die gerne unterschiedliche Bohnen ausprobieren. Und genau darin liegt ein großer Teil ihres Reizes: Ein neues Kaffeepäckchen bedeutet nicht einfach ein neues Mahlgrad-Setting. Es kann auch bedeuten, ein komplett anderes Extraktionsrezept zu entwickeln.
58-mm-Siebträger: Roxy bleibt beim Standard
Trotz aller technischen Besonderheiten bleibt Roxy beim Siebträger erfreulich klassisch. Verwendet wird ein 58-mm-System. Im Lieferumfang liegt ein bodenloser Siebträger bei. Das ist für ambitionierte Kaffeetrinker eine gute Nachricht, denn man ist nicht ausschließlich auf ein exotisches oder proprietäres Zubehörsystem angewiesen. Wer mit unterschiedlichen Sieben experimentieren möchte, findet im 58-mm-Bereich eine entsprechend große Auswahl.
Pour Over: Ein überraschendes Extra
Dass die Roxy neben Espresso auch Filterkaffee zubereiten kann, gehört zu den angenehmen Überraschungen des Konzepts. Zum Zubehör gehört ein V60-System, sodass sich mit der Maschine auch ein klassischer Handfilter zubereiten lässt. Für Haushalte, in denen unterschiedliche Kaffeevorlieben aufeinandertreffen, kann das durchaus praktisch sein. Ein nettes Mitgebsel sind die kleinen V60-Filter, die im Lieferumfang enthalten sind und euch sofort starten lassen können.
Allerdings sollte man diese Funktion nicht zum Hauptargument machen. Die Roxy ist keine Filterkaffeemaschine, die zufällig auch Espresso kann. Ihr Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Espressoextraktion. Und dennoch sind wir im Test erstaunt gewesen, da über die App verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Bloomingphasen erstellt werden können. Einziger Haken: Da das Wasser eher im Schwall auf dem Kaffeebett eingebracht wird, spritzt das Ganze ziemlich. Ein Vorgang, den ihr auch beim normalen Zubereiten von Espressi immer wieder feststellen könnt. Der Abstand zwischen Espressotasse und Siebträger ist recht groß und kann auch nicht verringert werden. Was uns allerdings auch hier wieder gefällt: Wer will, kann ein etwas größeres Glas unterstellen, da die Tropfschale rausgenommen werden kann. Zu groß darf das Glas dann aber auch wieder nicht sein.
Reinigung und Wartung: Weniger Maschine bedeutet auch weniger Aufwand
Auch bei Reinigung und Wartung profitiert Roxy von ihrem ungewöhnlichen Aufbau. Die Maschine verfügt nicht über einen großen klassischen Brühboiler, der permanent betrieben wird. Dadurch unterscheidet sich auch der Pflegeaufwand von vielen traditionellen Siebträgermaschinen. Spülvorgänge lassen sich unkompliziert durchführen, und die Maschine ist nach der Nutzung schnell wieder aus dem Weg. Das passt hervorragend zum gesamten Konzept. Die Roxy möchte nicht stundenlang Mittelpunkt einer Kaffeebar sein. Sie soll ihren Job machen und danach möglichst wenig Aufmerksamkeit verlangen. Natürlich bleiben die klassischen Aufgaben erhalten: Brühgruppe reinigen, Siebträger und Siebe sauber halten, Abtropfschale leeren und das System entsprechend den Herstellerangaben pflegen. Eine Espressomaschine bleibt schließlich eine Espressomaschine.
Für wen lohnt sich die Roxy?
Die Zielgruppe lässt sich deshalb erstaunlich klar definieren. Wer morgens schnell einen Espresso möchte, wenig Platz zur Verfügung hat und gleichzeitig Wert auf hochwertige Extraktion legt, dürfte mit der Roxy sehr glücklich werden.
Noch interessanter wird sie für alle, die Specialty Coffee nicht einfach trinken, sondern sich damit beschäftigen. Wer verschiedene Röstungen ausprobiert, Rezepte dokumentiert, mit Preinfusionen experimentiert und wissen möchte, welchen Einfluss unterschiedliche Flow- und Druckverläufe auf den Geschmack haben, findet hier eine ausgesprochen spannende Plattform. Weniger überzeugend ist das Konzept für Menschen, die vor allem Milchgetränke zubereiten oder möglichst wenig mit Technik und Einstellungen zu tun haben möchten.
Rund 2.300 Euro: Ist das gerechtfertigt?
Der Preis macht die Roxy zu einer Premium-Espressomaschine. Rund 2.300 Euro sind eine Ansage – insbesondere wenn man bedenkt, dass eine Dampflanze fehlt und die Maschine bei Tank und Abtropfschale eher klein dimensioniert ist.
Deshalb wäre es falsch, die Roxy einfach nach der Anzahl ihrer Funktionen zu beurteilen. Wer für sein Geld möglichst viel Hardware erwartet, wird möglicherweise andere Maschinen attraktiver finden. Wer dagegen gezielt nach einer kompakten Maschine mit weitreichender Kontrolle über die Extraktion sucht, bekommt hier etwas, das in dieser Kombination nur schwer zu finden ist.
Der Preis steckt eben nicht in einem großen Boiler oder einem beeindruckenden Edelstahlkörper. Er steckt in der Steuerung. In der Möglichkeit, den Kaffee sehr detailliert zu profilieren. In der schnellen Direktheizung. In der Temperaturkontrolle. In der Integration von Waage und App. Und letztlich in dem Versuch, High-End-Extraktionsmöglichkeiten in ein ausgesprochen kleines Gehäuse zu bringen.
Unser Fazit: Roxy ist klein – aber ganz und gar nicht simpel
Die Roxy Espresso ist eine Maschine, die man erst verstehen muss, bevor man sie wirklich beurteilen kann. Auf den ersten Blick sieht man eine kleine, schlichte Espressomaschine mit zwei Tasten. Auf den zweiten Blick entdeckt man eine technisch ausgesprochen ambitionierte Plattform, die Druck, Temperatur und Wasserfluss während der Extraktion kontrollieren kann. Und spätestens beim ersten eigenen Profil wird klar, dass die beiden Tasten eigentlich nur die Spitze des Eisbergs sind.
Besonders beeindruckend finden wir die Kombination aus kompakter Bauweise, sehr kurzer Aufheizzeit und niedrigem Energieverbrauch. Noch spannender ist allerdings, was sich mit der Maschine beim Espresso anstellen lässt. Roxy zwingt den Kaffee nicht in ein starres Schema. Sie gibt dem Nutzer die Möglichkeit, ein Rezept an den Kaffee anzupassen. Das macht sie vor allem für ambitionierte Home-Baristas und Specialty-Coffee-Fans interessant.
Natürlich hat diese Philosophie ihren Preis. Der Wassertank ist klein, die Maschine könnte beim Einspannen des Siebträgers etwas mehr Gewicht vertragen und die fehlende Dampflanze schränkt den Einsatzbereich erheblich ein. Wer hauptsächlich Cappuccino trinkt, sollte sich deshalb anderswo umsehen. Wer dagegen Espresso als Handwerk und als Experimentierfeld betrachtet, bekommt mit der Roxy eine ausgesprochen interessante Maschine.
Und vielleicht passt genau das zu unserem ersten Eindruck vom Team hinter Roxy: Hier geht es nicht darum, mit möglichst viel Aufwand möglichst laut zu verkünden, dass man eine besondere Espressomaschine gebaut hat. Die Maschine selbst ist die Botschaft. Sie ist klein, zurückhaltend und auf den ersten Blick fast unscheinbar. Aber sobald Wasser durch Kaffee fließt, zeigt sie, was tatsächlich in ihr steckt. Die Roxy ist keine Maschine für alle. Aber für die richtigen Kaffeetrinker könnte sie eine der spannendsten Espressomaschinen überhaupt sein.
Wir bedanken uns beim Team von Roxy Espresso für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.
M. Heiland
