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| Marc Heiland | Kaffeewelten

Elizabeth 3 Bild1Es gibt Espressomaschinen, die machen Kaffee. Es gibt Espressomaschinen, die machen guten Kaffee. Und dann gibt es Maschinen wie die neue LELIT Elizabeth 3, bei der man sich irgendwann dabei ertappt, mit dem Espresso über Druckverläufe zu diskutieren. Natürlich nicht laut. Wir wollen schließlich nicht, dass die Nachbarn denken, wir hätten endgültig den Verstand verloren. Aber wer sich intensiver mit Kaffee beschäftigt, weiß: Zwischen einem ordentlichen Espresso und einem wirklich überzeugenden Ergebnis liegen manchmal nur ein paar Gramm, wenige Sekunden oder eben ein bisschen weniger Druck.

Genau an dieser Stelle setzt LELIT mit der Elizabeth 3 an. Die neue Generation der kompakten Dualboiler-Maschine bringt mit dem Pagaia-Hebel eine manuelle Pumpensteuerung mit, ergänzt durch eine elektronische Druckmessung und zwei programmierbare Druckprofile. Das klingt nach einer Menge Technik für eine Maschine, deren eigentliche Aufgabe doch darin besteht, aus gemahlenen Bohnen und heißem Wasser einen guten Espresso zu machen. Andererseits: Wer sich schon einmal einen halben Vormittag mit dem Mahlgrad beschäftigt hat, weiß, dass wir Kaffeefans ohnehin nicht immer den direkten Weg wählen.

Wir wollten deshalb wissen, ob die Elizabeth 3 tatsächlich neue Möglichkeiten für die heimische Espressozubereitung eröffnet oder ob LELIT lediglich ein paar zusätzliche Stellschrauben eingebaut hat, an denen wir künftig besonders intensiv drehen dürfen. Schließlich kostet die Maschine zum Marktstart rund 1.649 Euro in Edelstahl und etwa 1.699 Euro in Schwarz oder Weiß. Das ist eine Ansage, bei der der Espresso bitte nicht nur gut schmecken, sondern auch überzeugende Argumente liefern sollte.

Ein bekanntes Gesicht mit neuen Ambitionen

Die Elizabeth ist für viele Home-Baristas keine Unbekannte. Das kompakte Dualboiler-Konzept verbindet zwei getrennte Heizkreisläufe mit einer Bauform, die nicht gleich die halbe Küchenarbeitsplatte beansprucht. Während der eine Boiler für die Espressozubereitung zuständig ist, kümmert sich der andere um den Dampf. Cappuccino und Espresso müssen sich also nicht erst um die richtige Betriebstemperatur streiten.

Mit der Elizabeth 3 bleibt LELIT diesem Grundgedanken treu, erweitert das Konzept aber um Möglichkeiten, die vor allem für experimentierfreudige Kaffeefans interessant sind. Der auffälligste Neuzugang ist der seitlich angebrachte Pagaia-Hebel, zu dem wir später noch mehr sagen werden. Hinzu kommen zwei Bezugstasten, über die sich individuelle Druckprofile mit bis zu fünf aufeinanderfolgenden Phasen abrufen lassen. Damit können wir festlegen, wie sich der Druck während eines Bezugs entwickeln soll, anstatt den Espresso ausschließlich mit einem weitgehend konstanten Pumpendruck zu extrahieren.

Das eröffnet Spielraum für unterschiedliche Röstungen und Rezepte. Eine helle Bohne kann schließlich andere Anforderungen mitbringen als ein kräftiger Espresso für den Cappuccino am Morgen. Wer gerne ausprobiert, wird diese Möglichkeiten zu schätzen wissen. Wer hingegen einfach nur seinen gewohnten Espresso trinken möchte, muss sich nicht plötzlich mit einer Bedienungsanleitung ins Bett legen. Die Elizabeth 3 lässt sich weiterhin auf klassische Weise nutzen. Apropos Bedienungsanleitung: Die ist ungefähr so nichtssagend, wie die Reden diverser Politiker und liegt aktuell nur auf Englisch vor.

Optisch bleibt LELIT seiner bisherigen Linie weitgehend treu. Die Maschine wirkt kompakt und beinahe würfelförmig. Mit rund 38 Zentimetern Breite, 38 Zentimetern Höhe und 36 Zentimetern Tiefe findet sie auch dort Platz, wo größere Geräte bereits einen Antrag auf Erweiterung der Küche stellen müssten. Das Gewicht liegt bei ungefähr 15 Kilogramm. Bei der Farbwahl stehen Edelstahl, Schwarz und Weiß zur Verfügung.

Wir haben uns für die weiße Variante entschieden. Sie passt ausgesprochen gut in unsere Kaffeeecke und harmoniert mit den Holzelementen, die der Maschine einen etwas wohnlicheren Charakter verleihen. Die Edelstahlversion dürfte dagegen all jene ansprechen, die ihre Espressomaschine gerne in klassischer Café-Optik auf der Arbeitsplatte stehen haben. Geschmackssache bleibt das Design allemal. Aber seien wir ehrlich: Wenn eine Maschine schon so viel Geld kostet, darf sie auch ein bisschen so aussehen, als hätte sie sich den Platz in der Küche verdient. Auch wenn sie recht schick daherkommt, ist sie leider nicht so sexy, wie manch andere italienische Siebträger-Diva. Dafür zickt sie aber auch nicht so viel herum!

Elizabeth 3 Bild3Pagaia: Ein kleiner Hebel mit großen Ambitionen

Der Pagaia ist das technische Herzstück der Elizabeth 3. Der Name bedeutet übersetzt so viel wie Paddel und beschreibt den seitlichen Hebel recht treffend. Nur dass wir damit keine venezianische Gondel durch die Küche steuern, sondern die Pumpenleistung während des Espressobezugs beeinflussen.

Das Grundprinzip ist schnell erklärt. Bei einer klassischen mechanischen Flow-Control-Lösung wird der Wasserweg über ein Ventil verändert. Die Elizabeth 3 verfolgt einen anderen Ansatz: Statt den Wasserfluss auf diese Weise mechanisch zu drosseln, reguliert die Elektronik die Leistung der Vibrationspumpe. Möglich macht das eine Pulsweitenmodulation, bei der die Energiezufuhr gezielt gesteuert wird.

Für die Praxis bedeutet das, dass wir über die Hebelstellung Einfluss darauf nehmen können, wie viel Wasser durch das Kaffeemehl gefördert wird. Wie hoch der Druck am Kaffeepuck tatsächlich ausfällt, hängt dabei auch vom Widerstand des Kaffeemehls ab. Die Maschine misst den Druck und zeigt ihn an. Wir können also nicht nur nach Gefühl arbeiten, sondern zugleich beobachten, was während der Extraktion passiert.

Das ist gerade für alle interessant, die sich gerne mit unterschiedlichen Zubereitungsansätzen beschäftigen. Wir können den Kaffee zunächst sanft benetzen, den Druck anschließend erhöhen und ihn zum Ende des Bezugs wieder reduzieren. Auch eine längere Vorbrühphase oder ein sogenanntes Blooming lässt sich umsetzen. Dabei kommt das Kaffeemehl zunächst mit Wasser in Kontakt, während die Wasserförderung nahezu zum Erliegen kommt. Erst danach wird die eigentliche Extraktion fortgesetzt.

Ob ein solcher Ablauf den Espresso verbessert, hängt natürlich vom Kaffee und vom Rezept ab. Der Pagaia ist schließlich kein Zauberstab, mit dem sich aus einer mittelmäßigen Bohne plötzlich ein Wettbewerbssieger extrahieren lässt. Er gibt uns aber ein zusätzliches Werkzeug an die Hand, mit dem wir gezielter ausprobieren können, was einer bestimmten Röstung guttut.

Besonders angenehm finden wir, dass niemand verpflichtet ist, diese Möglichkeiten auszuschöpfen. Der Hebel darf auch einfach in einer geeigneten Position bleiben, wenn morgens die Zeit knapp ist und der Kaffee wichtiger erscheint als die wissenschaftliche Erforschung des optimalen Druckverlaufs. Die Elizabeth 3 kann beides: unkomplizierten Espresso und ambitioniertes Experimentieren. Für Anfänger dürfte das Rumgepaddel auch ein wenig überfordernd sein, weil die Maschine kein klares Feedback gibt, auf welcher Stellung sie etwas macht. Hier hilft nur das Trial and Error-Prinzip.

Fünf Druckphasen, zwei Tasten und jede Menge Möglichkeiten

Noch interessanter wird die Sache durch die beiden programmierbaren Bezugstasten. Sie starten nicht einfach einen Bezug mit einer festgelegten Wassermenge. Stattdessen können wir jeder Taste ein eigenes Profil zuweisen, das aus bis zu fünf aufeinanderfolgenden Phasen besteht. Für jede Phase lassen sich Druck und Dauer individuell festlegen.

So könnte ein Bezug beispielsweise mit einer sanften Vorbenetzung beginnen, anschließend bei höherem Druck extrahieren und zum Ende wieder etwas ruhiger auslaufen. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der verwendeten Bohne, ihrem Röstgrad, dem Mahlgrad und dem gewünschten Ergebnis ab. Die Elizabeth 3 macht es möglich, unterschiedliche Ansätze auszuprobieren, ohne bei jedem Espresso sämtliche Einstellungen von Hand neu vornehmen zu müssen.

Die Druckwerte lassen sich in Schritten von jeweils 0,5 bar einstellen. Auch die Dauer der einzelnen Phasen kann programmiert werden. Das geschieht direkt über das Display und die vorhandenen Bedienelemente. Eine zusätzliche Smartphone-App ist dafür nicht notwendig. Das ist angenehm unkompliziert, auch wenn die Menüführung optisch eher an ein funktionales Steuergerät als an ein modernes Smartphone erinnert. Man bekommt seine Einstellungen ans Ziel, wird unterwegs aber nicht gerade mit digitalem Luxus verwöhnt. Wer keine Lust auf Experimente hat oder noch ganz am Anfang seiner Kaffeereise steht, der kann auch die zwei ab Werk eingestellten Profile nutzen.

Für einen unserer Testbezüge haben wir es bewusst nicht übertrieben. 18,5 Gramm Kaffeemehl kamen ins Sieb. Anschließend wurde der Puck acht Sekunden lang bei drei bar benetzt, bevor die Maschine weitere 17 Sekunden mit 8,5 bar arbeitete. Am Ende standen 45 Gramm Espresso in der Tasse.

Das Beispiel zeigt, dass wir nicht zwangsläufig alle fünf Phasen ausreizen müssen, um einen interessanten Bezug zu gestalten. Manchmal reichen zwei gut gewählte Schritte. Wer möchte, kann sich natürlich in komplexere Profile vertiefen. Dann wird aus dem morgendlichen Espresso schnell ein kleines Forschungsprojekt. Ob das die Lebensqualität steigert, hängt vermutlich davon ab, wie geduldig die übrigen Haushaltsmitglieder sind.

Eine Einschränkung sollten wir allerdings nicht verschweigen: Die gespeicherten Druckprofile und die manuelle Steuerung über den Pagaia sind getrennte Betriebsarten. Wer einen Bezug über eine der programmierten Tasten startet, kann nicht während der Extraktion einfach zum Hebel wechseln und den Druckverlauf von Hand übernehmen. Für einen manuellen Bezug muss der Pagaia von Beginn an eingesetzt werden.

Das ist kein Beinbruch, aber eine verpasste Gelegenheit. Gerade die Kombination aus automatisiertem Start und anschließendem manuellem Eingriff hätte den ohnehin interessanten Ansatz noch vielseitiger gemacht.

Elizabeth 3 Bild2Wenn der Espresso plötzlich schneller fertig sein möchte

Manchmal läuft bei der Espressozubereitung alles nach Plan. Der Mahlgrad passt, die Dosierung stimmt, der Bezug entwickelt sich wie erwartet und der Espresso landet genau dort, wo wir ihn haben wollen. Und manchmal entscheidet der Kaffee, dass er heute andere Vorstellungen hat.

Bei einem unserer Testbezüge beschleunigte sich die Extraktion gegen Ende deutlich. Statt dem Espresso dabei zuzusehen, wie er schneller als erwartet durch das Sieb lief, reduzierten wir die Pumpenleistung über den Pagaia. Damit konnten wir die Bezugszeit auf ungefähr 22 bis 23 Sekunden verlängern. Ohne diesen Eingriff wäre der Bezug bei einer herkömmlichen Zubereitung mit neun bar vermutlich bereits nach rund 19 Sekunden abgeschlossen gewesen.

Genau in solchen Momenten zeigt sich der praktische Nutzen der manuellen Steuerung. Wir müssen nicht jedes mögliche Szenario vorher in einem Profil berücksichtigen, sondern können auf den tatsächlichen Verlauf reagieren. Der Hebel ist damit nicht ausschließlich ein Spielzeug für Menschen, die gerne Kurven und Zahlen auf Displays betrachten. Er kann im Alltag durchaus helfen, einen Bezug bewusster zu gestalten.

Natürlich sollten wir die Möglichkeiten nicht überschätzen. Wenn das Kaffeemehl ungleichmäßig verteilt wurde, sich Channeling bildet oder der Mahlgrad überhaupt nicht passt, wird auch der Pagaia daraus keinen perfekten Espresso zaubern. Eine gute Vorbereitung bleibt die Grundlage. Die manuelle Steuerung ist eine Ergänzung und kein Ersatz für sauberes Arbeiten.

Wer seine Bezüge ohnehin möglichst unverändert nach einem bewährten Rezept zubereitet, wird den Hebel vermutlich nur selten bewegen. Wer dagegen gerne ausprobiert, auf Veränderungen reagiert und sich intensiver mit der Extraktion beschäftigt, dürfte schnell Gefallen daran finden.

Im Endeffekte ist Pagaia eine „light Version“ des Espresso-Retters, wie er unter anderem bei der Roxy Espresso und vor allem bei der MARO Model 1 zu finden ist.

Der Brühboiler: Gut Ding braucht manchmal Geduld

So spannend die neuen Funktionen sind, so wenig dürfen wir die klassischen Eigenschaften einer Espressomaschine aus den Augen verlieren. Schließlich nützt der ausgeklügeltste Druckverlauf wenig, wenn die Temperatur nicht stimmt oder wir zwischen zwei Espressi gefühlt einen kompletten Arbeitstag einplanen müssen.

Die Elizabeth 3 besitzt einen Brühboiler mit ungefähr 200 Millilitern Fassungsvermögen sowie einen separaten Dampfboiler mit 600 Millilitern. Der Wassertank fasst 2,5 Liter. Für den Hausgebrauch ist das eine komfortable Größe. Wer nicht gerade eine kleine Kaffeebar betreibt, dürfte mit dem Tankvolumen gut zurechtkommen.

Der Brühboiler fällt kleiner aus als beim früheren Modell. Bei einzelnen Bezügen hinterlässt die Temperaturstabilität in unserem Praxiseindruck einen erfreulichen Eindruck. Zwischen aufeinanderfolgenden Espressi sollte man der Maschine allerdings rund zwei Minuten Zeit lassen. Wer mehrere Getränke für Gäste zubereitet, sollte das berücksichtigen. Eine Espressomaschine ist schließlich kein Getränkeautomat, der unbegrenzt Nachschub liefert, nur weil wir es gerade eilig haben.

Auch die Aufheizzeit verlangt etwas Planung. Rund 20 Minuten benötigt die Elizabeth 3, bis sie betriebsbereit ist. Das ist nicht ungewöhnlich für diese Bauart, angesichts moderner Thermoblock-Systeme und anderer schnell aufheizender Technologien aber auch kein Grund für Begeisterungsstürme.

Wer morgens direkt nach dem Aufstehen einen Espresso möchte, sollte die Maschine rechtzeitig einschalten. Ein geeigneter smarter Schalter kann dabei helfen. Eine integrierte Kalenderfunktion, mit der sich unterschiedliche Startzeiten für Wochentage und Wochenenden programmieren lassen, gibt es nicht.

Wir würden uns eine solche Komfortfunktion durchaus wünschen. Denn während wir beim Espresso gerne experimentieren, möchten wir beim Aufstehen nicht unbedingt zuerst einen technischen Ablauf koordinieren. Der Kaffee soll schließlich den Tag erleichtern und nicht bereits vor dem Frühstück die erste Organisationsaufgabe darstellen.

Milchschaum mit Reserven – zumindest für den normalen Hausgebrauch

Wer seinen Espresso gerne mit Milch kombiniert, wird auch einen Blick auf den Dampfboiler werfen. Denn ein guter Cappuccino braucht mehr als einen kräftigen Espresso und irgendeinen Schaum, der zufällig in der Tasse landet.

Die Elizabeth 3 besitzt einen Dampfboiler mit 600 Millilitern Fassungsvermögen. In den vorliegenden Tests zeigte sich eine kräftige Dampfleistung. Ein größeres Kännchen mit etwa 300ml Milch habt ihr in einer knappen halben Minute für Latte Art geschäumt. Die Temperatur für den Damp könnt ihr variieren, wodurch sich die Zeit verschieben kann. Die isolierte Dampflanze lässt sich flexibel ausrichten und besitzt eine Düse mit drei Öffnungen.

Bei mehreren Milchgetränken direkt hintereinander werden die Reserven allerdings begrenzt. Nach drei oder vier aufeinanderfolgenden Schäumvorgängen kann die Leistung spürbar nachlassen. Für zwei Cappuccini am Morgen ist das kein ernsthaftes Problem.

Praktisch ist, dass sich der Dampfboiler bei reinem Espressobetrieb abschalten lässt. Wer ausschließlich Espresso trinkt, muss den zusätzlichen Heizkreislauf nicht ständig auf Temperatur halten. Das spart Energie und macht die Maschine flexibler im Betrieb.

Elizabeth 3 Bild5Holz, Edelstahl und ein angenehm leiser Auftritt

Eine Espressomaschine darf technisch überzeugen. Sie sollte sich aber auch im Alltag vernünftig bedienen lassen und nicht bei jeder Berührung den Eindruck vermitteln, wir hätten ein empfindliches Ausstellungsstück vor uns.

Die Elizabeth 3 hinterlässt hier insgesamt einen guten Eindruck. Besonders gelungen finden wir die Holzelemente an Pagaia-Hebel, Siebträgergriff, Dampfregler und Tamper. Sie greifen optisch ineinander und geben der Maschine einen eigenständigen Charakter. Das wirkt wohnlicher als eine rein funktionale Edelstahlkonstruktion und passt gut zu einer Kaffeeecke, in der nicht alles aussehen muss wie in einem professionellen Labor. Hier hat LELIT seit dem Vorgängermodell ganz klar seine Hausaufgaben gemacht.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Geräuschentwicklung. Mit knapp unter 60 Dezibel ist die Maschine für einen Dualboiler wirklich leise. Gerade morgens ist das eine erfreuliche Eigenschaft. Nicht jeder möchte, dass die ganze Familie beim ersten Espresso automatisch mit aufwacht. (Wenn das nicht vorab bereits die Mühle erledigt hat)

Der 2,5-Liter-Wassertank lässt sich zum Befüllen herausnehmen. Die vorhandenen Griffmöglichkeiten erleichtern die Handhabung. Eine Reservefunktion sorgt zudem dafür, dass bei Erreichen der Nachfüllanzeige noch Wasser für einen weiteren Bezug zur Verfügung stehen kann. Die Tropfschale ist ausreichend dimensioniert und lässt sich zur Reinigung entnehmen. Ein Füllstandssensor, der vor einer überlaufenden Schale warnt, fehlt allerdings, wie bei vielen Mitbewerbern, was wir schade finden.

Das Display erledigt seine Aufgaben zuverlässig, wirkt aber nicht besonders modern. Druckprofile und Temperaturen lassen sich einstellen, die Bedienung bleibt insgesamt funktional. Eine umfangreiche App-Steuerung mit grafischer Live-Auswertung gibt es nicht. Wer bei diesem Preis ein digitales Erlebnis auf dem Niveau moderner Smart-Home-Geräte erwartet, sollte seine Erwartungen etwas zurückschrauben.

Zubehör: Alles Wichtige dabei, aber die Waage bleibt Pflicht

Zum Lieferumfang gehören ein Siebträger mit doppeltem Auslauf, der zum Nutzer hin die Öffnungen hat, was wir wirklich schön finden, da man so die Extraktion besonders schön sehen und sich auf das, was gleich den Gaumen erfreuen wird, vorfreuen kann. Dazu gibt es passende Siebe, die zwar nicht auf Meisterschaften-Niveau liegen, aber jederzeit nachgerüstet werden können, ein Tamper mit Holzgriff, ein Blindsieb und Reinigungszubehör. Der Tamper mit Holzgriff fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Sein Durchmesser von ungefähr 58,5 Millimetern ist auf das passende Sieb abgestimmt.

Der Siebträger liegt angenehm in der Hand, die kompakten Ausläufe erleichtern das Befüllen kleinerer Espressotassen. Wer einen bodenlosen Siebträger bevorzugt, kann sein Zubehör entsprechend erweitern. Ein Wasserfilter gehört ebenfalls zur Ausstattung. Wir persönlich nutzen aber lieber unser vorgefiltertes Wasser.

Eine größere Rolle im täglichen Gebrauch spielt die Dosierung. Die beiden Bezugstasten arbeiten zeitbasiert und beenden den Bezug nicht anhand der tatsächlich ausgegebenen Wassermenge. Eine klassische volumetrische Steuerung über einen Durchflussmesser besitzt die Elizabeth 3 nicht.

Wenn wir den Mahlgrad verändern oder ein anderes Druckprofil verwenden, kann sich deshalb auch die Getränkemenge verändern. Wer reproduzierbare Ergebnisse erzielen möchte, sollte eine Espresso-Waage verwenden und den Bezug anhand des gewünschten Getränkgewichts beenden.

Für uns gehört eine Waage ohnehin zur Grundausstattung eines ambitionierten Home-Baristas. Trotzdem wäre eine automatische Beendigung nach Gewicht bei einer Maschine dieser Preisklasse ein echter Komfortgewinn gewesen. Die Elizabeth 3 lässt uns zwar den Druck sehr genau beeinflussen, überlässt uns bei der finalen Getränkemenge aber weiterhin einen Teil der Arbeit. Ganz ohne Handarbeit geht es eben doch nicht – und das ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu verstehen.

Stromverbrauch: Zwei Boiler, aber nicht immer zwei aktive Heizkreise

Zwei getrennte Boiler versprechen Komfort, können aber auch den Stromverbrauch erhöhen. Wie relevant das im Alltag ist, hängt davon ab, wie häufig wir Milchgetränke zubereiten und wie lange die Maschine eingeschaltet bleibt.

Die vorliegenden Messungen fallen für einen Dualboiler erfreulich moderat aus. Bei ausgeschaltetem Dampfboiler wurden für das Aufheizen und die Zubereitung eines Espressos rund 0,075 Kilowattstunden ermittelt. Mit aktiviertem Dampfboiler lag der Verbrauch bei ungefähr 0,154 Kilowattstunden für einen Espresso und 0,172 Kilowattstunden für einen Cappuccino.

Der zusätzliche Heizkreislauf macht sich also bemerkbar. Wer überwiegend Espresso trinkt, kann den Dampfboiler abschalten und den Energiebedarf reduzieren. Für Haushalte, in denen regelmäßig Cappuccino oder Flat White auf dem Programm stehen, ist die zusätzliche Leistung dagegen sinnvoll.

Auch die Dauer des Betriebs spielt eine Rolle. Wer die Maschine den ganzen Tag warm hält, verbraucht mehr Energie als jemand, der sie nur zu bestimmten Kaffeezeiten einschaltet. Hier muss jeder selbst entscheiden, wie viel Komfort ihm die ständige Einsatzbereitschaft wert ist.

Die Möglichkeit, den Dampfboiler separat zu betreiben, ist jedenfalls praktisch. LELIT gibt uns damit eine Möglichkeit an die Hand, den Energieeinsatz an die eigenen Gewohnheiten anzupassen, statt grundsätzlich beide Heizkreisläufe laufen zu lassen.

Fazit: Viel Kontrolle ist noch kein guter Espresso

Die LELIT Elizabeth 3 mit Pagaia ist eine Espressomaschine, die eine interessante Frage aufwirft: Wie viel zusätzliche Technik braucht es eigentlich, um zu Hause einen besseren Espresso zuzubereiten? LELIT liefert darauf eine Antwort, die zumindest für ambitionierte Home-Baristas spannend ist. Mit der elektronischen Druckmessung, den programmierbaren Druckprofilen und der manuellen Pumpensteuerung eröffnet die Elizabeth 3 Möglichkeiten, die bei klassischen Siebträgermaschinen in dieser Form – und vor allem zu dem aufgerufenen Preis - nicht selbstverständlich sind. Das ist kein bloßes Marketing-Gimmick, sondern ein echter funktionaler Mehrwert.

Allerdings sollten wir die Kirche im Kaffeedorf lassen. Mehr Einstellmöglichkeiten bedeuten nicht automatisch mehr Genuss. Auch die Elizabeth 3 kann weder aus mittelmäßigen Bohnen Spitzenkaffee zaubern noch einen schlecht vorbereiteten Kaffeepuck retten. Wer Mahlgrad, Dosierung und Verteilung nicht im Griff hat, wird sich mit fünf Druckphasen vermutlich vor allem fünf neue Möglichkeiten schaffen, den eigenen Espresso zu hinterfragen. Der Pagaia ist ein Werkzeug, kein Zauberstab.

Seinen eigentlichen Reiz entfaltet das Konzept deshalb bei Menschen, die Kaffee nicht nur zubereiten, sondern verstehen möchten. Wer verschiedene Röstungen testet, Rezepte entwickelt und den Einfluss des Druckverlaufs nachvollziehen will, bekommt eine bemerkenswert flexible Maschine. Die Kombination aus manuellem Eingriff und speicherbaren Profilen ist dabei besonders interessant: Wir können experimentieren, ohne auf reproduzierbare Einstellungen verzichten zu müssen. Dass sich die Elizabeth 3 gleichzeitig auch klassisch bedienen lässt, macht sie alltagstauglicher, als es ihre technischen Möglichkeiten zunächst vermuten lassen.

Doch genau hier beginnt unsere Kritik. Denn während LELIT bei der Extraktionssteuerung einen ambitionierten Schritt nach vorne macht, bleibt der Komfort an anderen Stellen hinter dem zurück, was wir bei einem Preis von rund 1.650 Euro gerne gesehen hätten. Die Aufheizzeit von ungefähr 20 Minuten ist nicht mehr zeitgemäß schnell, die zeitbasierte Bezugssteuerung verlangt weiterhin eine Waage für reproduzierbare Getränkemengen, und die Bedienoberfläche wirkt eher zweckmäßig als wirklich modern. Hinzu kommt der vergleichsweise kleine Brühboiler, der bei mehreren unmittelbar aufeinanderfolgenden Bezügen Geduld verlangt. Wer eine Maschine für den spontanen Espresso am Morgen und die Cappuccino-Runde mit Gästen sucht, sollte diese Punkte nicht unterschätzen.

Auch bei der Ausstattung hätten wir uns an einigen Stellen mehr Konsequenz gewünscht. Eine gewichtsabhängige Bezugssteuerung wäre im Alltag ein sinnvoller Zugewinn gewesen. Ebenso wäre die Möglichkeit, einen programmierten Bezug während der Extraktion manuell über den Pagaia zu übernehmen, eine überzeugende Ergänzung. So bietet die Elizabeth 3 zwar viel Kontrolle über den Druck, lässt aber bei der Integration ihrer Funktionen noch Potenzial liegen.

Ist sie deshalb zu teuer? Das wäre zu pauschal. Der Preis muss sich daran messen lassen, was man mit der Maschine tatsächlich vorhat. Wer die Druckprofilierung bewusst einsetzen möchte, erhält ein interessantes Gesamtpaket, das sich nicht allein über die Anzahl der Boiler oder die Verarbeitung bewerten lässt. Wer hingegen vor allem einen guten Espresso ohne größere Beschäftigung mit technischen Parametern sucht, bezahlt für Möglichkeiten, die im Alltag möglicherweise ungenutzt bleiben. In diesem Fall gibt es gute Gründe, sich auch bei günstigeren Maschinen umzusehen.

Unser Urteil fällt daher bewusst zweigeteilt aus: Die LELIT Elizabeth 3 ist technisch ambitioniert, bei der Extraktion vielseitig und für experimentierfreudige Home-Baristas ausgesprochen interessant. Sie ist aber keine kompromisslose Alleskönnerin. 8Ihre Stärken liegen klar bei der Drucksteuerung; bei Aufheizzeit, Bezugsautomatisierung und Bedienkomfort bleibt sie hinter ihren eigenen Ambitionen zurück.

Unsere Empfehlung: Wer den Espresso als Handwerk versteht, gerne unterschiedliche Röstungen ausprobiert und den Brühvorgang aktiv gestalten möchte, sollte die Elizabeth 3 unbedingt in die engere Auswahl nehmen. Wer hingegen möglichst schnell, komfortabel und reproduzierbar Kaffee zubereiten möchte, ohne sich mit Druckprofilen zu beschäftigen, sollte genauer vergleichen.

Denn am Ende zählt nicht, wie viele Parameter sich einstellen lassen, sondern was in der Tasse landet. Die Elizabeth 3 gibt uns mehr Möglichkeiten, dieses Ergebnis zu beeinflussen. Ob wir sie brauchen, hängt nicht von der Maschine ab, sondern davon, was wir aus unserem Kaffee machen wollen.

Wir bedanken uns bei LELIT für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

M. Heiland, D. Stappen

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