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Teufel Reflekt im Test

TeufelReflektIn den vergangenen Jahrzehnten hat sich das auditive Erlebnis im Heimkino-Bereich deutlich gewandelt. Beherrschten vor rund 20 Jahren noch typische Stereo-Systeme die heimischen Wohnzimmer, so kamen in den folgenden Jahren mehr und mehr 5.1-Systeme zu erschwinglichen Preisen auf den Markt. Nach oben hin sollten die Grenzen natürlich immer offen bleiben. Gewisse Standards kamen und gingen, einige blieben. Im Laufe der Zeit wurden die Receiver immer leistungsfähiger, die Boxensets größer und besser und das „mittendrin“-Gefühl stand dem, welches man aus dem Kino kennt, kaum noch nach. Doch eines hatten alle System gemein: Sie alle konnten die Klang nur horizontal ausbilden.

So blieb der Ton immer „lückenhaft“. Denn was nützt es, wenn der Regisseur eine dramatische Verfolgungsjagd per Hubschrauber kreierte, wenn der Ton nicht über die Köpfe der Zuschauer gelangen konnte! Erst die Entwicklung so genannter „3D-Klänge“ bzw. objektbasierter Systeme machte es möglich, den Ton auch von oben kommen zu lassen. Die Formate, die dahinter stehen, sind „Dolby Atmos“, „DTS:X“ und das weniger genutzte „Auro 3D“. Nach und nach machten sich die Boxen-Hersteller auf, verschiedene Konzepte anzubieten. Manche werden an der Decke befestigt, andere hingegen einfach auf die vorderen oder rückwärtigen Boxen gestellt. Diese „Top Firing“-Module sind preiswerter, müssen nicht mühevoll an die Decke gehangen werden und verändern das „Wohnbild“ nicht dauerhaft. Gerade dann, wenn die bessere Hälfte nicht unbedingt das Heimkino-Hobby mit euch teilt, oder ihr nur zur Miete wohnt und darüber hinaus empfindliche Nachbarn habt, ist diese Alternative goldrichtig. Wir haben für unseren Test das Boxen Set „Reflekt“ von Teufel zur Verfügung gestellt bekommen. Im Folgenden klären wir, wie sich die beiden „Krachmacher“ bewähren und ob sich der Kauf angesichts noch immer nicht flächendeckender Dolby Atmos-Unterstützung seitens der großen Labels überhaupt lohnt.

Alles Gute kommt von oben!

Schaut man sich aktuell auf dem Heimkino-Markt um, stellt man als deutscher Fan fest, dass es die großen Labels nicht sonderlich gut mit uns meinen. Denn während in den USA viele Blockbuster aber auch ältere Filme wie zuletzt der 1999 erschienene Hollywood-Megaseller „Matrix“ mit Dolby Atmos-Support in den Handel kommen und auch hierzulande die Original-Tonspuren immer wieder mit tollem Atmos-Mix glänzen, speisen die Studios uns mit veralteten oder minderwertigen Tonspuren ab. Umso ärgerlicher ist es da für uns, wenn die Rechte bei einem Re-Release bei einem anderen Studio liegen, und die deutschen Fans in die Röhre schauen müssen oder das Label einfach Kosten scheut, die lokalisierte Sprache anpassen zu lassen. Aber auch bei den Original-Tonspuren werden Atmos-Effekte nicht immer korrekt oder stellenweise sogar nur spärlich eingesetzt. Da fragt man sich natürlich als potentieller Käufer, warum man sich aktuell Boxen kaufen sollte, die hierzulande wenig unterstützt werden.

Die Antwort ist vielschichtig: Denn wer der englischen Sprache mächtig ist, wählt meist lieber den O-Ton, da man gerne seine Stars im Original hören möchte. Außerdem haben gerade kleinere Labels gezeigt, dass sie den Markt durchaus verstanden haben und bringen verstärkt auch für uns Atmos-Tonspuren oder DTS:X-Formate heraus. Dann kommt noch hinzu, dass immer mehr „Peripherie“ den 3D-Sound unterstützt. So beispielsweise Microsofts Xbox One und die „große Schwester“, die Xbox One X. Aber auch Apple hat angekündigt, dass sein Dienst AppleTV künftig Dolby Atmos unterstützen wird. Netflix ist ja bereits vor einiger Zeit auf den „3D-Zug“ aufgesprungen. Ihr seht also, dass es durchaus auch für uns Support gibt und geben wird. Dazu muss auch noch erwähnt werden, dass Dolby Atmos- und DTS:X unterstützende Boxen nicht nur Ton von oben her generieren, sondern auch den Raumklang als solchen verfeinern und verstärken und den Klang auch noch ein wenig basslastiger betonen.

Wer also sich dazu entschließt, sein Heimkino-Zimmer 3D-tauglich zu gestalten, der hat – wie bereits erwähnt – mehrere Möglichkeiten. Neben der Montage an die Zimmerdecke (zwei Boxen müssen, vier können es im besten Fall sein) gibt es die Deckenstrahler, die den Klang in Richtung Zimmerdecke projizieren, von wo er dann in Richtung Zuhörer gelenkt wird.

Mit dem Atmos, DTS:X und Auro 3D-zertifizierten Boxenset „Reflekt“ hat der Berliner Boxenspezialist Teufel ein System konzipiert, welches sowohl als Deckenstrahler oder zum Aufhängen genutzt werden kann. Dabei bietet Teufel das Boxenset sowohl als Erweiterung eines bereits bestehenden Sets oder als Komplettpaket bestehend aus dem Teufel Ultima 40 Surround-Set plus einem Onkyo AV-Receiver. Da wir bereits das Ultima 40 Surround-Set in unserer Redaktion stehen haben sowie einen Receiver von Marantz (den 5011), haben wir uns für die Erweiterungsoption entschieden.

Wie schon das Ultima 40 Surround-Set, kommen auch die beiden Atmos-Boxen in zeitlosem matt-schwarz daher. Dank der kompakten Maße von 18,5 cm x 13 cm x 8,7 cm passen die beiden Top Firing-Module wunderbar auf die Frontboxen des Ultima-Systems. Die Verbindung zwischen Boxen und Receiver erfolgt – wie bei allen Boxen – über ein normales Kabel. Wer will, kann auch Bananenstecker nutzen. An zwei Sachen solltet ihr vor dem Kauf natürlich denken: Erstens muss eure Peripherie natürlich auch Dolby Atmos, Auro 3D oder aber DTS:X-fähig sein, da ihr ansonsten keinen 3D-Ton hören werdet. Dann muss die Anlage auch 5.1.2-Support bieten, damit entsprechende Anschlüsse vorhanden sind. Erfüllt euer System beide Punkte, steht einem Hörgenuss in 3D nichts mehr im Wege.

Die Einbindung der beiden Boxen erfolgt über das Receiver-Setup und sollte in jedem Fall mühelos vonstatten gehen. Auch wenn wir euch für euren Receiver speziell keine Hinweise geben können, erfolgt die Installation doch meist im Boxen-Setupmenü ohne Schwierigkeiten. Unser Marantz fragte uns, ob wir die Boxen als Top Firing-Module einbinden wollen, was wir mit einem Klick auf den entsprechenden Button bestätigten. Danach konnten wir direkt loslegen. Die Einmessung funktioniert ebenfalls problemlos. Dank seines 25-mm Gewebehochtöners und der 90-mm Kevlar-Tiefmitteltonmembran verfügen die Boxen über eine gute Ausgangskonfiguration. Auf der Rückseite der Boxen befindet sich ein Schalter, mit dem ihr auswählen könnt, ob die Boxen als Direktstrahler oder reflektierend wirken sollen.

TeufelReflekt2Die Dolby Atmos-Boxen „Reflekt“ im Praxistest

Kommen wir nun zum spannenden Teil in dem wir der Frage nachgehen, wie der „erweiterte Raumklang“ sich anhört und wie sich die Boxen ins Filmgeschehen einbinden.

Als Testmaterial haben wir die auf 4K UHD neu erschienenen Filme „Jurassic Park III“ aus der alten Trilogie , Matrix sowie „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ in unseren Dolby Atmos-fähigen 4K UHD-Player eingelegt.

Jurassic Park III

Sämtliche bislang erschienenen Titel der Jurassic Park-Reihe wurden auf 4K UHD Blu-ray neu abgetastet und mit verbessertem Ton in den Handel gebracht. Wie auch bei den anderen Teilen der Serie hat man für die UHD von Jurassic Park III die Tonspuren in verlustfreie DTS:X-Format gewandelt. Beide Fassungen basieren auf HD Master Audio-Kernen. Die zusätzlich hinzugefügte „dritte Ebene“ macht sich bereits nach rund drei Minuten bemerkbar, wenn der Gleitschirm vom Boot gezogen wird. Dazu gesellt sich ein in den oberen Regionen „schwebender“ Wind beim Anflug auf die Insel. Auch beim ersten Auftreten des Spinosaurus ertönen die Geräusche stimmungsvoll abgemischt aus den Atmos-Boxen. Manche Effekte werden allerdings ausgespart oder falsch decodiert und liegen dann nicht auf den Atmos-Boxen, was sehr schade ist. Dies ist natürlich keine Schwäche der Boxen, die hier die Soundeffekte sehr schön und mit zusätzlichem Druck auflösen, sondern des Films bzw. der Sounddesigner.

Matrix

Hier haben wir uns den „O-Ton“ angehört, da ausschließlich die englische Fassung in Dolby Atmos vorliegt. Basierend auf dem True-HD Kern bietet die Neufassung einen ordentlichen, aber nicht überragenden 3D-Klang. Die Maßstäbe setzenden Kampfszenen in Zeitlupe bringen einen faszinierenden Sound ins heimische Wohnzimmer, der eindrucksvoll unter Beweis stellt, zu was Dolby Atmos fähig ist. Manchmal ist der Ton dann etwas zu brutal, passend zum Filmgeschehen. Auch hier leisten die Teufel-Boxen saubere Arbeit und lösen den Klang fein auf. Zwar können sie nicht ganz mit den doppelt so teuren Boxen von ELAC und auch nicht immer mit den Boxen von Quadral mithalten. Dennoch sind sie voll und ganz auf das Teufel-Set abgestimmt und harmonieren wunderbar miteinander.

Jumanji: Willkommen im Dschungel

Last but not least haben wir uns die Neuverfilmung von Jumanji angeschaut. Auch hier liegt nur die Originalspur in Atmos mit True-HD-kodiertem Kern vor. Und was soll ich sagen: Selten hat man einen so glaubhaften Urwald in einem Film vernommen, wie in diesem Film. Dank toller Atmos-Effekte fühlt man sich hier wirklich so, als sei man ein Teil der Schauspieler am Set und stünde mitten im dichtesten Dschungel. Überall zirpt und zwitschert es und von oben herab passiert immer eine Menge. Ein Beispiel: Verliert einer der Charaktere ein virtuelles Leben, stürzt er von oben herab in den Dschungel hinein. Dies wird wunderbar in Szene gesetzt und klingt dann auch dementsprechend.

Wenn dann die Motorrad-Gang erstmals am Start ist und aus allen Rohren feuert, will man dann nur noch wegrennen und zieht beinahe automatisch den Kopf ein. Ganz großes „Ton-Kino“.

Fazit: Wer sein Heimkino gerne um die dritte Dimension erweitern will, der findet mit den „Reflekt“ aus dem Hause Teufel genau das Richtige. In Kombination mit dem „Ultima 40“ Surround-System erhaltet ihr ein hervorragend aufeinander abgestimmtes Boxenset, das euer Zimmer noch ein wenig mehr wie einen „echten“ Kinosaal 9wirken lässt. Zwar zieht das Set gegenüber ELAC und Quadral hin und wieder den Kürzeren. Diese Sets kosten aber auch einiges mehr, als das für knapp 300 Euro erhältliche Boxenpaar des Berliner Lautsprecher-Herstellers. So macht Heimkino wieder richtig Spaß. Gemessen an Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis geben wir eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Firma Teufel für das zur Verfügung gestellte Testset.

U. Sperling

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