Hellraiser: Revival (PC) – Wenn Schmerz zur Erlösung wird
Ein höllischer Trip zwischen verstörendem Körperhorror, blutigen Gefechten und den finsteren Fantasien von Clive Barker: Mit Hellraiser: Revival kehrt eine der wohl verstörendsten Horrorwelten der Filmgeschichte auf den PC zurück. Doch reicht es, möglichst tief in menschliche Abgründe hinabzusteigen, um auch spielerisch für nachhaltigen Schrecken zu sorgen? Wir haben uns der Hölle gestellt und verraten euch, warum das Comeback der Cenobiten ebenso faszinierend wie ernüchternd ausfällt.
Willkommen in der Hölle
Es gibt Horrorspiele, die euch mit subtilen Geräuschen, dunklen Korridoren und der ständigen Angst vor dem Unbekannten das Fürchten lehren. Und dann gibt es Hellraiser: Revival. Hier wird nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. Schon die ersten Minuten machen unmissverständlich klar, dass euch eine Reise erwartet, bei der Blut, Schmerz und groteske Körperbilder zum festen Bestandteil des Geschehens gehören. Wer bei expliziten Gewaltdarstellungen und sexuellen Motiven empfindlich reagiert, sollte sich deshalb sehr genau überlegen, ob er sich auf dieses Abenteuer einlassen möchte.
Das Spiel knüpft an die von Clive Barker geschaffene Welt an, die mit dem Roman „The Hellbound Heart“ und der späteren Verfilmung eine ganz eigene Nische im Horrorgenre eroberte. Im Mittelpunkt stehen die Cenobiten, jene unheimlichen Wesen, die jenseits menschlicher Vorstellungskraft nach einer Verbindung zwischen Lust und Qual suchen. Gerade diese Mischung aus religiös anmutender Mythologie, sadomasochistischen Motiven und übernatürlichem Grauen unterscheidet Hellraiser von vielen anderen Horrorserien. Statt gewöhnlicher Monster erwartet uns eine Welt, in der die Grenzen zwischen Erlösung und Verdammnis verschwimmen.
Mit Hellraiser: Revival versucht das Entwicklerteam, genau diese besondere Faszination in ein modernes Survival-Horror-Abenteuer zu übertragen. Das gelingt in den stärksten Momenten durchaus beeindruckend. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie schwierig es ist, die eigenwillige Atmosphäre der Vorlage mit den etablierten Mechaniken eines klassischen Action-Horrorspiels zu verbinden.
Eine Liebe, die in der Hölle endet
Im Zentrum der Geschichte steht Aidan, dessen Leben durch ein grausames Ereignis aus den Fugen gerät. Gemeinsam mit seiner Partnerin Sunny experimentiert er mit einer mysteriösen Puzzlebox, deren Kräfte sie offensichtlich unterschätzen. Was als intimer Moment beginnt, entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Albtraum. Die Cenobiten erscheinen, Sunny wird auf schreckliche Weise ihrem bisherigen Leben entrissen und Aidan findet sich in einer Situation wieder, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt.
Doch anstatt sich seinem Schicksal zu ergeben, klammert sich Aidan an die Hoffnung, seine Geliebte zurückholen zu können. Dafür muss er sich ausgerechnet mit jenen Mächten einlassen, die für ihr Leid verantwortlich sind. Die Puzzlebox wird zum Schlüssel für einen Pakt, dessen Preis nicht in Geld oder gewöhnlichen Opfern bemessen wird, sondern in Blut, Schmerz und menschlichen Leben.
Hinzu kommt ein fanatischer Kult, dessen Anführer Marlowe davon besessen ist, selbst in den Rang eines Cenobiten aufzusteigen. Unter einem Nachtclub hat er sich ein grausames Reich geschaffen, in dem Folter und Gewalt zur makabren Inszenierung werden. Aidan gerät mitten in diesen Strudel aus Wahnsinn und Besessenheit und muss sich seinen Weg durch die Abgründe menschlicher Niedertracht bahnen.
Die Grundidee passt hervorragend zur düsteren Welt von Hellraiser. Vor allem die Aussicht, mit übernatürlichen Mächten einen Handel einzugehen, der die eigene Menschlichkeit infrage stellt, hätte reichlich Potenzial für eine packende Geschichte. Leider gelingt es dem Spiel nicht immer, dieses Potenzial auszuschöpfen. Viele Hintergrundinformationen werden in längeren Dialogen vermittelt, während die eigentlichen Ereignisse häufig weniger Raum bekommen, als ihnen guttun würde. Nebenfiguren erklären ausführlich ihre Motive und Zusammenhänge, ohne dass daraus zwangsläufig eine emotionale Bindung entsteht.
Besonders schade ist das, weil die Geschichte immer wieder zeigt, wie viel mehr in ihr steckt. Sobald Pinhead und seine Gefährten auftreten, gewinnt das Geschehen deutlich an Intensität. Die Präsenz dieser Wesen, ihre unheimliche Ruhe und ihre scheinbar übermenschliche Überlegenheit erinnern daran, warum die ursprünglichen Filme bis heute einen besonderen Stellenwert im Horror besitzen. Die menschlichen Gegenspieler bleiben daneben allerdings häufig erstaunlich blass.
Zwischen Kult-Horror und Resident Evil
Spielerisch orientiert sich Hellraiser: Revival deutlich am modernen Survival-Horror. Ihr erkundet düstere Schauplätze, durchsucht Schränke und Nebenräume nach Munition und Materialien, sammelt Heilgegenstände und arbeitet euch Schritt für Schritt durch verschlossene Bereiche. Auch das Inventar verlangt Aufmerksamkeit, denn nicht alles, was ihr findet, lässt sich jederzeit problemlos mitnehmen. Wer seine Vorräte nicht im Blick behält, kann sich schnell in einer unangenehmen Situation wiederfinden.
Die Parallelen zu Resident Evil sind dabei kaum zu übersehen. Das betrifft nicht nur die Verwaltung der Ausrüstung, sondern auch die Waffen, die Gegnerkonfrontationen und den grundsätzlichen Aufbau vieler Spielabschnitte. Pistolen, Schrotflinten und weitere Schusswaffen stehen zur Verfügung und lassen sich im Verlauf verbessern. Ergänzt wird das Arsenal durch Nahkampfwaffen, die allerdings nicht unbegrenzt belastbar sind. Da Munition zumindest in bestimmten Abschnitten knapp ausfällt, ist es ratsam, nicht jede Begegnung mit maximaler Feuerkraft lösen zu wollen.
Gerade hier offenbart sich jedoch eine der größten Schwächen des Spiels. Die Schusswechsel fühlen sich nicht immer so wuchtig an, wie es die drastische Präsentation erwarten lässt. Gegner stecken teilweise erstaunlich viele Treffer ein, während Rückmeldungen über die Wirkung einzelner Schüsse zu wenig ausgeprägt sind. Dadurch entsteht gelegentlich der Eindruck, als würde man auf widerstandsfähige Zielscheiben feuern, statt tatsächlich gegen gefährliche Kreaturen zu kämpfen.
Zwar sorgen die unterschiedlichen Waffen für etwas Abwechslung, doch die Gefechte entwickeln nur selten einen wirklich eigenen Rhythmus. Statt den Kampf konsequent um die Hilflosigkeit und Improvisationsfähigkeit der Spielfigur herum aufzubauen, verlässt sich Hellraiser: Revival häufig auf vertraute Genrebausteine. Das funktioniert grundsätzlich, lässt aber jene besondere Identität vermissen, die man sich von einem Spiel in dieser außergewöhnlichen Horrorwelt wünschen würde.
Auch die Steuerung ist nicht frei von Schwächen. Die Zielhilfe kann in hektischen Situationen störend eingreifen und die falschen Ziele priorisieren. Hinzu kommt, dass Aidan bei der Fortbewegung weniger flexibel ist, als man es von einem modernen Actionspiel erwarten könnte. Selbst Hindernisse, die optisch problemlos überwindbar erscheinen, können den Weg versperren. Statt einfach durch eine niedrige Öffnung zu klettern, muss mitunter ein Umweg über eine verschlossene Tür gefunden werden. Solche Momente reißen unnötig aus der ansonsten bedrückenden Atmosphäre heraus.
Wenn Gewalt zur Waffe wird
Glücklicherweise beschränkt sich Hellraiser: Revival nicht ausschließlich auf Schusswaffen und klassische Nahkampfangriffe. Im Verlauf des Abenteuers gewinnt Aidan Zugriff auf übernatürliche Fähigkeiten, die eng mit der Macht der Puzzlebox verbunden sind. Diese Kräfte verleihen dem Kampf eine deutlich interessantere Richtung und sorgen dafür, dass sich das Spiel zunehmend von seinen offensichtlichen Vorbildern lösen kann.
Mit telekinetischen Fähigkeiten lassen sich beispielsweise Gegenstände aus der Umgebung erfassen und mit großer Wucht auf Gegner schleudern. Herumliegende Nägel, scharfkantige Metallteile und andere gefährliche Objekte werden so zu improvisierten Geschossen. Später kommen weitere Möglichkeiten hinzu, mit denen sich auch Feuer und andere zerstörerische Kräfte für den Kampf nutzen lassen. Wer seine Umgebung aufmerksam beobachtet, kann dadurch ganze Gegnergruppen in Bedrängnis bringen.
Allerdings sind diese Fähigkeiten nicht unbegrenzt verfügbar. Ihre Nutzung hängt von einer speziellen Ressource ab, die durch aggressive Aktionen und besonders brutale Finisher wieder aufgefüllt werden kann. Damit entsteht ein interessanter Kreislauf: Wer sich auf die Gegner einlässt und sie konsequent unter Druck setzt, erhält zusätzliche Möglichkeiten, die Oberhand zu gewinnen. Die übernatürlichen Kräfte wirken dadurch mächtig, ohne sämtliche Herausforderungen sofort bedeutungslos werden zu lassen.
Gerade diese Mechanik passt thematisch gut zur Vorlage. Aidan wird nicht einfach zu einem gewöhnlichen Actionhelden mit immer größeren Waffen, sondern nutzt Kräfte, deren Ursprung in einer Welt jenseits menschlicher Maßstäbe liegt. Die brutalen Hinrichtungen unterstreichen diesen Ansatz auf drastische Weise. Sie sind nichts für schwache Nerven, erfüllen aber zugleich eine spielmechanische Funktion.
Leider dauert es eine ganze Weile, bis das Fähigkeitensystem seine interessanteren Möglichkeiten entfaltet. In den frühen Abschnitten dominieren noch die vergleichsweise gewöhnlichen Schusswechsel, die sich schnell wiederholen. Erst nach und nach entsteht jener Mix aus improvisierter Gewalt, übernatürlichen Kräften und taktischen Entscheidungen, der dem Spiel deutlich besser steht.
Schleichen, suchen und überleben
Nicht jede Begegnung muss zwangsläufig in einem offenen Gefecht enden. Hellraiser: Revival bietet auch Möglichkeiten, Gegner abzulenken und sich unbemerkt an ihnen vorbeizubewegen. Dafür lassen sich Gegenstände werfen, um Geräusche zu erzeugen und Feinde von ihrer Position wegzulocken. Wer sich geschickt anstellt, kann einzelne Gegner außerdem aus dem Hinterhalt ausschalten.
Die Idee ist sinnvoll, doch die Umsetzung schwankt. Die Wahrnehmung der Gegner wirkt gelegentlich unberechenbar, sodass man trotz vorsichtiger Bewegung entdeckt wird. Besonders in Abschnitten, in denen eine Entdeckung unmittelbar zum Scheitern führt, kann das frustrieren. Anstatt Spannung durch eine nachvollziehbare Gegner-KI zu erzeugen, entsteht dann eher das Gefühl, gegen die Regeln des Spiels selbst anzukämpfen.
Auch die Erkundung folgt überwiegend bekannten Mustern. Häufig müssen Schlüssel, Werkzeuge oder Hinweise gefunden werden, um versperrte Wege zu öffnen. Dokumente liefern Informationen zu Zahlenschlössern, während bestimmte Gegenstände den Zugang zu zuvor unerreichbaren Bereichen ermöglichen. Anspruchsvolle Denksportaufgaben sollte man dabei nicht erwarten.
Immerhin gelingt es dem Spiel gelegentlich, seine bizarre Welt auch in die Rätsel einzubeziehen. In einem zwielichtigen Club gilt es beispielsweise, bestimmte Gegenstände aufzuspüren, während andere Aufgaben mit ungewöhnlichen Konstellationen und makabren Motiven spielen. Diese Einfälle sorgen für Wiedererkennungswert und zeigen, dass Hellraiser: Revival durchaus verstanden hat, wie sich die Eigenheiten seiner Vorlage in spielerische Situationen übersetzen lassen.
Im Großen und Ganzen bleiben die Rätsel aber eher Mittel zum Zweck. Sie unterbrechen den Spielfluss selten mit wirklich kniffligen Herausforderungen und dienen hauptsächlich dazu, den nächsten Abschnitt freizuschalten. Wer vor allem wegen anspruchsvoller Rätselmechaniken zum Spiel greift, dürfte daher kaum auf seine Kosten kommen.
Die Cenobiten und das Labyrinth
Seine stärksten Momente erlebt Hellraiser: Revival, wenn es sich von den gewöhnlichen Schauplätzen der Menschen entfernt und in die Dimension der Cenobiten entführt. Das Labyrinth ist das Herzstück dieser Reise und zugleich einer der eindrucksvollsten Orte des gesamten Spiels. Hier scheint die Architektur eigenen Gesetzen zu folgen. Massive Betonwände, bizarre Konstruktionen und messerscharfe Strukturen formen eine Umgebung, die gleichermaßen monumental wie bedrohlich wirkt.
Die räumliche Gestaltung vermittelt das Gefühl, in einer Welt gefangen zu sein, die nicht für Menschen geschaffen wurde. Korridore verändern ihre Anordnung, Wege führen in scheinbar unmögliche Richtungen und die Umgebung erzeugt immer wieder den Eindruck, dass man sich in einem gigantischen, lebendigen Gefängnis bewegt. Am Horizont erhebt sich eine düstere Präsenz, während groteske Kreaturen über Wände und Decken huschen.
Hier zeigt sich, wie viel Liebe zum Detail in die Umsetzung der Hellraiser-Mythologie geflossen ist. Die visuelle Gestaltung ist nicht einfach nur blutig oder schockierend, sondern entwickelt eine ganz eigene Ästhetik. Mechanische Elemente, organische Formen und eine bedrückende Architektur verschmelzen zu einer Höllenlandschaft, die sich deutlich von den vergleichsweise konventionellen Schauplätzen der Menschen abhebt.
Auch die Begegnungen mit den Cenobiten gehören zu den Höhepunkten. Pinhead wirkt mit seinem markanten Erscheinungsbild und seiner unheimlichen Ruhe ausgesprochen überzeugend. Dass Doug Bradley der Figur erneut seine Stimme leiht, ist dabei ein großer Gewinn. Seine bedächtige, präzise Sprechweise verleiht den Auftritten eine besondere Autorität. Die Cenobiten wirken nicht wie gewöhnliche Monster, die lediglich darauf warten, den nächsten Gegner auseinanderzunehmen. Vielmehr vermitteln sie das Gefühl, über den Ereignissen zu stehen und menschliches Leid aus einer völlig anderen Perspektive zu betrachten.
Ebenso eindrucksvoll ist Chatterer, dessen charakteristisches Kieferklappern allein schon für eine unangenehme akustische Präsenz sorgt. Die Gestaltung dieser Wesen zeigt, dass die Entwickler die filmischen Vorlagen nicht einfach kopieren, sondern deren visuelle Sprache zumindest in Teilen verstanden haben.
Allerdings wird auch das Labyrinth nicht vollständig von spielerischen Schwächen verschont. Immer wieder muss Aidan vor besonders gefährlichen Kreaturen fliehen. Diese Verfolgungssequenzen können anfangs für Nervenkitzel sorgen, verlieren durch ihre Wiederholung aber zunehmend an Wirkung. Wenn man zum wiederholten Mal unter Hindernissen hindurchrutscht und denselben Gefahren ausweicht, wird aus dem anfänglichen Schrecken schnell Routine.
Atmosphäre, Grafik und Sound
Technisch und künstlerisch hinterlässt Hellraiser: Revival einen wechselhaften, insgesamt aber durchaus überzeugenden Eindruck. Vor allem das Labyrinth und die Auftritte der Cenobiten zeigen, dass das Spiel seine Stärken in der visuellen Inszenierung besitzt. Die detaillierten Umgebungen, die grotesken Kreaturendesigns und die drastischen Animationen sorgen für Bilder, die sich ins Gedächtnis einprägen können.
Dabei ist die Präsentation nicht ausschließlich auf möglichst viel Blut ausgelegt. Gerade die übernatürlichen Schauplätze profitieren von einer eigenwilligen Architektur und einer sorgfältigen Lichtgestaltung. Dunkle Gänge, kalte Oberflächen und ungewöhnliche Formen erzeugen eine Atmosphäre, die sich angenehm von den eher funktionalen Innenräumen vieler anderer Survival-Horror-Spiele unterscheidet. Das Ergebnis ist bisweilen verstörend, häufig faszinierend und in den besten Momenten tatsächlich beeindruckend.
Auch akustisch macht das Spiel vieles richtig. Knarrende Konstruktionen, schabende Geräusche, entferntes Stöhnen und das charakteristische Klappern der Cenobiten tragen erheblich zur Spannung bei. Die Klangkulisse setzt weniger auf eine durchgehend dominante musikalische Begleitung als vielmehr auf Geräusche, die das Gefühl vermitteln, dass hinter jeder Wand etwas Unangenehmes lauern könnte. Das passt hervorragend zur Vorlage und sorgt gerade bei der Erkundung des Labyrinths für eine dichte Atmosphäre.
Die deutsche Spielversion profitiert zudem von der markanten englischen Originalstimme Pinheads, sofern ihr euch für die entsprechende Sprachausgabe entscheidet. Bradley verleiht der Figur jene Mischung aus Ruhe, Überheblichkeit und übernatürlicher Bedrohlichkeit, die kaum ein anderer Sprecher in gleicher Weise transportieren könnte.
Ganz ohne technische Probleme bleibt das Erlebnis allerdings nicht. Gelegentlich können Gegner unnatürlich mit der Umgebung interagieren, während in einzelnen Kampfsituationen Tonprobleme auftreten. Solche Unregelmäßigkeiten zerstören die Erfahrung zwar nicht grundsätzlich, sind bei einem Spiel, das so stark auf seine Inszenierung setzt, aber besonders ärgerlich. Gerade dann, wenn ein aufwendig inszenierter Kampf plötzlich an akustischer Wirkung verliert, leidet die Immersion.
Bosskämpfe ohne echten Biss
Ein weiteres Problem sind die Bosskämpfe. Angesichts der grotesken Kreaturen, die Hellraiser: Revival aufbietet, könnte man erwarten, dass die großen Konfrontationen zu den intensivsten Momenten des Spiels gehören. Leider bleibt die spielerische Qualität hier häufig hinter der optischen Inszenierung zurück.
Zwar gibt es einzelne Begegnungen, die durch besondere Fähigkeiten oder ungewöhnliche Arenen für Abwechslung sorgen. Wenn ein Gegner beispielsweise den Kampfbereich verändert oder euch in eine Situation zwingt, in der ihr euch gegen heranstürmende Kreaturen behaupten müsst, entsteht zumindest zeitweise ein interessanter Druck. Doch solche gelungenen Ansätze bleiben eher die Ausnahme.
Viele andere Kämpfe laufen nach einem ähnlichen Schema ab: Abstand halten, Angriffen ausweichen und so lange auf den Gegner feuern, bis dessen Lebensenergie aufgebraucht ist. Besondere taktische Überlegungen sind häufig nicht erforderlich. Das ist vor allem deshalb enttäuschend, weil die Gegnerdesigns durchaus mehr hergeben würden.
Noch schwerer wiegt, dass einzelne Bossgegner mehrfach auftreten. Was beim ersten Aufeinandertreffen vielleicht noch für Unbehagen sorgt, verliert bei späteren Wiederholungen an Bedeutung. Statt neue Angriffsmuster oder überraschende Wendungen einzuführen, setzt das Spiel zu oft auf bereits bekannte Abläufe. So werden Begegnungen, die eigentlich Höhepunkte sein sollten, zu vorhersehbaren Pflichtaufgaben.
Ein Höllentrip mit Längen
Die Kampagne führt euch durch zahlreiche düstere Schauplätze und verbindet Erkundung, Rätsel, Schleichpassagen und Gefechte zu einem klassischen Survival-Horror-Ablauf. Dabei gibt es immer wieder Abschnitte, die für Abwechslung sorgen und das Tempo kurzzeitig anziehen. Besonders dann, wenn das Spiel seine übernatürlichen Elemente stärker in den Mittelpunkt rückt, entwickelt es eine eigene Dynamik.
Doch nicht alle Ideen funktionieren gleichermaßen gut. Einige Situationen erinnern sehr deutlich an bekannte Szenen aus anderen Horrorproduktionen. Dazu gehören etwa die Verteidigung eines begrenzten Bereichs gegen mehrere Gegner oder Passagen, in denen ein scheinbar vertrauter Ort durch räumliche Veränderungen zunehmend bedrohlich wird. Solche Momente können durchaus funktionieren, wirken hier aber häufig wie Versatzstücke aus einem bekannten Genrebaukasten.
Hinzu kommen wiederkehrende Verfolgungssequenzen und Kämpfe, die sich in ihrer Struktur kaum voneinander unterscheiden. Dadurch verliert die Kampagne stellenweise an Schwung. Das Spiel hat zwar genügend Ideen, um über weite Strecken zu unterhalten, schafft es aber nicht immer, diese sinnvoll weiterzuentwickeln.
Wer die Geschichte einmal abgeschlossen hat, erhält zudem nur begrenzte Anreize für einen erneuten Durchlauf. Zwar gibt es unterschiedliche Enden, doch die Entscheidung darüber fällt erst gegen Ende der Handlung. Dadurch lässt sich die alternative Variante vergleichsweise unkompliziert erleben, ohne die komplette Kampagne erneut absolvieren zu müssen. Zusätzliche Freischaltungen oder ein umfangreicher New-Game-Plus-Modus fehlen als langfristige Motivation.
Für ein Spiel, das seine Stärken vor allem aus Atmosphäre und Inszenierung bezieht, ist das kein zwingender Makel. Dennoch hätte etwas mehr spielerischer Mehrwert nach dem Abspann die Langzeitmotivation erhöhen können.
Fazit: Zwischen faszinierendem Horror und vertrauter Routine
Hellraiser: Revival ist ein Spiel, das seine Herkunft weder versteckt noch verleugnet. Die Welt von Clive Barker wird mit viel Gespür für ihre groteske Bildsprache umgesetzt, die Cenobiten gehören zu den überzeugendsten Elementen und das Labyrinth entwickelt eine Atmosphäre, die Fans der Reihe begeistern dürfte. Gerade die Verbindung aus bizarrer Architektur, verstörenden Kreaturen und der unheimlichen Präsenz von Pinhead zeigt, dass die Vorlage noch immer genügend Stoff für außergewöhnliche Horrorerlebnisse bietet.
Auch spielerisch besitzt das Abenteuer seine Momente. Die Mischung aus Schusswaffen, Nahkampf und übernatürlichen Fähigkeiten funktioniert grundsätzlich, während einige der ungewöhnlicheren Rätsel für willkommene Abwechslung sorgen. Besonders die Kräfte der Puzzlebox bringen im späteren Spielverlauf eine zusätzliche taktische Komponente ins Geschehen und lassen erahnen, wie eigenständig Hellraiser: Revival hätte werden können.
Dem stehen allerdings deutliche Schwächen gegenüber. Die Schusswechsel wirken nicht immer befriedigend, die Schleichpassagen sind teilweise unzuverlässig und viele Bosskämpfe bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Geschichte verliert sich zu häufig in erklärenden Dialogen, während wiederkehrende Verfolgungssequenzen und bekannte Genremechaniken den Spielfluss ausbremsen. Auch technische Unregelmäßigkeiten und die geringe Motivation für einen zweiten Durchlauf trüben den Gesamteindruck.
Unterm Strich ist Hellraiser: Revival deshalb kein neuer Maßstab für das Survival-Horror-Genre, aber ein durchaus sehenswerter Ausflug in eine der eigenwilligsten Welten des Horrors. Wer mit der Filmreihe vertraut ist und sich auf explizite Darstellungen von Gewalt und sexuellen Grenzüberschreitungen einlassen kann, findet hier ein atmosphärisch starkes Abenteuer mit einigen bemerkenswerten Höhepunkten. Wer dagegen ein rundum ausgefeiltes Horrorspiel mit innovativen Mechaniken, abwechslungsreichen Bosskämpfen und einer durchgehend packenden Geschichte erwartet, sollte seine Erwartungen etwas zurückschrauben.
Die Hölle hat zweifellos einiges zu bieten. Nur hätte Hellraiser: Revival seine spielerischen Ketten gelegentlich sprengen müssen, um wirklich in Erinnerung zu bleiben.
Bewertung: 7 von 10 Punkten
