MOUSE: P.I. for Hire | Review (PS5)
MOUSE: P.I. for Hire wirkt auf den ersten Blick wie eine absurde Idee: Ein Spiel, das die kompromisslose Action klassischer Shooter mit der Ästhetik früher Zeichentrickfilme verbindet. Doch genau dieses ungewöhnliche Konzept geht erstaunlich gut auf. Der Titel schafft es, zwei scheinbar gegensätzliche Welten miteinander zu vereinen und daraus ein eigenständiges Spielerlebnis zu formen, das sowohl stilistisch als auch spielerisch überzeugt.
Schon die Präsentation sorgt für Aufmerksamkeit. Die gesamte Spielwelt ist im Stil alter Animationsfilme gehalten, wie man sie aus den 1920er- und 30er-Jahren kennt. Figuren, Umgebungen und sogar das Interface wirken, als wären sie von Hand gezeichnet und direkt aus einer längst vergangenen Ära entsprungen. Doch dieser nostalgische Look wird bewusst gebrochen: Statt harmloser Unterhaltung erwartet die Spieler eine deutlich düsterere, erwachsene Interpretation. Die Charaktere bewegen sich in einer Welt voller Gewalt, Zynismus und moralischer Abgründe. Genau dieser Kontrast zwischen unschuldig wirkender Optik und rauem Inhalt verleiht dem Spiel seinen besonderen Reiz.
Die Liebe zum Detail zeigt sich in vielen kleinen Elementen. Waffen scheinen beinahe ein Eigenleben zu führen, die Benutzeroberfläche reagiert visuell auf das Spielgeschehen, und selbst das Pausenmenü ist kreativ in die Welt integriert. Optional lassen sich zudem visuelle Filter aktivieren, die das Bild wie einen alten Filmstreifen wirken lassen. Dadurch wird die Illusion perfektioniert, tatsächlich in einem interaktiven Cartoon gefangen zu sein.
Auch akustisch bleibt das Spiel konsequent. Der Soundtrack setzt auf klassischen Big-Band-Jazz, der hervorragend zur Noir-Atmosphäre passt. Besonders gelungen ist dabei die dynamische Anpassung der Musik an das Geschehen: In ruhigen Momenten bleibt sie dezent im Hintergrund, während sie in intensiven Gefechten spürbar an Energie gewinnt. Insgesamt trägt der Sound entscheidend dazu bei, die dichte Stimmung der Spielwelt zu transportieren.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Privatdetektiv Jack Pepper, der in der fiktiven Stadt Mouseburg ermittelt. Diese ist geprägt von den Krisen ihrer Zeit und wirkt entsprechend heruntergekommen und von sozialen Spannungen durchzogen. Ein Vermisstenfall bildet den Ausgangspunkt der Geschichte, die sich schnell zu einem komplexeren Geflecht aus Intrigen, Machtspielen und persönlichen Schicksalen entwickelt. Die Inszenierung orientiert sich stark an klassischen Noir-Erzählungen: zwielichtige Figuren, düstere Dialoge und eine geheimnisvolle Femme fatale gehören selbstverständlich dazu. Auch gesellschaftlich relevante Themen wie Korruption oder Ungleichheit werden angeschnitten, allerdings stets mit einem leicht satirischen Unterton.
Trotz dieser erzählerischen Stärken bleibt das eigentliche Detektiv-Gameplay eher oberflächlich. Zwar sammelt man Hinweise und verknüpft diese miteinander, doch die Mechaniken greifen nur begrenzt in die Tiefe. Viele Schlussfolgerungen erfolgen automatisiert, und echte Entscheidungsfreiheit ist kaum vorhanden. Wer komplexe Ermittlungsarbeit erwartet, könnte hier enttäuscht werden, denn das Spiel setzt klar andere Prioritäten.
Diese liegen eindeutig im Gameplay, das sich stark an klassischen „Boomer Shootern“ orientiert. Schnelle Bewegungen, permanentes Ausweichen und aggressives Vorgehen stehen im Mittelpunkt. Das Spielgefühl ist dynamisch und direkt, die Steuerung präzise. Spieler bewegen sich mit hoher Geschwindigkeit durch die Levels, nutzen Sprünge, Dashes und taktisches Positionieren, um Gegnern auszuweichen und selbst Druck aufzubauen. Ein zusätzlicher Nahkampfangriff sorgt für weitere taktische Möglichkeiten in brenzligen Situationen.
Das Waffenarsenal ist vielseitig gestaltet. Neben klassischen Waffen wie Pistole oder Schrotflinte gibt es auch kreative Varianten mit eigenwilligen Effekten. Diese lassen sich durch Upgrades weiter verbessern, was zusätzliche Motivation schafft, die Spielwelt gründlich zu erkunden. Die Kämpfe selbst sind intensiv und überraschend brutal. Gegner werden mit deutlicher Härte besiegt, wobei das Spiel gleichzeitig seinen cartoonhaften Humor beibehält. Diese Mischung aus überzeichneter Gewalt und verspielter Inszenierung sorgt für eine ganz eigene Dynamik, die man so selten sieht.
Auch das Leveldesign trägt zur Qualität des Spiels bei. Die Schauplätze sind abwechslungsreich und reichen von kulturellen Einrichtungen bis hin zu geheimen Anlagen. Erkundung wird belohnt, da sich überall Ressourcen, Upgrades oder versteckte Inhalte finden lassen. Die Gegner bieten ebenfalls genügend Vielfalt, um die Gefechte interessant zu halten. Unterschiedliche Typen mit eigenen Angriffsmustern fordern den Spieler immer wieder heraus, ohne dabei übermäßig zu frustrieren. Der Schwierigkeitsgrad bleibt insgesamt moderat, was auch an großzügig gesetzten Checkpoints und ausreichend verfügbaren Heilmitteln liegt.
Neben der Hauptgeschichte gibt es kleinere Nebenaufgaben, die allerdings meist eher simpel gehalten sind und selten wirklich relevante Belohnungen bieten. Interessanter fällt ein integriertes Minispiel aus, das überraschend motivierend gestaltet ist. Zusätzlich schaltet man im Spielverlauf neue Fähigkeiten frei, die das Bewegungsspektrum erweitern. Dennoch bleibt das Spiel insgesamt linear aufgebaut, da abgeschlossene Bereiche später nicht erneut betreten werden können.
Natürlich ist nicht alles perfekt. Die Kombination aus zweidimensionalen Figuren und dreidimensionalen Umgebungen wirkt nicht immer ganz
stimmig. Auch das Detektivsystem hätte deutlich mehr Tiefe vertragen können, und die Nebenmissionen bleiben hinter ihrem Potenzial zurück. Dennoch fallen diese Schwächen im Gesamtbild kaum ins Gewicht.
Am Ende überzeugt MOUSE: P.I. for Hire vor allem durch seine klare Vision und deren konsequente Umsetzung. Es ist ein Spiel, das sich traut, etwas Eigenständiges zu sein, und dabei sowohl stilistisch als auch spielerisch überzeugt. Hinter der auffälligen Präsentation verbirgt sich ein solider, temporeicher Shooter, der mit Atmosphäre, Kreativität und einer guten Portion Humor punktet. Für Fans schneller Action und ungewöhnlicher Konzepte ist dieser Titel daher eine klare Empfehlung.
