Zum Hauptinhalt springen
| Marc Heiland | Konsolen

SarosBild1Mit Saros liefert das finnische Studio Housemarque einen geistigen Nachfolger zu Returnal, der auf den ersten Blick vertraut wirkt, sich bei genauerem Hinsehen jedoch als eigenständige und in vielen Bereichen weiterentwickelte Erfahrung entpuppt. Statt lediglich das bewährte Konzept zu wiederholen, geht Saros einen Schritt weiter und kombiniert die kompromisslose Roguelike-Struktur seines Vorgängers mit einem deutlich zugänglicheren Ansatz, ohne dabei den spielerischen Anspruch vollständig aufzugeben.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Arjun Devraj, ein Vollstrecker im Dienst eines mächtigen Konzerns, der den fremdartigen Planeten Carcosa erkundet. Seine Mission besteht darin, verschwundene Kolonisten aufzuspüren und eine wertvolle Ressource namens Lucenit zu sichern. Was zunächst nach klassischer Science-Fiction klingt, entwickelt schnell eine deutlich düsterere und geheimnisvollere Note. Die Welt von Carcosa ist stark von kosmischem Horror geprägt, mit klaren Einflüssen von H. P. Lovecraft und Robert W. Chambers, was sich sowohl im Design der Kreaturen als auch in der Atmosphäre widerspiegelt. Anders als in Returnal steht diesmal jedoch nicht nur ein isoliertes Einzelschicksal im Fokus, sondern ein größeres Ensemble. Die Geschichte entfaltet sich über Logs, Gespräche und Zwischensequenzen, wobei vor allem das Schicksal der Kolonisten und die Geheimnisse des Planeten fesseln. Arjun selbst bleibt dabei vergleichsweise blass, und auch die Inszenierung der Dialoge fällt durch steife Animationen und wenig überzeugende Mimik negativ auf, was einen spürbaren Kontrast zur ansonsten hochwertigen Präsentation darstellt.

Spielerisch entfaltet Saros hingegen seine volle Stärke. Aus der Third-Person-Perspektive bewegt man sich durch prozedural generierte Areale und liefert sich hochdynamische Gefechte mit einer Vielzahl an Gegnern. Das Grundprinzip bleibt vertraut: schießen, ausweichen und überleben. Doch die Umsetzung hebt sich durch zahlreiche Feinjustierungen und neue Mechaniken deutlich ab. Besonders hervorzuheben ist der Flow der Kämpfe, der sich durch das gesamte Spiel zieht. Bewegungsoptionen wie Dashs, Greifhaken und alternative Traversal-Elemente sorgen für enorme Dynamik, während präzises Timing beim Nachladen und beim Einsatz von Spezialfähigkeiten zusätzliche Tiefe schafft. Das zentrale Element bildet dabei das sogenannte Kugelballett, bei dem Gegner den Bildschirm mit Projektilen füllen. Anders als in vielen Genrevertretern dienen diese jedoch nicht nur als Bedrohung, sondern können aktiv genutzt werden. Mithilfe eines Schilds lassen sich bestimmte Geschosse absorbieren und in Energie umwandeln, die wiederum mächtige Spezialangriffe ermöglicht. Später können sogar bestimmte Projektile reflektiert werden, wodurch sich ein komplexes Wechselspiel aus Offensive und Defensive ergibt. Wer aggressiv spielt und Risiken eingeht, wird mit höherem Schadensoutput und mehr Ressourcen belohnt, während vorsichtiges Verhalten das Potenzial des Systems nur teilweise ausschöpft. Genau dieses Spannungsfeld sorgt für den intensiven Flow, der Saros zu einem der spielerisch stärksten Vertreter seines Genres macht.

SarosBild2Eine der größten Veränderungen gegenüber Returnal zeigt sich in der Progression. Während der Vorgänger stark auf vollständige Resets setzte, verfolgt Saros einen nachhaltigeren Ansatz. Gesammelte Ressourcen wie Lucenit und Halcyon können in permanente Upgrades investiert werden, die Arjun dauerhaft stärken. Dadurch fühlt sich jeder Durchlauf sinnvoll an, da Fortschritt nicht verloren geht. Zusätzlich startet man nach einem Tod nicht mehr bei null, sondern behält die zuletzt verwendete Waffe in abgeschwächter Form, was das Spieltempo konstant hoch hält und Frust reduziert. Diese Designentscheidung macht das Spiel deutlich zugänglicher und sorgt dafür, dass sich Spieler schneller wieder in die actionreichen Gefechte stürzen können. Gleichzeitig verliert das Spiel dadurch jedoch einen Teil der kompromisslosen Härte, die Returnal ausgezeichnet hat.

Auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich in Saros flexibel anpassen. Über Modifikatoren kann das Spiel sowohl erleichtert als auch erschwert werden, wobei stets ein gewisses Gleichgewicht gewahrt bleiben muss. Dieses System bietet zwar viele Möglichkeiten zur Individualisierung, offenbart aber auch Schwächen. Es fehlen klare Anreize, das Spiel auf einem höheren Schwierigkeitsgrad zu erleben, während es gleichzeitig möglich ist, das Erlebnis so stark zu vereinfachen, dass ein Teil der spielerischen Identität verloren geht. Hier zeigt sich, dass Saros versucht, sowohl Einsteiger als auch erfahrene Spieler anzusprechen, ohne dabei immer die perfekte Balance zu finden.

Audiovisuell gehört das Spiel hingegen zur Spitzenklasse. Die Welt von Carcosa beeindruckt mit monumentaler Architektur, fremdartigen Landschaften und einem Stil, der unter anderem an die Werke von H. R. Giger erinnert. Das Sounddesign trägt maßgeblich zur dichten Atmosphäre bei und erzeugt mit seinen wuchtigen Bässen und fremdartigen Klängen ein intensives Erlebnis, das besonders mit Kopfhörern zur Geltung kommt. Auch spielerisch wird die Welt sinnvoll eingebunden, etwa durch die Mechanik der Sonnenfinsternis, die nicht nur die Optik verändert, sondern auch Gegnerverhalten und Belohnungsstruktur beeinflusst und damit eine zusätzliche strategische Ebene schafft.

Trotz der vielen Stärken bleibt Saros nicht frei von Schwächen. Besonders die Bosskämpfe fallen im Vergleich zum restlichen Spiel ab, da sie zwar visuell beeindruckend inszeniert sind, spielerisch jedoch oft zu simpel und wenig abwechslungsreich wirken. Die bereits erwähnten Probleme bei der Dialoginszenierung stören ebenfalls den Gesamteindruck, ebenso wie kleinere Balancing-Probleme bei den Ressourcen, die im späteren Spielverlauf teilweise an Bedeutung verlieren. Auch das flexible Schwierigkeits-System wirkt nicht immer konsequent durchdacht.

8Fazit: Unterm Strich ist Saros dennoch ein außergewöhnlich gelungenes Actionspiel. Es nimmt die Stärken von Returnal, verfeinert sie und richtet den Fokus stärker auf ein zugängliches, motivierendes Spielerlebnis. Vor allem die dynamischen Kämpfe und der nahezu perfekte Flow machen das Spiel zu einem echten Highlight auf der PlayStation 5. Wer die gnadenlose Herausforderung des Vorgängers sucht, könnte sich hier stellenweise etwas unterfordert fühlen. Wer jedoch ein intensives, stilistisch beeindruckendes und spielerisch herausragendes Action-Erlebnis erleben möchte, findet in Saros einen der stärksten Genrevertreter der aktuellen Konsolengeneration.

Impressum - Datenschutz

Copyright 2016 © Inn-Joy.de All Rights Reserved. 

Joomla! © name is used under a limited license from Open Source Matters in the United States and other countries.