Ebola Village – Wenn Survival Horror zur unfreiwilligen Trash-Komödie wird (Xbox Series X)
Es gibt Spiele, die sich bewusst vor ihren großen Vorbildern verbeugen. Und es gibt Spiele, bei denen man sich irgendwann fragt, ob die Entwickler überhaupt bemerkt haben, dass eine Hommage etwas anderes ist als das möglichst unveränderte Nachbauen bekannter Elemente. Ebola Village gehört leider zur zweiten Kategorie.
Schon nach wenigen Minuten wird klar, wohin die Reise gehen soll: düstere Korridore, Zombies, knappe Ressourcen, Schlüssel und Türen, Heilkräuter, rätselhafte Gegenstände und eine Geschichte rund um einen tödlichen Virus. Wer Resident Evil kennt, wird sich hier permanent an Capcoms Survival-Horror-Reihe erinnert fühlen. Das wäre grundsätzlich kein Problem. Schließlich lebt das Genre von bestimmten Konventionen.
Das Problem ist vielmehr, dass Ebola Village diese Vorbilder nicht interpretiert, sondern sie mit bemerkenswerter Konsequenz imitiert – und dabei häufig genau das verliert, was die Vorlage so gut macht.
Ein Virus, eine Protagonistin und jede Menge Zombies
Im Mittelpunkt steht Maria, die inmitten eines Ebola-Ausbruchs versucht, sich in einer zunehmend chaotischen Umgebung zurechtzufinden. Vermisste Personen, rätselhafte Orte, Funksprüche und natürlich eine wachsende Zahl untoter Gegner bilden den erzählerischen Rahmen.
Die Ausgangslage könnte durchaus als Grundlage für einen klassischen B-Movie funktionieren. Ebola Village nimmt sich allerdings erstaunlich ernst. Was eigentlich campiger Horror sein könnte, wirkt dadurch häufig unfreiwillig komisch.
Die Inszenierung möchte dramatisch sein, erreicht aber immer wieder das Gegenteil. Dialoge, Animationen und Zwischensequenzen erzeugen nicht die gewünschte Spannung, sondern sorgen für Momente, in denen man unwillkürlich innehält und sich fragt, ob das gerade tatsächlich so gemeint war.
Gerade dadurch entsteht eine merkwürdige Form von Fremdscham. Das Spiel ist nicht wirklich witzig – aber es produziert immer wieder Situationen, über die man trotzdem lachen muss.
Resident Evil steht hier praktisch vor der Tür
Die Ähnlichkeiten zu Resident Evil beschränken sich keineswegs auf das grundlegende Spielprinzip. Ebola Village bedient sich an zahlreichen ikonischen Bestandteilen des Genres: bestimmte Waffen, Schlüsselmechaniken, Schriftarten, Gegenstände und sogar die generelle Gestaltung einzelner Situationen erinnern sehr deutlich an Capcoms Klassiker.
Eine Hommage kann daraus durchaus entstehen. Dafür müsste das Spiel allerdings verstehen, warum diese Elemente funktionieren. Resident Evil lebt nicht einfach davon, dass irgendwo eine verschlossene Tür und daneben ein Schlüssel liegen. Entscheidend sind Rhythmus, Leveldesign, Ressourcenmanagement, räumliche Orientierung und die gezielte Dosierung von Gefahr. Erkundung, Rätsel, Kämpfe und Verschnaufpausen greifen ineinander. Bei Ebola Village stehen die einzelnen Zutaten dagegen häufig nebeneinander. Das Ergebnis erinnert weniger an eine liebevolle Verbeugung als an ein Cover, bei dem jemand zwar die Melodie kennt, aber nicht verstanden hat, warum das Original funktioniert.
Die Spielwelt macht es dem Spieler nicht leicht
Besonders problematisch wird das bei der Logik der Spielwelt. Horrorspiele dürfen selbstverständlich absurd sein. Sie dürfen sogar vollkommen surreal werden. Der Spieler muss aber zumindest verstehen können, nach welchen Regeln diese Welt funktioniert. Genau diese innere Konsistenz fehlt Ebola Village an vielen Stellen. Bereits früh wird beispielsweise eine dunkle Umgebung zum Hindernis, obwohl Maria eine Taschenlampe besitzt. An anderer Stelle bleiben Türen verschlossen, obwohl scheinbar nichts dagegen spricht, sie zu öffnen. Stattdessen muss zunächst eine bestimmte Aktion an einem anderen Ort ausgelöst werden.
Das wäre als klassisches Adventure-Rätsel durchaus legitim. Ebola Village vermittelt allerdings nur selten den Eindruck, dass hier bewusst ein Rätsel konstruiert wurde. Vielmehr fühlt es sich an, als würde das Spiel einfach bestimmte Ereignisse in einer vorgegebenen Reihenfolge abarbeiten wollen. Man sucht deshalb nicht nach Lösungen, sondern nach Triggern. Und das ist für ein Survival-Horror-Spiel ein entscheidender Unterschied.
Horror? Eher unfreiwillige Comedy
Auch atmosphärisch kann Ebola Village seine Ambitionen nur teilweise erfüllen. Zombies tauchen teilweise ohne vernünftigen Aufbau auf, Animationen wirken hektisch und Zwischensequenzen vermitteln nicht selten den Eindruck, als würden sie mit einer falschen Geschwindigkeit abgespielt. Dazu kommen Dialoge und Übersetzungen, die sowohl in der deutschen als auch in der englischen Version immer wieder unfertig wirken. Ob einzelne Formulierungen auf eine mangelhafte Lokalisierung oder eine automatisierte Übersetzung zurückzuführen sind, lässt sich dabei kaum beurteilen. Fest steht aber: Der sprachliche Feinschliff fehlt.
So entsteht eine eigentümliche Dynamik. Das Spiel versucht, Bedrohung aufzubauen – und zerstört sie kurz darauf durch eine merkwürdige Animation, einen unpassenden Dialog oder eine völlig absurde Situation. Man lacht. Nur leider nicht gemeinsam mit dem Spiel.
Das Inventar: Survival Horror ohne Survival
Besonders deutlich zeigt sich die mangelnde Balance beim Inventarsystem. Ein kleines Inventar gehört zu den klassischen Stilmitteln des Survival Horror. Es zwingt Spieler dazu, Entscheidungen zu treffen: Was nehme ich mit? Was kann ich zurücklassen? Welche Ressource könnte später wichtiger sein? Bei Ebola Village wird daraus allerdings häufig schlichtes Mikromanagement.
Der Platz ist knapp, bestimmte Gegenstände lassen sich nicht sinnvoll ablegen und selbst Heilgegenstände können unnötige Umwege verursachen. Das Kombinieren von Items fühlt sich teilweise wie eine kleine Logistikaufgabe an: Gegenstand ablegen, Position verändern, anderen Gegenstand aufnehmen, wieder zurück und anschließend alles erneut sortieren. Das ist nicht die angenehme Anspannung eines gut konzipierten Ressourcenmanagements.
Es ist Inventarverwaltung. Der Unterschied klingt klein, ist für das Spielerlebnis aber enorm. Ein gutes Survival-Horror-Inventar erzeugt Entscheidungen. Ein schlechtes Inventar erzeugt Frust.
Ausgerechnet der Sound macht einiges richtig
Interessanterweise besitzt Ebola Village eine Seite, die deutlich besser funktioniert: das Audiodesign. Schüsse besitzen ordentliches Gewicht, Umgebungsgeräusche können Atmosphäre erzeugen und auch ruhigere Passagen profitieren gelegentlich von einem gelungenen Einsatz von Stille. Für einige Momente entsteht tatsächlich das Gefühl, dass unter der Oberfläche ein ordentliches Horror-Spiel steckt.
Nur reicht ein brauchbarer Soundtrack beziehungsweise ein gutes Audiodesign nicht aus, um die restlichen Probleme zu kaschieren. Sound kann eine funktionierende Atmosphäre verstärken. Er kann aber kein schwaches Leveldesign reparieren und auch keine unlogische Progression erklären.
Mehr B-Movie wäre weniger problematisch gewesen
Das vielleicht größte Missverständnis von Ebola Village liegt deshalb in seiner Tonalität.
Ein bewusst billiger, überdrehter und selbstironischer Resident-Evil-Klon hätte durchaus Charme entwickeln können. Gerade Independent-Spiele können von dieser Freiheit profitieren. Man darf schlechte Dialoge, absurde Gegner und groteske Situationen schließlich auch bewusst als Stilmittel einsetzen. Dafür muss das Spiel allerdings wissen, was es tut.
Ebola Village wirkt dagegen häufig so, als wolle es gleichzeitig ernsthafter Survival Horror und trashiger B-Movie sein. Diese beiden Ansätze verbinden sich jedoch nicht zu einem eigenen Stil. Stattdessen wechseln sie sich unkontrolliert ab.
Dadurch wird aus Trash kein Kult. Es wird einfach nur Trash.
Die große Frage hinter dem Spiel
Besonders interessant ist deshalb weniger, ob Ebola Village Resident Evil ähnelt – das ist offensichtlich –, sondern warum ein solch offensichtlicher Klon überhaupt so präsentiert wird, als handele es sich um eine ernsthafte Alternative zum großen Vorbild. Gerade in digitalen Stores kann eine auffällige Präsentation schnell den Eindruck erwecken, ein Spiel sei besonders relevant oder empfehlenswert. Sichtbarkeit ist allerdings kein Qualitätssiegel.
Bei Ebola Village ist das besonders auffällig, weil die Nähe zu Resident Evil sofort Aufmerksamkeit erzeugt. Wer nach klassischem Survival Horror sucht, erkennt vertraute Bilder und Mechaniken und könnte zunächst den Eindruck gewinnen, hier eine charmante Genre-Hommage gefunden zu haben. Spätestens beim Spielen zeigt sich jedoch, dass zwischen einer Referenz und einer gelungenen Umsetzung Welten liegen können.
Fazit: Ein Resident-Evil-Klon, der unfreiwillig mehr zum Lachen als zum Fürchten bringt
Ebola Village ist kein gutes Survival-Horror-Spiel. Dafür sind die Schwächen bei Inszenierung, Leveldesign, Progression und Inventarsystem schlicht zu deutlich. Das eigentlich Bemerkenswerte ist jedoch, dass das Spiel dabei durchaus interessant bleibt. Nicht wegen seiner Horrorqualitäten, sondern als Beispiel dafür, wie schwierig es ist, die Designprinzipien eines Klassikers tatsächlich zu reproduzieren. Es genügt nicht, Kräuter, Zombies, verschlossene Türen, Schlüssel und enge Korridore
zusammenzuwerfen. Survival Horror funktioniert über Rhythmus, Atmosphäre, Ressourcenknappheit, räumliche Dramaturgie und vor allem über die Regeln, die eine Spielwelt nachvollziehbar machen.
Ebola Village übernimmt viele sichtbare Bestandteile dieser Formel – versteht aber häufig nicht deren Funktion. Wer also nach einem ernsthaften Resident-Evil-Ersatz sucht, sollte seine Erwartungen deutlich nach unten korrigieren. Wer dagegen Freude an kuriosen Independent-Produktionen, unfreiwillig komischen Cutscenes und reichlich Fremdscham hat, könnte hier zumindest einen gewissen Unterhaltungswert entdecken.
Als Horror-Erlebnis bleibt Ebola Village schwach. Als unfreiwillige Trash-Komödie entwickelt es dagegen stellenweise erstaunliche Qualitäten. Und vielleicht ist das am Ende sogar seine größte Leistung: Nach einer Runde Ebola Village weiß man Resident Evil definitiv wieder mehr zu schätzen.
