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| Marc Heiland | Konsolen

AceCombatBild1Es gibt Spiele, bei denen man nach wenigen Minuten das Gefühl bekommt, etwas Besonderes zu erleben. Ace Combat 8: Wings of Theve gehört definitiv dazu. Kaum sitzt man im Cockpit, wird aus dem heimischen Wohnzimmer plötzlich der Platz hinter dem Steuer eines modernen Kampfjets. Triebwerke heulen auf, die Maschine beschleunigt, Wolken ziehen mit irrsinniger Geschwindigkeit vorbei und irgendwo auf dem Radar wartet bereits das nächste feindliche Ziel.

Wer allerdings eine realistische Flugsimulation erwartet, liegt bei der neuesten Episode der traditionsreichen Reihe falsch. Ace Combat 8 will kein zweites „Microsoft Flight Simulator“ sein. Stattdessen verbindet Entwickler Project Aces zugängliche Flugmechanik mit bombastischer Action, spektakulären Manövern und Missionen, die regelmäßig deutlich größer ausfallen, als man es von einem klassischen Luftkampfspiel erwarten würde.

Und genau diese Mischung funktioniert erstaunlich gut. Die Xbox-Version macht es dabei besonders leicht, unmittelbar ins Geschehen einzusteigen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase geht es mit mehreren tausend Stundenkilometern durch die Lüfte – und das fühlt sich tatsächlich so spektakulär an, wie es klingt.

Das Cockpit als Mittelpunkt des Erlebnisses

Schon die ersten Flugminuten machen deutlich, wo eine der größten Stärken von Wings of Theve liegt: in seiner Präsentation.

Ob aus der Cockpit-Perspektive oder aus der Außenansicht – die Jets sehen hervorragend aus und vermitteln jederzeit den Eindruck gewaltiger technischer Maschinen. Besonders aus der Ego-Perspektive entsteht ein erstaunlich intensives Fluggefühl. Instrumente und Anzeigen flimmern vor den Augen, Warnsignale ertönen, Raketen nähern sich und gleichzeitig muss man die eigene Maschine kontrollieren.

Wer mit hoher Geschwindigkeit knapp an Felswänden vorbeischießt oder zwischen Hochhäusern hindurchmanövriert, bekommt schnell ein Gefühl dafür, wie viel Tempo tatsächlich in dieser Spielmechanik steckt.

Dazu kommt eine ausgesprochen wuchtige Soundkulisse. Triebwerke, Raketen, Bordkanonen, Explosionen und Funkverkehr ergeben zusammen einen akustischen Dauerangriff, der hervorragend zur Inszenierung passt. Wenn die Maschine durch eine Wolkendecke bricht und plötzlich ein gigantisches Transportflugzeug vor der Nase auftaucht, entwickelt das Spiel eine audiovisuelle Wucht, die regelmäßig für Gänsehautmomente sorgt.

Kein Flugsimulator – und das ist gut so

Die Flugsteuerung ist dabei wesentlich zugänglicher als bei einer klassischen Simulation. Wer noch nie ein Ace Combat gespielt hat, benötigt keine lange Ausbildung und muss auch kein Luftfahrtexperte sein.

Das Spiel erklärt die grundlegenden Mechaniken Schritt für Schritt. Nach kurzer Zeit gelingt es problemlos, Gegner zu verfolgen, Raketen auszuweichen, eigene Waffen einzusetzen und die Maschine auch in hektischen Situationen unter Kontrolle zu behalten.

Dabei bleibt durchaus Raum für Können. Gerade wenn mehrere Gegner gleichzeitig angreifen, muss man die eigene Geschwindigkeit und Position im Auge behalten und darf nicht einfach blind auf den nächstbesten Gegner feuern. Wer geschickt fliegt, Raketen durch enge Kurven abschüttelt und den richtigen Moment für den Gegenangriff abpasst, wird entsprechend belohnt.

Ace Combat 8 findet hier eine sehr angenehme Balance: Der Einstieg ist unkompliziert, aber die späteren Missionen verlangen durchaus Aufmerksamkeit und Geschick.

Strangereal: Eine Welt, die ihre eigenen Regeln hat

Die Handlung spielt erneut im fiktiven Universum Strangereal. Wer die Serie kennt, wird mit zahlreichen politischen und geografischen Zusammenhängen vertraut sein. Neueinsteiger haben es dagegen deutlich schwerer.

Im Mittelpunkt steht der Kontinent Usea. Die Federation of Central Usea, kurz FCU, sieht sich mit einem Angriff der Republik Sotoa konfrontiert. Nach dem Tod des legendären Piloten Cope übernimmt unser Protagonist Rex dessen Identität und tritt der Joker-Staffel bei.

Das klingt zunächst nach einer klassischen Militärgeschichte. Tatsächlich entwickelt sich daraus ein durchaus komplexes Geflecht aus politischen Interessen, militärischen Operationen und verschiedenen Fraktionen.

Das Problem: Ace Combat 8 erklärt seine Welt nicht besonders gut.

Gerade am Anfang hatte ich häufig das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen. Wer kämpft eigentlich gegen wen? Welche Interessen verfolgen die einzelnen Parteien? Und warum sind bestimmte Ereignisse für die Handlung so wichtig?

Selbst mit Vorkenntnissen aus früheren Teilen ist die Geschichte nicht immer einfach zu verfolgen. Für komplette Neueinsteiger dürfte die Einstiegshürde entsprechend höher liegen.

Zwischen belanglosem Funkverkehr und großen Momenten

Dabei beginnt die Kampagne zunächst eher schleppend. Immer wieder wird man aus dem Cockpit geholt, um Dialoge und Zwischensequenzen über sich ergehen zu lassen.

Das wäre grundsätzlich kein Problem, wenn diese Szenen konsequent dazu beitragen würden, die Welt und ihre Figuren aufzubauen. Stattdessen drehen sich manche Gespräche zunächst um erstaunlich banale Dinge. Während ich eigentlich nur darauf gewartet habe, wieder abheben zu dürfen, unterhalten sich meine Kameraden beispielsweise über Essen oder andere Nebensächlichkeiten.

Hinzu kommen Quick-Time-Events, die sich in diesem Kontext etwas antiquiert anfühlen. Sie bringen für mich keinen echten Mehrwert und wirken eher wie ein Relikt aus einer anderen Ära des Spieldesigns.

Doch Durchhalten lohnt sich.

Nach einigen Stunden gewinnt die Handlung deutlich an Fahrt. Die Konflikte werden nachvollziehbarer, die Atmosphäre wird ernster und auch die eigenen Staffelkameraden wachsen einem zunehmend ans Herz.

Baxter, Tasha und Coster entwickeln sich von zunächst eher austauschbaren Funkstimmen zu Figuren, deren Schicksal mir tatsächlich nicht mehr egal war.

Funkverkehr ohne Ende

So gelungen die Kameraden als Charaktere funktionieren, so anstrengend kann allerdings die permanente Kommunikation werden.

Während der Missionen vergeht kaum eine längere Phase ohne Funkverkehr. Meine Staffel kommentiert Manöver, gibt Hinweise oder fordert neue Befehle an. Gleichzeitig melden sich die Kommandozentrale und gegnerische Einheiten zu Wort.

In hektischen Gefechten kann das durchaus problematisch werden. Wenn gleichzeitig mehrere Gegner auf mich zufliegen, Raketenwarnungen ertönen und ich gerade versuche, einen Angreifer abzuschütteln, brauche ich nicht unbedingt noch drei zusätzliche Gesprächsebenen im Hintergrund.

Die deutsche Lokalisierung beschränkt sich auf Texte und Untertitel. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Wer sämtliche Dialoge verstehen möchte, sollte deshalb Englisch beherrschen. Untertitel sind zwar vorhanden, während eines intensiven Luftkampfs aber kaum sinnvoll zu lesen.

Das richtige Flugzeug für den richtigen Job

Ein wesentlicher Bestandteil der Kampagne ist die Auswahl der eigenen Maschine.

Mit dem verdienten Geld lassen sich neue Flugzeuge und Verbesserungen freischalten. Und die Unterschiede sind durchaus relevant. Einige Jets überzeugen durch hohe Geschwindigkeit und Wendigkeit, andere sind besser geeignet, um Bodenziele oder schwer gepanzerte Einheiten auszuschalten.

Gerade später kann die Wahl des richtigen Flugzeugs über Erfolg oder Frust entscheiden.

Das Spiel verlangt deshalb durchaus ein wenig Vorbereitung. Wer mit einer ungeeigneten Maschine in eine Mission startet, kann sich das Leben unnötig schwer machen. Ein Neustart mit einem besser passenden Flugzeug kann anschließend einen enormen Unterschied machen.

Leider präsentiert Wings of Theve seine riesige Auswahl nicht immer besonders übersichtlich. Bei den zahlreichen Flugzeugbezeichnungen, Waffen und Verbesserungen fällt es nicht immer leicht, auf Anhieb zu erkennen, welches Upgrade tatsächlich sinnvoll ist.

Hier hätte ich mir ein stärker erklärendes Interface gewünscht.

Missiondesign auf höchstem Niveau

Wenn es einen Bereich gibt, in dem Ace Combat 8: Wings of Theve seine größten Qualitäten ausspielt, dann sind es die Missionen.

Das Spiel beschränkt sich eben nicht darauf, uns immer wieder dieselbe Aufgabe zu geben: Gegner suchen, Rakete abfeuern, nächster Gegner.

Stattdessen wechseln die Anforderungen teilweise drastisch.

Mal unterstütze ich Marineeinheiten, mal sichere ich Bodentruppen beim Angriff. Dann wieder trete ich gegen feindliche Elitepiloten an. In anderen Missionen geht es darum, bestimmte Ziele aus großen Verbänden herauszufiltern.

Und gelegentlich wird es vollkommen spektakulär.

Eine besonders eindrucksvolle Mission konfrontiert mich beispielsweise mit einem gigantischen Landkriegsschiff, das mit zerstörerischen Waffen eine Stadt bedroht. Um dieses Ungetüm überhaupt aufzuhalten, muss ich die Umgebung geschickt in meine Taktik einbeziehen und Gebäude zum Einsturz bringen.

Solche Momente sind typisch für Ace Combat. Das Spiel fragt nicht: „Wie realistisch wäre das?“, sondern vielmehr: „Wie können wir daraus eine möglichst spektakuläre Mission machen?“

Und meistens lautet die Antwort: ziemlich kreativ.

Vom Himmel bis zum Weltraumaufzug

Auch andere Missionen sorgen für Abwechslung.

An einer Stelle muss ich innerhalb einer zivilen Schiffsflotte nach verdächtigen Einheiten suchen. Später führt mich die Handlung in bergiges Terrain, wo ich meine Flughöhe sorgfältig kontrollieren muss, um einer gigantischen Laserwaffe zu entgehen.

Auch der bereits erwähnte Weltraumaufzug spielt eine Rolle. Die Welt von Strangereal erlaubt es den Entwicklern, mit Szenarien zu arbeiten, die weit über klassische Luftschlachten hinausgehen.

Genau deshalb fühlt sich die Kampagne trotz einer Spielzeit von ungefähr 20 Stunden erstaunlich abwechslungsreich an. Nicht jede Mission erreicht das Niveau der großen Höhepunkte, aber nur selten hatte ich das Gefühl, einfach dieselbe Aufgabe noch einmal zu erledigen.

Das ist eine bemerkenswerte Leistung, denn gerade bei Actionspielen mit einem klar definierten Kern-Gameplay droht irgendwann Wiederholung.

Hier gelingt es Project Aces dagegen immer wieder, neue Situationen zu schaffen.

AceCombatBild2Wenn der Jäger plötzlich zum Gejagten wird

Eine der stärksten Missionen setzt dabei sogar auf eine besonders interessante Umkehrung des gewohnten Spielprinzips.

Statt mit dem modernsten Kampfjet durch die Lüfte zu rasen, wird man in eine ältere Maschine gesetzt. Plötzlich ist man nicht mehr der überlegene Jäger, sondern muss selbst ums Überleben kämpfen.

Solche Situationen funktionieren deshalb so gut, weil sie die gewohnte Spielroutine bewusst aufbrechen.

Genau darin liegt die Stärke der Kampagne: Ace Combat 8 versteht, dass spektakuläre Luftkämpfe allein irgendwann nicht mehr ausreichen.

Das Spiel variiert deshalb regelmäßig Geschwindigkeit, Gegner, Umgebung und Missionsziele.

Der Schwierigkeitsgrad zieht an

Wer zunächst entspannt durch die ersten Missionen fliegt, sollte sich allerdings nicht zu früh in Sicherheit wiegen.

Im späteren Verlauf steigt der Anspruch deutlich. Plötzlich reicht es nicht mehr, einfach möglichst viele Gegner abzuschießen. Die richtige Maschine, die passende Bewaffnung und ein gutes Verständnis der jeweiligen Missionsziele werden wichtiger.

Das ist grundsätzlich gelungen, denn dadurch bekommt das Fortschrittssystem eine echte Bedeutung.

Allerdings kann die etwas unübersichtliche Präsentation der Upgrades hier zum Stolperstein werden. Wer nicht genau weiß, welche Eigenschaften eine Verbesserung beeinflusst oder welches Flugzeug für einen bestimmten Auftrag besonders geeignet ist, muss teilweise ausprobieren.

Das gehört zwar zum Lernprozess, könnte aber besser erklärt werden.

Und was ist mit dem Multiplayer?

Neben der Kampagne bietet Ace Combat 8 natürlich auch Mehrspieler-Inhalte.

Hier fällt allerdings schnell auf, dass die Benutzerführung nicht mit der Qualität der eigentlichen Luftkämpfe mithalten kann. Eine Art Flugstützpunkt dient als zentraler Ausgangspunkt für verschiedene Modi und Missionen.

Das klingt zunächst interessant, wirkt in der Praxis aber unnötig verschachtelt. Statt schnell in einen Multiplayer-Modus zu springen, muss man sich zunächst durch Menüs und den Hub orientieren.

Auch die Mehrspieler-Missionen konnten mich im Test nicht so sehr begeistern wie die Kampagne.

Das ist schade, denn die hervorragende Flugmechanik hätte durchaus das Potenzial für einen noch stärkeren Multiplayer-Unterbau.

Technik, Atmosphäre und Geschwindigkeit

Technisch gehört Ace Combat 8: Wings of Theve für mich zu den überzeugenderen Vertretern seines Genres.

Besonders beeindruckend ist das Zusammenspiel verschiedener Effekte. Wolken ziehen über das Cockpit hinweg, Wasser sammelt sich auf der Scheibe, Explosionen erhellen den Himmel und riesige Flugzeuge oder Kriegsschiffe wirken inmitten der Landschaft beeindruckend groß.

Hinzu kommt die Geschwindigkeit.

Wenn man mit einem modernen Kampfjet dicht über dem Boden hinwegschießt, kurz darauf eine Kurve einleitet und anschließend zwischen Wolkenkratzern hindurchfliegt, entsteht ein sehr unmittelbares Geschwindigkeitsgefühl.

Genau dieses Gefühl ist letztlich das Herzstück von Ace Combat 8.

Ein Achterbahnritt mit Flügeln

Wer eine militärische Simulation sucht, wird mit dem Spiel wahrscheinlich nicht glücklich. Realismus steht eindeutig nicht im Mittelpunkt.

Wer dagegen schon immer davon geträumt hat, einen Kampfjet zu fliegen, ohne dafür mehrere Jahre Ausbildung absolvieren zu müssen, bekommt hier ein ausgesprochen unterhaltsames Gesamtpaket.

Die Kampagne lebt von ihrer Mischung aus Zugänglichkeit, spektakulärer Inszenierung und ständig neuen Herausforderungen. Die Flugmechanik funktioniert hervorragend, die Missionen überraschen immer wieder und die audiovisuelle Präsentation sorgt regelmäßig für echtes Mittendrin-Gefühl.

Die Geschichte hätte dagegen deutlich mehr Feinschliff vertragen. Der Einstieg ist unnötig verwirrend, die Welt wird nur unzureichend erklärt und einige Dialoge bremsen das Tempo eher aus, als dass sie die Handlung voranbringen. Auch die Quick-Time-Events wirken überflüssig.

Sobald man jedoch wieder im Cockpit sitzt, sind diese Schwächen erstaunlich schnell vergessen.

Fazit: Anschnallen und abheben

Ace Combat 8: Wings of Theve ist kein realistischer Flugsimulator und möchte auch keiner sein. Stattdessen liefert Project Aces eine äußerst zugängliche und spektakulär inszenierte Mischung aus Arcade-Flugaction, Militärdrama und bombastischem Missionsdesign.

Die Kampagne ist das große Highlight. Kaum ein Auftrag fühlt sich exakt wie der vorherige an und gerade die späteren Missionen zeigen eindrucksvoll, wie viel Kreativität in dem Konzept steckt.

Dazu kommen hervorragende Flugzeuge, umfangreiche Aufrüstmöglichkeiten, eine beeindruckende technische Präsentation und ein Sounddesign, das gerade mit Kopfhörern oder einer guten Anlage seine volle Wirkung entfaltet.

Auf der Minusseite stehen eine zunächst schwer verständliche Geschichte, zu viel Funkverkehr, eine fehlende deutsche Synchronisation, das teilweise unübersichtliche Upgrade-8System und ein Multiplayer-Bereich, der komplizierter wirkt, als er sein müsste.

Trotzdem bleibt am Ende vor allem eines hängen: der Spaß am Fliegen.

Wenn der Jet mit Höchstgeschwindigkeit durch eine Wolkendecke schießt, eine Raketenwarnung ertönt und wenige Sekunden später ein gigantischer Gegner vor dem eigenen Fadenkreuz auftaucht, zeigt Ace Combat 8 genau, warum diese Serie seit Jahren funktioniert.

Für Xbox-Spieler, die spektakuläre Luftkämpfe mögen und dabei lieber Action als knallharten Simulationsrealismus suchen, ist Wings of Theve deshalb eine klare Empfehlung.

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