HITSTER: Flying Mic im Test – Wenn der nächste Hit durch die Luft fliegt
HITSTER gehört inzwischen zu den Partyspielen, bei denen man eigentlich nur den Namen nennen muss und sofort wissen die meisten, worum es geht: Musik an, Song erkennen, Erscheinungsjahr schätzen und die Karte möglichst clever in der eigenen Timeline platzieren. Das funktioniert erstaunlich gut – und hat bereits zahlreiche Varianten hervorgebracht.
Mit HITSTER: Flying Mic geht der Verlag nun einen Schritt weiter. Denn diesmal reicht es nicht, einen Song zu erkennen. Man muss auch schnell genug sein. Sobald die ersten Takte erklingen, heißt es: Mikrofon schnappen, Herausforderung lösen und anschließend beweisen, dass man den Song auch zeitlich richtig einordnen kann.
Wir haben das fliegende Mikrofon für euch auf den Tisch gestellt und ausprobiert, ob aus dem bewährten Musikspiel tatsächlich ein noch besseres Partyspiel wird.
HITSTER – aber mit deutlich mehr Bewegung
Das Grundprinzip von HITSTER muss man inzwischen kaum noch erklären. Eine Karte wird über die HITSTER-App gescannt, der zugehörige Song läuft und die Spieler versuchen herauszufinden, aus welchem Jahr er stammt. Anschließend muss die Karte an der richtigen Stelle in der eigenen musikalischen Zeitreise landen.
Bei Flying Mic bleibt genau dieses Prinzip erhalten – bekommt aber einen ziemlich unterhaltsamen Zwischenstopp.
Gespielt wird in zwei Teams. Aus jedem Team tritt pro Runde ein Spieler an. Sobald der Song läuft und jemand glaubt, ihn erkannt zu haben, wird der Knopf am Sockel gedrückt. Das Mikrofon springt nach oben und beide Spieler versuchen, es zu fangen. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Ist es aber nicht.
Denn plötzlich sitzen nicht mehr alle gemütlich am Tisch und diskutieren über einen Song. Stattdessen heißt es: Hören. Erkennen. Reagieren. Zugreifen. Und spätestens beim ersten Flug des Mikrofons ist die Aufmerksamkeit am Tisch schlagartig eine andere.
Ein Musikquiz mit Reflexen
Genau diese Kombination macht Flying Mic interessant.
Beim klassischen HITSTER kann man einen Song durchaus erst einmal ein paar Sekunden auf sich wirken lassen. Bei der neuen Variante kann das ein Fehler sein. Wer zu lange wartet, überlässt seinem Gegenüber möglicherweise die Karte.
Dabei muss man nicht einmal hundertprozentig sicher sein. Manchmal reicht ein „Das könnte doch … sein!“ und schon geht die Hand zum Knopf. Das führt zu einem schönen Dilemma: Spiele ich sicher oder gehe ich ins Risiko?
Denn das Mikrofon zu fangen bedeutet noch lange nicht, dass man die Karte bekommt.
Vier Farben entscheiden über das Schicksal der Karte
Nach dem Fang zeigt das Mikrofon durch seine Farbe an, welche Herausforderung das erfolgreiche Team bewältigen muss. Bei Pink wird der Songtitel verlangt. Blau fragt nach dem Künstler beziehungsweise der Gruppe.
Bei Grün muss entschieden werden, ob der Song von einem Solokünstler oder einer Gruppe stammt. Gerade bei Kollaborationen und Duetten kann diese Aufgabe überraschend knifflig werden.
Und dann wäre da noch Gelb. Hier darf gesungen oder gesummt werden.
Was auf dem Papier nach einer netten Zusatzregel klingt, entwickelt sich in der Praxis schnell zum Stimmungsgarant. Ein Spieler muss eine erkennbare Textpassage singen oder alternativ ungefähr fünf Sekunden lang die Melodie summen. Ob das tatsächlich erkennbar war, entscheidet das gegnerische Team.
Fair? Nicht immer.
Lustig? Fast immer.
Wenn aus Musikkenntnis plötzlich Mut wird
Besonders gut gefällt uns, dass die vier Aufgaben unterschiedliche Fähigkeiten ansprechen.
Wer Titel und Interpreten aus dem Effeff kennt, ist bei Pink und Blau im Vorteil. Wer aufmerksam zuhört, kann bei Grün punkten. Und wer kein Problem damit hat, vor den anderen mitzusingen oder einen Song zu summen, bekommt bei Gelb seine große Bühne. Dadurch kann nicht automatisch der größte Musik-Nerd jede Runde dominieren. Und das ist wichtig, denn genau dadurch bleibt das Spiel spannend.
Natürlich bleibt Musikwissen die Grundlage. Schließlich muss am Ende jede gewonnene Karte noch an die richtige Stelle der Timeline gelegt werden. Wer also glaubt, ein Song stamme aus den frühen 2000ern, obwohl er tatsächlich zehn Jahre älter ist, kann trotz gewonnener Mikrofonrunde leer ausgehen.
Der klassische HITSTER-Moment bleibt erhalten
Nach der Herausforderung kommt deshalb der Teil, den Fans der Reihe kennen.
Die Karte wird an die Stelle gelegt, an der man den Song zeitlich vermutet – vor, hinter oder zwischen den bereits ausliegenden Karten. Erst anschließend wird das Erscheinungsjahr aufgedeckt.
Und hier zeigt sich einmal mehr, wie trügerisch unser musikalisches Gedächtnis sein kann.
Songs begleiten uns teilweise über Jahrzehnte. Dass wir sie kennen, bedeutet aber noch lange nicht, dass wir wissen, wann sie veröffentlicht wurden.
Genau diese Mischung aus Sicherheit und Zweifel ist eine der großen Stärken des HITSTER-Prinzips. Flying Mic setzt davor lediglich noch eine ordentliche Portion Adrenalin.
Material: klein, aber wirkungsvoll
Im Karton befinden sich 225 Musikkarten, das Mikrofon samt Sockel, zwei Reveal-Hüllen und die Möglichkeit, das Spiel über die kostenlose HITSTER-App mit Musik zu versorgen.
Das Highlight ist natürlich das Mikrofon. Es ist nicht einfach nur ein dekoratives Gimmick, sondern tatsächlich die zentrale neue Spielmechanik.
Die Reveal-Hüllen erfüllen dabei eine praktische Funktion: Sie verhindern, dass man beim Umgang mit der Karte versehentlich das Erscheinungsjahr sieht.
Ein kleiner, aber wichtiger Hinweis aus der Praxis: Beim Verstauen sollte darauf geachtet werden, dass die Feder des Mikrofons nicht dauerhaft zusammengedrückt wird. Schließlich soll das gute Stück auch nach vielen Partyrunden noch zuverlässig nach oben schießen.
Die Sache mit der App
Wie bei HITSTER üblich, läuft die Musik über die App. Die Karten werden gescannt und der entsprechende Song gestartet. Je nach Streaming-Konto stehen unterschiedliche Wiedergabeoptionen zur Verfügung. Ohne beziehungsweise mit einem kostenlosen Konto gibt es kurze Ausschnitte. Mit einem kostenpflichtigen Konto kann je nach Einstellung auch der komplette Song abgespielt werden.
Das Smartphone lässt sich dabei entweder über den Gyrosensor oder einen kurzen Countdown bedienen.
Die App funktioniert dabei angenehm unkompliziert. Wer die Karte kontrollieren möchte, bekommt Titel und Künstler angezeigt, ohne zwingend das Erscheinungsjahr vorab zu sehen.
Das macht die digitale Komponente angenehm zurückhaltend: Sie ist notwendig, drängt sich aber nicht permanent in den Mittelpunkt.
Partyspiel statt Grübelrunde
Unser Eindruck nach mehreren Runden: Flying Mic fühlt sich deutlich aktiver an als das klassische HITSTER.
Das liegt nicht unbedingt daran, dass die Regeln komplizierter wären. Im Gegenteil. Das Spielprinzip ist schnell erklärt. Der Unterschied liegt in der Dynamik.
Während bei einer klassischen Runde möglicherweise diskutiert wird, ob ein Song nun eher 1987 oder 1991 erschienen ist, kann bei Flying Mic bereits das nächste Mikrofon durch die Gegend fliegen.
Dadurch entsteht eine ganz eigene Atmosphäre. Man hört automatisch konzentrierter zu, reagiert schneller und fiebert auch bei den Runden der anderen mit. Und wenn jemand beim gelben Feld plötzlich den Refrain eines bekannten Songs völlig falsch summt, ist das sowieso wichtiger als jede Jahreszahl.
Teamwork mit eingebautem Chaosfaktor
Mit zwei bis zehn Spielern richtet sich Flying Mic klar an gesellige Runden. Die Aufteilung in zwei Teams funktioniert dabei hervorragend. Denn derjenige, der das Mikrofon fängt, muss nicht zwingend derjenige sein, der die Antwort weiß. Gerade bei der Sing- und Summaufgabe wird das Team eingebunden. Das sorgt für eine angenehme Mischung aus Wettbewerb und gemeinsamer Unterhaltung.
Allerdings sollte man sich nichts vormachen: Flying Mic ist kein Spiel für Menschen, die beim Partyspiel absolute Tischruhe erwarten. Das Mikrofon fliegt, die Spieler rufen Antworten, diskutieren über Songs und entscheiden darüber, ob die Gesangseinlage des Gegners wirklich als „erkennbar“ durchgeht. Genau das soll aber auch so sein.
Unser Fazit: Mehr HITSTER, mehr Action
HITSTER: Flying Mic gelingt etwas, das bei erfolgreichen Spielreihen keineswegs selbstverständlich ist: Es verändert das bekannte Konzept, ohne dessen Kern zu zerstören. Die musikalische Timeline bleibt erhalten. Die Songs bleiben das Herzstück. Auch das Einschätzen der Erscheinungsjahre ist weiterhin entscheidend.
Neu ist lediglich die spannende Frage: Wer reagiert zuerst – und wer bekommt das Mikrofon?
Dadurch wird HITSTER schneller, lauter und körperlicher. Die vier Herausforderungen bringen zusätzliche Abwechslung und sorgen insbesondere mit der Sing- und Summaufgabe für einige sehr unterhaltsame Momente.
Wer das klassische HITSTER bereits besitzt, bekommt mit Flying Mic keine bloße Neuauflage, sondern tatsächlich eine Variante mit eigenem Charakter. Und wer bisher noch keinen Kontakt mit der Reihe hatte, findet hier einen ausgesprochen zugänglichen Einstieg in die Welt der musikalischen Partyspiele.
Unser persönliches Highlight bleibt dabei ganz klar das Mikrofon. Nicht, weil die Mechanik besonders kompliziert wäre, sondern weil sie genau das schafft, was ein gutes Partyspiel schaffen sollte:
Alle schauen plötzlich gespannt auf die Tischmitte. Und sobald das Mikrofon nach oben springt, ist es mit der gemütlichen Musikrunde vorbei.
Bewertung
Spielidee: ★★★★★
Spielspaß: ★★★★★
Material: ★★★★☆
Wiederspielwert: ★★★★★
Partyfaktor: ★★★★★
9 von 10 Punkten
HITSTER: Flying Mic ist eine gelungene Weiterentwicklung des bekannten Musikspiels. Schnell, unkompliziert, musikalisch und mit genau der richtigen Portion Chaos. Wer HITSTER mag und sich etwas mehr Action wünscht, sollte dem fliegenden Mikrofon definitiv eine Chance geben.
Auf einen Blick
Spiel: HITSTER: Flying Mic
Spieler: 2–10
Alter: ab 16 Jahren
Spieldauer: ca. 30 Minuten
Genre: Musik- & Partyspiel
Karten: 225 Musikkarten
Besonderheit: Mikrofon mit farbabhängigen Herausforderungen
Herausforderungen: Songtitel, Interpret, Gruppe/Solo, Singen/Summen
App: HITSTER-App
Teams: 2 Teams
Spielziel: Als erstes Team 8 Songs korrekt in die Timeline einordnen
Kombinierbar: Ja, mit anderen HITSTER-Editionen
